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Der Israelit · 1937-02-18 · Heft 7 (18.2.1937) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 7 (18.2.1937)
Date
1937-02-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seit© 4 Nr. 7 Der Israelit 18. Februar 1937 "I Kein jüdisches Haus ohne die KEREN HATORAH Sammeldose! j ■ - « ■ --. -, B i 11 e D 6 s e n bei der Zentrale anfordern.- Harn burq 13, Heinrich ü a r \ r att e 2 1 Schaden für ihren Bestand auch den Vertreter einer jüdischen extremen Gruppe anhören dürfen. Seine Maximalforderungen sind uns allen ein Ziel, sehnlich zu er wünschen; daß sie aber nicht im Namen der jüdischen Nation erhoben wurden, muß nicht erst gesagt werden. Etwas bedenklicher finden wir, daß die Scharen Jabotinskys, vielleicht ohne Wissen und Willen ihres Führers sich auch mit der Evakuierungspolitik in Polen identifizieren. Man erfährt, daß Dr. Wolf gang von W e i s 1 in Genf und Paris mit Vertretern Polens über die Evakuierungspläne verhandelt hat. Einem Wiener „ITA"-Vertreter teilt er mit, daß sich den Absichten und Wünschen Polens nun auch Rumänien anschließt. Sowohl in Genf wie in Bukarest habe er vollstes Verständnis für die neuzionistisehen Gedankengänge gefunden. Wenn hier die jüdischen Bestrebungen mit den außenpolitischen Interessen Polens und Rumäniens zusammenlaufen, so dürfe man nicht antijüdische oder antienglische Tendenzen dahinter suchen. Dr. von Weisl weiß als Politiker von Beruf, daß ein jüdischer Staat mit zwei Millionen Juden und anderthalb Millionen Arabern beiderseits des Jordans als siebentes Dominion innerhalb des britischen Imperiums — ein Traum, der in den nächsten zehn Jahren in Erfüllung gehen muß — für die englischen Interessen im Orient die allerbeste Lösung wäre. Von hier ab wird aber das Problem vollkommen umgebogen: ,,Die Kolonialkreise in England befürchten vielleicht, daß das jüdische Volk nicht imstande sei, in zehn Jahren ein solch großes Einwanderungskontingent zu stellen, darum wäre es gut, wenn Polen und Rumänien und vielleicht auch noch andere Staaten sich bereit erklärten, England die jüdischen Menschen in dieser großen Anzahl für Palästina zu liefern . . ." Bisher hörten wir stets das Gegenteil: Kein Mensch hat daran gezweifelt, in London so wenig wie in Genf, daß Ost- und Mitteleuropa bezüglich der Juden fast unbegrenzt transportfähig seien. Nicht am Angebot fehlt es bislang, sondern an der Nachfrage. Man macht sich in London und Jerusalem keine Sorgen darüber, daß zu wenig Juden kommen, sondern im Gegen- Gedenke! Von Rabbiner Dr. M. Lewin in Hamburg. Wenn der junge Lenz mit seiner Farbenpracht die Natur zu neuem Leben weckt ouid die Erde in ihr Festtags>gewand zu hüllen beginnt, dann feiert Israel sein Freiheitsfest, die Wiederkehr jener wunderreichen Zeit, da der himmlische Freund kam, um sein Israel zu Licht und schaffensfrohem Wirken emporzuführen seiner welthistorischen Bestimmung entgegen. Wir gehen da aber r-rt>iR:6 r^isa», „von ' Erlösung zu Erlösung", wir beschließen auch den Winter mit einem Erlösungsfeste. Q'na das Fest der Lose ist uns Dolmetsch von der unendlichen Gnade G'ttes, die wie in Mizraim sich immer erlösend bewährt', immer wieder sich an Israel in tingeschwächter Kraft kundgibt und alle winterliche Starre bricht, wo sie endlos alles Licht und alle Hoffnung umschat? tend jede Zuversicht zu bannen scheint. Peßach recht zu feiern mit jubelndem Herzen und dankbarer sangesfroher Seele, dazu ebnet uns Purim den Weg, der uns die frohe Gewißheit bringt: rw na Und trotz allem, — es muß doch Frühling werden. Und das ist der Aufruf, der da am letzten na» vor dem Purimfeste in Israel vernommen wird: 113t „Gedenke/" Versenke dich, wenn du in Verzweiflung oder Resignation zu versinken drohst, in deine