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Der Israelit · 1937-02-11 · Heft 6 (11.2.1937) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 6 (11.2.1937)
Date
1937-02-11
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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ll.t Februar 1937 l'U e r l S' r a e 1 i t ~ Nr. 6 Seite 5 beantwortet die Angriffe mit folgender öffentlicher Erklärung: „In meiner Seele spielt sich jetzt ein wahres Drama ab: Ich habe 30 ärztliche Rayons im Lande frei, es liegen mir Gesuche von Aerzten vor, die diese Stellen besetzen möchten, aber ich kann sie nicht ernennen, weil sie den Minderheitsnatiönen angehören. Anderer-, seits kann ich die den Epidemien ausgesetzten Dörfer nicht ohne Schutz und ärztliche Fürsorge lassen. Ich möchte daher die nationalen Aerzte bitten, sich in die von Krankheiten bedrohten Gebiete ZU begeben und der leidenden Bevölkerung JHilfe zu leisten, um auf diese Weise ihren Nationalismus zu bekunden." Nooh weiß man nicht, von welcher Wirkung dieses menschliche Dokument auf die Oeffentlichkeit, sein wird. Man muß aber glauben, daß der Sturm um die 36 Juden sich jetzt ein wenig legt. * Der Einzeln Von Schalom Ben-Chorin in Jerusalem. die Gemeinschaft. Der Hinweis auf die allgemeine Ernüchterung des jüdischen Publikums in Deutschland, den Hans Lamm vor kurzem unternahm, ist durch ähnliche Erfahrungen in Palästina zu ergänzen. Auch hier sind die Menschen des ,.Betriebes" müdegeworden; übersättigt von einer Vortragshaussee,, die* sie noch in Deutschland erlebten, ziehen sie sich, aller gemeindlichen und ortsgruppenmäßigen Bindungen ledig, ins ^Privatleben" zurück. Der deutsche Jude in den Städten (in den Siedlungen liegen die Dinge naturgemäß anders) ist faktisch isoliert, wenn man von den rein zufälligen Bekanntschaften, die das Leben mit sich bringt, absieht. Man kann in diesem Zustand eine Normalisierung erblicken. Der „jüdische Betrieb" ins Deutschland war nämlich — man werde sich darüber einmal klar — etwas Grundanormales. Man vergleiche nur die Zahl der Vorträge, die ein durchschnittlicher Deutscher oder Engländer im Jahre hört und die eines {einigermaßen jüdisch-interessierten) deutschen Juden in den Jahren 1933—35. Man wird überrascht sein über die Rekordziffer, die sich „zu unseren Gunsten" ergibt. Nun, wir wissen, es ist nicht nur ein objektives Interesse, das die Massen in die Vortragssäle führt, vielmehr liegt hier ein Grüppenaffekt zugrunde. Der Einzelne, der sich aus seiner Umgebung herausgestoßen fühlt, „flieht" (halb unbewußt) in den Versammlungssaal, in dem er -aufhört, Einzelner zu sein, sondern sich geträgen weiß von der Masse, ihr Teil wird. Dieser Anlaß fällt in Palästina weg und damit beginnt der Rückzug'des Juden aus Deutschland auf einen engeren, privateren Lebenskreis, als es der im Deutschland der letzten Jahre war. Hier nun aber erweist es sich, „daß diese Flucht in die Vörtragssäle, Versammlungsräume und Lehrhäuser nicht gemeinschaftsbildend zu wirken vermochte. Anders verhält es sich mit den Menschen der Jugendbünde, die teilweise tatsächlich zu echter Lebensgemeinschaft in Palästina führten, wiewohl die große Enttäuschung gerade vieler Jugendlicher, die die Verwirklichung festumrissener Ideale in den Siedlungsgemeinschaften erstrebten, nicht unterschätzt werden darf.' Die ältere Generation aber und die Jugend in den Städten kehrt in erschreckend raschem Tempo in ihre „vormärzlichen" Lebensformen zurück. Geschäft, Familie, ein wenig