Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 7 (18.2.1937)
- Date
- 1937-02-18
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seit© 2 Nr, 7 D « r I s r « « Ii t seine Partei bestimmte Wünsche habe, während es die Zionisten nicht hätten. Im Weiteren läßt sich Jabotinsky über die Aufnahmefähigkeit des Landes aus, die einzig von seinen Menschen abhängen wird, wofür er viele Beweise bringt. Die Frage, ob er glaube, daß andere Mächte für das Mandat in Frage kämen, beantwortet er mit Ja. Di« Aussage des Colonel Wedgewood. Colonel Josiah Wedgewood, der sich freiwillig zur Aussage gemeldet hat, beschwert sich über die Beamten in Palästina in noch schärferer Weise als Jabotinsky. Er spricht von einer „unerträglichen Beamtenwirtschaft" und von einer Verleihung von Stellen auf Kosten der Juden. Die Verwaltung in Palästina sei durchaus antijüdisch und proarabisch eingestellt. Mit Norman Bentwich sei der letzte Jude aus der Palästina-Verwaltung hinausgedrängt worden. In den bodenfechtlichen Entscheidungen sei stets Einseitigkeit zugunsten der Araber zu merken; Alle behördlichen Einrichtungen dienen zur Zeit den arabischen Interessen. Daran liege es, daß die Juden zögern, die palästinensische Staatsangehörigkeit anzunehmen. Auf die Frage des Vorsitzenden, welche konkrete Vorschläge er neben der Kritik mache, sagte Wedgewood: „Es darf niemand nach Palästina geschickt werden,' ohne daß er eine Verpflichtung übernimmt, die Besiedlung des Landes durch Juden zu begünstigen und sich für die f Durchführung des Mandates einzusetzen." Colonel Wedgewood meinte weiter, eine schwächliche Politik in einem orientalischen Lande sei Unsinn und berief sich auf einen Brief der Lady R e a d i n g , den er vorlas. Damit wurde die Sitzung zunächst geschlossen. Am 12. Februar hat die Kommission in vertraulicher Sitzung Sir John Chancellor, der in den Jahren 1928—1931 High Commissioner für Palästina war, vernommen. General Dill hält seine weitere Anwesenheit in Palästina für erforderlich. Ein neuer High Commissioner für Palästina? London, 14. Februar. Der diplomatische Mitarbeiter des „Daily Telegraph" teilt mit, das Colonial Office habe den Oberkommandierenden der britischen Streitkräfte in Palästina, Generalleutnant John G. Dill, ersucht, für einige Zeit nach London zu kommen. Generalleutnant Dill habe sich aber außerstande erklärt, dieser Aufforderung Folge zu leisten, da seiner Meinung nach die Lage in Palästina seine Anwesenheit im Lande unbedingt erforderlich mache. Er erwartet zwar für die nächste Zukunft keine ernsteren Unruhen, glaube aber vor Veröffentlichung der nächsten Arbedtereinwanderungs-Schedule seinen Posten selbst auf kurze Zeit nicht verlassen zu dürfen. Der Berichterstatter des „Daily Telegraph" fügt hinzu, daß die Arbeitereinwanderungs-Schedule für das Halbjahr April bis Oktober 1937 diesmal nicht, wie sonst üblich, bereits im April, sondern vermutlich erst im Juni bekanntgegeben werden wird. „Daily Telegraph" bringt gelichzeitig noch eine zweite bemerkenswerte Nachricht zur Palästinapolitik. Danach soll beabsichtigt sein, daß der jetzt in London weilende High Commissioner Sir Arthur Wauchope nicht mehr nach Palästina zurückkehre. Es soll vielmehr ein High Commissioner ernannt werden, der nicht Militär ist, damit Kompeterizkonflikte zwischen dem Oberkommandierenden der Truppen, Generalleutnant Dill, und der Leitung der Zivilverwaltung vermieden werden. Versorgung mit Fleisch und Fett. Berlin, 12.^Februar. Die Reichszentrale für Schächtangelegenhei- . ten in Berlin hat soeben ein Merkblatt herausgegeben, in dem die einschlägigen Bestimmungen über die Einfuhr von Fleisch und Fettwaren aus dem Ausland dargelegt sind. Das Merkblatt'bringt eine übersichtliche Zusammenfassung aller Bestimmungen, die bei der Einfuhr von Lebensmittelschenkungen aus dem Ausland für Wohlfahrtsanstalten und Haushaltungen in Betracht kommen, insoweit sie sich auf Fleisch- und Fettwaren beziehen '(Devisenbestimmungen, Fleischbeschauvorschriften, Zoll- und postalische Bestimmungen). Das Merkblatt ist in der Reichs-' zentrale für Schächtangelegenheiten, Berlin NW 87, Siegmundshof 15, zum Selbstkostenpreis erhältlich. Von der Arbeit der Reichsvertretung. Berlin, 17. Februar. Die Reichsvertretung der Juden in Deutschland veranstaltete vor geladenem Publikum eine Kundgebung, in der sie Rechenschaft, Rückschau und Ausblick über ihre Arbeit in den 3% Jahren ihres .Bestehens gab. Nach einleitenden Worten von Rabbiner Dr. B a e c k erstattete Dr. Otto Hirsch den ersten Bericht. „Wir können der Hilfe aus dem Ausland nur in größter Dankbarkeit gedenken," sagte der Redner u. a. Er trat dann vielfacher Kritik aus Kreisen der Landesverbände und Gemeinden entgegen und erörterte im Einzelnen die Frage der Finanzierung der Reichsvertretung. Herr Rabbiner Dr. Hoffmann, Frankfurt a. M., referierte übeT Wirtsc hafts pflege und Wirtschaftshilfe und Dr. Seligmann über Schul- und Erziehungsfragen. Zur Frage der Wanderung sprach Herr Dr. Franz Meyer. Der Vorsitzende, Herr Rabbiner Dr. Leo Baeck, schloß die Versammlung mit Dankesworten an die Redner und Gäste. Wir kommen auf einzelne Punkte der Referate noch zurück. 