Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 3 (21.1.1937)
- Date
- 1937-01-21
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 14 Nr. 3 D e r 1 s r a e 1 i t 21. Jäiiuäx 1937 tung, die kein anderes Fest in dem Maße erfordert wie der Pqßach Und wie mit zunehmendem Alter das Kind von der Mutter nach und nach zur eigenen, seinen Jahren entsprechenden Mitarbeit herangezogen wird, desto mehr wächst seine Freude. Diese Empfindung, die sich in der Lust an eigener r e 1 i •- g lösen Betätigung äußert, zu wecken und zu pflegen, ist eines der bedeutendsten Erziehungsmittel des jüdischen Hauses. Wehe, wenn es mißachtet wird. Dagegen: „Heil denen, die in deinem Hause weilen; immerdar werden sie dich rühmen! Sela." KURIOSA. Dem in Riga erscheinenden „Haint" schreibt ein geplagter Vater aus Warschau: „Ich habe zwei Söhne, die grundverschieden voneinander sind Der ältere ist ein „guter Kopf", ein Bücherwurm, der jüngere mag nichts von Büchern und ähnlichen Dingen wissen, Hat aber „unberufen" starke ^äuste. Was tut ein Vaier, wenn er Kinder nach ihrer Begabung oder nach ihrer Unbegabtheit erziehen will? ' . Ich ließ den älteren studieren upd schickte ihn auf die Universität nach Krakau, wo die Quote für jüdische Studierende günstiger ist als in Warschau. Den jüngeren brachte ich auf einem Gut in der Nähe von Wilna unter, damit er gründlich die Landwirtschaft erlerne. Gestern erhielt ich , mit gleicher Post czwei Briefe von meinen beiden Söhnen. Der ältere schreibt: „Das weitere Studieren ist für mich unmöglich. Es gibt Krawalle an der Universität und dauernd bekomme ich zu hören, ich möge die Lehrhalle verlassen und aufs Land gehen, um, gleich den Bauern, zu arbeite n." Der jüngere schreibt: „Ich kann unmöglich noch länger auf dem Lande bleiben. Ich werde dauernd angefeindet und angerempelt und man sagt mir, ein Jude habe nichts bei der Landwirtschaft zu tun. Tch möge nach der Stadt gehen und gleich den Anderen, studiere n." Was fange ich nun mit meinen beiden Söhnen an?" Östlicher Humor. In R i £ a tragen die vornehmen Herren jetzt die Uhr nicht mehr in der Tasche, sondern am Arm. Die Rigaer großen Herren greifen nämlich nicht gern in die Tasche ... „Die Balfour-Deklaration," sagt ein Lodzer Manufakturhändler, „ist echt« englische Ware." „Wiasc?" „Ist doppelseitig ..." Aus der Agudas Jisroel-Bewegung. Keren Hajischuw und Beth Jacob. In anderem Zusammenhang habe ich jüngst einmal ausgeführt, daß der Begriff „Agudismus'' von jedem Agudisten auf Grund seiner eigenen Sehnsüchte und Nöte definiert wird. Die einen, unsere orthodoxen Arbeiter, verstehen darunter: die Durchdringung des jüdischen Lebens mit dem Jauscherideal der Thora; die andern, etwa unsere deutsche Jugend: die Bereitstellung des heiligen Landes für einen Aufbau im Geiste der Thora; der um die Zukunft seiner Tochter besorgte Bal-Bos im Osten: die Schaffung von Beth Jacob-Schulen, die die Töchter des Landes vor der Unkultur schützen und bewahren; der Ungar: .die Einhämmerung des orthodoxen Organisationsgedankens in alle Gemüter; der polnische Agudist:'die Eroberung der Gemeindestuben; der in New York lebende