Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1937-01-21 · Heft 3 (21.1.1937) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 3 (21.1.1937)
Date
1937-01-21
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2450961-2450964--82729-2540681
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 8 Nr. 3 D e Israelit 21. Januar 1937 E. Masur, J. TfOckenheim, M. Lernet, W. Gutgeld, A. Rundo, M. Kammer und J. M. Lewin. Auch aus der Provinz kommen Berichte über eine recht günstige Aufnahme der. Warschauer Beschlüsse und einer eifrigen Beteiligung an -dem nVxn V^an« Dänemark. Nordische Rabbinerkonfcrenz als ständige Einrichtung. Kopenhagen, 15. Jan. Ueber den Verlauf der in Kopenhagen abgehaltenen Rabb;nerkonferenz wird der ITA. folgendes Communique übergeben: Die Frage der Schechita wurde eingehend .durchberaten und es wurden Mitteilungen über den bisherigen Verlauf der gegenwärtig unternommenen Versuche gemacht. Die Konferenz gelangte einmütig zu dem Entschluß, die begonnenen Arbeiten fortzusetzen und zu Ende zu führen; weitere entsprechende Schritte seilen ergriffen werden. Weiter wurde eingehend die Frage der Hilfe leistung für Auswanderer sowie äüdeper Hilfsaktionen erörtert; Maßnahmen zur Vereinhe: Lchung der: jüd.'schen Hilfsarbeit in den nordischen' Ländern wurden vereinbart. Die Konferenz hat sich als ständige Einrichtung konstituiert; sie soll periodisch zusammentreten, und zwar ibwechselnd in den vier nordischen Ländern An .der Konferenz beteiligen sich ausschließlich die im Amte oefindlichen autorisierten Gemeinderabbiner der vier nordischen Länder. Personalien. Hamburg, 18 Jan. Frau LÜH Engel geb. Feiber, ist im ^lter von nur 45 Jahren nach kurzer schwe rer Krankheit von uns gegangen. Einer angesehenen Frankfurter Familie entstammend — sie war die Tochter des auch in unserer Hamburger nbnp unver gessenen Leopold Feiber b"l — führte sie mit ihrem Gatten, dem vor drei Jahren verewigten Siegfried Engel S*st ein vorbildliches jüdisches Haus, ein El ternhaus, in dem ein Sohn und eine Tochter glücklichste Kinderjahre erleben durften. Als vor einigen Jahren ihr Mann erkrankte, ergriff sie mit starker Hand das Steuer des Lebensscbiffes und mit einer bewunderungswürdigen Energie und Ausdauer arbeitete sie sich neben der Pflege ihres Gatten, der Erziehung ihrer Kinder, der Besorgung ihres Hauses In einen äußerst schwierigen Beruf ein, den sie früher nie ausgeübt, so daß sie in der Lage war, nach dem Hinscheiden ihres Mannes ihren Kindern in jeder Beziehung Vater und Mutter in einem zu sein. Wer Gelegenheit hatte, zu beobachten, wie sie Jahre hindurch trotz ihrer Berufsarbeit ihre Kinder vorbildlich erzog und ihr Haus führte, wie sie häufig genug die Nacht zum Tage machte, der weiß, daß hier ein echtes jüdische;» Mutterherz zu schlagen aufgehört hat. — Als ihre jahrelange anstrengende Berufstätigkeit und die alltäglichen Sorgen an ihrer Gesundheit nicht spurlos vorübergingen und sie im letzten Jahre viel rai leiden hatte» nahm sie immer wieder ihre ganze Kraft zusammen, tiin weiter arbeiten zu können und eine kurze 7eit schien es, als sei sie stärker als die Natur, aber G'tt hat c3 anders bestimmt. Ein leider viel, zu früh abgeschlossenes Leben liegt vor uns, dessen Inhalt war: Gutes tun, Opfer bringen, Arbeit und Mühen, chne jede Rücksicht auf sich selbst. Nicht unerwähnt bleiben soll, daß die Verewigte eine Reihe von Jahren den r-VMjm D'W der hiesigen rwip i>oan angehörte, in der sie, wenn es ihre Zeit nur irgend erlaubte, nas bv ion m^m übte. rraxjn Wuopertal-RonSdorf, 12. Jan. In der frühen Morgenstunde des mm 'D 'p roiP beschloß ein leichter Tod das