Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 3 (21.1.1937)
- Date
- 1937-01-21
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2446951-2450961-2450964--82732-2540684- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
^^^^^^PpS^^^^^^^^^^pö^g^^^^^s^^^^^w^^^w^fS^SPPP! tw'r-&&&*mw IHllh- -H II Hill— ^][H][&! —41 ololon o—o dofojo lt— ^](M][^ g3HBS shh Erziehung und Lehre \U Pädagogische Beilage zum „Israelit "^F? Organ des Bundes gesetzestreuer jüdischer Lehrer Deutschlands 5|]rW1lt—iirw KM!! lloiofloH o-o IföIÖIÖ ]IM IHK 1DH Zwischen. Eine Sabbatbetrachtung auf grammatikalischer Grundlage, Von N. Adler 'in Nürnberg. Der durch, seine Jugen^iscliriften und sein S.chiurbuch Niv sefosajim I. und II. Teil bekannte Kollege -stellt auf Ersuchen Freunden unserer Bestrebungen den nachfolgenden Vortrag zur Verwendung bei Schiurim zur Verfügung und zeigt damit,, wie ein Wörtchen von scheinbar geringem Gehalt genügt, um darauf ein ganzes Gedankengebäude mit dem Rüstzeug dos .Torawissens zu errichten, •nT-TunW.iTiift Habfri ä»n Die Sdhriftleitung. Das deutsche Wort „zwischen" gehört zur Familie „zwei". In imij?n ]ivb existiert dafür das Wort ]»a, da® aber mit dem Wortbegriff zwei nichts gemeinschaftlich hat. Man glaubt, daß ra mit dem "Worte na»a (Einsicht) verwandt ist und erblickt in dem r3n der an Intelligenz ü b e r dem Dan steht, einen begnadeten Menschen, der zwischen den Zeilen lesen kann (inter legere), der auch 'befähigt ist, von einem Fall auf einen anderen mit ähnlich gelagerten Verhältnissen zu schließen. (na*i'7ina im l'aa)- Aus dem Grundbegriff zwei hat der deutsche Sprachgenius eine ganze Anzahl von FamiHengliedem geschaffen: Zweig, Zwitter, zwitschern, zwicken, Zweck, wie ja auch von duo Duell, Duett abgeleitet wurde. Die hebräische Sprache bleibt bei stehen und bezeichnet m?t diesem Wörtchen die Gegensätzlichkeit von Hohem und Gemeinem, von Reinem und Unreinem,, von Licht und Finsternis. In der n^aan sprechen wir: G'tt sei gelobt, daß er unterschied •npyan ■»»•• nvvb >?'awn m'» ^a >binb wnij? y>a ,~\vxnb m« pa 1 Abermals sei er gelobt, daß er unterschied zwischen weihevollen, licht erfüllten Stunden in unserem Leben und trüben Zeiten de* grauen Alltäglichkeit. Schwieriger ist die Uebertragung, wenn das \Jnterscheidungswort ra doppelt auftritt, wie z. B. im Bericht der- Schöpfung. -iwnn T»ai m«n ü">pb& bna^i ( Viele hervorragende Uebersetzer beachten das doppelte T>a überhaupt nicht. Mein Großonkel, der Aschaffenburger Raw Awrohom Adler t-yir der gemeinsam mit R. S. B, Bambeisger S"! und R. Lehmann H»": eine Pentateuch=Ueberisetzung herausgab, übersetzt das T'ai zweimal, wie es geschrieben steht: G'tt schied zwischen dem Licht und zwischen der Finsternis. Diese alten Rabbinen, die schon tiefgründiges! Torawissen mit modernen allgemeinen Kenntnissen verbanden, ließen sich nicht nur von der Scheu vor dem Satze leiten, daß in der Tauro kein Buchstabe, geschweige denn ein Wort umsonst steht, Sie dächten, wenn in unserer heiligen Lehre 600 000 Buchstaben enthalten sein müssen, je ein Buchstabe für jede nas?a von den 600 000 Männern der gütlichen Heerscharen, die dem Erfüllungsruf G'ttes in Aegypten Folge leistete-», dann muß es gewiß üb er all einen Si