Stammtisch- Politik, das ist das 'Leben des palästinensischen Durchschnittsbürgers. Er ist kein Anwärter auf einen Rekord im Besuchen volksbildender Vorträge. Daß nun auch in 'Deutschland selbst Müdigkeit des Publikums konstatiert wird, sollte vor allem zu der Erkenntnis führen, daß der eingeschlagene Weg (selbst die höchste Qualität der Führer vorausgesetzt), nicht der richtige war, -oder — milder gesagt — nicht der allein gangbare, Wir erlagen einer gefährlichen Täuschung, indem wir ,.Publikum" mit „Gemeinschaft" gleichsetzten. Diese Begriffe sind wesensmäßig ungleich, ja, der eine der Antipode des anderen. Wesen des Publikums:' Unverbindlichkeit aller gegen alle. Wesen der Gemeinschaft: Einsatz des Einzelnen für alle und Eintreten aller für den Einzelnen, also höchste Verbindlichkeit; * * * . Die Urkonzeption Israels ist die der Gemeinschaft, die „heilige" Gemeinschaft ist, weil sie in Ausrichtung auf das Heilige, heiligende Gemeinschaft wird. Der jüdische „Kahal" ist G'ttesgemeinschaft, in der der Einzelne als Einzelner für die Gemeinschaft — die ihrerseits für ihn bürgt — vor G'tt steht. Dieser im jüdischen Schrifttum-unter dem Namen „Arewuth" bekannten Israels-Konzeption steht das „Publikum" diametral entgegen. . * Wie aber kann aus Publikum Arewuth-Gemeinschäft werden? Durch den Weg nach Innen. An den Einzelnen muß man sich nun wenden, ihn aus den *zwei Stadien der Gefahr befreien und ihn durch Ausprägung seines Persönlichkeitsgehaltes der Arewuth-Gemeinschaft zuführen. Ich glaube und bekenne von ganzem Herzen die erhabenen Worte Sören.Kirkegaards: „Ach, und wie würden die Menschen nicht — Menschen werden, Menschen, die man lieben müßte, wenn sie Einzelne vor G'tt würden." Damit soll, recht verstanden, nicht dem Einzelgängertum, der Eigenbrödelei, das Wort geredet sein, denn der Einzelne vor G'tt, das heißt ja der Einzelne in der Verantwortung vor dem Unendlichen, die nur eine unendliche Verantwortung sein kann und den engen Kreis des „Selbst" sprengend für die Gemeinschaft bürgt. Warum nur für sie? In der Tat müßte die Verantwortung, da sie vor G'tt geschieht, eine unendliche sein, aber dies übersteigt menschliches Vermögen. Auch hier gilt der Satz.* die Grenze des überindividuellen Erlebens ist die Nation. In abstracto müßte sich die Arewuth-Gemeinschaft auf alle Menschen als G'tteskinder erstrecken, aber die Grenzen menschlicher Kraft erkennend, setzen uns die Thora und die Weisen Grenzen, die des eigenen Volkes. Welches sind die beiden Stadien der Gefahr, deren wir oben Erwähnung taten? Die sich der Verantwortung entziehende Isolierung und die die Verantwortung ins Amorphe abschiebende Verse-hanzung im „Publikum". Diesen beiden Stadien steht gegenüber: als Einzelner vor G'tt in der Gemeinschaft für sie verharren. Durch Lehre und Beispiel durch Zwiesprache und (Bemühung in kleinen Kreisen kann zu dieser Haltung erzogen werden. Und zu ihr hinzuführen ist unsere Aufgabe, (Den Ausführungen unseres verehrten Mitarbeiters haben wir nur hinzuzufügen, daß auch die Lehr- und Vortragssäle, also dasf was er ..Publikum" nennt, wenn sie von echt jüdischem Geiste beseelt sind, gemeinschaftsbildend nach seinen eigenen Wünschen wirken können. Red.). genannt. So in Tehillim 30, 2: w>dvi D'a-on ac „Der Du auf den Cheruwim thronst, erscheine." Vgl. Schemuel II 6, 2: <vbs D'mDfi 3P' /nKax 71 dp ob» snpa -w« n'pbsn inx o#a mbsnb „Um von -dort die Lade G'ttes heraufzubringen, über die der Name, der Name G'ttes der Scharen, des über den Cheruwim