Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 6 (11.2.1937)
- Date
- 1937-02-11
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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KURIOSA. Auni Bey, der Advokat und Korangelehrfe der vor kurzem vor der Kgl. Kommission, in Jerusa lern die Interessen Arabiens vertreten hat, sagte u. a., der ganze Judenstaat in Palästina habe «ich früher höchstens auf f ü n f ,z i g Jahre erstreckt. In der alten arabischen Legende, wird von dem großen König Pharao erzählt, der. „seinen Minister Haman" beauftragte, aus Stein und Mörtel einen „hohen Turm" zu bauen, mit der Spitze bis zum Himmel, um von dort aus das Treiben der Feinde zu überschauen Wenn man dermaßen Turmbau zu Babel, Pharao und Purimgeschichte, und nach dieser Methode auch die späteren Generationen der Einfachheit halber zusammenlegt, dann werden schon nicht viel mehr als fünfzig Jahre bleiben. Hält man sich aber an die biblische und historische Wahrheit, so wird man immerhin von Josua bis Kö nig Zidkijahu und, nach der siebzigjährigen Unterbrechung, von Esra bis Rabbi Jochanan ben Sakkai etwa anderthalb Jahrtausende Judenstaat in Palästina zusammengekommen. Nicht mitgerechnet die rund 300 Jahre von der Zerstörung bis zur byzantinischen Herrschaft, da ohne Staat und Tempel die geistige Autonomie in Palästina in so hoher Blüte stand, daß sie die Entstehung der Mischna und de® j e r u®alemiti sehen Talmud ermöglichte. Wir empfehlen dem Großmufti und seinem findi gen Anwalt die eben im Hermon-Verlag erschienene „Einführung'in die jüdische Geschichte"/ von Dr. Ph. Biberfeld zur Lektüre . . . In einer an sich seriösen und sachlich gehaltenen hebräischen Zeitschrift für .agrarische Kultur in Palästina lesen wir u. a.: „Mensch und Baum — die Be= Ziehungen sind mannigfach. Ihre Schicksalsgemeinschaft erlebten wir erst bei den jüngsten Ausschreitungen, da sich die Mörderaxt .gegen Mensch und Baum in gleicher wilder Wut erhob. Kein Wunder eben, daß die religiöse und talmudische Literatur auch von einem „Tage des Gerichtes", einem „Tage des Gedenkens" für Baum und Pflanze, Saat und Frucht weiß. Es ist dies d e r 1 5. S c h w a t ". Wenn wir in der sogenannten heute hoch in die Halme schießenden „Judentumskunde" gewisser jüdischer Zeitungen in Deutschland Aehnliches lesen, so führen wir es auf die krasse Unwissenheit, das klas-, sische Amhaarazuth der Schriftgelehrten dieser Blätter zurück. Einer hebräischen Zeitung in Palästina stehen doch aber die Quellen offen, und ihr Schriftleiter hätte die Möglichkeit, in der ersten Mischna des Traktat ,;Rosch Haschana" nachzulesen, daß der fünfzehnte Schewat (nach Beth Scha» mai der erste Schewat) nur ein Stichtag für das Verzehnten der Baumfrüchte war, da man mit den Früchten, die, vor diesem Datum blühten, nicht die Abgaben für die Früchte, die erst nach dem 15. Schewat zur Blüte kamen, entrichten durfte. Einen Gerichts- und Gedenktag für die Bäume und ihre Früchte gab und gibt es auch. Davon ist in der zweiten Mischna des gleichen Traktates zu lesen. Die Stelle heißt: „Baazereth nidonin al peroth hailan," d, h.: „Am Schwuothfesie wird vom g'ttlichen Gerichte über das Schicksal der Bäume entschieden, über das Wachsen und Gedeihen der Baumfrüchte." Personalien. Werlte, 4. Febr. Am 20. Schebat starb im Alten von 83 Jähren Josef Jacobs. Er war ein Mann alten Schlages, ein streng religiöser Jehudi, der durch sein feines Wesen und seinen biederen Charakter sich auch in der nichtjüdischen Umwelt Achtung und Auszeichnung erwarb. Vor langen Jahren richtete er im Verein mit seiner Gattin den