n„n haben, wo das Wörtchen fa zweimal geschrieben ist. Der Midrasch sagt zum Vers ^nn pi iwn i's: tib'is bns yitwn ava »in yna wnpn irav Tis my^R 'an iatt . naVan nnai ^laaa ima n*apn Kanaan? jto obid iyi aVirn tjie» ia n'pVs x-n nnsw -«aS> T>Mb a>pns$> naai w a's^ipa arvmnv aia pns na« :0i ">9V>) imiv pis xVs aia ^xi aia >a nixn rix •('« a»' wan) Die Scheidung zwischen dem Licht bedeutet also, daß G'tt zwischen Licht und Licht unterschied, daß er die größte Lichtstärke für die wahr* haft Gerechten unter seinem himmlischen Throne verborgen hält. Es ist genug, daß die Sonne auf Gerechte und. Ungerechte scheint und jedem ihre heilenden Strahlen auf ihren Fittichen sendet. Das hüllenlose, ungedämpfte Licht, das durch «kein Medium der Atmosphäre geschwächt und einst siebenfach aufleuchten wird, bleibt aufbewahrt den vollkommen guten Menschen für die Zukunft, das Licht, mit. dessen Hilfe, es. ihnen möglich sein wird, gleicht, einem feurigen 'Meteor das ganze Weltbild von einem J Ende bis zum ändern zu -überblicken.. G'tt, der sich; im Licht verhüllt,; rnatoa>ny nby». der keine Finster-, nis kennt, hinter, der sich irgend wer zu verstecken-,! vermöchte, .hat in seiner Allmacht auch die N a*c h t ,1 abgestuft vom dunklen Abend1! bis zur. : farblosen,:, greifbaren ägyptischen Finsternis. So schied' ' G'tt" auch zwischen Finsternis'- und Finster* n i s. -\vnr\ \>y\ *nxn y>3 B'pVx Ha»!. Mit diesem J'.ai p berichtet die Schrift ferner, daß G'tt .die Wasser unterhalb der Ausdehnung von den Wassern über der Ausdehnung trennte. Hier kann nicht nur von einer räumlichen Trennung des Wassers die Rede sein, sonst hätte ein einfaches r»3 genügt, wie z. B. bei p<j }vj |»j Biji Dl p> "Gerade hier ist die, Verdoppelung charakteristisch, weil .die Wasser qualitativ von einander, geschieden sind wie Ea?a und "ma- Die Wasser über uns. heißen ca'atf» weil sie aus v« und D'a geschaffen wurden, in ihnen elektrische Ströme geleitet werden, die sie zu einem friedlichen Gebilde zusammenhalten. Aus den schärf* sten natürlichen Gegensätzen, deren Kräfte sich gegenseitig verschlingen und verzehren, schuf G'tt seinen Himmelsfrieden, vanaa "iV» n»y- Durch G'ttes Wort kann der /ibv auch in unserer Mitte seinen Thron aufschlagen, wenn wir unseren harten Nacken beugen vor seinen Gesetzen und die kalten Steine aus unserem Herzen räumen. •man pai xaan ra b"nsi\b Eine iganze Skala von Unterschieden, besteht auch Zwischen rein und rein. Fünfzig Stufen, dem Zahlenwert von sna entsprechend, führen vom Nullpunkt der Reinheit abwärts, ebenso viele vom Nullgrad aufwärts zur höchsten himmlischen nim In Aegypten, der. jhxn nny, waren die Israeliten bereits 49 Stufen der Unreinheit hinabgeglitten. Wären sie auch auf die 50. Stufe gesunken, so wäre in ihnen der letzte G'ttesfunke erloschen, G'ttes Majestät mußte des* halb "plana auf den Schwingen des Adlers herbeieilen, um sein Volk vor dem Versinken zu erlösen. Darum befahl sein Wort, vom -Morgen des Befreiung** tages 49 Tage zu zählen, um Israel zur höchsten Reinheit zu erheben, deren wir Menschen in irdischer Atmosphäre fähig werden können, anwa« bs naxiK xerxi um Israel zu erheben über die . Engelswesen, die wie Blitze mit schwingenden, singenden Fittichen durch