Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 7 (18.2.1937)
- Date
- 1937-02-18
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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18. Februar 1937 Von* ■'=; Deutsches Reich. # Delegierteiitag1 der Unabhängigen MiSracbiorganisation in Deutschland. * Berlin, 15. Febr. Die Unabhängige Misrachilandes- Organisation in Deutschland hielt am 14. Februar in Berlin ihren D e 1 e gi e r t.e n t a g ab. In einer vorangehenden Kundgebung in der Synagoge Münchnerstraße' sprachen Rabbiner Dr. Harry L e v y und Rabbiner Dr. A. A l t m a n n, 'Beide Redner .erörterten, die Stellung des MisracHi innerhalb der zionistischen Bewegung. Herr "ß.-!Ä. Drr Paul Sulzb e r g e r sprach über die „Stellung des Misrachi zur Galutharbeit". Er drückte u. a. die Hoffnung aus, daß die Rabbiner ihre halachischen Entscheidungen so treffen, daß den' heutigen Bedürfnissen Rechnung ge* , , •-•;: ' - i tragen, wird. ' ,! . ' / Die Tagungr selbst begann mit Nachrufen für die Opfer der Unruhenin Palästina, für Oberrabbiner Kuk und Nachüm Sokölow, worauf Dr. Franz Meyer im Nameri'rder. R e'i c'hs v e ft r e.t un g die Konjfe-" renz begrüßte. Mit einer weiteren Begründung schloß sich Dr. Alfred Klee an. ' \ Da® erst^'ReWaV hielt Herir' - Rä'b'bifle'i' 'Dr. Jacob Hoff mann über die Stellung 'der M isr a ch i s - ten 'in Deutschland zum G e sä m't'm i.s - rachi. Er stellte fest, daß die Luzerner Zusagen in religiösen Dingen nicht gehalten ^u.r<xe"n.. Redher empfiehlt eine Fühlungnahme mit "dem Gesämtips: rachi zum gemeinsamen' Vörgeheri besonders "in f<aligiös-kültu'relleri Fragen, jedoch vorerst ^ohne jede organisatorische Bindung. Er hofft; daß die "König!.' Kommission,in Sachen des; ÄufbausPaläsjinasi nicht das letzte Wort haben wird. Die Sjphekelaktion müsse dazu führeriv daß der nächste Kongreß eine eindrucksvolle 'Kundgebung jüdischer Kraft'f werde. Ueber das Verhältnis des deutschen'Misrachi zur ZVfD, sprach R.=A. Dr. Paul Sulzberger. Er kann ein gutes Verhältniszwischen dem': Misrachi .in Deutschland und der " allgemein-zionistischen Lahdesorganisation konstatieren. Mit . der nichtzionistischen Gemeindeorthodoxie sei Misrachi durch den Klall-Jis«i roelgedanken verbunden. - Auch zur Zusammenarbeit mitderAguda sei der Misrachi gern bereit, unter der Voraussetzung, daß .seinen Menschen gleiche Achtung entgegengebracht werde. Als Ergebnis einer längeren Generaldebatte bezeichnete Rabbiner Dr. Höf f mann das einmütige Eintreten der Konferenz für Realpolitik gegenüber einer Politik, edler Träume. . 'Im Ganzen stellte jjch die Konferenz einmütig hinter Weizanann. Am Nachmittag spräbh Rudi Herz über die Ar* beit des Brith C h,a.l uz i D a t i i m und,die. Sied-, lungsarbeit des Hap o e t Ha mi st a c-h-i in; Palästina, Bezirksrabbiner Dr. L a up h ei m e r zeigte/ Wege zür, Stärkung der Organisation!1 E:^ Ml.chael's, Hamburg, berichtete über .die Arbeit des K-e jj, ren T h o.r a- W e a w od a in Deutschland, v. " A. Es werden' die'1 Wählern yörg€*ömmen'.n'Ein Z'e n - t r a l k ö'niH't e/e\ wird 'lint'er Raobiner Di-': Hoffmann* die führenden Misrachisten im Reiche umfassen. Das Präsidium des Misrachi in Deutschland setzt sich zusammen aus den Herren: Rabbiner Dr, Hoffmann, Dr. Grünberg und-Dr.' Sukb'erger. Äiis den Gemeinden.. , ■ ..: . M ünch en^; 9: Febr.