Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 4 (28.1.1937)
- Date
- 1937-01-28
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Nr." 4 D e. r I 8: r a e I i t 28/'Januar 1937 sondern unjgekefojt: dje ^ständige Fleischwerdung des Geistes, sein ewiges Sichveibinden mitdem Blüte, d. h. die ständige Vergeistigung der Umwelt und der Erde. 1 Jüdische Geschichte ist nicht wie Geschichte! sonst geistige Selbsterfassung . des Volkes, sondern sein ständiger Kampf gegen Einflüsse mythologischen Charakters, d. h. sein Kampf gegen die Aufhebung der Persönlichkeit, gegen das Dunkel, als das ihm alles Seelenleben der vorgeschichtlichen Vergangenheit der Völker' erscheint, gegen die schattenhafte Sinnlichkeit, die ihm alle Gegenwart bedeutet, die nicht vom Gesetze G'ttes geheiligt ist. Jüdische Geschichte ist der Kampf der geistigen Führer des Volkes um die Reinerhaltung und die Wachhaltung seines Geistes, damit es seine Lebensaufgabe erfüllen* kann. Sein Lenker aber ist G'tt, der sich ihm am Anfang offenbarte, als es noch der Einzelne war, und der nun als Erfüller der Verheißung aus der Zukunft zu ihm in die Gegenwart herübersieht. Das wahre Leben des jüdischen Volkes ist weder die Vergangenheit noch die Gegenwart, sondern die Zukunft. Nicht am Beginn, sqndern am Schluß der jüdischen Geschichte und der Geschichte überhaupt, insofern sie gewalttätige Auseinandersetzung der Völker bedeutet, steht das endgültig befreite jüdische Volk. Jüdische Geschichte zeichnet nicht,' wie das Volk seine. Geister hervorbrachte, sondemr.wle seine- Geister,, zmn , Volke -wurden und wie ^sich das Volk über, 'alle iÄnern und äußern Hindernisse hinweg zu dem herausbildet,1 was res zu werden hat, nämlich zu dem priesterlichen Volke G'ttes. Volksseele als das: Gewesene . spiegelt sich im Mythos, Volksgeist als das Kommende lebt in der Verheißung. Das jüdische Volk ist das Volk der Zukunft, ein rVolk nicht seelischen) sondern geistigen Wesens. In Uebereinstimmung damit ist sein Heros nicht die seelische Zusammenfassung einer vergangenen Menge in einer legendären Gestalt, sondern G'tt und eine reale geschichtlicher Person, ein wirklicher Mensch, der Stamm der späteren Generationen ist. Rein verstandesmäßig kann man> das jüdische. Volk und seine Geschichte nicht begreifen, weil es sich.^bedingt durch seine Art,-in der Wirk-; lichkeit noch nicht ganz und rein dargestellt hat. Sein tiefstes Wesen ist sein G!ftesglaube und nur durch diesen Glauben faßbar, .seine -Wirklichkeit ist in der Erfüllung der Verheißung, d. h.- in der Zukunft. Aber gerade deshalb schwebt ihm seine Zukunft ' in nicht weniger lebendigen tarben vor äls den. andern Völkern'ihre vorgeschichtliche Vergangenheit. Das jüdische Volk hat nur ein übersinnliches Bild seines Wesens, die Täuro, ■ " "•' Korrespondenzen. Deutsches Reich. Arische Kinde? nur frei arischen Pflegeeltern, Berlin, 15. Jan. In der ^Juristischen' Wochenschrift" wird ein Beschluß des Landesverwaltungsgericht es Lübeck, wiedergegeben, in dem. entschieden wird, daß ein arisches Pflegekind nicht Pflegeeltern überlassen( werden kann, deren männlicher Teil jüdischer Mischling ist. Das 'Landesverwaltungsgericht billigt die Begründung der Vorderinstanz, wonach zur Erziehung eines arischen Kindes im Sinne der nationalsozialistischen Staatsführung grundsätzlich ein Pflegevater der jüdischer Mischling kt, nicht in dem Maße geeignet sein könne, wie ein Pflegevater arischer Abstammung. Das Jugendamt habe lediglich in Aus= Übung des ihm zustehenden pflichtmäßigen Ermessens gehandelt, wenn es die Erlaubnis widerrief, weil es die Erziehung des Pflegekindes zu einem art- und rassebewußten Volksgenossen bei