Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 3 (21.1.1937)
- Date
- 1937-01-21
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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- 21» Januar 1937 1 Der Israelit Nr, 3 Seite 7; lin; . 65,' 'Iranischestr.v 2, zu wenden und folgende Unterlagen einzureichen: ■ 1. Thema der' beabsichtigten Arbeit und Nachweis,, daß sie in den Bereich der vom Stifter vor= ■ gesehenen'Zwecke fällt. 2. Arbeitsprogramm und Angaben über die fürdie Durchführung dieses Programms erforderlichen Mittel. Ein Sachverständigenbeirat, der aus den Herren Dr. Dünner, Prof. Dr. Ehrmann> Geh. Rat Strauß f und dem Leiter der Gesumdheitsverwaltung besteht, hat die Entscheidung über die Zulassung der Arbei- . ten . uni die zur Ausschüttung gelangenden Mittel. Für besonders wertvolle Ausarbeitungen sind Sonderpreise in Aussicht genommen. Oesterreich. Vom Kongreß der Studentenconfödcratioii. Wien, 16. Jan. In Wien tagte, der Kongreß der Internationalen Student e n c o n f ö d e f a t i o n. Der Antrag des palästinensischen Vertreters,, die palästinensische Studentenschaft als Ordentliches Mitglied der Conföderatioii aufzunehmen, wurde nach eingehender Debatte mit einlacher Stimmenmehrheit abgelehnt. Lettland, Litauen, Finnland, Belgien, Oester* reich, Ungarn, die Schweiz und Italien stimmten gegen, den Antrag. Gegen diese acht Länder konnten sich die Vertreter von England, Frankreich, der Tschechöslovakei Belgien, Griechenland und Luxemburg nicht durchsetzen. Die Tatsache, daß die Schweiz und Italien gegen den Antrag stimmten, beweist, daß die Angelegenheit nicht unter politischen Aspekten behandelt wurde. Bs spielten dabei andere Gesichtspunkte mit, die .hier nicht weiter erörtert werden sollen. Das geht auch schon daraus hervor, daß nach Schluß der Sitzung u. a. auch der Vertreter der palästinensischen Studentenschaft ohne Groll 'iber den Ausgang der Abstimmung eine Rede hielt und zwar in hebräischer Sprache, die m Wien als erste hebräische Rundfunkrede großes Aufsehen erregt hat. . Der Redner versprach, daß sieh die palästinensische Studentenschaft bemühen werde, auf allen Gebieten des menschlichen Wissens? und Strebens der Wahrheit und dem Frieden zu dier.en und ihre Verbundenheit mit der gesamten Kul- ' turwelt zu bekunden. Polen. Ministererklärungett und Ausschreitungen in Polen. Warschau, 18. Jan. Der polnische Ministerpräsident, General Skia d k o w s k i ,\ hat in einer Sejmrede scharfe . Stellung gegen die Ausschreitungen der letzten Ta^e genommen. Er erklärte, die Regierung werde Judenpogrome unter keinen Umständen dulden. Es sei eine Schmach für Polen, daß im Jahre 1936 in der Gasend von Bialytok allein 348 Fäl(.e von judenfeindlicherr Ausschreitungen vorgekommen seien. Der Ministerpräsident fragt, ob sich die Lage der Bauern nach dem Ausschreiten gebessert hätte, wie es. ihnen die Demagogen vormachten. All diese Ausschreitun-/ gen , führten •. zu Anarchie. Der Ministerpräsident drohte die schwersten Strafen füv weitere Exzesse sn.''Insbesondere wandte er sich gegen den Abgeord? neteri Btidzvnski, 'dessen heftige Angriffe auf die Juden nichf wenig zu den Ausschreitungen beigetragen haben ' . ■: -.Und: -trotz.' allem -neue Aüisschreifün^en! In 0&i= Xalizien wurden Wieder 'zählreiche jüdische Händler auf den Märkten überfallen und mißhandelt. . Aus verschiedenen Städtchen und Dörfern, so in Novo- Minsk, floh die jüdische Bevölkerung unter Zu-;f,ückla.ssja:ig..ihrernganzen Habe>vÄn; der Wafschauerj .