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Der Israelit · 1937-02-18 · Heft 7 (18.2.1937) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 7 (18.2.1937)
Date
1937-02-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Ein Centraiorgan für das orthodoxe Judentum / Begründet von Dr. Lehmann in Main« Frankfürt a* M- 18. Februar 1937 Nummer 7 Die Königl. Untersuchungskommission in London. Jabotinsky und Colonel Wedgewood als Zeugen. London, 15. Februar. Wladimir J abotinsky machte seine Aussagen am 11. Februar vor der Königl. Kommission iii öffentlicher Sitzung. Er definierte einleitend 'die Begriffe J u d e n s t ä a t und P a - l ä s t in a j weif die NZO darunter etwas anderes verstehe als die Ziönisten. Jabotinsky zweifelt nicht daran, daß mit der fortschreitenden Entwicklung Asiens und Afrikas in der nächsten Generation auch Palästina sehr dicht bevölkert werden wird. Bei" Bevölkerungsdichte wie in "Sizilien hätten 12 Millionen Platz in Palästina, nach belgischem Muster sogar 18 Millionen. Wieviele Menschen in Wirklichkeit in den nächsten Jahrzehnten in Palästina leben werden, läßt sich nicht sagen, aber V/% Millionen ließen sich in dieser Zeit mit Leichtigkeit ansiedeln. Es-sei Pflicht der Menschheit, den Juden einen Staat als Heim zu geben. Es gehe darum, Millionen Menschen zu retten, und mit diesen Millionen sei kein Maximum für einen Anfang, nur ein unvermeidliches Minimum genannt. Jabotinsky erläutert den Begriff J, ü d i sc h e s Na t i o n a 1 - h e i m' nach den vielen Deutungen und Interpretationen von englischen Staatsmännern und führt Kla'ge' gegen die Palästinaverwaltüng, die durchsetzt sei mit Gegnern des Zionismus und der Juden, worin der Grund liege, daß das Mandat nicht durchgeführt werden kann. Die Regierung habe gewußt, daß Unruhen bevorstanden und habe keinen Finger .gerührt. Es wäre zu den Unruhen nicht gekommen, wenn man den vielen jüdischen, jungen Menschen erlaubt hätte,- sich zu wehren und ihr . Volk zu beschützen. Man habe die Araber glaubten lassen, daß die Juden unfähig seien, sieh zu verteidigen. 5000 junge Juden, hätten eher die Unruhen im Keime ersticken können, als es: später die Truppen, die lk de£ englischen Armee ausmachten, machen > konnteil Wenn ^Großbritannien nicht in der Lage sei, das Mandat '.zu verwalten,' dann sollte, es in Hände übergehen, die sieh, für die Sicherheit der Juden und Verwirklichung des Mandats besser verbürgen. Er wünsche dies, nicht, denn er glaube an Großbritannien. Die von Jabotinsky gemachten Vorschläge lassen sich folgendermaßen zusammenfassen: Einsetzung eines Kdlonisationsregimes zweck beschleunigter Verwirklichung des Mandatszieles. Unter diesem Regime seien folgende ■/ wesentliche Maßnahmen zu treffen*, a) Eine Agrarreform; b) eine Reform des Zollend Finanzsyst^ms; c) eine Reform der .Zlvilver^ Haltung; d); Oeffnung Transjordaniens für jüdische iKplpruiatipn; e) Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit durch Aufstellung eines eigenen - j ü d-i s c h e n M i I i t ä r v erb a n d e s innerhalb der britischen Streitkräfte in Palästina sowie von jüdischen Einheiten in der Lahdespolizei und von legalisierten Selbstwehreiriheiten. Dieses iRegime solle gelten für die Verwirklichung eines Zehnjahresplanes zur Einwanderung von etwa anderthalb Millionen Jud e n . wodurch die jüdische Not in der Diaspora •gemildert und eine jüdische Mehrheit in, Palästina gesichert werden würde. Auf jüdischer Seite solle gleichzeitig eine durchgreifende R e - form der Jewish Agency auf der Basis freier . Abstimmung in allen Ländern statt des durch den Schekel bezahlten Wahlrechts durchgeführt werden. - In einem auf die Aussagen folgenden K r e u zverhör zeigte Jabotinsky den Unterschied zwischen Alt- und Neuzionismus. Ueber die politische Hauptlinie befragt, auf der er sich von den allgemeinen Ziönisten unterscheidet, verweigert' er die Antwort, da er Kritik an einer jüdischen Körperschaft vor diesem Kollegium vermeiden möchte. Bemerken möchte er nur, daß (Fortsetzung siehe Seite 2.) . Aus dem Inhalt: Fleisch Versorgung . . . . . . . . ■•...