Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 3 (21.1.1937)
- Date
- 1937-01-21
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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In geschlossener Sitzung wurden von angesehenen Mitgliedern der britischen Kolonie in Jerusalem bis jetzt vernommen: der - Jerusalemer anglikanische - Bischof Dr. Brown, sowie der bekannte Historikei Noville B a r b o u r. Der Bischof ist uns aus seinen wiederholten Besuchen bei Oberrabbiner Duschinski und den diversen Aufmerksam^ keiten, die er diesem exponierten Vertreter des thoratreuen Judentums erwiesen hat, wohl bekannt und so kann übei die Tendenz seiner Aussagen kein Zweifel herrschen. Barbour ist ein ausgesprochener Freund der Araber. Es wurden auch mehrere britische Missionare, die ihre Tätigkeit vorwiegend in arabischen Kreisen ausüben, vernommen. Die letzten Sitzungen. Nachdem am Freitag mehrere Mitglieder der Re gierung ia geschlossener Sitzung verhört worden wa ren, wurde -im Samstag der zweite Sekretär des Obersten Arabischen Komitees, Fuad Saba, noch einmal vernommen. Er beklagte sich über die hohen Steuern, die den Fellachen auferlegt sind. Demge genüber wies der Vorsitzende auf den hohen Schutz hin, den die Palästinaregierung durch dauernde Steuernachlässe * und Darlehen den Arabern zukommen läßt. Die Förderung der jüdischen Industrie, be häuptet der Zeuge, habe die arabische Industrie ver drängt. Er beklagt sich darüber, daß man den Juden Konzessionen zur Verwertung der natürlichen Schätze des Landes gegeben habe. Unter großei Spannung wird dann der Bürgermeister von Jerusalem, Dr. K h a 1 d i, vernommen Die letzten Unruhen, sagt der Zeuge, seien einzig ■darauf zurückzuführen, daß die Bevölkerung das Zuhauen zu England verloren habe. Er beklagt sich darüber, daß die Hälfte des Stadtrates von Jerusalem aus Juden bestehe und daß die Regierung dan Gebrauch von drei verschiedenen Amtssprachen in den städtischen Verwaltungen zulasse. Ein Mitglied ■aer Kommission fragt ihn, ob ihm bekannt sei, daß die Juden die Mehrheit in Jerusalem bilden. Das sei ihm wohl bekannt, sagte er, aber daraus könne man nur ersehen, was geschehen würde, wenn die Juden im ganzen Lande die Mehrheit hätten. Nach hm brachte der arabische Arbeitervertreter, Mansnr ein ganzes Bündel von Beschwerden gegen die Regierung vor. Die jüdische Einwanderung ruiniere den arabischen Arbeiter. Die jetzt errichte* ten Verbindungsstraßen zwischen den Kolonien eei bin Geschenk an die Jaden. Es kommt noch einmal Hassen Sidky Dajani Wort md wiederholt all seine in der ersten Veri.ehmung gemachten Anklagen gegen England und cie Juden. Er fordert die Einsetzung einer „arabischen Nationalregierung" und die Ersetzung der britischen Beamten und Polizisten durch Araber. Im ferneren verlangt der christliche Bürgermeister von Bethlehem Schutz für Staatenlose, aber er meint dabei offenbar nicht Juden, sondern lediglich die arabisch-christlichen Flüchtlinge aus Syrien. Die letzte öffentliche Sitzung der Königl. Kommission fand am Montag, den 18. Januar vormittags, statt. Als einer der letzten Zeugen wurde der g r i echisch-katholische Bischof von Jerusalem vernommen, der in ausgesprochen Judenfeind Ii c h e m Sinne aussagte. Er verstieg sich zur Behauptung daß die Juden sogar „christlicher Heiligenstätten auf dem Platze des ehemaligen Tempels sich bemächtigen wollten." Er wurde dabei nicht einmal von dem Vorsitzenden unterbrochen, auch nicht einmal gefragt, worauf