Gesinnungsgenosse, der die Zerrissenheit und dadurch die Machtlosigkeit im Lager der Gesetzestreuen sieht: die Weckung des Klal- Bewußtseins; der litauische Jasichi wo=Mann: die Erhaltung der Jeschiwaus; der slovakische Jungagudist: die Erziehung -und Heranbildung des jungen Geschlechtes zu wissenden, vom Lernen erfüllten und für das Lernen erglühten Menschen. So legt jede Antwort unbewußt das Herz des Antwortenden bloß, in jeder Antwort (liegt eine halbe Wahrheit. Die ganze Wahrheit aber, die den Agudismus, losgelöst von. Ort und Land und eigenem Bedürfen, erkennt, sie hält jeder Antwort 'die andere entgegen, die belehrt uns dahin, daß das Wesen des Agudismus begreif en, ein Begreifen der jüdischen Not bedeutet, das den Willen auslöst, überall teilzuhaben an der Stillung dieser Not, auch wenn sie nicht die Not des eigenen Kreise® und des eigenen Herzens ist. Agudismus bedeutet die Ueberwindung jedes Egoismus durch die große gestammelte Kraft des orthodoxen jüdischen Volkes;--;--- Obgleich ich eigentlich außerhalb der Keren Hajischuw* Arbeit stehe, bewundere ich seit Jahren am Keren Hajischuw und seinem begeisterten Leiter diesen richtigen und echten Agudis m u s : der oberflächliche Blick mag glauben, daß es für die Keren Hajischuw-Leute nur eine agudistische Aufgabe gibt: das Land; wer tiefer blickt, der weiß, daß dies nicht wahr ist. Wenn die Maßgebenden im Keren Hajischuw vom Land sprechen, dann meinen sie eben in genau dem gleichen Umfang zugleich die Lehre, wenn sie für Keren Hajischuw Propaganda machen, dann ist es zugleich Propaganda für den Keren Hathora, wenn sie sich um Arbeitsmöglichkeiten für den agudistischen. Poe il im heiligen Lande bemühen, dann ist ihnen im gleichen Augenblick die Not' wendigkeit insi Herz gebrannt, für die Beth J a c o b - E r zi eh u n-g des agiidis tischen Mädchens im heiligen Lande Sorgezutragen. Wenn ich diese Tatsache hier unterstreiche, dann gebe ich gleichzeitig zu, daß die von mir zu betreuende Beth Jacob-Organisation, trotz vieler und großartiger Erfolge, an deren Erreichung ich aber keinen Anteil habe, auf einem Gebiet bisher wirtschaftlich völlig versagt hat: auf dem Gebiet der Fürsorge für das Beth Jacob Werk im •heiligen .Lande. Ich hoffe zwar, daß in naher Zukunft Beth Jacob auch in Erez Jisroel die ihm wesenseigene Aufgabe aus eigenen Mitteln speisen kann. Mit dieser Hoffnung läßt sich aber vorläufig weder die Miete für die palästinensischen Beth Jacob-Schulen, noch das Gehalt der palästinensischen Beth Jacob-Lehrerinnen bezahlen. Und darum erkläre ich es für eine Pflicht aller, die Beth Jacob lieben und fördern wollen, auch dem Keren Hajischuw, helfen zu müssen. Dies auszusprechen ist das Mindeste, was der für. Beth Jacob Verantwortliche dem Werk des Keren Hajischuw schuldet; dies auszusprechen verlangt die Dankbarkeit, die Beth Jacob dem Keren "Hajischuw schuldet, dies auszusprechen ist die Pf licht eines recht verstandenen.Agudismus. Wolf S, Jacobson. Neue Adresse der Agudas Jisroel-Büros «n Berlin. Die Palästina-Zentrare der Agudas Jisroel teilt mit: Das Berliner Büro der Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel und die Geschäftsstelle der Agudas Jisroel, Ortsgruppe Berlin, wurden nach Berlin NW 87, Flotowstr. 