-. In Bad Kissing e n, wo 1925 450 Jtiden -wohnen, /gab' es 1933; rioct '320;;kmi 1. Januar 1937 'nur noch 160 Juden. In vier Jahren ist die Zahl der... Juden jalsoyufci die Hälfte, gesunken und beträgt nur noch 35 Proz. der Ziffer von 1925. Im tJahre 1936^ sind 40' Personen fortgezogeriy zugezogen" ist :niemandirt Die Winterhilf« unterstützt 20 Personen. " * D e r I s r a e 1 i tN___ - München, 12. Febr. Die Jüdische Gemeinde in Kaiserslautern zählte ' am '1. Januar 1937 451 Personen, von denen 21 Proz. von der-Jüdischen Winterhilfe unterstützt werden. Im Jahre 1933 betrug die Seelenzahl der Gemeinde 669. * * ,,. ■• ♦ ' Die Woche- Berlin. Der Vorstand' der Jüdischen Gemeinde zu Berlin hat sich in seiner letzten Sitzung konstituiert. Zürn Gemeinde^ Vorsitzenden wurde Herr Direktor Heinrich Stahl, zum ersten. stellvertretenden Vorsitzenden Herr Direktor Georg Kareski und zum zweiten stellvertretenden Vorsitzenden Herr Moritz Rosenthal gewählt, — Das 'Berliner Jüdische Museum veranstaltet zusammen mit der Wirtschafts* hilfe (Abt. Künstlerhilfe) der Jüdischen Gemeinde und dem Reichsverband der Jüdi= ' sehen Kulturbünde (Sekretariat für bildende Kunst) im April eine A-uss t e 1 I ii n g von ' Werken der Plastik, der Malerei und der graphischen Künste, in * der neben Themen allgemeinen. Inhalts Werke mit jüdischen Motiven erwünscht sind. Wien- Der in Wien verstorbene .bekannte Sammler Max Portheim, der einer Frankistenfamilie entstammte, hat eine Bibliothek hinterlassen, die 20.000? Werke, darunter zahlreiche jüdisch.e Quellenwerke und Dokumente. aus dem, 18. Jahrhundert, umfaßt. Der von .Port- ., Heim angelegtePersonalkatalög von 350.000 Personen enthält die Namen vieler jüdischen Persönlichkeiten aus der ' Josephini- 1; sehen Zeit. —.., Ittj einer. Sitzung der Gesell1 Schaft der Aerzte berichtete derjüdische Chirurg Dozent' Dr. Felix Mandl über eine bahnbrechende Methode zur Behandlung dergefürchteten Schultergelenkverrenkungen und Kreuzbandyerletzung des Kniegelenkes. Statt der bisher schweren Operatibfien bei diesen Erkrankungen, die bei 50 Prozent der Fälle mit Komplikationen verbunden waren, fand Dr. Mandl eine hundertprozentige Heilung durch Anwendung - von Eigenblütinjektionen in die erkrankten -Gelenke. Diese neue Methode hat sich be- . reit® in Wiener Spitälern glänzend bewährt. Amsterdam. Deh Provinzialrat von Amsterdam ,hat den früheren. Direktor des Instituts für Pflanzenkrankheiten in Buitenzorg (Holländisch-Ostindien), Dr. S. Leefmans, : einen Juden, als Dozenten für Entomologie (Lehre von den tierischen Schädlingen) .an die Städtische Universität Amsterdam berufen.- Rom. Der junge jüdischen Maler Aronne d e 1 Vecchio, der sich in italienischen-Kunstkrei&eln bereits einen angesehenen Namen erworben hat, hat soeben ein Bildnis des italienischen Königs Viktor Emanuel fertiggestellt. . Der König hat dem Künstler die Anerkennung für das sehr gelungene Werk ausgesprochen. London. Oberrabbiner Dr. Isaac Herzog, Jerusalem, ist in London eingetroffen. Er reist am Donnerstag nach Dublin weiter. Iii einem Gespräch mit einem Vertreter, der ITA. erklärte Oberrab- : biner Dr! Herzog,'er höffe, zu Pessach wieder in" Palästina sein zu: können. JeruSaletn. Es verlautet, daß der näcjiste Zionistenkon- '^reß am 24. September 1937 in Zürich eröffnet -Vierden soll. — Der Mufti von Jerti-; "salem, Hädsch Emin el rlusseini,-hat sich m :I.Begleitung einiger arabischer Notabein nach , M ek'lc a begeben. Den arabischen Zeitun- , gen zufolge beabsichtigt der Mufti seine Anwesenheit in Mekkä^ dazu auszunützen, um eine starke mohammedanische Bewegung in Arabien und" Indien gegen , England und gegen die Juden zu entfachen. New York. Hier wurde ein Komitee zur Errichtung eines Denkmals, für den im vergangenen Jahre " verstorbenen bekannten1, jüdischen Schriftsteller' und' Journalisten und' ehemaligen Gesandten Amerikas in Albanien, Hermann! 'B e r n> t e i n, gegründet'. : i 1; : K,o!U, 11. Febr.. Aus dem>> Verwaltüngsbericht der Synagögenge* meilrde Kö'Inr ist" zu en^Hehm'en, daß im Jahre 1936 die Gemeinde um 1004 Personen isich' vermindert ha,t. ■Es «rgibt sich ein Abwänderungsüberschuß von; 815 Personen; und zwar sind; 1234 Persönen (496 Männer __ .... .Nr. 7 Seite 7 und 738 Frauen) in die Gemeinde zugezogen und 2049 (1015 Männer und 1034 Frauen) fortgezogen. Durch Sterbeüberschuß hat die Gemeinde 132 Personen verloren. 