G'ttesdienst in seinem Hause ein und stiftete eine neue Sefer Thora. Seine Kinder erzog er zu echten Jehudim, und ihm ist es zu verdanken, daß in Werlte, einer Filialgemeinde von Sögel, ein echt jüdisches Gemeindewesen blüht. Im Hause sprachen der langjährige Vertraute des Dahingeschiedenen, Herr Lehrer Speier aus Sögel und Herr Landrabbiner-Dr. Blum aus Emden warme Worte der Trauer. Dann bewegte sich der unabsehbare Leichenzug nach dem Friedhofe in Sögel, woselbst Herr Lehrer Beer aus Quakenbrück noch einige zu Herzen gehende Worte an die Versammelten richtete. n'asan Vermischtes. Berlin, 8. Febr. Im Rambam-Lehrhaus finden folgende Vorträge statt: Prof. Df. med. Bruno Kisch, Köln: „Das Verhältnis des Judentums zur Natur". Dienstag, den 16. Februar, abends 8.30 Uhr im Großen Saal des Logenhauses, Kleiststraße 10. — Vor* anzeige: (im Zusammenhang mit dem Synagogenverband Gruppe Kaiserstri Vortrag; Rabb. Dr. Alexander Altmann: „Rabbi Jizchak Abarbanel". Samstag, den 20. Februar, abends' 8.30 Uhr Synagoge Kaiserstr, 29/30. — Voranzeige: (in Verbindung mit der Synag. Vereinigung Pestalozzistr.) Vortrag: Rabb. Dr. L. Berkovits: „Rabbi Akibä", Montag, den 22. Febr., abends 8.30 Uhr, Synagoge Pestalozzistr, Berlin, 8. Febr. Das B et h'Chi auch inj B e rlin benötigt für seinen Lernbetrieb Sefarim/ beson* ders Mischnajot und Tenach. Freundl. Spender werden gebeten, sich mit P. Klein, Berlin N 4, Artilleriestr. 31, 2. (Beth Cbinnuch) in Verbindung zu setzen. Berlin, 10. Febr. Die Agudas Jisroel Berlin, hat nächste Woche folgende Vorträge: Sonntag, den 14. Februar: Max Neuberger: „Sinngehalt der Mizwofh" (nach .S R. Hirsch „Choreb") 17 Uhr Artilleriestr, 31 Betsaa'l (für •Herren). — Dienstag, den 16. Februar: „Sinn und Wert jüdischen Lebens": Rabb. Dr. J. Jakobovits, 20.30 Uhr Aula Siegmundshof 11. — Mittwoch, den 17. Februar: Dr. jur. Paul Galewski: Arbeitsgemeinschaft: Die Wochensidra. 20.30 Uhr Paraserstr. 4, Synagoge. — Donnerstag, den 18. Febr.: Rabb. S. Offenberg: „Ist unsere pädagogische . Arbeit zeitgemäß?", 20.30 Uhr Artilleriestr. 31. Würzburgi 5. Febr. In die J ü d i s c h e L e h r e rb i 1 d u n g s a n s t a. 11. W ü r z b ur g können im Frühjahr wieder Schüler und Schülerinnen für alle Klassen aufgenommen werden (s. Inserat in der heutigen Nummer). Der Lehrplan der ersten fünf Klassen entspricht dem Lehrplan der Aufbauschulen. An Fremdsprachen werden unterrichtet Iwrith, Englisch und (wahlfrei) ■ Französisch. Nach erfolgreichem Besuch der drei unteren Klassen wird das Zeugni«-der mittleren Reife erteilt. Es haben infolgedessen "nur hochbegabte Schüler Aussicht, die in allein profanen und hebräischen Fächern weitgesteckter. Ziele zu erreichen. Gemäß den behördlich' vorgeschriebenen, schars fen Auslesebestimmungen können auch für die mittleren Klassen nur Schüler(innen) zugelassen werden, deren Reifezeugnis für Obersekunda im Durchschnitt zumindest die Note „gut" aufweist. Für Abiturien* ten,(innen) dauert die Ausbildung in den hebräischen, pädagogischen, und musikalischen Fächern mindestens zwei. Jahre. — Gute Vorkenntnisse im Hebräischen werden für. alle Klassen vorausgesetzt, da dem „Ler-, nen" in der Anstalt besondere Aufmerksamkeit geschenkt wird. Auf Eignung für Leibesübungen wird großer Wert gelegt; 'dem Handfertigkeitsuhterricht (für Schülerinnen auch Unterricht in Hauswirtschaft und Weibliche Handarbeiten) ist im Lehrplan eine entsprechende Stundenzahl eingeräumt. —, Die Anstalt ist staatlich anerkannt und besitzt Prufurigsberechtigung; das Reifezeugnis berechtigt zur Anstellung im Volksschuldienst. Leipzig, 