er seine vagen Behaupiungen stütze. Nach ihm erklärte der Direktor der Jerusalemcr Quäkerschule, Dr. T o t a h , daß es unter der arabisehen Bevölkerung 85 Proz. Analphabeten gebe. Auni Bey Abdul Hadi gab dann noch einige Ergänzungen zu seinen früheren Aussagen und beanstandete die englische Uebersetzung seiner Ausführungen. Eine Round Table-Konferenz lehnten d:.e Araber nur unter den heutigen Umständen ab. Der christliche arabische Rechtspnwalt Georg Antonius führt die letzten Unruhen auf Fehler in der Verwaltung zurück. Außerdem hätten die Araber das Gefühl, schlechter als die Juden behandelt zu werden. ■Am Nachmittag gab noch der High Goanmissioner in geschlossener Sitzung eine abschließende Darstellung übei den Standpunkt der Palästina-Regierung zu den von der Kommission behandelten Fragen. Damit haben die Verhandlungen der Königl. Untersuchunjskommission ihr Ende erreicht. Am Sonntag, den 24. Januar, soll die Rückreise •der Kommissionsmitglieder nach London erfolgen. Dank an die Agudavertreter vor der Üntersuchungskommission. Jerusalem, 18. Jan. In einer Sitzung der Landeszentrale der Poale A. g u d a s Jisroel, die am 17. Tebet in Gegenwart von Vertretern aller Snifim im Lande stattgefunden hat, wurde beschlossen, den Vertretern der Agudas Jisroel vor der Untersuchungskommission den rückhaltlosen Dank der P. A. J, auszusprechen. Insbesondere wissen die orthodoxen Arbeiter den Delegierten Dank dafür, daß sie für eine unbegrenzte und von politischen Rücksichten unabhän- Bist Du dem Ruf des Keren Hajischuw gefolgt und Hast Du Deine Gabe dem Palästina- Aufbau - Fond der Agudas Jisroel zugeführt? Wenn nicht, .wie Kannst Du Dich den dringendsten Aufgaben des orthodoxen Aufbau-Werkes entziehen? Palästina Centrale der Agudas Jisroel Frankfurt am Main Postscheck-Xonto Ffm., Nr. 53900 g;ge Alijah, ebenso für den freien Bodenkauf eingetreten sind, und daß all dieses nicht allein auf Grund des Mandates, sondern der ältesten Rechte des jüdischen Volkes wie sie in der Thora begründet sind, gefordert wurde. In der Forderung der agudistischen Vertreter seien auch die Wünsche und Forderungen der P. A. J. enthalten. Die Agudas Jisroel sehe in der hebräischen Sprache die Sprache des Landes und des Volkes, was aber unsere Vertreter nicht davon entbinde, auch für die jüdischen Schulen der alten Methode einzutreten. Dank gebühre den Wortführern ob ihres energischen Eintretens für die Beteiligung der Juden an den öffentlichen Arbeiten und ruch dafür, daß sie die speziellen Interessen der Foale Agudas Jisroel auf diesem Gebiete vertreten haben. Besonderen Dank sprechen die P. A. J. den Delegierten aus für ihr Eintreten zugunsten des Sabbat und der jüdischen Feiertage im öffentlichen Leben Erez Jisroels. Diese Kundgebung ist zugleich die wirksamste Antwort an einige frühere Mitglieder, die glaubten, sich der Opposition der Histadruth gegen die Agüdadelegierten anschließen zu müssen. Oberrabbiner Herzog in Jerusalem. Jerusalem, 15, Jan. Ungeachtet der kalten und 'regnerischen" Witte* rung hatten sich viele hunderte Juden, unter ihnen zahlreiche Rabbiner, Vertreter der Jeschiwoth, und verschiedener anderer jüdischer Institutionen, auf die; von Lydda naqh Jerusalem führend« Chaussee r be=; geben, um den neuen Oberrabbiner von Palästina,, Dr. Isaac Herzog, noch vor den Toren der StadtV zu begrüßen. - Auf der Fahrt von Haifa nach Jerusalem hatten feierliche Empfänge für den neuen Oberrabbiner1 in der Landwirtschaftlichen