den Pflegeeltern nicht als gewährleistet ansah. Entscheidung zum Beschäftigungsverbot Hr Hausangestellte. '.; ■ , : v ., , , ,, Berlin, 22. Jan. , In eine? in der „Juristischen Wochenschrift" mitgeteilten Entscheidung des Reichsgerichts zum Baschäftigungsverbot für -a r i.s c h e Hausan g e - stellte , in jüdis'chen;, H aus.h.a l.t un g e n wird gesagt, die Anwendung der Strafbestimmung, des Blutschutzgesetzes sei nicht abzulehnen, wenn die alltägliche Tätigkeit der betreffenden Person mit einem gewerblichen Betriebe in Verbindung steht. Die Strafbestimmung komme nur dann nicht zur Anwendung, wenn die Tätigkeit mit dem Haushalt des Arbeitgebers nicht in Verbindung steht. Aus den Gemeinden. ... Berlin, 23. 'Jan; Die Jüdische Winterhilfe der Jüdischen' Gemeinde 7u Berlin hat vor kurzem zwölf, landwirtschaftliche und handwerkliche Ausbildungsstätten, in denen 360; Chaluzim sind, beschenkt. ..!'i . In den Kleiderkammern der 'Jüdischen Gemeinde bezw. der Jüdischen Winterhilfe - wurden im', Jähre; 1936 53.990 Personen bedient.; - ' *:? Die Sammlungen der.. Jüdischen Winterhilfe ste? hen in dieser Woche unter dem Motto: „Wer schnell gibt, gibt doppelt!" •' *' v ' 'J :-,v Ti?;7 ~ , H a m b u r g ,-24. Jan. i- •Die Deutsch-Israelitische Gemeinde in Hamburg hat.vor kurzem den (Beschluß gefaßt,; daß auswart^ ädernde Gemeindemitglieder bis zum Ende de© Jahres steuerpflichtig sind, in dem sie die Auswanderung; vornehmen. Es wird nunmehr erwogen, ob'nicht ein noch , weiterer .Zeitraum zur Veranlagung, der ausgewanderten Steuerzahler angenommen werden könnte, . soweit es sich überhaupt um finanziell leistungsfähige s Gemeindemitglieder handelt. ' \"_ ';, - ' ' ■■>. * ~; r .r. ., " v ■ , , München, 25. Jan. ■'■ ■ ' i Die Jüdische Winterhilfe in München betreut etwa 15 Prozent der in München wohnenden Juden., Im Monat Dezember 1936 wurden u. a; 1.077 Zentner ..Kohlen, Lebehsmittelpäkete, Nahrungs^ und Genußr : mittel verteilt, im Novemner .über 7Ö0^.Zentn&r Kar* toffeln. Zu Chanukka wurden zusammen mit dam * ' l-; . ■ i. ,~. . . - : Bekleidungsverein 1.20 Kinder beschenkt.*r : " ' '' " ' *:'; Köln, 24. Jan.1: In der Jüdischen Gemeinde Bonn wird ein fünftes Viertel der für das Etatjahr 1936/37 erhobenen •Kultussteuern von den Gemeindemitgliedern eingebogen werden. Ein entsprechender Beschluß der Ge-- meindevertretung is;t angesichts der Finanzlage der Gemeinde notwendig geworden. hu;^n: -!>:■- ..Hl! 'fJJiTfV •*;• -»V- *"* ► r « * i«"' i L eip zi g ,t.25. Jap. In einem im;,Gemeihdeblatt der Israelitischen' sReligionsgemeinde' izü ' Leipzig" veröffentlichten; ■ Atta* kel von Dr, Fritz G r ü b «1 wird überdie Lage-der Jüdischen Gemeinde Leipzig berichtet. Die Anforde* 1 rungen an die Gemeinde in geistiger und materieller Hinsicht -steigen zwangsläufig von Tag zu Tag, die Zahl und Leistungsfähigkeit ihrer Mitglieder sinke von Jahr zu Jahr.,, fast von Monat zu Monat,,, Die Auswanderung gerade von steuerkräftigen Gemeindenüt- ' gliedern^seiiüberau^ s^arkd fühlbar, während andererseits die Auswanderung : .der. zuschußbedürftigen Gemeindemitglieder ebenfalls fortschreite, aber durch die;zum großen Teil von der Gemeinde^ zu tragenden; hohen AusbildungsundjAus und ■ zumf'Teil' durch die.;Zurücklassungälterer^ bisher von c denj Auswandernden' unterhaltener Familienmitglieder, die Gemeinde. In Äteigendeni ^äße^belaste. Mehr - als-- die jHälfte /der . G habe kein : steuerpflichtiges Einkommen. Weit über 50 Proz, des Steueraufkommenswerde -nur von einer ganz kleinen Zahl von-Steuerzahl«rn• aüfjg«il>rachti In .Leipziggebe es .. einen «nschrec^end. -hohen. Anteil :; von^üXiS^gef empfängern und von Menschen^ die ohne Fürsorge« empfänger r zu. sein,, in i.kaufn. :erträglicl|en wirtschaftlichen Verhältnissen ,leben> .