7, Teleofn: C 9 2642 verlegt (Sprech» stunden Montag—Donnerstag 15—18 Uhr), Agudas Jisroel-Ortsgruppe Berlin. In der Berliner Ortsgruppe der Agudas Jisroel finden in der kommenden Woche folgende Vorträge statt: Sonntag, den 24. Jan.: 1. Gottfried Goldschmidt: Der jüdische Sprachgeist nach S. R. Hirsch. 20.30 Uhr Beth Hamidrasch Ez Chajim, Klops tockstr. 25 p. 2. Max Neuber£er: Sinngehalt der Mizwoth (nach S. R. Hirsch „Choreb") 16.30 Uhr, Artilleriestr. 31, Betsaal (für Herren) — Mittwoch, den 24. Jan.: 1. Rabb. Dr. Esriel Hildesheimer: Methodologie des Talmuds (für Fortgeschrittene). 21 Uhr Siegmundshof 11,-Bei? saal. 2. Emanuel M. Meyer: Arbeitsgemeinschaft: Die Wcohensidra (unter Berücksichtigung des Kommentars, von S. R. Hirsch), 20.30 Uhr, Pariserstr. 4, Synago'ge. Rabbiner Dr. Merzbach in Leipzig. In d^r Leipziger Agudas Jisroel-Ortsgruppe, AHO. und Esra PAJ. sprach Herr Rabbiner Dr. Merz? b a c h, Darmstadt, über „Erez Jisroel im Lichte altjüdischer Forschung", um aus dem Gedankengut agudistischer Weltanschauung zu einigen Fragen Stellung zu nehmen, die Erez Jisroel betreffen. In grundsätzlicher Weise konnte gezeigt werden, wie jene Fragen bereits wesentlich im alten Schrifttum verankert sind und selbst in ihren letzten, zeitgemäßen Verzweigungen aus ihm gelöst werden. Der wirkliche Besitz des Bodens z. B. ist begründet durch den Bestand -und die Wiederauifindung einer Urkunde, die Zeiten und vorübergehende Besitzer überdauert. Schon an den t^raa erging die g'ttliche Weisung, den Besitzschein in der Tonröhre zu verwahren und so dem Erdboden anzuvertrauen als unvergängliches Beweisstück seines Bodenrechts. Aus dieser „fast messianischen" Besitzauffassung ergibt sich die Verantwortung jedes Einzelnen an ,;seinem" Grund und Boden in T,'K und damit eine tiefgreifende Hinweidung zu dem unbekannten jüdischen Menschen, der gerade dort den Pflug 'zieht als „nur Walter" des Bodens. Wann das Svhhedrion in Hut des Q'KVa * Verbots den Acker enteignen konnte, so zeigt sich darin eine einzigartige Bodenbewirtschaftung, die nichts gemein bat mit den Verhaftungen einer nur fachgemäßen Bearbeitung, denn sie unterliegt obersten Gesetzen jenseits von Zweck und Nutzen, den pyn der rniri mit ihrem Totialitätsanspruch. Die Frage der Sprache? aschkenisisch oder sephardisch, wird ins rechte Licht gesetzt durch den •Naghweis/idaß;die »aainja» L7»tw> wesentliche Unterschiedsmerkmale;; aufwiesen und heut2' sicherlich noch besitzen,- nicht ^zuletzt im sog, hoi3/ der Form und Wahl der Gebete. ' Dies führt zur Verpflichtung, den' ttHipn n»V» die ,;Spräche des Heiligen", derVörfahreh beizubehalten, ungeachtet .der für sich zu wertenden sund geschichtlich be^ gründeten rmajrVerkehrssprache ir» "K- Noch" eine Reihe anderer scheinbar entlegener Probleme lassen sich auf das aJtjüdische Schrifttum unmittelbar zurückführen, wie z. B, 'die Frage der Ausfuhr der Bödenerzeugnisse aus '"R» die Verbringuag der Güter vom flachen Land in die Stadt durch den jüdischen Bauer, die Regelung des Durchgangs auf engem