Geschichte mit ihrem ewigen Auf und Njeder. Jedes Blatt kündet dir da von einem neuen Lenz nach ewig teil, daß sie über (Bedarf und angebliche Aufnahmefähigkeit ins Land strömen könnten und schließt ihnen das große Tor, um mit lächerlichen Schedulen hier und da ein kleines Spältchen zu öffnen. ,,Liebe und Haß vernichten die Logik," sagt ein weises Talmudwort. Wir wollen den Revisionisten zugute halten, daß es bei ihnen die Liebe ist, die zuweilen alle Vernunft und Logik aus ihren Kalkulationen ausschaltet. * * * Hunger ist kein Ersatz für Bildungsmittel. In ihrer Verzweiflung haben die jüdischen Hörer an der Universität in W i 1 n ä. die am meisten Mißhandlungen und Zurücksetzungen erdulden müssen, als Protest gegen die passive Haltung derverantwortlichen Stellen einen vierundzwanzigstündigen Hungerstreik durchgeführt. Er dauerte vom 9. Februar bis zum 10. Februar abends, in welcher Zeit 550 jüdische Studenten im Studentenheime fastend, auch ohne Wasser und Licht, zubrachten. Die ITA. weiß von einem „tiefen Eindruck auf die jüdische Bevölkerung" zu berichten. Was die Behörden und Studenten dazu gesagt haben und ob sie überhaupt was sagten, wird nicht gemeldet. Es wird nur bekannt, daß der Rektor vor Beginn des Streikes den jüdischen Hörern vorgeschlagen hat, — zwar keine Ghettobänke zu akzeptieren, sich aber damit einverstanden zu erklären, in den Hörsälen auf der linken Seite Platz zu nehmen. Auf der Linken, das klingt beinahe symbolisch, denn die Juden haben dort keine Rechte . . . Aber die jüdischen Hörer lehnten diese Zumutung ab und versuchten es mit Hungern. Hungern ist recht eigentlich eine jüdische Angelegenheit, und speziell das polnische Judentum hat darin eine große Uebung. Auch in anderem Sinne. Wir haben in unserer Geschichte stets auf Leiden und Verfolgungen mit dem Hungern, einem Fasttag, reagiert; wenn es schlimm kam, konnte dieses Fasten, wie bei den Wilnaer jüdischen Studenten, ganze 24 Stunden dauern, von Abend bis Abend. Aber dann hatte das Fasten etwas vom Versöhnungstage an sich: Anregung und Auftrieb zur inneren Einkehr, zur „Rechenschaft der Seele", zur gründlichen Revision des eigenen Wandels und Ausfindigscheinenden winterlichen Stürmen, wie unser Volk geläutert und geadelt hervorging aus allen Nöten und Kümmernissen seines geschichtlichen Daseins. Diese richtige Schau, die die unverwüstliche Kratf unseres Volkes offenbart, reicht uns aber auch den Schlüssei zur Deutung unseres jüdischen Schicksals. TOT Gedenke! Wie die winterlichen Stürme den Lenz vorbereiten und allen guten Trieben, die im Schöße der Erde schlummern, Raum und Leben sichern, so wurde auch häufig unser jüdisches Volk zur Besinnung und Einkehr geweckt, wenn sich ägyptische Finsternis über es gesenkt und die Unsicherheit seiner Stützen/ihm zu vollem Bewußtsein gebracht. Das war auch nrn T»T3 am D'H^a in jenen Tagen um diese Zeit, wo selbstvergessen des jüdischen Volkes Söhne und Töchter ihre heiligen Satzungen preisgaben und an der königlichen Tafel an Speis und Trank sich labten, als ob das alte Judentum, von den Vätern ererbt und tausendfach erprobt, keine Gewalt mehr über die jüdischen Herzen und Geister hätte. Da kam dann das unsanfte Erwachen aus einem Traumleben, das Judas Volk um seine Bestimmung und seine Ewigkeit zu bringen drohte — und allenthalben siegte die Erkenntnis; nmaipi iiTiK rtfi'n omn»^ ]&W>. Nur das Licht der Lehre sichert den Juden die echte unvergängliche Freude, und Würde verleiht ihnen einzig die Treue und Zähigkeit, mit der sie an der großen einaitischen Verpflichtung festhalten. TOT Gedenke! Das bleibt der Ewigkeitsruf, der auch in unsere Zeit hineintöntf um uns Trost und Zuversicht zu bringen und an unser jüdisches Gewissen zu pochen. Wir sind und wir bleiben als ewige Zeugen von