die Himmelsräume eilen. Rabbi Pinchas ben Jair sagt (noi& IX, 15}; Rüstigkeit führt zur Sauberkeit, Sauberkeit zur Reinheit, Reinheit zum Lebenswandel innerhalb der Schranken des Gesetzes mi»a "a^D^), dieser Lebenswandel zur Heiligkeit (unpl iimrDf Heiligkeit zur Demut, Demut zur Furcht vor der Sünde, Sündenfurcht zum Ghassidismus," Chassidismus zum .Ruach hakaudesch und Ruach hakaudesch zur Belebung der Toten. Die 50. Stufe der Reinheit konnte nur Moses erklimmen, dem G'tt auch den Grund von n»ns ms anvertraute. •Vaxn xb im ''nn j>ai r&aiun "nn ^a Oft hört man sprechen: Wir haben noch einen koscheren Haushalt, die Milchküche, wird von der Fleischküche streng auseinander gehalten, Chomez= Geschirr vom Pesach-Geschirr. Wir trinken selbst* redend nach der FleischmaMzedt auch nicht sofort ein Glas -Milch oder auch nur einen Milchkaffee und essen als Dessert auch ganz gewiß keinen Käse. Dennoch besteht zwischen koscher und koscher ein Unterschied wie zwischen trefo und trefo. Schon der Volksmund kennt den Superlativ: ganz trefenen Haushalt. Aber als ein jüdisches Ideal, die Vorbedingung für den Ruach hakaudesch, stellt der Propnet die Forderung auf, daß jeder Topf heiliges Kaschrus besitzen muß. Leute, die von Kaschrusvorschriften nichts wisisen und verstehen, dürfen für einen koscheren Haushalt nicht kochen.. Aber gerade auf die* sem Gebiete machen sich viele ihren Schulchan Aruch selbst. Und so kann es kommen, daß zwischen I koscher und koscher ein Unterschied ist wie zwischen I Licht und Finsternis und hinter die Behauptung vom streng koscheren Haushalt ein großes Fragezeichen zu setzen ist. Die Sidsra stisi läßt G'tt voraussagen: t»? {«ai»»» t'a »nuan 1 Im Satze vorher heißt es: Sonn Q^a wVöüv Diesen Vers erläutert der Psalmist im vierten Psalm mit .den Worten: tVr nnp>3 yaw"t Ton "r nVsn *a im David sagt: „Ich verstehe es gar nicht, daß die Men* f ischen nicht einsehen wollen, daß G'tt wunderbare Unterschiede bei denen'macht, die sieh" ihm als'. Chojsid nähern." Schon die himmlischen Heerscharen gestatteten sich einmal beim" 'lieben G'tt darauf hinzu- 'weisen,. daß er ilsrael gegenüber Q'iB KW ist, sein Volk bevorzugt, wie er selbst im Priestersegen proklamieren ••läßt:--.- 'T^K t'is apn xv> während er diese "Art und Weise in der Rechtspflege der Tora Verla d e t e t : *Vt *ifl KVfi xb- G'tt aber antwortete zu seiner Rechtfertigung: Warum sollte ich da® Antlitz meines Volkes nicht ansehen und achten, das sich .die Hände heiligt und B'rocho spricht, wenn es ein Stückchen Brot von Olivengröße genießen will?" In dem Maße, wie «ich die Menschen G'tt nähern, nähert sich seine Ma* jestät ihnen, wie auch die g'ttliche Entfernung in dem Grad zunimmt, wie sie «ich ihm entfremden, fom .n 7a iay nanm Tonn "r a» »a -^pm» TRyai *paip> ^vm •vxrayr bin birm* m m a ' A In der Heiligen Schrift werden noch viele Hawdo* laus aufgezählt. Beim Ausbruch der Seuche nach der Affäre Korach stand Ahron zwischen den Toten und* zwischen den Lebenden und vertrieb mit dem Opfer des Räucherwerks den Engel des gütlichen Zorne«/ Es gibt eine Hawdoloh zwischen Licht und Finsternis, und wir müssen l'aa und 5"iaa sein zwischen dem g'ttlichen und irdischen Wasser, ca'an »as bv nsma D'pw nn zwischen