arbeitsreiche, aber gesegnete Leben von Frau Jenny Löwenthal geb. Reichmann in Wuppertal-Ronsdorf. Sie entstammte der allbekannten Familie Feuchtwanger, Fürth. Früh verlor sie den Vater und wurde von der frommen, klugen Mutter in altjüdischem Sinne erzogen. Den Geist ihres Elternhauses nahm sie mit nach dem kleinen, jüdischem Leben fernen Städtchen Ronsdorf und gestaltete dort mit dem gleichstrebenden Gatten ihr Heim zu einem wahren wa snpn- Verwandte und Freunde und gar mancher Reisende, der auf Geschäftsreise einen echten map verleben wollte, lernten das gastliche Haus kennen und all die fraulichen Tugenden der Verblichenen. In stiller Zurückgezogenfoeit und rührender Bescheidenheit lebte sie nur für ihren Gatten und ihre Kinder, nur für Wohltun und Liebestaten. In mitfühlendem Verständnis half diese feinsinnige und gütige Frau jedem Ratsuchenden. Das beglükkemde Bewußtsein, daß ihre Kinder als n">RT> und hochs geschätzte Menschen ihre Hauser im Geiste des Elternhauses aufbauten, erhellte ihren Lebensabend. Möge auch dem tiefgebeugten Gatten, der als einziger Jude da» Ortes nur mit seinen Kindern zusammen das Sterbebett umstand, der sich während der nyaar im Auto sein Minjan von der nächstgelegenen Stadt abholen und zurückfahren ließ, Trost wer= ■den, in der Ueberzeugung, in. Kindern und Enkeln das Andenken der Verblichenen fortleben zu sehen. Die große Anteilnahme bei der n-nap bewies'-die Liebe und Verehrung, 'die man der Verblichenen und 'pb 'n ]»a b">H7\b dei Familie entgegenbringt. Am nap entwarf Herr Rabbiner Dr. Stein vom Rheinlandverhand ein getreues Lebensbild der Verstorbenen, während einer der Söhne in tief ergreif enden Worten dem Schmerze der Familie Ausdruck gab. rrasan Flörsheim, 12 Jan. Am 15. Januar beging Herr Benni Adler aus Rüsselsheim seinen 75. Geburts* tag. Ein Jehudi vom alten Schlag, besuchte er jahrelang, auch bei Wind und Wetter, den G'ttesdiensi in der Flörsheimer Synagoge. Wohltäter, wie er ist, erzog er zwei Neffen, deren Eltern früh starben, zu rechten Jehudim, Kein Armer ging je leer von seiner Türe. Seit kurzem weilt er im Altersheim in Frankfurt, Möge ihm '"TWi noch schöne gesunde Jahre verleihen. V*y\li9 Rabbi Naftali Sternbüch ^fcf. St. Galten, 17. Jan. Am 29. Tewes durcheilte die gesetzestreue Judenheit die erschütternde Kunde vom plötzlichen Hinscheiden des weit über die Grenzen seines Lan des hinaus bekannten Naftali Sternbuch. Jeder empfand den Verlust wie persönlichen Schmerz, denn T-aiip bsn imv n»n. In Kischinew als Sohn einer aristokratischen Familie geboren und auf dem Boden eines russischen Thorazentrums aufgewachsen, war Rabbi Naftali Sternbuch schon in jungen Jahren durch sein pha nomenales Gedächtnis und seinen Scharfsinn allgemein bekannt. Den Kaufmannsberuf ergreifend, machte er sein Haus an der Seite seiner -edlen Gattin zu einem B»» »Tp», in dem Tag und Nacht Hilfe gesucht und gefunden wurde. Nach dem großen Po grom in Kischinew wanderte Naftali Sternibuch vor 35 Jahren nach Basel aus. Bald verband ihn eine innige Freundschaft mit dem Basler Raw, Dr. Arthur Cohn V'St» der in dem großen asn i">nbn und B'öW K*i» eine ausgezeichnete, vorbildliche Führernatur großen Formats erkannte. Infolge seiner Herzensgüte und seiner außergewöhnlichen Gewissenhaftigkeit wurde er von allen Kreisen, von Juden und Nichtjuden, gleich hoch respektiert. Der Name Sternbuch bedeutete .ein Programm. Als in Kattowitz der Grundstein zur Agudas Jis roel gelegt wurde, trat Rabbi Naftali Sternbuch mit der Festigkeit und Unbeugsamkeit seines Charakters an der Seite der damaligen Gaonim in die vorderste Reihe, und bis zu * seinem letzten