^n|.y^r,s!it|ltv}^a'dt..^e9lis.' .Studenten.i- und» Sein jüdischer; , Arzt erheblich rverletlfts w,orden.irEmer.. von .Jhnen: iist} ^er Sohn.- eines Haujjtmanais;def Reserverjrler. polni-! bcheja Armee,: d $t\ jsicb.4dageg.en wehrtey daQj tmani ihn,} •wie di^io^ndeBeli^,; au^lä^^.^GbettpBaiiik''' ^2wingenj': wollte.' ,-, .-<•.,.-..•..•,' ■ ■ ::.u- .:»/'. j i Im,Sejm haHier'vs£v^fiäifoe ^Äb&töifäkte*JML i"n-z-; hi'ex'ignmfa erischüfterndes'■ Bild der jüdischen'''Not' in -deä :Kleinf •städten entworfen. Der ärmste Bauer, sagte er, habe J wenigstens Brot und Kartoffel im Hause, während der arme Jude mit seiner «Familie buchstäblich hungere und friere. Die allgemeine Winterhilfe sorge sehr wenig für die jüdischen Armen, obwohl die bemitteilen Juden sich weit über ihren Prozentsatz hinaus an den Sammlungen für die Winterhilfe beteiligt hätten. '" Die Woche. Berlin. Am Sonntag eröffnete das Jüdische Museum der Berliner Jüdischen Gemeinde eine Ausstellung „1936—Neuerwerbungen^— Schenkungen". Sie zeigt eine beträchtliche Anzahl wertvoller Stücke alten Kultgeräts und enthält moderne Plastiken, Bilder und Graphiken unserer besten Künstlet. München, Die bayerische Unterrichtsverwaltung hat angeordns4., daß vom Schuljahr 1937/38 an die bisherigen zwei* und dreistündigen Kurse für hebräische Sprache an höheren Lehranstalten und humanistischen Gym- . nasien einzustellen sind. Auch als Wahlfach soll Hebräisch fortfallen. . Wien. Der berühmte Entdecker der Röntgentherapie, Prof. Leop.old Freund, hat vor vierzig Jahren zum ersten Male in der Wiener AerztegeselLschaft über die therapeutische Wirkung der Röntgenstrahlen Bericht erstattet. Freund wurde aus diesem Anlasse in einer Festsitzung der Wiener A e rzt egesellschaft gefeiert; Prag. Da® Amtsblatt teilt mit, daß der Präsident der Republik den Professor Erwin Finlay-Freundlich aus Istambul als ordentlichen Professor für Astronomie und Naturwissenschaften an die Deutsche Universität nach Prag berufen habe. Prof. Freundlich war in Berlin Assistent von Einstein und Direktor des „Ein- .stein=Turms" in Potsdam. Warschau. Die NZO. in Polen hat ein Protestteleg r a m m an den Kolonienminister O r m s b y - G o r e gegen die Verweigerung des Einreisevisums an Jabotinski abgesandt. — Offiziell wird mitgeteilt, daß im Jahre 1936 11.215 Juden aus Polen nach .Palästina gewandert sind. Das. bedeutet eine starke Verminderung gegenüber 1935. Damals sind etwa 25.000 Juden aus Polen nach Palästina gegangen. — Das Warschauer Regierungskommiissariat hat die Eintragung der ,üdisch-territorialistischen Liga „Freiland" in das Vereinsregister genehmigt. Kowho. Von den i. J. 1936 aus Litauen ausgewanderttn 1627 Personen waren 948 (394 Männer L'nd 55* Frauen) Juden. Von diesen gingen 487 nach Palästina, 234 nach Südafrika, 55 nach Amerika, 37 nach Kanada, 35 nach Argentinien. 