Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 4 (28.1.1937)
- Date
- 1937-01-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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, 28^ Jaguar;193>__ _ zum Reden/ gez^srung'en hatten. Der Erfolg bsstand -einzig' darin,--daßLiHerr' Rokachj.xler.;dsrz'ei-v tige Bürgermeister von Tel Awiw, v e r s p r.a c h, sich . für die Angelegenheit zu interessieren/ . . Es < würde uns . keineswegs genügen, wenn die Regierungsbehörden, von denen wir eine volle Einlösung der Versprechen in Bezug auf den Hafen .mit Recht verlangen, uns mit der „Ver^ Sicherung/ ihres Interesses" abspeisen wollten; noch weniger aber Jcönnen wir uns mit der „Loyalitätsversicherung" der Tel Awiwer Iria begnügen,, wenn, allen Zusagen zum Trotze, der Sabbat im jüdischen Hafe,n nicht gehalten wird. Zeigen wir schon im ersten Stadium der Regierung, daß wir einen w a h r h a f t,j ü d i s c h e n Hafen verlangen. 1 * ■ ■"'* Auch der Tragödie zweiter Teil ist nun zu Ende. Wir meinen die Komödie „Erlösüngsmarsch", deren Regisseur Advokat. Wilhelm R üp p e 1 in Warschau ist. Schon vor mehreren Monaten hat dieser „Erlöser" mit etwa 200 jüdischen jungen Menschen von Warschau aus die Fußwanderung nach Palästina angetreten. Sie kamen auch glücklich — bis zum nächsten Dorfe, 40 Kilometer hinter Warschau^ und wurden von der Polizei auseinandergetrieben. Der zweite „Erlösungsmarsch", den Rüppel vor einigen Ta-' gen mit seinen Mannen antrat, gelangte sogar Offenbarung ued Mythos. "Von Saul Maus. Der Ursprung des jüdischen Volkes ist klar und bestimmt. Es beginnt mit der Offenbarung G'ttes bei der Berufung Abrahams und mit der y erheißung. Im Gegensatz zu den andern in die Geschichte eintretenden Völkern, an deren Beginn der Mythos steht, ist es die Nachkommenschaft eines vollkommenen Menschen, den G'tt zum: Träger seines Geistes auserwählt hat, also der Weiterträger dieses Geistes. Die Völker gingen aus den großen Einheiten der Rassen hervor, Ihr völkischer Ursprung verliert sich im Nebel der vorgeschichtlichen Vergangenheit, die sich nicht restlos enthüllen läßt. Sie sind das Ergebnis eines Differenzierungsprozesses, der seit Jahrtausenden in der Menschheit vor sich geht. Das jüdische Volk dauert inmitten des Zerj falb fort als Grundstock der: sich wiederauf- J zurück, tun G'tt die Worte des Volkes zu überbringen.1) In ehrerbietiger Weise wagt es- Mosche aber nicht, izu 'G'tt zu sprechen, solange G'tt nicht Sein Wort an ihn richtet. Als nun G'tt zu Mosche spricht: Siehe, ich komme zu dir in einer Verdichtung der Wolke -. . . (V. 9), da teilt Mosche die vom Volke gesprochenen Worte „alles, was G'tt geredet, wollen wir tun," G'tt mit. 'n nsn *"ian in Vers 8 ist mithin identisch mit[ 'n!?s oyn *"»V in Vens 9. ' .: '*. * * Kap. 19. V. 18. PKä'ri vby ~ir>fax 'aaa iVa ]W >a'o nnv -.nKbSnn-;^s-iwr7W!Jn^w3iiw-^y'i\' 1 . ,;Und der Berg Sinai war ganz in Rauch gehüllt, weil sich G'tt auf ihn im f euer herabgelassen hatte. Sein Rauch stieg auf wie 'der Rauch des Kalkofens, und der ganze Berg bebte sehr." Da® Erzittern des Berge® ward durch ein plötzlich auftretendes Erdbeben hervorgerufen. Mit Hinblick auf diese Erderschütterung singt Debora: „G'tt, als du auszogst von Sehr, als du einherschrittest vom Gefilde Edoms, da erbpb(« die Erde, auch die Himmel strömten nieder, auch die Wölken strömten Wasser nieder. Berge verflossen vor G'tt, dem Volke Israels" (Schoftim 5, | 4—5). Vgl. auch Tehdllim 68, 8—9: „G'tt, als Du aus* ' zogst vor Deinem Volke, als Du einherschrittest durch •(die Wüste, Sela: es bebte die Erde, auch die Himmel strömten -nieder, ^dieser Sinai vor G'tt,* dem . G'tte Jisraels." Der auf die Gesetzgebung bezugnehmende Satz ",;Berge hüpften wie Widder, Hügel wie junge. Schafe" (Tehillim 114, 4) ist mithin, analog dem vor». ■*■) Dementsprechend ist auch in ön*wv zu be-ö . greifen. •■. ■>.. . . - D e r I s r a e 1 i t bis zur Stadt Pile w in der Nähe von Lublm, Aber wieder war .die böse .