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Der Israelit · 1937-02-11 · Heft 6 (11.2.1937) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 6 (11.2.1937)
Date
1937-02-11
Page
– (sequence 7)
Language
German
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11;Februar 1937 D er Israelit Nr, 6, .Seite 7 Wegen unerlaubtem Fleisch-Versand verurteilt ' - ' " J tj Gleiwitzy 7. Febr.' Die „Oberschlesische- VolksstimmV' berichtet über einen Prozeß* vor -dem Schöffengericht in B e u th entgegen einen'jüdischen Fleischer wegen 'verbotswidrigen Schächtens und unerlaubten Fleisch ver sands. Der Angeklagte hatte Vieh koscher geschäch tet und das Fleisch aus dem oberschlesdschen Abstimmungsgebiei in das Reich versandt., Er wurde zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Das Blatt teilt mit, daß weitere .gleichartige Prozesse demnächst zur Verhandlung kommen werden. , Oesterreich. Juden aus dem Getreidehandel in Oesterreich ausgeschaltet, ■, - Wien, 5. Febr. Wie der ITAsVertreter aus zuverlässiger Quelle erfährt, erhielt.in letzter Zeit der V er b an d 1 ä n dli c h er Qe n o s s e ns ch a f t e n in .iNiederösterreich das ausschließliche Monopol für den Handel mit Mais und Futtergerste. Hierdurch werden alle Agenten und Händler,, das sind etwa 400 Firmen, unter denen die Juden rund 80 Proz. ausmachen, aUS diesem Handel ausgeschaltet. Diese Maßnahme erfolgte unter dem Titel „Preiskontrolle", die nunmehr dieser' Verband ausüben wird. Diese Monopolstellung" wurde gegen'die Meinung des Staatssekretärs Rott geschaffen, der zu bedenken gab, daß durch die Maßnahmen ca. 2000 Angestellten und Arbeitern die Arbeitslosigkeit drohe. Holland. Eine neue Synagoge in Rotterdam-Nord. Rotterdam, 2. Febr. In einer dieser Tage abgehaltenen Versammlung wurde eine neue Vereinigung ins Leben: gerufen, „Beth T'filloh Hamercas", > um den Bewohnern von Rotter dam=Nord,. Blydorp, Bergpotder und Provenierswyk eine Möglichkeit zur Abhaltung; eines regelmäßigen Gottesdienstes zu 'geben. Als Mitglieder der Leitung wurden nominiert die Herren M. Sehaap, Vorsitzender; M. Maarssem, Kassierer; E. Cohen, H. Rippe und J. Perlmann als - Sekretäre, -.-t—1 Die . neue Synagoge wird sicham Walenburgerweg 76 beenden, und :als Architekt fungiert Herr J. van Gelderen. ... Polen. .., Pogromüihrer in das Konzentrationslager gebracht. Warschau, 26. Jan. In Verbindung' mit der Ankündigung des Ministerpräsidenten S k fca.d k o w s k i»; .daß die. Urheber, der antijüdischen Exzesse -zur schärfsten > ^etarntwor-tung; gezogen 'werden, .nahm di;©, \ pQjftWtgj rPidlizei-. -neue Verhaftungen; unter den-Mitgliedern; der nationaldemP-. kratischen Partei im., Bezirk-i Wy^okierMäzowiecki, der vor kurzem Schauplatz von: blutigen , antisemitischen -■ Ausschreitungen: ,wax, vor.- Zehn;..|jbiekanBte,;Mitglieder, und Leiter •der; BeziEksorganisatio» -der ' nationaddemp-, > kratischen'Partei in^diesem. /BezirJfc H^rdenvi^n^das;3 Konzentrationslager»:'In Berelza- KartUf&aV 5Ü »Mitglied deminr:das .Utttersuchungsgefangab in..Lomza v0inge.