49 Geburten stehen 181 Sterbefällen gegenüber. Ausgetreten sind 74 Personen, in .die Gemeinde wieder eingetreten .17 Personen. >. Im Vergleich zum Vorjahr ergibt sich eine Vergrößerung der Wanderungsbewegung: im Jahre 1935 gab es nur 1209 Zugänge und 1709 Abgänge. Wie in den meisten Fällen 'der bisher bekannt gewordenen Statistiken für die Wanderungsbewegung in den jüdischen Gemeinden sind im Jahre 1936 mehr Frauen als Männer in die Synagogengemeinde Köln zugezogen. Dagegen hält sich die Zahl der Männer und Frauen, die fortgezogen sind, mit 1015 bezw. 1034 ungefähr das Gleichgewicht. Innerhalb Deutschlands sind 740 Persoüen verzogen'; ins europäische Ausland sind 335 abgewandert, nach Uebersee ausgewandert 245, nach Palästina 189; mit unbekanntem Ziele sind 540 verzogen. Der Ueberalterungsprozeß in der Gemeinde ist auch im Jahre 1936 fortgeschritten.-21,17 Proz. der Gemeindeangehörigen waren unter 18 Jahren, 48,27 Proz. zwischen 18 und 50 Jahren, 30,56 Proz. über 50 Jahre. Die entsprechenden Ziffern für das Jahr 1934 stellen sich auf 22,3; Proz,, 49,9 Proz. und 27,8 Proz. Es, zeigt sich, daß in dem angegebenen Zeitraum von. zwei Jahren die Zahl der Personen über 60 von 13,5 auf 15,5 Proz. gestiegen ist. Auch der Anteil der weiblichen Personen ist gestiegen. 1936 gab es 47,4 Proz. Männer^ dagegen 52,6 Proz. Frauen in der Gremeinde, 1935t.,-waren die entsprechenden Ziffern 48,5 und 51,5 Proz. In der Gemeinde wurden 62 Trauungen vollzögen gegenüber 48 im. Jahre 1935. — Die •Gemeinde zählte ' Ende 1936 13.900; 1933 noch 18.280 Seele*. Saarbrücken, 11. Febr. Von den etwa 950 Juden im Saarland sind nach einer Aufstellung im „Nachrichtenblatt der Synagogengemeinde des Saarlandes" '9 Angehörige freier Berufe, was einem prozentualen Anteil von 34 Proz. entspricht. Selbständige Kaufleute sind 16 Personen oder 5,5 Proz,, selbständige Vertreter 60 oder 20,7 Proz. Als Händler bezeichnen sich 108 oder 37,24 Proz., als Handwerker 9 oder 3,1 Proz. Angestellte sind 19 oder 3,45 Proz. Die Zahl der Erwerbslosen beträgt 78 oder 26,89 Proz. Die mitgeteilten Zahlen entsprechen dem Stande vom 15. Januar 1937. Sie sind jedoch durch Abwanderung, Berufsumschichtung und Zunahme der Händlers und Hausierertätigkeit auf Kosten der selbständigen Berufe dauernden Veränderungen unterworfen. Die außergewöhnllclj hohe Zähl der Erwerbslosen macht die große Inanspruchnahme der saarländischen Gemeinden, durch Wohlfahrtslasten deutlich. Die saarländischen Synagogengememden ( Merzig und Neunkirchen, die einst bedeutende Gemeinden waren, sind heute fast gänzlich. aufgelöst. Nur noch einige Mitglieder sind zurückgeblieben. Dank der finanziellen -Hilfe des Preußischen Landesverbandes jüdischer':Gemeindenitann.die Gemeinde Illingen, die < ' zur zweitgrößten Gemeinde im Saarland5 geworden ist, ihren . Käiltpr und Lehrer weiter behalten. Die Gemeinde ,befreut die Juden in den' ÖrterMerch^. Weiler, St. Wendel, Ottweiler und Neunkirchen. Der Anschluß der Gemeinden Merzig und Neunkirchen ist beschlossen worden und bedarf nur noch der benördlichen Genehmigung. Der Anschluß anderer Gemeinden an die Gemeinde Illingeni wird erstrebt.. - Der Handel mit Juden. .'; '' Berlin, 9. Febr. Das' ^Reutlinger Tageblatt" meldet, daß in Bietigheim (Württemberg) VjOm Bürgermeister im Einyer* ständnis mit den Beigeordnfeten und Ratsherrn ver-' fügt worden ist, daß in'Zukunft zu den1 Viehmärkten inj Bietigheim Juden keinen Zutritt mehr.haben und Vieh yon jüdischen Händlernvom Viehmarkt aufgeschlossen ist.- . . V .