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Der Israelit · 1937-02-04 · Heft 5 (4.2.1937) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 5 (4.2.1937)
Date
1937-02-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
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,4. Febf'üäf 1937 D e f l f r a e Ii t Nr. 5 Seite 5 Die rabbiniscbe Glaswand beute? Von Bezirksrabbiner Dr. B. Cohen in Friedrichstadt (Eider). Zum Glück für Jüdischkeit und Herzlichkeit leben wir in der Zeit des sachlichen Stils. Gepränge und Formalität drängen sich nicht mehr im gleichen Maß© wie' noch vor 10—20 Jahren zwischen Mensch und Mensch, zwischen Rabbiner und Gemeinde. Es zeigt sieh an Aeußerlichkeiten, — aber die sind nicht bedeutungslos. Aus den „Seelsorgern" von Amtswegen in Talar und Barett, die das Biedermeierzeitalter xmit seinen Synoden und Konsistorien geschaffen hatte, werden wieder thorakundige Vorbilder schlicht brüderlicher jüdischer Menschenliebe, und vor der Gefahr des Verfallens in großstädtische Wohlfahrtsbeamten-Härte \schützt sie ihr im Thorawort geschärftes Gewissen. Das beginnen auch solche Gemeinden zu verstehen, «denen früher einmal der Rabbiner das repräsentative Gegenstück zu den Geistlichen anderer Bekenntnisse war. Auch zwischen den Geistlichen anderer Bekenntnisse macht sich, wie ein neulich durch dänische Blätter bekannt gewordener Fall zeigt, jüngst starke Abneigung gegen iiAmtstracht" bemerkbar. Nicht überall ließ sich buchstäblich der in verständnisarmer Zeit nach kirchlichem Vorbild „vorn" erbaute Almemor zur „Mitte" verlegen. Wer abei die Gemeinden menschlich verstehen will und versteht, hat erkannt, daß heute die damalige Angleichungssucht nicht mehr daran schuldig ist, sondern liebgewordene Gewohnheit i(die vielleicht die Vorbedingung zur Andacht Mancher bildet). Ausnahmslos aber hat man das eingesehen, was mir vor Jahren ein Freund (über den ,,Amtsbruder"-Titel sind wir wohl g'ttlob auch hinaus!) auf die Frage antwortete, den ich nach der Art fragte, wie man am besten die Verlegung des Thorapultes zur Mitte veranlassen könne: „Zuerst der Rabbiner in die Mitte seiner Gemeinde, — dann das Pult in die Mitte des ßethauses!" Der Segen unserer Nöte ist es geworden, daß wir alle wieder zueinander Brüder und Schwestern sind. Und SO fielen denn fast überall die „Glaswände", die sich so undurchdringlich wie unsichtbar zwischen Gemeinden und „Beamten" früher erhoben. Die Deutung Hirschs ttTTpa Wl »Das Heiligtum werde errichtet, damit G'tt nicht im Heiligtum allein, sondern inmitten Kap. 21. V. 29. v^aa TOim xmbv Van» sin naa ™ tw* >nar r^ya nyrbpv iwn nws ik nwnaw s^i „Wenn aber der Ochse seit gestern und vorgestern:, stößig war, und dies seinem Eigentümer bezeugt worden ' ist, dieser aber hütet ihn fortan nicht, und er tötet einen Mann oder eine Frau: so wird der Ochse gesteinigt und auch sein Eigentümer ist todesschuldig." fini» rVra oai bedeutet nach der' Ueberlieferungt Der Eigentümer hat vor G'tt sein Leben verwirkt. ■.TTOM7 rpi- Die Richter legen ihm das im nächsten Vers angegebene Sühnegeld auf. Regeln der Thora: I. Die Wendung rvm» MB bezeichnet die von den Richtern zu vollziehende Todesstrafe, ms H»a nm> II. Der Ausdruck mv> ohne das vorangehende m73, der an keiner Schriftstelle näher erläutert, bezw. an keiner Schriftstelle durch ÜBT mp ergänzt wird, bezeichnet den Tod .durch G'ttes Hand, nnw i-pi nma In dieser Form wird die Todesstrafe angegeben: a) in dem Satz tmv axi b) indem Satz tmv avn -iim (Bemidbar 1, 1 und öfters), -s- In. den übrigen Fallen wird nwp näher erläutert, _ bezw. durch rw ni» ergänzt. (Wajikra 24, 21) bezieht sich nach der iUeberlieferung auf den Sohn, der Vater oder Mutter schlägt. Vgl. Schemot 21, 15 reut JttöJ nw mn io«n - Mit nnv Kirm «'a;-!! (Dewanm .1,3, p) ist nach Ansicht der B'»an die Steinigung für diesen Propheten ausgesprochen. Mittels einer nw mra übertragen die o,»",n da® im Zusammenhang mit dem ri'ca erwähnte ' caaKa irfo>oi (Dewarim 13, 