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Der Israelit · 1937-02-11 · Heft 6 (11.2.1937) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 6 (11.2.1937)
Date
1937-02-11
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite S Nr. 6 Der liriel i t 11. Februar: 1937 wollten. Eine zweite Abteilung von 'Nationaldemo kraten suchte das Innere des Gebäudes systematisch nach jüdischen Studenten ab, um sie zu verprügeln. Der Rektor, Prof. Staniewicz, der die aufgeregten Studenten zu beruhigen versuchte, wurde von Urnen mit feindseligen Zurufen empfangen. Mittags drang eine dritte Gruppe von Nationaldemokraten in die Universität ein und vertrieb aus ihr 'die jüdischen Hörer. Heber 10 Studenten, unter ihnen der Sohn des bekannten Territorialistenführers und früheren Bürgermeisters von Wilna, Adv.. Tschernichow, wurden erheblieh verletzt. Die Behörden haben eine strenge Untersuchung eingeleitet. Auf einer Tagung des polnischen Schwimmverbandes wurde von dem Distrikt Posen der Antrag gestellt, jüdische Schwimmklubs in den Verband nicht aufzunehmen. Der judenfeindliche Vorstoß des Posener Distrikts mißlang. Der Antrag wurde aus formellen Gründen nicht zur Abstimmung gebracht. Der Oberste Gerichtshof hat das Urteil des Wilriaer Kreisgerichtes gegen die Studenten Baranow i c z und Kuczinski sowie gegen den Ingenieur Ganiewicz, die gegen eine Reihe jüdischer Geschäfte in Wilna Sprengstgffanaschläge verübt haben^ endgültig bestätigt. Das Kreisgericht hatte Baranowicz und Ganiewicz zu drei Jahren, Kuczinski zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Die Berufung in erster Instanz war abgewiesen worden. Bei der Verhandlung vor dem Obersten Gerichtshof hielten die nationaldemokratiiSchen Advokaten Nawodworcki und Stipulkowski heftige judenfeindliche Reden. Der Lodzer Staatsanwalt hat gegen zwei nationaldemokratische Führer im Stadtrat, die bekannten Judenhetzer Adv. Kowalski und Adv. Czernick, wegen aufreizender Zwischenrufe, die sie bei der letzten Sitzung des Stadtrats gemacht haben, Anklage erhoben. Die beiden Stadtverordneten hatten ihre Freude über die Ermordung Simon Chelmers, des Sohnes des Vorsitzenden der agudistischen Ortsgruppe in Lodz, dadurch Ausdruck gegeben, indem sie Tiefen: „Bravo, wieder einmal ein Jude getötet.'" Falls die beiden Nationaldemokraten der Aufreizung zum Mord .schuldig befunden werden, droht ihnen eine längere Gefängnisstrafe. Estland. Vertreter der jüdischen Minderheit ins estländische Parlament berufen. Talldn, 2. Febr, Der Staatspräsident von Estland, Konstantin Paets, hat unter den 10 von ihm zu bestimmenden Mitgliedern der Volksvertretung auch den Vizepräsidenten des jüdischen autonomen Kulturverbandes für Estland, Heinrich G u t k i n, zum Abgeordneten des estlänidi sehen Parlaments ernannt. Zum ersten Mal seit dem Bestehen des unabhängigen estländischen Staates haben die Juden .dieses Landes Gelegenheit, an den gesetzgebrischen Arbeiten teilzunehmen. Das estnische Parlament besteht aus zwei Kammern; die erste Kammer zählt 80 Ger wählte, die zweite Mitglieder, von denen 30 gewählt und 10 von dem Präsidenten ernannt werden, Estland, das seit 1918 unabhängige Republik ist, gewährt Minderheiten von mindestens 3000 Seelen kulturelle Autonomie. Gegenwärtig leben in Estland etwa 4800 Juden, die 0,4 Proz. der Gesamtbevölkerung bilden; in der Hauptstadt Tallin (Reval) gibt es etwa 2300, in Tartu (Dorpat) etwa 1300, in Narva über 1000 Juden. Tschechoslowakei. Jüdisches G^meindegesetz in der Tschechoslovakei publiziert. Prag, 2. Febr. Das neue Gesetz über die Organisierung der israelitischen Kultusgemeinden in den historischen Ländern {Böhmen, Mähren und Schlesien) ist amtlich veröffentlicht worden. Es tritt jedoch erst in Kraft, wenn die Verfassungen der nach 'diesem Gesetz zu bildenden Landesverbände der Kultusgemeinden für Böhmen und Mähren=Schlesien von der Regierung genehmigt sein werden. Rumänien. Bukarests Advokaten-Kammer fordert Ausschluß der Juden. Bukarest, 8t. Febr. . Die Generalversammlung der Bukarester Rechtsanwaltskammer hat eine Entschließung gefaßt, in der gefordert wird, daß Juden nicht mehr Mitglieder der rumänischen Advokatenkammern werden sollen. Die Entschließung war der Bukarester Rechtsanwaltskammer von dem Verband der rumänischen Rechtsanwaltskammern vorgelegt 'worden. Der Annahme der Entschließung ging eine Reihe heftiger judenfeindlicher Reden