£oJizei am Platz und trieb die einheitlich gekleideten, mit wehenden Fahnen marschierenden Menschen auseinander. Wir wollen, keineswegs die ehrliche 'Erlösungssehnsucht junger /jüdischer Menschen ins Lächerliche ziehen. Aber wenn in einer Zeit ernsten Ringens für die ganze Welt und nicht zuletzt für uns Juden sich Enthusiasten einer verlorenen Sache auf diese Weise hingeben, so kann dieses Unternehmen doch nur den Zweck einer D emonstration haben. Und für eine solche ist uns doch die Judennot zu ernst und unser Erez Israel zu heilig. Wohl gibt es Präzedenzfälle in der Geschichte. Aber Mole ho und Reubeni im 16. Jahrhundert machten noch wenigstens den Versuch, die Mächtigen der Welt unddie gekrönten Häupter für ihr Unternehmen -zu gewinnen. Die Juden von Zirndorf konnten noch die unwiderstehliche Gewalt einer religiösen Sehnsucht für sich in Anspruch nehmen; und da wie dort endete die Sache unglücklich genug. Das kleine Rüppelhäuflein in Warschau will aber nur die Aufmerksamkeit der Welt auf sich ' lenken und merkt es nicht, daß - es die schmale Grenze überschritten hat, die das Tragische vom Lächerlichen trennt. bauenden geistigen Einheit der Menschheit. Der Unterschied zwischen Offenbarung und Mythos ist auch der Unterschied zwischen dem Wesen des jüdischen Volkes und dem der andern Völker. Das Gesamtwesen ein'es jeden Volkes ist seelischer Art, man spricht von der Volksseele. Nur das Wesen des einzelnen Menschen, der Persönlichkeit, ist Geist, Und da der Mythos das Volksleben zum Ausdruck bringt, so ist er keine Offenbarung des Geistes, sondern Spiegelung des seelischen Wesens des Volkes, er stellt dessen gesamtes vorgeschichtliches Dasein als einmaliges Ganzes dar. Der Mythos ist keine Darstellung in streng chronologischer Ordnung und keine Lebensschilderung einzelner wirklich dagewesene^ ^Personen. Die Darstellung des Einzelnen in der Zeit ist Gegenstand der Geschichte, denn in der Geschichte ,geht das Seelenleben des Volkes in-«eine geistige Selbsterfassung über. Im Mythos drängen sich alle Zeiten der Vorgeangeh enden „das Meer' sah und floh," nicht bildlich, sondern wörtlich aufzufassen.2} . * * * Kap. 19. V. 19. w rwn nsn prm i^w -nswn btp »n*i •Vipn "iaa»' D'pVsm „Und der Posaunenschall wurde immer stärker und stärker, Mosche redete, und G'tt antwortete ihm laut". Infolge', des immer stärker wendenden Posaunenschalles, sieht sich G'tt gleichsam genötigt, mit lauter Stimme zu sprechen, damit Seine Rede das •Dröhnen des Schofars übertöne und von Mosche vernommen werde, "ist Mosche hingegen spricht nicht lauter als zuvor. Der Nächsatz D-'p^sm *m* nera Sipa I33y> bezieht sieh auf die in den folgenden Versen (20ff.) enthaltenen Reden. * * * Kap 20.V. 2. D'nayri'an n'-tsa .fatta ivixsin itrs t?^8 >,Ich sei G'tt, dein G'tt, der ich dich aus dem Lande Aegypten, aus dem Sklavenhause geführt." V. 2, 3, 5 und 6 sprechen von G'tt in der ersten Person. „Ich sei G'tt, dein G'tt, der ich dich geführt," „Es sei dir nicht eine andere G'ttheit vor meinem Gesichte." „Denn i c h, G'tt, dein G'tt, bin ein eifernder G'tt, denke die Sünde von Eltern an Kindern, 2) Das 29, Kapitel in Tehillim -'n *p mn* naia dürfte wohl als Schilderung der die Offenbarung am Sinai begleitenden Naturgeschehnisse zu . begreifen sein. So beziehen* auch die Weisen Vers 10 und 11 dieses Kapitels auf die . Gesetzgebung. (Maszechet Sewachim J.16a). Eine ausführliche 'Erörterung dieses „Mismor" soll einem besonderen Artikel . vorbehalten bleiben. ____Nr. 4 Seite 5 schichte in einer Zeit zusammen, und die Taten vieler Generationen verschmelzen zu den Heldentaten eines einzigen fabelhaften Heros oder '< G'ttes. Der mythologische Held ist