Atemzuge hing er mit jeder Faser seines Herzens an dem Agudaideal, Die Agudas Jisroel verliert in ihm einen ihrer markantesten Kämpfer und überzeugtesten Anhänger. Seiner chassidischen Neigung entsprechend, gründete er sich ein eigenes Minjan, und bald wurde sein Haus wieder, speziell nach dem großen Kriege, als die vielen jungen jüdischen Flüchtlinge in die Schweiz kamen, zu einem Zentrum jüdischer Mens sehen.'Ah der Basler Raw seine Augen für immer schloß, übersiedelte Rabbi Sternbuch nach St. Gallen, dem Orte seiner bedeutenden geschäftlichen Unternehmungen, und die Freunde seines Basler Kreises verbandn sich nachher bald in der durch die Inis tiative des Herrn Salli Guggenheim ins Leben gerufenen Israelitischen Religionsgesellschaft. In St. Gallen entwickelte sich das Sternbuch'sche Haus zu dem exponiertesten thoratreuen Bollwerk der Schweiz. Von allen Enden des jüdischen Galut strömten hilfsbedürftige Menschen zu dem großen einzigartigen Philartropen. und nicht selten mußten die eigenen Kinder den Meschulochim ihre Schlafplätze überlassen, da man ja jeden Fremden als ein Mitglied des Hauses ansah. Mit welchem .Stolz zeigte Naftali Sternbuch seinen Besuchern -die eigene Mikwo, die eine Sehenswürdigkeit eigener Prägung ist. Man muß Rabbi Stembuch „dawnen" gesehen haben, um sich einen Begriff von dem großen mpns dieser Persönlichkeit zu machen. Für jede einzelne Mizwoh wußte er seine ganze Kraft einzusetzen. Und wer nur einmal einen Blick in seine grenzenlose Menschenliebe erhalten hatte, erkannte erst das goIdene Herz eines großen Menschen. Mit seinem faszinierenden r-rianVnn riß er alle mit. Es war ein Feuer in ihm, das auch auf andere hinausströmte und sie zur Ausübung göttlicher i—)!5tö hinriß. Sein geschärfter Geist blieb auch bei seinem jüdischen Wis=> sen nicht stehen. Jeden Morgen stand er um 4 Uhr zum Lernen auf, und wer Gelegenheit hatte, seinen talmudischen Ausführungen zu lauschen, bewunderte sein JtttPpai nis'nn- Wollten wir Rabbi Sternbuch im einzelnen schildern, wir müßten die. patriarchalische Gestalt zeichnen, vor der sich jeder ehrfurchtsvoll verneigte, seine äußere und innere Ausgeglichenheit, die sprudelnde Quelle von Wahrheit, Liebe und Güte in ihm beschreiben, von dem jüdischen Stolz und der jüdischen Demut, der Vornehmheit und Aufrichtigkeit, •die diesen Mann auszeichneten, berichten, Verwaist und verlassen stehen nun seine Kinder und Enkel da, die die Freude seines Lebens waren und die nun die Kione ihres Hauptes verloren haben. Hatte doch der Verewigte die seltene ''a». .Kinder der Welt zu schenken, von denen jedes eine Persönlichkeit für sich ist. Erst vor einem Jahre wurde die Familie Sternbuch so furchtbar heimgef sucht and nur das ungeheure G'ttvertrauen konnte den Schmerz der Eltern lindern, und nun steht die teure, ihm ganz ebenbürtige Gattin wieder vom Leid niedergedrückt da. - - Unter außerordentlicher Anteilnahme des In- und Auslandes wurde Rabbi Naftali Sternbuch auf dem Friedhofe der Israelitischen Religionsgesellschaft in Zürich zu Grabe getragen. Herr Rabbiner Kornfein sprach im Namen der Gemeinde und der Aguda und gab in bewegten Worten der großen Trauer Ausdruck. Als der Schwiegersohn, Rabbi .E. Botschko, in herzzerreißender Weise die, letzten Grüße und Gelöbnisse der Familie überbrachte, blieb kein Auge tränenleer. Der letzte Redner,- Herr Rabbiner Dr. Heinrich Cohn, Berlin sprach im Namen eines großen Freundeskreises in bewegten Worten. Letzten Sonntag fuhren wiederum eine größere Anzahl von Freunden von allen Städten der Schweiz nach Montreux, wo die o^as die nsw halten. Hespedim hielten die Herren Oberrabbiner