-'i•, liefert.7? ^l': ' .^ (.-. w- 'Aot; »n\< nv ' )!. "i'l Der.)Rcktdr der ^Warschauer Universität,, Pr«of. Dje, r A n t ö n i'-e^wi:c z:,« :e*npfing -eine i^b'o.rdÄungpde^i:]'«.- dischen Studentenschaft, die Maßnahmen gegen die judenfeindlichen Hochschulunruhen. forderte. und gleichzeitig erklärte, da^ß die .ji^ischen Studenten auf keinen Fall einer „GneUo-Sitzordnung'' zustimmen konnten» Der Rektor erklärte, dkj Einführung einer solchen, Sitzordnung komme nicht inMFrage. Er werde gegen die J^r'heber. voncE£zessen aufs schärfste vor» ' gehen un^:'zur.; Sicherung"der Ruhe . eme' Ordnungs- Wachfe» einführen. .; ''_.jir.' ., .[ ' Die polnische' Armee: und die! Juden. 1 ";»■ '• itj.-i:W'Wr au&hwu 25-.J: Jan.' Bei Behandlung des Budgets des- Kriegsminister. rium& in de'^ BudgetkoWmissiörides ' Sejm führte der jüdische Deputierte-jiM'i n'zb e'r g aus! . Wir Jude-ni haben uns veranlaßt:J gesehen, bei Behandlung des' - Budgets jedes Ministeriums unsere Einwendungen vorzubringen, ..weil wir. vüherall .benachteiligit. i|ftc«r^h Bei. Behandlung1 deis Budgets des Krie'gsmitiist^riuins wollen wir'4 weder. Einwände erheben noch Kritik üben; die Armee hat sich von gewissen Einflüssen, die man j etzt in der' Gesellschaft spielen läßt,' 'lern» zuhalten gewußt. "Wir Juden nehmen eine positive Haltung zu der Armee, ein. ' Die Woche. Berlin. Die Jüdische Winterhilfe in Berlin betreut zurzeit 8146 Ausländer und 1950 Personen, die der jüdischen Religionsge- >■ meinschaft nicht mehr angehören, aber auf Grund der Nürnberger Gesetze ihrer Rassezugehörigkeit nach von der Jüdischen Winterhilfe versorgt wenden. Dresden. Die Jüdische Winterhilfe in Dresden betreut gegenwärtig 850 Personen. Im Vorjahre wurden 780 Personen unterstützt. Die Zahl der Mitglieder der Dresdner Gemeinde beträgt etwa 4800. Köln ä. Rh. Die bekannte Frankfurter Schauspielerin Sofie S e 1 i g - mann wurde, an das Kulturbund=Theater Rhein-Ruhr in #Köln verpflichtet. Hamburg. Von einem jüdischen Konsortium wurde ein Gebäude erworben, in dem für den J ü d ischen Kulturbund in Hamburg ein s t ändig.es Th e a t er mit etwa 450 Sitzplätzen errichtet "werden kann. Das Haus soll auch als jüdisches Heim für Veranstaltungen aller Art dienen und wird zu diesem Zwecke mit verschiedenen Sälen, einem Restaurant, Cafe-, Lese= und Spielräumen ausgestattet werden. Breslau. Das Jüdisch- Theologische Seminar in Breslau beging den Jahrzeitstag, seines Stifters Jonas Fraen'ckel mit einer Feier in der Seminar-Synagoge. Den Jahresbericht: erstattete Prof. Dr. Hey- ' n e m a n n. Zur Entlassung gelangten fünf junge Rabbiner, die bereits alle in Aemtern tätig sind. ' Wien. Nach der amtlichen Statistik nahm Palästina im Jahre 1935 unter den Immigrätionsländern für Auswanderer aus. Oesterreich die zweite Stelle ' ein, indem 509 Personen nach Palästina ausgewandert sind. Im Jahre 1936 betrug die.. ": Zahl der Auswanderer 161, wodurch Pa* lästina an die'fünfte Stelle rückte. Budapest, In Budapest ist Ba r & <n Adolf Kohne r ■ . im Alter .von 72 Jahrenv gestorben. - Er hat sich als Großgrundbesitzer,, als Großindustrieller und Bankier, wie auch als Kunst- ' kenner und Mäzen einen Namen gemacht. Im Jahre 1911 wurde Baron Kohner Präsi* dent der; Pester Israelitischen Kultusgemeinde. Während des Weltkrieges, im Jahre 1917, wurde -er Präsident des' Landesfonds ,., ungarischer Judea^dex;umter. seinem Re- .., gime die. in den. Karpathen von den Russen zerstörten jüdischen Gemeinden und 'Schulen wieder aufbaute; Im Jähre 1927 sfrurde": i; Baron Kj>hner ,iRräside.nti deöl VI. Pester. Ge/ meindedistrikts und einens Monat/.später der .,r Israelitischen LandeskanzleL Warschau. Der vor einiger Zedt von ' der' Stadtverwaltung ' L-u c k-'isntlassene1 .städtische Beamte,- Ba='■ ' .ruch /. M a. r a nie', hatte'-' .an P r ä s-:i jd/6 n t Fr a n k li-n. D. P\ ».o s;e,y e^l t, ein,Schreib.en , gerichtet^ .in dem er seine vferz^eifelte Lage scliildert'er Nürimefir Hat Maraüc' Vom Wei- 5 J "'ßen;HäÜs in ^asiiingtöh eiä' Schreiben1 erj 'hakerifnm dem^.ihm' mitgeteilt wjrd, .:d.aß er ,r^dafe ,E,i.nr«i s;®-v -i s u m,. erhält und,.auß«rs dejn eine Schrffskarte; zu ermäßigtem ■;!P r> i s";für'di6 üebJerfkhrt gäcn^New^ork;;;; äVKöiW-no;" Ein Ve'r&ucn;rin -'dem ' Städtchen; 'Krunbürs;jud«nfeindKche^Auss'chreitungen, , hervorzurufen,rfist ypn, der ^Pplizei energisch ..unterdrückt worden. Eine-Reihe von Pogromhetzern wurde im Verwaltungswege zu Gefängnis s' t r a f e n verurteilt'.;' Judendebatte im ^lnischen Senat. ' W ä r sch au , 4. Febr. ixtm' polnischen Senat1 kairi '^"'wieder zu einer Aussjpr(äche über die 'Judenfrage in'Polen. Das Senatsmitglied M alino W ski trat'einem Vörred-;ner, der der Regierung vorgeworfen hafte, sie verfahre Imit der nationalen 'Jugend zu strehg^'mit einer aus* jführlichen Rede entgegen. Graf Räd;ziwill sagte,; daß die ,Plünderungr jüdischer Geschäfte .dem polnischen "Geist KeTatgegengesetzt^sei.j.P.ogrome tseien eine Eufindung des Zarismus In Rußland gewesen. Er ver-. fwies jedoch darauf,.daß sich der. Antisen^itismus in Polen ausbreite. Er sei nicht mehr das Monopol , einer euiznge^Q ..Pa^ei -m^Polen. Po^ehnaßÄa&nen dagegen -zu. ergreifen/ sei nicht genü^fäid. Die Regierung müsse daran gehen, das Problem zu lösen, das nicht durch Pogrome aus der Welt geschafft werden kann. Der Ministerpräsident, General S k 1 a d k o w s k i , ergriff dann das Wort und sagte zur Judenfrage etwa folgendes: " .•. Die Regierung werde sich in dieser Frage nicht durch den Druck abschrecken lassen, der von ausländischen jüdischen Organisationen ausgeht'. Wie Minister Beck bereits erklärt habe, beruhe das gesamte Judenproblem, nicht auf Rassen* oder Religionshaß, sondern ausschließlich auf wirtschaftlichen Grundlagen. Es werde nicht helfen, wenn man gegen zehn jüdische Marktstände einen Pogrom' veranstaltet oder eine jüdische Frau verprügelt. „Wir müssen," sagte der Ministerpräsident, „alle Mittel anwenden, um Ruhe und Ordnung zu sichern. Diese Methoden haben wir auch tatsächlich anläßlich der Ausschreitungen