5. Febr. Am Donnerstag, den 21. Januar beendeten Teile der Klassen Ia und IIa der Höheren Israelitischen Schule zu Leipzig unter der Leitung des Herrn P. J. Kohn das Lernen der nia» naoa. Aus diesem Anlasse versammelten sie sich im Lehrerzimmer der Schule' zu einem E3V>0' Es erschienen die Herren Rabbiner Dr. Ochs, Direktor Dr. Weikershei* mer und eine Anzahl von Lehrern. Nachdem der Schüler Dzialowsky den Schluß der maa vorgelernt hatte, leitete Herr Dr. Kohn die Feier mit einem scharfsinnigen "pin ein. Auch der Herr Rabbiner, der Herr Direktor und Herr Studienrat Dr. Sohn trugen durch kurze Ansprachen zur Verschönerung der kleinen Feier bei. Von den Schülern boten Zwick und Hepner den Zuhörern je eine halachische Ansprache. Während man sich -nun am Festmahl gütlich tat, trügen die Schüler Dodeles und Gindsberg durch lustige Vorträge zur heiteren Stimmung bei. Alsdann sang die Tafelrunde einige von Herrn Dr. Kohn „entdeckte" ddische Verse.— Da für geistige wie auch leibliche Genüsse in hohem Maße Vorsorge getroffen worden war, nahmen alle Teilnehmer eine angenehme Erinnerung an die Feier mit nach Hause, H. St./J. G. Hamburg, 9. Febr. Am Ttr rrm '« ist die Fahrzeit für den berühmten jüdischen Gelehrten Ahron Marcus, der durch seine wissenschaftlichen und apologetischen Schriften so viel zur Mehrung des jüdischen Wissens und zur Ehre des jüdischen Namens beigetragen hat. Alle Werke von Ahron Marcus sind in der Buchhandlung S. M a r c u s , Harburg (Elbe), Wilstorferstr. 20, zu beziehen. Zum 100. Todestage des „Schemen Rokeach". Abajuszanto, 8. Febr. Man schreibt uns: Unsere Gemeinde Abajuszanto 'beabsichtigt, das Jahr der hundertsten Jahrzeit ihres berühmten Rabbiners, des Schemen Rokeach, in pietätvollem Gedenken, zu begehen. Die Feier ist für den 23. Iiar geplant. Zwar hat der große Gaon in drei verschiedenen Ländern segensreich gewirkt; er war richtung= und wegweisend für die ganze Judenheit; seine hinterlassenen. zahlreichen Werke dienen der jüdischen Gesamtheit als unerschöpfliche Quellen: dennoch ^obliegt unserer Gemeinde besonders die heilige Pflicht der Erinnerung,' weil die Fackel seines -vielseitigen Wissens in seinen letzten Jahren hier leuchtete, uns Licht spendete, sein Grab liegt in unserem Friedhof und ist in erster Reihe unsere heilige Stätte. Damit wir nun diese pietätvolle Feier seiner Größe würdig gestalten, haben wir beschlossen, mit wirksamer materieller und moralischer Unterstützung seiner früheren Gemeinden sowie seiner Nachkommen, eine auf seinen Namen lautende Stiftung ins Leben zu rufen. Zweck und Bestimmung dieser-Stiftung wird sein, in seinem Geiste wirkende Thorainstitute zu unterstützen, ' Schüler von Jeschiwaus durch Stipendien zum Thoralernen anzuspornen und endlich die handschriftlich .noch vorhandenen Werke des Schemen Rokeach herauszugeben. Mögen es alle seine Nachkommen als Ehre und Auszeichnung ansehen, daß sie; an unserer pietätvollen Arbeit teilnehmen und unsere Aktion, welche dem Andenken ihres heiligen Urahns, auf den sie mit Recht voller Stolz blicken, mit Herz und Geld unterstützen können>, — Zuschriften in dieser Angelegenheit sind zu richten an: Herrn Blau Jena juEL, Abajuszanto (Ungarn): Die Frankfurter Woche. Frau Mali Ansbacher "7*y. Unter großer Teilnahme wurde vor kurzem Frau Mali A n s b a c h e r geb. Rosemthal zur letzten. Ruhe auf dem Friedhofe der Israelitischen Religionsgesellschaft geleitet. Einer alteingesessenen Frankfurter Familie entstammend, pflegte sie von der Kindheit bis in ihre reifen Jahre das Gebot des 0X1 3R 1133 in vorbildlicher Weise, besonders an ihrer Mutter