Thronenden, genannt ist." . Mit dem Obigen finden auch di,e in Vers 22 erwähnten Worte myn ]"nx bv ncs' ihre Erklärung. Die* «er Zusatz erscheint überflüsssig, kennen wir ja bereits den Ort der Cheruwim . Allein diese Worte enthalten die Begründung für die Wahl des Kapöret als Stätte der Offenbarung. av> -\b imym Dort werde ich mich dir zur Zusammenkunft bestimmen, und ich werde mit dir von oberhalb des Deckels, von zwischen den beiden Cheruwim her, sprechen —ivs. rtnpn "pn» by> weil diese auf der Lade des Zeugnisses sind. So lautet die korrespondierende Stelle in Bemidbar 7, 89: ftissn byn v*s nain b-\pn m 9ßW>i in» ~atb wia bm bs w» Kaai a»a*i3n ->sv y>ya rran ns by *i«tr ' . * ■ — Etymologie des Worte® ans* Die Weisen, verstehen unter avia: S'ana wie ein Kind. Da®. Aussehen des Cberuw gleicht dem eines Kindes. (Maszechet Sukka 5b, Chagiga 13b) «'an heißt Kind. So gibt das Targum Onkelos ib^n Hm,i mit i*ra*i Ntan wieder (Bereschit 21, 8). '— Weitere Deutung: ' avo ist identisch mit as> " Wagen.3) Der G'ttesthron wird mit "aa-ia Wagen, bezeichnet. Die ea'aia bilden den Thronwagen G'ttes, Eine Bestätigung für diese Auffassung 3) Die Umstellung zweier Buchstaben finden wir häufig, z. B. M» >«733 Schaf; Tmbv itfpnv Gewand. bietet Diwre Ha-jamim I 28, 18: a'Ensl» anr a'anan naanan rpaarto ^pwaa ppia am mopn nai»*>i v«'n nna jn« by d'Osdi „Und vom Räucheraltar von geläutertem Gold an Gewicht, und das Vorbild des Wagens, der goldenen Cheruwim, die ausgebreitet bedek-, ken die Bunde&lade G'ttes." In diesen Rahmen fügt sich *]!Pi aiia bv 3 3*v»v „Er fuhr auf dem Cheruw und er flog" (Schemuel II 22, 11; Tehillim 18, II).4) a^aian »3» \>ya fnaan^a im wall Diese Worte scheinen in Widerspruch zu Wajikra l, 1 zu stehen. Dort heißt es: in*b irm bn*m r>bx;n wi ne>» b& ki?'1» Er rief Mosche zu und G'tt redete zu ihm aus dem Zelte der Zusammenkunft sprechend, nyia Htir dient jedoch als Bezeichnung für *das „Heilige", den Raum außerhalb des Vorhanges. Deutung: Am Ende des Buches „Schemot" wird berichtet: pwan nK sbn 'n mai pyn vbs \sv '3 wb bnx bx KiaV ntba Va' s5»i „Mpsche vermochte nicht einzugehen in das Zelt der Zusammenkunft, denn die Wolke ruhte darauf, und die- Herrlichkeit G'ttes erfüllte die Wohnung" (40, 35). Dieser Satz wird mit dem ersten Vers des Buches „Wajikra" fortgesetzt. Da Mosche außerhalb des Zeltes weilte, *t»ia brwm vbs 'n -an kam >die Stimme vom OhekMoed. Hielt sich Mosche hingegen im Ohel=Moed auf, so vernahm er die, Stimme von dem Deckel herab. So heißt es ausdrücklich in Bemidbar 7, 89: msan bvn vbx nana Vipn m jdp'i wr nanV'n»iö Vnn bs n»a xaai •v>V» 13T1 n^anan ra» m»n p» bv iws ■ ' 4) Siehe Jecheskel Kap. 1 und 10. „Und wann Mosche einging ins Ohel-Moed, mit Ihm zu reden, 'hörte er die Stimme zu ihm redend von über dem Deckel her, der auf der Lade des Zeugnisses war, von zwischen den Cheruwim her; so redete Er zu ihm." — Nach Ansicht einiger Kommentatoren ist unter "tjmö ^nn die gesamte G'tteswohnung zu begreifen, nyio bmn vb« n -iavi bezieht sich auf die Stätte zwischen den Cheruwim. Briefkasten. Z. W. in H. Wir haben darüber in aller Ausführlichkeit berichtet und haben keine Veranlassung, mit dem K. J. zu polemisieren. Besten Dank! Wöchenkalender. Vom 13.-20. Februar 1937 / Vom 2.-9. Adar 5697 Samstag Sonntag Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag Samstag ■>ar> mma 13 2 j"> 1.4 3 15 4 iü Febr. 16 vm 5 TU 17 6 T> 19 7 . n-> 19 8 w 20 9 3 nposn nann 113T 's msn

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