-/ . ■* r * - Im. weiteren. Verlauf des Aufsatzes wird u. a.'mitgeteilt, ,daß: im Laufe der letzten zwei Jahre die v -■ . -1 . ■ ,. ■ . ■ >.r Schülerzahl des, Schulwerkes der. Gemeinde, das Volksschule, Knabenrealschule * und höhere Mädchenschule umfaßt, von etwa 400 > auf 1100, gestiegen ist. Rund 80 bis 85:Proz. sämtlicher .jüdischer Schulkinder Leipzigs werden vom jüdischen Schulwerk, erfaßt. ' : ■ *. . ' - , -Breslau,- 22. Jan. Die Gemeindevertretung der Synagogengemeinde Breslau wählte ihr Präsidium für;das Kalenderjahr 1937. Vorsitzender wurde Rechtsanwalt, Rosenthal (Zionist), stelly. Vorsitzende Dr. Rpsenstein (Religiös- Liberal)!" .undfRechtsanwalt Dr. Pinczower (Konservativ). Damit'sind die •bisherigen Präsadiumsmitglieder wiedergewählt worden; Die Versammlung genehmigte den, vom Vorstand, vorgelegtenv Rechhungsäbschluß für>'das Verwaltung«jähr 1935/36. Es schließt mit einem Fehlbetrag von 32/778 Mk. ab. Es e'rgäbl isich,- daß in deni. Berichtsjähr das .'Wohlfahrtsamt- 'eihfen Zuschuß von 218.000 Mk. erforderte, : ' \? :, * ' ' •'. '•;. - Krefeld, 24. Jan. , 'Die Zähl der Gemeindemitglieder in der Synagögeragemeihde -Krefeld ■ betrug " im 1: : Januar 1532. In den Monaten November und Dezember 1936 sind. .4 männliche und 13 Weibliche Personen zugezogen; aber 20 männliche und 24 weibliche Personen fortgezogen*. Von den Fortzieheiiideh - gingen nach Orten innerhalb Deutschlands' 17'/ nach sonstigen" Ländern 15 und nach unbekanntem Ziel 12 'Personen.; Dem Gesamtzugäng von 18 Personen steht ein Abgang: von insgesamt 49 Personen gegenüber^' " >' ■ ■ ' ' ,; ■ .:*• .";. S a a,r b r ü cjk. e n ,, 25. Jan. Im ,,Nachrichtenblatt xler. Synagogengemeinde xles- Saarlandes", das nunmehr seinen 10. Jahrgang beginnt, werden Zahlen über 'die Bevölkerungsbewegung der Juden im Saarland mitgeteilt. Zu Beginn des Jahres 1935 habe, es etwa' 4500 Juden im Saarland gegeben, die bis zum Ende 1935. auf ungefähr 2000 zurückgegangen wären. ' Am 1. März 1936 wohnten noch" etwa 1000 Juden im Säärlandvi-eine Zähl, die sich, bis zum 'Ende des Jahres nur noch Unerheblich vermindert nat,' 'lm_^ ganzen Jahr 1936 gab es nicht eine einzige jüdische Trauung im Saarland. In Saar^ brücken h'aben soviel Geburten wie Sterbefälle stattgefunden; bei den Beerdigungen auf dem Lande handielt es sich fast ausschließlich' um - "Menschen über 65 Jahre. Innerhalb von zwei Jahren haben-sich die- Juden des Saarlandes um 80 Proz. vermindert, : Oesterreich. Frieden in der Wiener Kultusgemeinde. Wien, 22. Jan. : ' ., ,, -,■ ■ ..!■<),,. ■ , , Gestern Abend wurde nach woehenlangen Verhandlungen hinter verschlossenen Türen Friede zwischen -den Zionisten und der „Union ö-st er - reichisch'e^ Juden"'1 geschlossen. Nach m°s natelangem heftigem Kampfe haben sich die Zionisten zu dem Kompromiß bereitgefunden, auf die heiß um» stnttene Stelle des geschäftsführenden Vizepräsidenten zu verzichten. Stadtrat Dr, Jakob,Ehrlich trat aus freien Stucken zurück und uberließ den Posten dem Präsidialmitglied der ,,Union", Dr. Josef T i c h o, der dieses Amt vor Ausbruch der Konflikte bereits verwaltet hatte. Auch " die übrigen Stellen inder \ erwaltung der " Kulfusgemeinde, die vor Ausbruch der Mißhelligkeiten von Unionisten ' eingenommen worden ware n, wurden wieder lmit diesen besetzt. Die Führung der „llnion" erklärte sich hierfür zu dem -Kompromiß bereit/ den Amtsdirekfor Dr. ,L ö - wen h e r z"," dessen, 'Ernennung seinerzeit mit eine der Ursachen der.. äußersten yerschärfung "des Kohfl:ktes gewesen' war, vorerst für ein Jahr in seinfer Stellung zu bestätigen. *