G'ttes gestaltender Macht und Liebe, das verpflichtet uns, ewig zu bauen am G'ttes* reiche, daß sein Thron ganz und fest werde unter den Menschen zur Befriedung der Erde und Beglükmachung neuer Wege zu G'tt, dessen mahnenden Finger man in all den' Schickungen ges ehen hatte, In dem'Punkte, der Gegenstand, ihrer stillen Demonstration ist, haben sich freilich die Wilnaer •jüdischen Studenten nichts vorzuwerfen. Aber ein wenig Einkehr und Selbstrechnung täte auch ihnen, und uns allen, gut, Hunger als politische Demonstration macht aut Menschen, die gemeint sind, wenig Eindruck. Nach o b e n gerichtet ist aber, nach aitjüdischet Lehre, ölS' „Fasten" mit tiawn „Einkehr" und „Buße" eng verbunden. * * * ■ ■ Die dauernde Abnahme der jüdischen Bevölkerung in O est er reich ist erschreckend. Die Zahlen der neuesten Statistik -wirken wie. ein Menetekel. 1923 wohnten noch in Oesterreich 220.208 Juden, davon beinahe 20i2.000 in Wien. Zehn Jahre später, 1934, zählte Wien nur noch etwas über 176,000 Juden und die Bundesländer nur noch 15,447. Der Rückgang' setzte sich in den folgenden zwei Jahren weiter rapid fort. Die Geburtenziffer zeigt eine gefährliche Kurve nach unten. Zu der Abwanderung und dem Geburtenrückgang kommen auch die J ud e n taufen, die zuweilen in Wien eine Rekordzahl erreichten und dort, im Gegensatz zu Deutschland, auch jetzt noch nicht aufgehört haben. Und welche Mittel werden zur Hebung des jüdischen Status in Oesterreich angewandt? Da hören wir, daß in Wien eine ,/Bewegung christlicher Juden" die Schaffung einer eigenen judenchristlichen Kirche anstrebt. Diese Menschen wollen „Teil am jüdischen Volkstum" haben, von den Juden, als Volksgenossen anerkannt werden und in Palästina neben den anderen jüdischen Gruppen als gleichberechtigt gelten. Führer dieser Gruppe ist ein Mann namens Abram Poljak, der in mehreren Büchern und Broschüren seine Ideologie und. seine Pläne festgelegt hat. Die Partei ist durchaus palästinozentrisch eingestellt und meldet ihren Anteil am gesamtjüdischen Schicksal an. Ihr konkretes Ziel ist die Schaffung einer j ü d i s c h; - c h r i s t - liehen Kolonie in Palästina. Palästina sei gewarnt! . . . kung der Menschheit. Gedenke, vergiß nicht! In deinem jüdischen Bewußtsein liegt die Quelle deiner Kraft! ---- Die Deutung *]*HK WlS Von Rabbiner Dr. Kaatz in Hindenburg fO.=S.). Zu den talmudischen Aussprüchen, die vielfach irrtümlich nicht nach ihrem tatsächlichen, sondern in einem veränderten Wortlaut angeführt werden, gehört ein Satz, der oft folgendermaßen zitiert wird: ^•ran -pnR ns ma-iV -paR ns naa „Das (scheinbar pleonastische) n« des Akkusativs ■pas. ns. schließt den älteren Bruder ein," In Wirklichkeit lautet jedoch der Satz, wie? er sich im Talmud findet, folgendermaßen: b-mn -pnR riR maiV rhw ri „Das überflüssige W a w schließt den älteren Bruder ein." (Ketubot 103a). Der Irrtum dürfte mit dem Sefer hamizwot des Rambam zusammenhängen, wo durch das Versehen eines Abschreibers des arabischen Urtextes, welchem Samuel ibn Tibbon in ©einer hebräischen Uebersetzung folgt, in Regel II unser Satz mit dem Wortlaut ^Tffl-pnKmrnb-jviK m m zitiert wird. Wie P e r i t z in seiner Edition de® Sefer hamizwot im arabischen Urtext nebst der hebräischen Uebersetzung des Schlomo ben Josef ibn Ajub, Teil I, S. 26 berichtet, hatte ein anderer hebräischer Uebersetzer im Sefer hamizwot eine mit dem uns vorliegenden Wortlaut des Talmuds übereinstimmende Lesart, wonach der Ribbuj sich auf irvn' vi bezieht, wie das auch aus Haggahot Maimonijot zu Hilchot Mamrirfi 6, 15 ersichtlich ist. Im Talmud Ketubot 103a lautet nun der ganze Satz folgendermaßen: ri&s it ya» m jiri ^as riR w :bnM i»hr riRlnmi» nvn» vi "jör i>ya it ys» mi -paR

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