voraus. Besonders scharfe Angriffe gegen die Juden richtete der Vorsitzende der Bükarester Advokatenkammer, Prof. Istrate Micescu, dessen Wahl seinerzeit durch Terror und Gewalt gegenüber den jüdischen Mitgliedern der Reehtsanwali's* kammer durchgesetzt worden ist. Dänemark. D^legierf^nY^rsainnihmf* der Kopenttagen«r Jüdische^ Gemeinde. » Kopenhagen, 5. Febr. Soeben fand die erste Sitzung der neugewählteir Delegiertenversammlung der Jüdischen Gemeinde Kopenhagen statt,' deren Aufgabe es nach dem; neuen Gemeindestatus ist, .die Repräsentanten der Gemeinde zu wählen und ihre Tätigkeit zu kontrollieren, Vorsitzender der Gemeinde ist Rechtsanwalt C. B". H e nriques, zugleich Vorsitzender der Delegiertenver- Sammlung. Die Versammlung wählte zwei Vizevorsitzende, den IndustrielTen Direktor' Sophus Oppenheim und den Rechtsanwalt Max Rothenberg. Als Sekretär fungiert der Sekretär der Gemeinde; Rechts* anwalt Arthur Henriqttes. (ITA.) England. Kaschruthskandal in London; London.,, f. Febr. London hat wieder seinen Kaschruthskandal. Ein bis jetzt gänzlich unbekannter Rabbi Schapotschnik gründete ein neues „Bes Din", das eine Anzahl unbekannter Schochtim autorisiert und mehrere Metzger, die vom offiziellen Bes Din als „Verkäufer von Trefafleisch" entpuppt wurden, in seine Aufsicht nimmt. Das Organ der Londoner „Wochenzeitung" wendet sich in einem offenen Brief an 'die Rabbiner im Ausland, die angeblich das neue „Bes Dwt" des Herrn Schapotschnik empfehlen. An den offiziellen religiösen Stellen wird zur Zeit über Gegenmaßnahmen beraten. (JPB.JP Die Abwehr.Aktion gegen Judenhaß in England; < . London, 8. Febr. Unter dem Vorsitz des Uinterhausmitgliedes Friedensrichter Fred Messer fand in der St'adinalle von Tottenham eine Kundgebung gegen die; jjudeafeindliche Propaganda in1 England statt. An der Ver= Sammlung nahm ein zahlreiches gemischt jüdischchristliches Publikum teil; Der Vorsitzende des; Board of Deputies of British Jews, Neville Laski, und.de? Abgeordnete- Morgan Jone®, der in -den Jahren 1929 bis 1931 parlamentarischer Sekretär de® Erziehungsaiisschusses war, hielten Ansprachen. Neville Laski führte au®, das Entstehen einer auf judenf eindliche Lonngeji sich stützenden Partei-würde ein trauriges Kennzeichen Englands im Jahre- 1937 sein. Die Mqsley=Bewegung lebe nur von der Reklame, die andere ihr machen. Würde man den Versammlungen dieser Gruppe 'fem bleiben, so würde, sie in einem halben: Jahre-jiede Bedeutung verloren haben. Neville Laski betonte, .daß die Juden seit hundert Jahren volle Bürgerrechte in England genießen: Wenn es wahr wäre, daß" dfe Juden über den Reichtum und über die Macht verfügen, 'die man ihnen zuschreibt, damr. könnte es nicht geschehen^ daff 2% Millionen Juden' in Polen bitterster Not ausgesetzt sind, daß der bürgerliche Status .der Juden in?.. Ru* mänieh zu einer lächerlichen Farce wird und"■daß" die Judennot sich auch in anderen Ländern weiter' verschärft. Abg. Morgan. Jones sagte u. a.: Die' jüdische Rasse sei wie 'eine mächtige Eiche, durch deren Aeste der Sturm, weht, .die.aber nicht entwurzelt oder niedergebrochen: werden kann. Er warnte, / vor der Gefahr einer Politik der Schlagwort«' im der englischen O ef f entlachk eit.. Amerika. Kundgebung der orthodoxen Rabbiner Amerikas an die. Royal Commission. New York:,. 8; Febr. Der stelivertreltende Vorsitzende des. Verbandes der orthodoxen .Rabbiner der Vereinigten Staaten und Kanadas, Rabbi Jacob L'evin-som, gibt bekannt, daß er der Kgl. Kommission für Palästina im Namen von 300 orthodoxen Rabbinern Amerikas «ine Entschließung zugesandt habe, in der der Grundsatz der politischen Parität abgelehnt und gegen jeden Versuch einer Minderung 'der jüdischen Rechte in Palästina Protest erhoben wird. fITA.il1 Die Führer des jüdisch-religiösenlLebens in Südafrika. '•''•'":'•> . fj^Vi * , \$; ':'?'. ' ' % , " Chiefrabbi Dr. J. L. Landau Rabbi J. Kossöwsky Oberrabbiner Dr. Landaü, eine ausgesprochene Füh" rernatur, ist treuer Hüter der Tradition lind hat .sich kraft seines große0 Einflüsse© auch auf so» zialem Gebiete vielfache Verdienste erworben. Rabbi Kossöwsky,: RabJ biner in Johannesburg und zugleich führende5' Mitglied . im B e s diu des Oberrabbinats, l nießt als hervorragend81, Thoragelehrter hohes Aß' sehen. Sein Beshaffli' drasch ist "Sammelpunkt aller Jereiim und: Thora-' kundigen der Stadt.

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