rein und unrein im Sinne der Tauro, zwischen Leben und Tod, zwischen den Eingebungen des Jezer hatauv und den Einflüsterungen des Jezer hora, es kommt im ganzen darauf an: DTK mw na 'DD bsn Wir stehen nicht jenseits von gut und böse, sondern zwischen diesen beiden Extremen. Wir sind entweder ■-ryiB »a^a^a oder S.va 'äia'a» Aktivisten oder Passivisten, wir sind Hammer oder Amboß. Aber in allen Verhältnissen müssen wir festen Fuß auf dem npö' dem Urquell der Tauro fassen, genau hinhorchend auf deren O^vis in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, Wir zählen weder zu den ta'p'is«. noch zu den tD"1»©"!/ sondern zu den ca,»a'ia''a- In .dieser Mitte stehend, suchen wir durch Prüfung und Erneuerung unseres Lebens aus dem trennenden Zwischen emporzuwachsen, bis der Vorhang auf der Bühne unseres Lebens fällt, D->snpn snp i'ai wnpn y>a aa^> nai-ian ni»i3m und wir den letzten Schritt vom Heiligen zum A 11 e r. h e i 1 i g s t e n tun. Die jüdische Schule in Deutschland. Von Bezirksrabbiner Saul Münk in Burgpreppach. Erfreulicherweise haben meine unter dieser Ueberschrift in iNr. 51 des „Israelit" erschienenen Ausführungen Anlaß zur Diskussion^ gegeben. Herr Direktor Dr. Elias, Frankfurt a. M., hat sich in' Nr. 1 des »Israelit" eingehend mit meiner Anregung beschäftigt. Im Interesse der Klärung des Problems möchte ich, im Folgenden zu diesem Artikel Stel* lung nehmen. Herr Dir. Elias sieht in meinem Vorschlag in erster Reihe die Schwierigkeiten der Ausrüstung eines Landerziehungsheims in Bezug auf Lehrkräfte, Einrichtungen und Methoden, die alle besonderer Art sein müßten. Ferner spräche die jetzige Struktur der jüdischen 'Bevölkerung, die von dem Lande in die Stadt zieht, gegen .die Einrichtung solcher Heime auf dem Lande. Schließlich könne sich ein Landerziehungsheim nicht damit begnügen, zwischen Volks schul-, besser beanlagten und bestbeanlagten Kindern zu unterscheiden, sondern müsse eine viel weitgehendere und tiefere Individuation vornehmen. Ich habe zwar gegen Schluß meiner Ausführungen darauf hingewiesen, .daß .die angestrebten Ziele bei Internatsbetrieben, in ländlicher Ruhe und räum* lieber Nähe, um so leichter erreicht werden könn* ten. Anlaß hierzu gab mir .die hier gemachte Erfahrung. Aber .dies ist doch nicht der Kernpunkt meiner Ausführungen. Ausdrücklich habe ich hervorgehoben, daß auch ohne .diese besonderen Vorteile eine von mir vorgeschlagene Schulart unseren Bedürfnissen am meisten entgegenkommen dürfte. Das Wesentliche an meiner Anregung ist auf kurze Formel gebracht: Erweiterung der Volkssohide durch fakultative Kurse und Förderklassen. Ob Landerziehungsheim oder Stadtschule ist gleich, der Typ sei die in vorgeschlagener Weise ausgebaute Volks* schule. Herr Direktor Elias meint, „man wird gut daran tun, alle Erziehungs* und Bildungsarbeit dort, wo idie Persönlichkeiten, die Einrichtungen und Räume und die Erfahrung beisammen sind, auf dem Boden und im engen Anschluß an die Möglichkeiten dieser Schulen, zu 'entfalten." Mir scheint, er denkt dabei; an eine weitgehendste Konzentration jüdischer Bildungsarbeit im> Anschluß an die bestehenden jüdischen .höheren Schulen.1. Was ich aber vorschlage, ist gerade das Gegenteil hiervon. Dezentralisation