rry während ihres längeren Krankenlagers. Ebenso war sie eine treue Gattin, in selbstloser Weise in ihrem echt jüdischen Heim ihre Welt und ihre Däseinsaufgabe erblickend. Eine wahre npis, war sie glücklich, wenn ihr Gatte ah einem Schiur teilnehmen konnte. Lechzte sie doch selbst nach Belehrung, nach min Sai-' Mit welch tiefer Andacht verrichtete sie ihre täglichen Gebete.. Es "bedarf woht. bej'täner würdigen Schwiegertochter von R. Jannoh Ansbacher H>""xr keiner besonderen Erwähnung, daß -sie über das Kasch-ru®. ihres Hauses, selbst in ihrem langwierigen Krankenlager, gewissenhaft wachte, wie sie auch ihre Schmerzen mit einer Ergebung trug> die nur tief de G'ttvertrauen möglich macht. ' An der Bahre entwarf KafeDinerDr. Ansba ch cr, Wiesbaden, im Namen der. Verwandten ein lebens* treues Bild der leider zu früh Entschlafenen und dankte ihr namens der Familie und aller Verwandten, nrit denen sie in inniger Anhänglichkeit yerbun= ■den war. — Im Hause sprach Herr Redakteur S. Schachnowi,tz herzlich e Worte 'der Würdigung, und" Verehrung. Das. Andenken der frommen, edlen Heimgegangenen wird uns unvergeßlich bleiben. v n'axan Frau Rahel Kahn geb. HfrSchberg n*j;. Was je jüdischen Lippen entströmt ist an Lob und Bewunderung jüdischer Frauentugend, die ihr höchstes Ideal in dem .na'as •]*>» na rrroa ba verkörpert sieht, dürfte kaum ausreichen, um d i e Frau zu beweinen, die vergangenen naw zum letzten Male auf ihrem viele Monate währenden Krankenlager" die j-isp -Lichter entzündet hat, um kurz nachher, schon im 40. Lebensjahre, in ihren ewigen t-nw einzuziehen. Als Tochter des Herrn Moritz Hirschberg ^"xr .und damit als Enkelin von Rabbiner Fromm V*xr folgte sie vor nunmehr genau 15 Jahren ihrem Gatten, dem bekannten Vorstand .der I. R. G., Stuttgart, dorthin, um, vereint mit ihm, ein Heim zu gründen, in dem all die Traditionen, die sie an die Familie des' Würzburger V"ST ai banden, durchdrungen voni Geiste der Lehren, die sie als Schülerin der S. R. Hirsch-Schule in reichlichem Maße sich zu eigen gemacht batte, eine' sorgsame Pflege finden sollten/ Wahre. tiefinnerliche Frömmigkeit, eine selten harmonische Persönlichkeit, eine bewundernswürdige Ruhe, nie ras* tende Hilfsbereitschaft und von Anmut überstrahlte Liebenswürdigkeit waren die Eigenschaften, die auf alle, die mit ihr in Berührung kamen (allein die Zahl der DTniRr, die an ihren Tischen speisen dürften/mag viele hundert betragen haben)' einen unvergeßlichen, nachhältigen Eindruck machten. Noch einmal erstand vor uns ihr Bild/bei der am Montag stattgefundenen Beisetzung, die ihrem unausgesprochenen Wunsche zufolge in der' rftnp» aus der sie zeitlebens ihre Kraft geschöpft, an Seite ihrer Mutter auf dem' ffnap"1 n'3 der I. R. G.. Frankfurt, erfolgt ist. Die Herren Rabbiner Dr. Bamberg er, Stuttgart und Dr. Ansbach er, Wiesbaden gaben dem Schmerze um den Heimgang der seltenen Frau beredten Ausdruck. Möge sie für ihren schwergeprüften Gatten, ihre beiden noch in zartem Alter stehenden Kinder uad uns Allen ein HPV pbn sein. ' n^xaan Purim im Wandel der Zeiten. Vortrag im Mekor Ghajim. Sonntag nachmittag 5.45 Uhr (gleich nach de* Mincho- und Maariwgebet) spricht Herr Redakteur S. Schachnowitz über das' Thema „ P u r i m i« W andel der Zeiten". Es soll in einer geschientliehen Studie gezeigt werden, wie zu verschiedenen Zeiten Und in verschiedenen Ländern des. Orient Okzident Purim verschiedentlich gefeiert wurde ufld, wird. ' ': ■ •* * Da jetzt der Mincho=G'ttesdienst am Schabbos Nachmittag erst um 4.30 Uhr stattfindet, werden die beiden vorangehenden Schiurim unseres. Vereis