11) auf Kinn R">aanv Nach Rabbi Schimeon hingegen wird dieser Prophet mit Erdrosselung bestraft. Diese Auffassung motiviert die Gemara mit dem Grundsatz '■W Jjjn xb* fUHt DJ1D mma tmnsn nn»»- Wird die Todesstrafe in der Thora nicht näher angegeben, so ist f ganz Israels seine Wohnstätte erlange," — eta so alter wie ewig jugendkräftiger Gedanke, — erwirbt neue Verwirklichung im heutigen, heute allein möglichen Verhalten zwischen Thoralehrsr und Gemeinde. Bleibt ein Rest des alten Abstände«? — Dort, wo er die Folge wirklich überragender Thorakunde und'der dieser gezollten Ehrerbietung ist, — wird diese Atmosphäre der Ehrfurcht sicherlich ein Glück für die Jüdischkeit Aller werden können. Wir Anderen unter den Thorabeflissenen, die wir die Grenzen unseres Wissens nicht verhehlen könnest und dürfen, können leicht atis einem Plus an Ehrerbietung ein Minus an Herzlichkeit herausfühlen, das vielleicht gar nicht gemeint ist. Wir sind leider nicht so über Irdisches erhaben, daß wir gltetch den göttlichen Thronengeln da ausbreiten, wo> zu unseren? Häupten „das furchtbare Eis"' erglänzt, — die Majestät des absoluten Temperatur-Nullpunktes. Wir loben G'tt täglich mehrmals dafür sogjarr daß er NTQ mal fWSJ vielerlei Seelen erschaffenhat,, welche nmntt HO ^3 BJTlOni. jede für sich* Mängel und Bedarf zu leiden hätten und nurin gegnseitiger Erleuchtung diese beheben können;; wir bedürfen mehr der Brüderlichkeit als der Ehrerbietung, um lebend zu wirkeni. Wir erfahren von menschlichen Schwächen und traurigen Verirrungen im familiären und' sonstigen Leben unserer Schwestern und Brüder nicht, um mit dieser Kenntnis gelegentlichem Preäigtstofflücken zu füllen, sondern um unserem auf Kosten der Betroffenen sorgloseren und da>- her geschärfteren Gewissen in: freundsxsüaftlicbar Aussprache Widerhall in ihrer vielleicht schuld-- beladenen Seele zu wedten. Bleibt ein Rest des alten Abständes infolge der Parteigegensätze, die selbst im Ihorabefölgerkreisff herrschen und auch die- Schaffensfreude der Jugend auf Dinge lenkt, die weit vom . Ihora-Ziele entfernt scheinen? Hat der altersgereifte Rabbiner der „Jugendbewegung" noch' etwas zu sagen? Mit bloßer Neutralitätserklärung ist hierbei nichts entschieden. Wo der R'ab'-- biner Mensch unter Menschen und nicht „Würefenträger" ist, kann ihm auch die iimerjüdische> Gruppenzug^ehörigkeit nicht verargt werderu Er ist als Thoraverkünder als solcher sefion nicht parteilos. Es bedarf wohl keiner Worte, daß hierbei? nur an weltanschauliche Dinge gedkent ist,, die zudem in mancher lebenvollen Gemeinde nie als Fragen der Menschenbewertung ausgeartet sind. Wo das mVa-Geschick jüdische Menschen verschiedener Herkunft zusammengeweht oder wo das Glück seine Gabe in der Gemeindegar zu verschieden verteilt hat, — da kann es zwischen diesen Gegensätzen für den Rabbiner nur die eine Möglichkeit des Verhaltens geben: ein Vorbild der Bruderliebe zu Allen, Arm und Reich, Ost und West vorzuleben. Verdient der Rabbiner Vertrauen zu seiner gleichen Liebe zu allen Personen, dann, hat wohl auch Jeder vollstes Vertrauen darauf,, daß seine gebotene Vorliebe für die der Thora am meisten dienenden Organisationen gleichfalls auf reinsten Motiven beruht und nur in edler Weise zur Verwirklichung kommt. Und die „ Jugendbewegung' *"? Wo letzferg'r wie ea bis weit in die nur halbwegs religiösen Kreise hinaus seit Erkalten der ersten Sturmjahre der Jugendbewegung selbstredend •ist, nicht an einseitiger Verneinung der Lebenswerte alles TJeberkommenen festhält, da wird -wohl auch, ein brüderlich denkender Thoraverkünder Gehör un^Nachfolge finden. Sicher muß ihm das gelingen, wofern er mit Einsicht, in die Besonderen Nöte heutiger Jugend begnadet ist, die ja zum Glück nicht mehr auf einseitig überzüchtetem seelischen Gebiete,, sondern auf dem Gebiete oft grausamster Wirklichkeit liegen. Bleibt ein Rest des Abständes gegenüber den alteingesessenen Familien jeder Gemeinde? Auch deren Einseitigkeiten und Vorurteile