Weg, eine Erörterung in der das vielfach gültige Prinzip „vom kleinster: Schaden" gilt. Sogar die Stellung des Verwalters öffentlicher Gelder dem "Viax gegenüber und ebenso das Tias gegen , ihn ist nach ethischen und halachischen Grundsätzen entschieden, so ■daß es die Aufbauarbeit nicht nötig hat; erst (nach neuen Formen zu suchen. Ueberall und immer aber sind es die -wnj? des „Landes" und die ,,Heiligung unseres Leben.?", die in Einklang zu bringen sind, um die g'tllichen Pflichten an zu erfüllen und so rpw» den Weg zu bereiten. -—hri. Kongreß der Bnoth Agudas Jisroel in Polen. Demnächst findet der J u b i 1 ä u m s> k o n g r e ß der religiösen F r au e no r £a n ds a t i o n Bnoth Agudas Jisroel in Lodz statt. Das ge* wählte Organisationskomitee ist mit den vorbereitenden Arbeiten beschäftigt. Wochenkalender! Vom 23.-30. Januar 1937/Vom 11.-18. Scliebat 5697 r ■<nv ti Samstag f D'nnr 23 ii K'f> rrvff naw nbvi Sonntag 24!12 a*p Montag 25 >3 *P Dienstag Jan. 26 mv 14 TP- Mittwoch 27 15 wp> ivv n»»n Donnerstag 28 16 TDj? Freitag 29 17 vp Samstag 30 18 mp> nn>' Frankfurter Vereinskalender. Verein Mekor Chajim. Freitag , abend nach Schul im Hörsaal: Mikro-Vortrag, Herr Josef Schwarz Schabbos morgen nach Schluß "der Synagoge: cni'i, Herr R.-A. Dr. E. Posen. — nachmittags 3.30 Uhr im Vereinslokal, 3j?y» py Herr Rabb. H. Mayer. — nachm. 3-15 Uhr im Hörsaal: Chumisch mit Raschi, Herr Julius Lewin. Sonntag und Mittwoch morgens nach Schul,?8iK tjov. Herr S. Schachnowitz. — vorm. 9 Uhr im Vereinslokal. Dfiiss jan, Herr R.A. Dr. Schlesinger. — vorm. 9 Uhr im Vereinslokal, K*)8M, Herr J. Soff er- — nachm* Montag (auch Donnerstag) nach Schul im Hörsaal: rura- Mitgliederlernen. — abends 7 Uhr (auch Mittwoch) im Lokal: (^in) »nna, Herr Rabb. Dr. J. Breuer. Dienstag (auch Freitag) morgens nach Schul, nawa, Herr R-A. Dr. E. Posen. — abends 7 Uhr (auch Donnerstag) im Lokal, maa, Herr R.-A. Dr. E. Posen. Jfthrzeiissiütungen. Schabbos, 23. Januar: Anna Eschwege geb. Schlesinger" Stiftung. Montag, 25. Januar: Elise Heß geb. Schloß-Stiftung. Montag, 25. Januar: Berta Löwenstein-Stiftung. Mittwoch, 27, Januar: Lina Sänger geb. Sänger-Stiitung. Mittwoch, 27. Januar: Prof. Michael Altmann-Stiftung. Donnerstag, 28. Januar; Isaae ßlumenthal-Süftung. Freitag, 29. Januar: Frau Bertha Rosenthal-Stiftung. „Jüdisch-wissenschaftliche LehrkurSe". , Sonntag abend' 8.30 Uhr im Vereinslokal: „Grundlagen der religiösen Praxis", Herr Rabb. H. Mayer. Liwjath Chen. Sabbat nach Mincho 4 15 Uhr im Hörsaale Friede berger-Anlage, Vortrag des Herrn Schachnowitz über: „Vom Gesänge der Bäume". - Agudas Jisroel-Ortsgrnppe. Thora und Massar. r Herr Rabbiner Josef Horövitz, Fichtestr. 5', jeden nar, 15.45 Uhr, o«n psn iso. Herr Dozent J. Ehrentreu, wmn'mit QwiDa, Sonntag nach nnan rbon, Uhlandstr. 39. Herr Rabbiner Mannes, roana 'a-T, Schabbos 4 Uhr Hans Handwerkstr. 38. Herr R.-Ä. Dr. E. Posen dwi wsa, Sonntag 18-19 Uhr, Wittelsbacher Allee 11. Herr B. Rachelsohn, inna nawa Dienstag 20.30 Uhr. Sandweg 6 c. R.-A. Dr. M« Schlesinger, mv 'na für Baalebatim, Mittwoch 20.30 Uhr und Schabbos 10.15 Uhr; Schwänen- .straße 12.