Rottenberg, Antwerpen, Herr Blech, Zürich, Herr A s c h e kenasi, Wien und Herr Dr. Ascher, Bex, wie auch der Enkel Moses B o t s c h k o. Mögen die schwergeprüften Hinterbliebenen sich im Bewußtsein erheben, einen Gatten und Vater gehabt zu haben, der heute als Großer in Israel allgemein beweint wird. Sein ITDI wird ihnen auch weiter beistehen, naia!» p'is 13T Ph—d, Haifa, 17. Jan. Hier verstarb nach SchwefeM Krankenlager, kurz nach ihrer Üefeersiedlun^ fiäefe Erez Israel, Frau Z. G u t m ä n ö; Eine prächtige1 und vorbildliche Frau ging mit ihf vön dannen. Jst es ihr doch gelungen, auf kleinem Platze lebend, ihre Kinder zu r-nin 'WiVi Q'öShp taw zu erziehen, die ihre ganze Kräft dem -Wa widmen. So haben sie auch hier in Haifa den Grundstein zu der jetzigen großen deutschen oftkaddSieö Gemeinde mW -MfJÄ gelegt, und sind in ihr führend tätig. Sie hoffte nun, gemeinsam mit ihrem Gatten hier im Kreise ihrer Kinder nach sorgenvollem Leben einen ruhigen und glücklichen Lebensabend zu verbringen. Große Sympathien hat sie sich in der kur2e"n Zeit ihres Hierseins in allen Kreisen der Gemeinde erworben, was in der Teilnahme während der Kratfikheit zum Ausdruck kam. Aber G'tt hatte es anders gewollt und nahm sie bald zu sich. Unter sehr großer Beteiiigung und mit besonderer Ehrerweisung wurde sie zu Grabe gelragen. Wie es in solchen Fällen hie* üblich ist, wurde die Bahre vom Hause bis vor die Schul der niin nans getragen, wo unser Raw, Raw Mosche Findling, einen ergreifenden isbfi hielt, Möge sie eine W flS^» für ihren tiefgebeugten Mann und für ihre Kinder sein. rraxan Vermischtes. Berlin, 19. Jan. Einem dringenden Bedürfnis entsprechend wird in Anlehnung an das Schulwerk der Adaß 1 \ s r oe 1-5 c hui en zu Berlin (Realgymnasium, Oberlyzeum und Volksschule) zu Beginn des neuen Schuljahres ein Internat für auswärtige Schüler gegründet. Um über den Umfang des neuen Schülerheims einen Ueberblick zu gewinnen, empfiehlt es sich, daß sich die Interessenten schon jetzt mit dem Sekretariat, Berlin NW 87, Siegmundshpf 11, in Verbinidung setzen. Berlin, 15. Jan. Die Schulabteilung der Reichsvertretung und der Hilfsverein der Juden in Deutsch* land weisen nochmals darauf hin, daß die Absicht besteht, ab Februar 1937 einen Intensivkurs zur Erlernung des Englischen einzurichten, der pädagogisch von der Schulabteilung der Reichs Vertretung der Juden in Deutschland und organisatorisch durch den Hilfsverein 'der Juden in Deutschland betreut werden soll. Voraussetzung dafür ist, daß Meldungen in ausreichender Anzahl eingehen. Ziel des Kurses ist,' eine gefestigte Grundlage für eine wirkliche Beherrschung des Englischen" und eine Einführung in die Külturkunde der angelsächsischen Länder zu geben. .— Der Kursus wird ein Vierteljahr dauern. Vorher geht ein ca. vierwöchiger Vorkursus, so daßsich eine Gesamtdauer von vier Monaten ergeben wird. — Schulgeld monatlich RM. 30.—, Gebühr für' die Aufnahmeprüfung RM. 10.—. — Der Kurs umfaßt 25 Wochenstunden d. h. fünf Stunden täglich. — Meldungen zur Teilnahme sind mit dem Vermerk „Intensivkurs" unverzüglich zu richten an: Die Kurse des Hilfsvereins der Juden in Deutschland, Berlin W. 50, Marburgerstr. 5. Amsterdam, 4. Jan. Die älteste Synagoge in Hol* land, die aus dem 17. Jahrhundert stammt, ist geschlossen worden. Die Synagoge gehört der aschkenasischen Gemeinde in Rotterdam. Sie besitzt als>;: besondere Eigentümlichkeit einen Glockenturm. Die, Schließung erfolgte, weil die Mehrzahl der Gemeindemitglieder in andere Stadtteile von Rotterdam verzogen sind, wo eine neue Synagoge erbaut werden soll.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.