•Seite 2 Agudaführer beim litauischen Außenminister? ■ ._. :,; ■■'; Seite 2 Das englische Königspaar im Londoner Judenviertel : . . . . . . . Seite 2 Wochenrundschau . . Seite 3 Gedenke. Von Rabbiner Dr. M. Lewin, Hamburg . ■'. . . . . . •; . .•• .- . . Seite 4; Das Golus. Von Rabbiner Wolf S; Jacobson Seite 5 Aus den Gemeinden........ Seite 7 Briefe aus Polen und Litauen .... Seite 8 Neue jüdische Gemeinden in Italien und Abessinien »... . . ... . . . . , Seite 8 Erez.Israel . : . . . . . . . . Seite 9 u. 10 Purim-Beilage ..........Seite 12 Der kleine Israelit PURIM IMMER UND ÜBERALL Die unvergleichliche Beliebtheit des-^Purimfestes ist in seiner ewigen Aktualität, in seiner Allgegenwartsbedeutung begründet. Die M e g \ 1lah ist nicht allein die "Rolle, aus der die Esthergeschichte verlesen wird, sondern auch Bezeichnung für das Geschehen, das sich durch die Jahrhunderte vor uns ,a b r o 111. Die Esthergeschichte ist die Geschichte des Galuth, mithin die Geschichte ein e s J e den, die Geschichte seines Schicksals, seiner Furcht und seiner .Hoffnung, eine Botschaft der Gefähr und Erlösung, die durch die ewige Wiederholung an Interesse nur gewinnt. Die anderen Feste strömen mehr Weihe und Heiligkeit-aus, als der halbwegs werktätige Purim. Vielleicht aber gerade darum ist ihr Verhältnis zu. unserem eigenen Ich weniger intim. Sie repräsentieren Vergangenheitswert und Zukunftsgut. Es trocknen sich uns heute keine Meere, um uns an ein besseres Ufer hinüberzuführen, es erzittern keine Berge mehr in den Schauern der Offenbarung, denn das Sinaierleben war einmalig. Keine schützende Wolke läßt sich mehr; sichtbar hernieder, um uns durch Wüsten ünd Oeden zu geleiten. PurinVist aber unser Tag im Galuth, demgegenüber wir keine respektvolle Distanz zu währen " brauchen — weil wir ihn einfach. »leben und lieben. Freilich ist " auch der' Gegenwartswert des Purim nicht für alle Zeiten und Zonen einheitlich. Es ließe sich wohl auch vom „Purim im;Wandel der, "Zeiten" ' sprechen, sintemal jede Zeit ihre eigenen Sorgen und Gefahren, ihren eigenen Mordechai und eigene Esther hatte. Der Grundgedanke des Purim blieb und bleibt immer und überall der gleiche, Ob die Mischna, im Formalen bleibend, Purim nur als Gegenstand der Halacha nimmt, oder die talmudische Agada alle Grotesken ihrer Zeit in den Text der Megillah hineinstellt, ob im litauischen Städtchen die Purimspielerbanden in ihrem naiv malerischen Mummenschanz durch die Straßen ziehen, oder in Deutschland der Jude in seiner Familie bei der reich gedeckten Tafel Purim hält, ob im Orient ,am Purim die vielen Lichter und Lieder in der Schul erstrahlen und ertönen, oder in der persischen Stadt Hamadan die jüdische Bevölkerung an diesen Tagen sich um die Gräber sammelt, die sie für die Ruhestätten von Mordechai und Esther hält — Purim ist überall Purim: Freude im Bewußtsein, daß „in jener Nacht" und in jeder Nacht „dem König der Schlaf entweicht", daß „nicht schläft noch schlummert der Hüter Israels! ..." Wie immer bei diesen ewigen Festen Wird aber am Purim in jeder Zeitperiode aus der Skala der ethischen Momente das Moment in den Vordergrund treten, das gerade diese Zeit braucht. Man kann sich vorstellen, daß man in ruhigen glücklichen Zeiten im Purim in erster Reihe den in fünf Gewändern prangenden Mor- (Fortsetzung siehe Seite 3.)

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