Schule Mikwe Israel und in der Kolonie Moza stattgefunden. Am 15 Januar fand in Jerusalem die feierliche Amtseinführung statt An der Feier, bei der dem Oberrabbiner die Bestallungsurkunde überreicht wurde, nahmen Vertreter-aller zentralen Institutionen des Jischuw, des Waad Leumi, der Jewish Agency,- des Rabbinats, der nationalen Fonds und verschiedener anderer Organisationen und Institutionen teil. Begrüßungsansprachen hielten der Präsident das Ziov': «tischen Aktions-Komitees und des Jüdischen -Nationalfonds, M. M. Ussischkin, der Leiter des politischen Departments der Jewish ,Agency, Mosche Shertok, der Vorsitzenide des Waad Leumi, Jizchak Ben Zwi, Rabbi Meir Berlin von der Leitung des Misrachi=Weltverbandes u. a. m. / •.' In seiner Antwort betont« Oberrabbiner Herzog die Bedeutung der brüderlichen Einigkeit im jüdi* . fchen Leben und rief alle Teile des Jiscfruw auf, zusammenzustehen, um geeint an dem heiligen Wer!» - des Aufbaus des .jüdischen Landes zu arbeiten. Die Zahl der Agutiisten in Erez Israel, Jerusalem, 18, Jan, Nach statistischen Anstellungen der Agudas Jisroel=Zentrale in Jerusalem, die der Königlichen Kommission überreicht wurden,, beträgt zurzeit die'Zahl der Juden in Erez Jisroel, die in der Agudas Jis-?oel organisiert sind, rund 80.000. Das Melken am Sabbat in Erez Israel. Herrn Rabbiner Dr. Wolf, früher Köln a. R'i. und jetzt in Palästina wohnhaft, ist auf Grund ssiner Erfahrungen in Kaschruthangelegenheiten gelun* £en, das Melkproblem am Sabbat in den gesetz8streuen jüdischen Kolonien zu lösen. Durch die Konstruktion eines neuen Apparates wird es nun möglich sein, denselben noch vor Sabbat so anzubringen, daß. er am Sabbat automatisch funktioniert. Die Erfindung wird mit Genehmigung der zuständigen Rabbiner einem unerquicklichen, langwierigen Streit ein Ende bereiten. (J. P, B.) Die Palästina-Einwanderung in den einzelnen Monaten des Jahres 1936. Jerusalem, 14, Jan. Nach der Statistik der Jewish Agency verteilen s.'ch die im abgelaufenen Jahre nach Palästina gekommenen rund 30.000 jüdischen Einwanderer folcendermaßen auf die einzelnen Monate: Januar 2094, Februar 2273, März 3646, April 3095, Mai 2160, Juni 1378, Juli -2084, August 2955, September 4559, Oktober 1156, November 880 und Dezember 703. Bei diesen Zahlen handelt es sich, nur IM die iEinwandeier, die in den Häfen Haifa und Tel Awiw gelandet smd. Dazu kommen noch 877 Personen, die auf dem Landweg die Grenzen Palästinas überschritten haben und 1755 Touristen, die die Erlaubnis zur dauernden Niederlassung erhielten. Es ergibt sich somit eine Gesamtsumme von 29,615 Einwanderern, Aus dieser Statistik ist zu ersehen, daß die Unruhen, die vom April bis Oktober dauerten, auf den Umfang der jüdischen Einwanderung keinen unmittelbaren Einfluß gehabt haben Der deutsche Export nach Palästina. Jerusalem, 17, Jan. ' Der Import deutscher Waren nach Palästina hat Sich im Verhältnis zu dem Rückgang des palästinensischen Gesämtexports nur sehr wenig vermindert. Bei einem Impörtrückgang von 26,1 Proz, in den ersten neun Monateri~ ist die deutsche Einruhr nur •im i0,4 Proz., im Oktober bei einem Gesamtrückgang von 16,3 Praz. nur um 1,7 Proz. gesunken. Der Import aus Deutschland wird für das ganze Jahr 1936 auf 2 Millionen Pfund geschätzt; 1935 betrug er 2,2 Millionen Pfund Mit / diesen Ziffern würde Deutschland an die. erste Stelle unter den Lieferanten Palastinas .rücken, wenn man die reine Wareneinfuhr'in Betracnt zieht, . - •, - \ . '.'■:■]).