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Der Israelit · 1937-01-28 · Heft 4 (28.1.1937) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 4 (28.1.1937)
Date
1937-01-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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28. Januar, 1937 D € rIsr a c.l f t Nr. 4 Seite 3 Der jüdische Territorialismus in neuer französischer Auf läge. (Fortsetzung von Seite 1.) aber keine Kaufleute Landwirte mit Kapital; und Handwerker.1 -j Daß die französischen; Ansiedlungspläne nicht darauf hinauslaufen, die E v a k ui e r u n g von Juden aus Polen zu fördern; wurde unzweideutig in einer Erklärung von - Unterstaatssekretär Bouteille gegenüber Pressevertretern festgestellt. Der Unterstaktssekretär gab bekannt, daß die französische Regierung in entsprechender Weise auf diplomatischem Wege einige Regierungen informiert habe. Auch bei dieser Gelegenheit sprach Unterstaatssekretär Bouteille davon, daß zuerst die gegenwärtig in Frankreich lebenden jüdischen, Auswanderer aus anderen Ländern in den französischen Kolonien Angesiedelt werden sollen. ' Der ,,Pariser Hajnt"\ berichtet, daß jüdische Organisationen iii Paris in Zusammenarbeit mit a m er i k a n i s c h e n und englischen jüdischen Organisationen Vorbereitungen zur Entsendung einer jüdischen Komm i s s i o n treffen, die die vom Kolonienminister M o ü t e t angebotenen Niederlassungsmöglichkeiten an Ort und Stelle untersuchen soll. Persönlichkeiten, die dieser Kommission angehören sollen, beurteilen die Aussichten in Neu-Kaledönien günstig. Verhandlungen mit dem Kolonienministerium über die Unterstützung der Kommission durch die -staatlichen Stellen sollen in der nächsten Woche aufgenommen werden. Stimmen der Presse und Stellungnahme der zuständigen Organisationen. Die New Yorker Tageszeitung „Tog" ist der Ansicht, daß die vom französischen Kolonienminister bekannt gegebenen Möglichkeiten für die Ansiedlung von Juden in überseeischen französischen Besitzungen praktisch bedeutungslos sind. Daß Madagaskar klimatisch für die Ansiedlung von Europäern völlig ungeeignet ist, sei allgemein bekannt. Aber auch die anderen vom französischen Kolonienminister erwähnten Gebiete kämen für die Ansiedlung von Juden kaum in Frage. Auf alle Fälle wäre es unsinnig, von Möglichkeiten für Masseneinwanderung zu sprechen. Der Hilf sverein der Juden in Deutschland stellt der ITA folgende Ausführungen zur Verfügung; In den, letzten Tagen ist die jüdische Oeffentlichkeit über Bestrebungen unterrichtet worden, größere jüdische Ansiedlungen in den 'französischen Kolonien zu begründen. Da von den hierbei in erster Linie genannten Gebieten Madagaskar^ den Neuen Hebriden, Neu-Kaledonien Und Französisch-Guayana der Allgemeinheit wenig bekannt *ist, mögen folgende Angäben zu ersten Aufklärung dienen: : ' - 1. Die Neuen Hebriden und Neu-Kaledonien sind Inselgruppen im Stillen; Ozean;: die östlich■ von Australien liegen; Das Klima ist:Verhältnis^, mäßig heiß; die Durchschnittstemperaturen . bewegen sich zwischen 27 und 22 Grad Celsius im Vergleich zu einer Berliner Jahresdürchschnitt$temperatur von etwa 8 Grad. Die Regenfälle sind typisch tropischer Art. Neu-Kaledonien liegt zwischen dein 20. und 23.. Grad südlicher Breite und hat einen Gesamtumfang von nur etwa 18.500 qkm, d. h., es -'st ungefähr so groß wie Württemberg. Die Bevölkerung "betrug etwa 57.000 Seelen, davon knapp ein Drittel Weiße. Es wanderten auch bisher wenig Weiße ein, dagegen viele Farbige, wie Inder, Javaner und Chinesen. Die hauptsächlichsten landwirtschaftlichen Produkte sind Kaffee, Kopra, Baumwolle usw. Auf der Insel sollen große Bodenschätze yorhanr den sein,, vor allem Nickel, , aber auch Chrom, 'Kobaltf Eisen urid -Manganerze. Die einheimische Induatrie ist wenig entwickelt. /■ Die iNeuen Hebriden sind eine Inselgruppe, die aus etwa sechs größeren und vielen kleineren Inseln bestehti die zum Teil noch heute unerforscht sind, und zusammen einen Flächeninhalt von etwa ■13.000 qkm (etwa der Fläche Thüringens entsprechend) haben. - Die Einwohnerzahl der Inselgruppen beträgt etwa 65.000, wovon , nur ein geringer Teil aus Weißen besteht. Auf einigen Inseln herrscht noch Kannibalismus. Politisch stehen die Neuen, Hebriden unter französisch-englischem Kondominium. In wirtschaftlicher Hinsicht ist die Erzeugung tropischer Früchte (Bananen, Orangen) und von Zuckerrohr hervorzuheben; verschiedene englische und französische Handelsgesellschaften vermitteln die Ausfuhr dieser Produkte. Der geographischen Lage entsprechend ist die wirtschaftliche Verbindung mit Australien am engsten. 