das Bild der Volksseele, wie es einer späteren Zeit in perspektivischer Verkürzung der Vergangenheit vorschwebt. In diesem Bilde erscheint der Volkscharakter befreit von den Nebensächlichkeiten alles Individuellen. Weil der Mythos das Bild der Volksseele aus der Rückschau ist, und weil in ihm die Zeiten ineinander übergehen, kann aus ihm die Zukunft des Volkes nicht erkannt werden. Sie kann höchstens gemutmaßt werden, ähnlich wie dem Kinde sein späteres Geschick aus seinem Charakter vorausgesagt werden kann. Der Mythos ist ähnlich wie die Geschichte Vergangenheit, unterscheidet sich aber von ihr dadurch, daß in ihm verschiedene Zeiten in .einer Zeit, viele Personen in einer Person und viele Geschehen in einer Heldentat zusajnmenfallen, daß alles in der Zusammenfassung erscheint. In der Geschichte dagegen wird alles in der Entwicklung dargestellt. Man kann also sagen: Der Mythos ist ein synthetisch entstandenes Bild der > Volksseele, Geschichte ein*j£ analytisch dargestellte* Charakteristik von Persönlichkeiten und Vorgängen. Außerdem ist die Geschichte lebender Völker eine unvollendete Darstellung, der Mythos aber kann nur vollendet auftreten. Deshalb spiegelt er das Wesen des Volkes vollständig und abgeschlossen. Das jüdische Volk hat keinen Mythos, weil es. keine vorgeschichtliche Vergangenheit hat. ,,Denn ich rief ihn, da er noch einzeln war und segnete ihn und mehrte ihn." (Jesaja.) Am Antang des jüdischen Volkes steht kein Seelenleben vorgeschichtlicher Generationen und keine in geistiger Entwicklung begriffene Volksmenge, sondern G'tt und seine Begegnung mit dem Menschen, mit Abraham. Der individuelle Mensch, den sich G'tt erwählt, ist sein Beauftragter' und Träger seines Geistes in der Welt. Dieser. Einzelne, Abraham, mit dem das jüdische Volk beginnt, entfaltete sich in seiner Nachkommenschaft, nachdem ihn G'tt berufen hatte. So verband er sich mit dem Geiste und den Geist mit seinem Blute. Er verkörpert also in «einer leiblichen Nachkommenschaft den Geist G'ttes. Die Völker dagegen stellen, vom Mythos zur Geschichte übergehend, eine seelische Zusammenfassung dar, um im Einzelindividuum zu gipfeln und ihre seelischen Kräfte zu vergeistigen. Die jüdische Geschichte ist demnach keine Spiritualisierung und keine Individualisierung des Volkes und kein Aufstieg des Seelischen zum Geistigen, wie es die Entwicklung, aller Völker ist. Spendet zu jeder Zeit der jüdischen Winterhilfe! an'dritten und vierten Geschlechtern; denen, die mich hassen." „Und übe Liebe Tausenden, denen, die mich lieben, und. denen, die meine Gebote hüten." Vers 7 hingegen schließt mit den Worten: x\vb V2V m R-' -lern m 'r\ nps> kV '3 „denn nicht ungestraft läßt G'tt den, der seinen Namen zum Gleichgültigen ausspricht." Dem Wortlaut der vorhergehen« den Verse analog hätte man hier erwartet: *ws ntt *<mb »»» r-i«»»» („den, der meinen Namen zum Gleichgültigen ausspricht." Ebenso verhält es sich mit Vers 11. „Denn in sechs Tagen hat G'tt den Himmel und die Erde, das Meer und alles, was in ihnen ist, erschaffen, aber am siebenten Tage ruhte er, darum hat G'tt den Tag des Schabbat gesegnet und ihn geheiligt." Es heißt hier nicht: „Denn in sechs Tagen habe ich, G'tt, erschaffen ... ruhte ich... habe ich, G'tt gesegnet und ihn geheiligt." Und der Schluß von Vers 12 lautet nicht: „auf dem Bo* den, den ich, G'tt, dein G'tt, dir gebe," sondern „den G?tt, dein G'tt dir gib t." Auf diesen Ueber* gang von ' der ersten Person zur dritten Person gründet sich der Ausspruch der Weisen: 1^ »6? "Ol* Di»a» nnisan'BaJDie zwei ersten'Gebote „Anochi" (V. 2) und „Lo jihje lecha" (V. 3—6) hörte Jisrael unmittelbar aus dem Munde des Allmächtigen. Die übrigen Gesetze werden .dem Volke von Mosche mitgeteilt. (Maszechet Makot 24a, Horijot 8a). ■■■■■■■ppaprJHHHppHBpMHHHpiHHHHHapH Vom jüdischen Wesen«