wichen hartem Geschicke. Die meisten Rabbiner, selber schon in mittleren Jahren, werden hier mitsamt ihren Getreuen fauch das Wort „meine Gemeinde" fügt sieb schlecht in den sachlich-herzlichen Stil heutigen Lebens zwischen Rabbiner und Umwelt) in die große Geschickesgemeinschaft der um ihre fernen Kinder bangenden Eltern gestellt. Hier ist mit Trostesworten nichts getan. Mit Recht erwarten die anderen Eltern vom Rabbiner, daß er rege an alien den Organisationen und Aktionen mitschafft,. — reger -die sorgenvolleren Anderen, — an allen Dingen, die das Unmöglichscheinende zwingen wolleftf von hier aus den Fluch der Fremde den Verwehten brechen, dorthin retten, was irgend von all dem Herrlichen zu retten ist, auf das jüdische Gemeinden dieses Landes; (und ihre Alteingesessenen insbesondere!) mit Recht stolz sein dürfen. Eine solche tätige Anerkennung dessen, was seit Generationen durch DTll "^ya nnd ihre Familien auf deutschem Boden geleistet wurde» — eine Neubelebung und Weitertragung dessen, damit die Erdrosselung ausgesprochene Nach der Änsieht des Rabbi Schimeon bildet mithair tttff sinn raam eine Ausnahme der Regel II. (Siehe: Maszeebet Sanhedrin 89 b). * * * Kap. 22. V. 12. -ubw sb nmon. ny WRa> tpu1» epo qk „Ist es aber zerrissen worden, so» bringe er Zeugen •darüber; <Ias Zerrissene bezahlt er. nicht." Der Hüter bringe Zeugen, daß ohne sein Verschulden das Tier zerrissen wurde. Das Suffix m von bezieht sielt danach auf die Rechtsangelegenheit. Er hat es, den ganzen Vorgang, durch Zeugnis t dem Gerichte darzustellen, damit dieses beurteile, ob durch ihn Rettung möglich gewesen wäre, iy IJHO1 ist folglich wiederzugeben mit: so hat er den Fall durch Zeugnis vorzubringen. (Hirsch.) In ähnlicher Bedeutung finden' wir das einem Zeitwort angefügte Suffix n So in Bereschit 15, 6: 'na "[»um nptx iV msm'l „Und er vertraute auf G'tt, und dieser rechnete es ihm als Frömmigkeit an." Auch Wik bezeichnet zuweilen das Neutrum. Vgl. Schemot 10, 11: crwpa» an« nm 'n m na»i nnaan «3 «V ja «V „Nicht also, gehet doch ihr Männer und dienet G'tt/ denn das wollt ihr ja." Andere Deutung: Behauptet der Hüter„ das Tier sei zerrissen worden, so bringe -er als Beweis für seine Aussage ein Glied des zerrissenen Tieres. 19 WRa» ti'W spt> dk Ist es aber zerrissen worden, so bringe er es als Zeugen. Das Suffix in bezieht sich analog dem Präfix ' von «ptt'' auf den in Vers 9 genannten a».#iw iiön--Vgl. Amos< 3, 12: Wie der Hirte aUS d?m Rachen des Löwen zwei Kniestücke und. ein Ohrläppchen rettet.. (Siehe Mechilta z. St. und Maszechet Bawa Kama 10 b.|. * * * ■Kap. 22. V. 22. '^R jwx» pvx qk »a im ruwi n» qk •wpyx-jrawK y»» „Wenn du ihn. bedrückst — sobald er zu mir schreit, höre ich seinen Schrei.' OK 'a bezeichnet hier das gleichzeitige Geschehen der im Nachsatz erwähnten Handlungen. Kaum schreit er zu mir, so höre ich bereits seinen" Schrei. * *, * Kap. 24. V. 7. Va i-iök>i o»n '3TK3 Kip'i nnan ibd np'i •srntwi nvvi 'n iai ipk „Er nahm das Buch des Bundes und las es dem Volke vor. Da sprachen sie: Alles, was G'tt geredet hat, wollen wir tun und darauf hören," Der Inhalt von Kap. 20, V. 19 bis Kap. 23, V. 33 bildet das Bundesbuch". Dieses n'tan iso setzt sich zusammen aus 'n nat und Q-'isDPn. So heißt es in 24, 3: Bnjswnn ^a mi 'n >*nn ^a <ik q?V iso'i n^a „Mos'che kam und erzählte dem Volke alle Worte G'ttes und alle Rechtsvorschriften". Unter 'n -»laT sind die in Kap. 20, V. 19 bis V. 23, Kap. 22, V. 28 127) bis V, 30, und Kap. 23, V. 10 bis V. 33 verzeichneten Worte zu begreifen. Die übrigen in Kap. 21 bis Kap. 23 enthaltenen Bestimmungen tragen, entsprechend dem in '21, 1 erwähnten Ausdruck, den Namen Q'ösw» o-nain ^a im Nachsätze von V. 3, sowie '?t »*m So in V. 4, dient als Kollektivbezeichnung für den Gesamtinhalt des Bundesbuches. Charakteristikum des Bundesbuches: Das „Bundesbuch" beginnt und schließt mit auf den Götzendienst bezugnehmenden Warnungen. Es beginnt mit

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