2. Im Gegensatz zu der verhältnismäßig geringen Fläche dieser Inselgruppe umfaßt die Insel Madagaskar, die sich an der Ostküste Afrikas vom 12. bis 25. Grad südlicher Breite erstreckt, eine Fläche von etwa 627.000 qkm, was dem Umfang des Deutschen Reiches und der Tschechoslovakei zusammen entsprechen würde. Doch gilt das Klima Madagaskars als mehr oder weniger ungesund,1 vor allem im tropischen Küstengebiet, wo die Durchschnittstemperaturen 25—-26 Grad Celsius betragen. Für eine europäische Besiedlung kommen'daher die Küstengebiete und das Tiefland kaum, in Frage; dagegen ist das Klima des Hochlandes zwischen 1000 und 1600 m gemäßigter. Die Bevölkerung der Insel zählt etwa 3,8 Millionen Seelen, davon 3,7 Millionen Malagassen, d. h. eine Mischrasse aus Eingeborenen-Stämmen, Indern, Chinesen* und Arabern. Die Zahl der Franzosen auf der Insel betrug etwa 23.000, die Zahl der übrigen Weißen war gering. Das Land;ist;, durchweg in zwei Regionen eingeteilt, von denen eine der europäischen ße-; wirtschaftung offen steht, während die andere Eingeborenen-Reservat ist. Auf der Insel wird hauptsächlich Reis, Zucker, Kaffee, Manioka und Baumwolle angebaut; die Eingeborenen, betreiben auch in größerem Mäße. Viehzucht, für die das, Land teilweise sehr geeignet ist. Die Industrie ist noch wenig entwickelt; die Ausfuhr geht hauptsächlich nach Frankreich, welches auch in der Einfuhr an erster Stelle steht. 3. Die französische Kolonie Guyana liegt an der -Nordostküste Südamerikas, in durchaus tropischen Breitengraden. Die Bodenfläche beträgt etwa 98.000 qkm, d. h. das Land ist so groß wie das heutige Ungarn. Es zählt aber nur 22.000 Einwohner .,abgesehen von den statistisch nicht erfaßbaren Eingeborenen-Stämmen und einigen tausend Sträflingen. Das Klima des Landes soll trotz seiner Lage mehr subtropisch als tropisch sein. Das Land ist zwar , nicht frei von Tropenkrankheiten (besonders Dysenterie und Malaria), doch soll das Klima an der Küste und in den erschlossenen Savannen-Gebieten für Europäer erträglich sein. Wirtschaftlich ist das Land noch wenig entwickelt, von der Gesamtfläche sind nur 3700 ha landwirtschaftlich genutzt. Wie aus obigen Angaben hervorgehen dürfte, gehören die Gebiete, deren Eignung für die Ansiedlung größerer jüdischer Massen untersucht werden soll, keinesfalls zu den für Europäer wirklich günstigen Siedlungsgebieten. Vor allem geben sie in* klimatischer Hinsicht fast durchweg Anlaß zu schweren Bedenken. So sehr die ernste Auswanderungslage in Mittel- und Osteuropa die sorgfältigste Prüfung jeder Möglichkeit zur Erschließung neuer Einwanderungsgebiete erfordert, so falsch wäre es jedenfalls, von den hier in Rede stehenden Gebieten in Kürze eine fühlbare Erleichterung des jüdischen Auswanderungsproblems zu erwarten. WoShenrundschau. Nach Abschluß der Untersuchung — „Stimmung innerlicher Unruhe" — Keiner ist in Amerika „überschüssig" — Die Organisation soll helfen— Der Sabbat im unruhigen Hafen — Der Erlösungskomödie zweiter Akt« Erst wollten die Araber nicht, nun aber, da ihnender jAppetit mit dem/Essen kam, können sie gar; ^lym^jpgenug r traben. Nach 5 Abschluß der Untersu^Öin^ggärbeiten in Palästina wollen sie, häch: eM^^tteilung der arabischen Tageszeitung ,;rii i^twa^", die.als Organ des! Mufti gilt, : e i rie D e;li ejgV f i ori n a c h London schikken, um dieUpierasalemer Beute für sich sicherzu- . 'i ' J'' stellen. Steijshid selber, aus den Betrachtungen in den arabischen Zeitungen zu schließen, sehr begeistert von ihren Aussagen .und glauben, eine gute Figur und vortrefflichen Eindruck gemacht zu haben. Sie wollen die Zeit bis zur Abfassung des Berichtes (der Kommission an die"1 'Regierüng^ richtig ausnutzen, um die öffentliche Meinung Englands für die arabischen Forderungen zu beeinflussen. Was von jüdischer Seite geschehen wird, um die Spanne, ^zwischen Jerusalem und London richtig auszufüllen und auszunutzen, wissen' wir nicht. Eine!*; angesehene politische Zeitung weiß zu berichte^lidaßijDr. Weiz?aann; auf d-em Wege vonifiie^usalem nach London sich in P a - r i s äufhäl^um dort mit dem. Ministerpräsidenten Leon Blum Verhandlungen zu pflegen. Soweit wir unterrichtet sind, haben aber die Vertreter der französischen Regierung zur Zeit andere Sorgen, und wenn sie an Juden und jüdisches Schicksal denken, sind ihre Blicke nicht über das Mittelmeer nach Palästina, sondern nach Madagaskar und ähnlichen lieblichen Erdstrichen gerichtet. * * * Die arabisch? Delegation bei den Verhandlungen vor der König!. Untersuehungskommission in Jerusalem unter Führung des Mufti (vorne links). Die Herren der Kommission sind nach Hause gefahren. General Dill hat sich nach Aegypten begeben: 0Wenn Generäle gehen, so wirkt es immer beruhigend, da man nun wohl ohne die schweren Tanks auskommen kann. Allein, die Erklärung, die der Kolonienminister im U n t e rhause nach den Ferien am 20. Januar abgab, wirkt niqht sehr beruhigend. Das Land sei von einer Stimmung innerlicher Un-

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