in der Wojwodschaft Bialystok zur Anwendung gebracht. Wir sind gegen die Organisatoren der judenfeindlichen Exzesse mit denselben Mitteln •vorgegangen, die wir gegen die Organisatoren sonstiger Unruhen anwenden. Wir haben die Führer her« ausgeholt und sie in das' Konzentrationslager Bereza geschickt. So z. B. habe ich den Führer der Nationaldemokraten in Wysokie=Mazowieck, Adv. Jursz, rechtzeitig gewarnt, daß ich ihn für Unruhen verantwortlich machen werde. Das gleiche habe ich auch gegenüber dem Rädelsführer bei den Vorfällen;n Czycew, Organinski, getan. Jetzt, nachdem in jener Gegend eine Beruhigung eingetreten ist, habe ich ihre Freilassung angeordnet. Ich muß alles tun, um sicherzustellen, daß in Polen Ruhe und Ordnung herrsche." Auswanderungsprobleme der polnischen Judenheit. Warschau, 4. Febr. Bei der dieser Tage in Warschau abgehaltenen Landeskonferenz der Vereinigung für Auswandererfürsorge Jeas (Abteilung der Hias für Polen}, hielt der Vorsitzende, M. S.zalit, eine Ansprache, in der er zu der'seit einiger Zeit geführten „Evakuierungspropäganda" scharfe Stellung nahm. Abg. Gottlieb sagjte:, „Darüber, ob die drei" Millionen Juden in Polen ein .Lebensrecht besitzen, werden w^r: uns mit den; Judenfeinden vom Schlage eines Budzynski und Bakpn 'in'1'keine Diskussion einlassen:" Der Emigra^' tiönsfachmahn" Dr.' Arje T a r t a k o w e r'wies in seinem Referat darauf hin, daß seit Kriegsende fast 400 00 0 Juden aus Polen -ausgewandert s ind; Dies stellt die Hälffe der Gasälntauswaride3 rung aus Polen , in diesem , Zeitraum dar. Immerhin ist der Umfang dieser- Auswanderung wesentlich kleiner als vor -dem Kriege: Gegen ■äie Auffassungen und Thesen von Dr. Tartako wer.s polemisierte der Jeas-Direktor. Alter,' Die Notwendigkeit einer jüdischen: Auswanderung aus Folfen'unter_altöi Umständen köhnV nicht' anerkannt wenden,,' Die.■;fÄ'UJfjassüng'ejii ' iiber. die Notwendigkeit derjlÄuswanderung. stütztes;.;/.^chr. au^'.jlie.< vecaltete Mallthus'sche: Uebe^rvölkerungstheotie; Die« Geschiöhte des' ver^än'geneti1 JahreS We%eiSe,j daß es sieh'bei der Em^graiian . nicht '^igei^licj^;'.pm^ein V}rtschä|fiiche^j. Problem händeie.: In dem dünn beyöflterten;. ^tulland habe es?.eine: starke'' Auswanderung gegeben^-dagegen; sei;die Auswanderung jaus' dem dicht bevölkerten- Deutschland minimal gewesen. Das' Anwachsen des Auswanderungsstroms sei ein Spiegelbild der politischen und sozialen Verhältnisse. Warschauer Brief. Blutige Ausschreitungen in Wilna. — Schwimmer wollen, keinen Arierparagraphem. — Anklagen und , . '; Urteile. ' ■■•■»« - : . . i.rnv..' ■ :Wars qh a u,. 8, Febr.; Ain^ Montag, den 8. Februar, Ast: es an der, vor kurzem wieder eröffneten Universität Wilna zu blü-i tigen Ausschreitungen gegen jüdische Studenten gekommen. Um 10 Uhr morgens stellten sich mit Stöken-bewaffnete nätionaldemokratische Studenten .an den Eingängen zur Universität auf und mißhandelten blutig jüdische Studenten, die das Gebäude betreten

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