4 Dr- Isaac Breuer und Rabbi Mosche Blau beim litauischen Außenminister. Kowno, 15. Februar. Der litauische Minister für auswärtige. Angelegenheiten, Dr. Stasys Lozoraitis, empfing die Führer der Agudat Jisrael in Palästina, Rabbiner Blau und Dr. Isaak Breuer und besprach mit ihnen die gegenwärtige Lage in Palästina. Außenminister Lozoraitis bekundete lebhaftes Interesse für die Probleme der jüdischen Palästina-Einwanderung und versprach, daß seine Regierung die Forderung der Juden nach uneingeschränkter Einwanderung nach Palästina unterstützen werde. Wie das Statistische Amt bekanntgibt, sind im Jahre 1936 1707 Personen" aus Litauen ausgewandert. Von diesen waren 1007, d. s. 70 Proz., Juden. 1935 sind aus Litauen 1418 Juden ausgewandert. Pessach-Aktion für die Juden in Rußland. - Wien, iov Febfüär. An einer Konferenz zur Einleitung einer H i I f s a k t i o n f u r die russ is c he n J u - •den mit Rücksicht auf das k.o'm - m en de Pessachf est nahmen hochstehende Persönlichkeiten » der Wiener jüdischen Gesellschaft teil. Von gesetzestreuer Seite war u. a. Oberrabbiner Jeschaia Fürst anwesend, Es: wurde beschlossen, in ähnlicher'' Weise wie" in früheren Jahren, eine P-e s s a c h - H i 1 is;-.'a k - t i o, n für die russischen Juden auf breiter Grundlage einzuleiten ünd durchzuführen. Die Spenden in sämtlichen Synagogen Wiens an einem Sabbat werden diesem Zwecke gewidmet sein und aii dem Spende-Sabbat werden sämtliche Rabbinen vor dem Verlesen des Thoraabschnittes von der Kanzel herab Appelle . an die Gemeinden, richten, den notleidenden' Glaubensbrüdern in Rußland zu Hilfe zu kommen. Wie J. P. B. meldet, leitet auch der Rabbinerverband in London eine spezielle Hilfsaktion für die russischen Räbbinen ein, um sie mit Mazzoth und allem Nötigen zu Pessach zu versorgen. Königsbesuch im Londoner East End. London, 14. Februar. Der erste Besuch, den das englische Königspaar seit der Thronbesteigung Eduard VIII. am Samstag dem Londoner East End abstattete, hat diesen von Juden dicht bevölkerten Stadtteil in einen wahren Begeisterungstaumel versetzt. Allgemein wurde die Tatsache, daß das Königspaar einen Sabbat zu seinem Besuch gewählt hatte, an dem die jüdischen Geschäfte geschlössen sind, dahin gedeutet, daß der König und die Königin die herzlichen Gefühle zum Ausdruck zu bringen wünschten, die sie der jüdischen Bevölkerung des Londoner Ostens gerade angesichts der Angriffe entgegenbringen, denen diese in letzter Zeit so vielfach ausgesetzt war. Viele Stunden bevor der Besuch des Königspaares angekündigt war, säumte eine vieltausendköpfige. Menge in federtäglicher Kleidung die Straßen von 'Whitechapel ein. Die Eingänge und Fenster aller jüdischen Häuser waren mit Flaggen und Girlanden reich geschmückt. Ueberall sah man Aufschriften „Es lebe unser König ünd unsere Königin, G'tt segne sie". Als das königliche Auto aus der Ferne sichtbar wurde, erreichte die Begeisterung ihren Höhepunkt. In den ersten Reihen der Huldigenden sah man patriarchalische Gestalten strenggläubiger Juden in traditioneller Sabbattracht. Tausende jüdische Jugendliche und Schulkinder brachten Hochrufe auf das Königspaar aus, kleine Kinder wurden von den Müttern hochgehoben und dem langsam vorbeifahrenden Königspaar entgegengestreckt. Immer wieder dankten die Majestäten mit huldvollem Lächeln und Vermeigungen für die patriotischen . Kundgebungen der Menge. Das große Polizeiaufgebot hatte nirgends Gelegenheit einzugreifen, da überall musterhafte Disziplin . gewahrt wurde. Besonders eindrucksvoll war der Augenblick, als das königliche Auto an dem Heim der Jüdischen Legion in Whitechapel vorbeikam, vor dem die jüdischen Kriegsteilnehmer im Schmuck ihrer Orden und Ehrenzeichen aufgestellt waren. Unter den Jubelrufen der' Menge senkten sich die ehrwürdigen Fahnen der-Legion zum Gruß. Nach einem Besuch im Volkshaus kehrte das Königspaar, das sich insgesamt eine Stunde lang in Whitechapel aufgehalten hatte, auf demselben Wege durch die jüdischen Stra? ßen nach dem Buckingham-Palast zurück., Noch viele Stunden nach dem denkwürdigen Besuch durchfluteten freudig bewegte Menschenmassen die Straßen des Londoner jüdischen Ostens.