32 nach Brasilien, 33 nach Uruguay und 35 nach anderen Ländern. London. Auf der Dreijahresver.9ammluhg der englischen Bne Brith ist Prof. Dr. Selig ß r o d e t s k y , Mitglied der Exekutive der Jewish Agency, zum Großpräsidenten des Ordenisdistrikts für das Vereinigte König- ■ reich und Irland gewählt worden. :— König Georg VI. und Königin Elisabeth werden am 13. Februar zum ersten Male seit ihrer Thronbesteigung das Londoner Gast End besuchen. Der Besuch des Königspaares ist offiziell angekündigt worden. Saloniki. Als Beauftragter der Hafengesellschaft von Tel Awiw ist Herr Benjamin Libermann., in Saloniki eingetroffen, um geeignete Hafenarbeiter für die Arbeit im Hafen von Tel Awiw anzuwerben. Die von der Palästina* regierung bewilligten Sonderzertifikate für Hafenarbeiter'würden von dem Delegierten der Hafengesellschaft mitgebrächt. — Der Direktor der Wohlfahrtsabteilung im Generalgouvernement von Saloniki. P s a r r as, hat einer jüdischen Abordnung mitgeteilt, daß auf' Anordnung des Wohlf ahrtsmini&ters von der Regierung 250 Wohnhäuser für die arme j üd is c h e ' B e v ö 1 k e r u n g in Saloniki errichtet werden sollen. New York, Der American Committee Appeal für; [ die«:'Juden in Polen hat sich verpflichtet, iv'ilO.öOO Dollar für dieArbeit der^Gesellschaft ORT aufzubringen. vDer Betrage ist für . die* » Qer^fstiQi^hJIchtuii^ai^.eit in, Polen be*; y "ilimint;' '( TJie 17. Jahreskpiiferenz der . - Hilstädfüt^ Iwrif 'in 'Amerika' hat beschlossen, ,rn ejn^1 heb i äi s-*c h:e; - 'w i ss 6 ri s c h a:f t -■ '•■ .1 i c h e.., A k a d e>m i e z.uiv, g r ü nd e n , die ^jährlich ./zusammentjiete^^jSpll^ , Ferner. soILv "eine h e b f ä i s c h - w i s s e n s. c, h a f t - f li'-c'h;e 'Vli'er t el jiah ^es's c'h ri f t heri'.'üusgfegfcbe»?Werden.: ■'• ' '■ 1 j:* Warschauer Brief. Dr. isaac Breuer und Rabbi MoSche Blau in Warschau. — Neuorganisierung des Keren Hajischuw. — Die Rettungsaktion .JVIifal Hazalah". Warschau, 12, Jan. Es war doch in der kritischen Lage, in der wir uns zur Zeit befinden, für uns eine Aufmunterung besonderer Art, als mit Anzeigen in den Zeitungen und mit großen Plakaten an den Mauern für den 27. rebeth die' große Erez Israel-Kundgebung angekün* digt wurde, auf der als Hauptredner Dr. Isaac Breuer, Jerusalem, genannt wurde. Als weitere Gäste wurden angekündigt Rabbi Mosche Blau, Jerusalem, Jecheskel Rott stein von Machane Israel. Die Zeitungen, besonders das Organ der Agudas 'Jisroel, „Das' Jüdische Togblatt", begrüßte die Gäste mit großen Artikeln, in denen sie die Bedeutung der Persönlichkeiten sowie die von ihnen zu behandelnden Probleme schilderten, Ueber den Verlauf der Versammlung entnehmen wir dem Warschauer „Jüdischen Togblatt" folgendesi Eine große Menschenmenge füllte den Scalasaal, die die Redner mit größter Herzlichkeit empfing. Am Präsidiumstisch sah man die angesehensten Agudaführer von Polen. denrPräses der polnischen Agud-ä, J. M. Lewin, Senator Trockenheim, Präses E, Masur u, v a. Als Vorsitzender begrüßte Senator Trockenheim die Gäste und erteilte Herrn Dr. Isaac Breuer als erstem das Wort zu seinem Referate. Es war eine nach Form und Inhalt gleich glanzvolle Abhandlung, die über eine Stunde dauerte, ein lebendiger Gruß aus Erez Jisroel und eine Dar= Stellung der derzeitigen Lage im Heiligen Lande, wie wir sie noch nicht gehört haben. Alles, was wir von der 'Königl. Kommission zu erwarten und nicht zu erwarten haben, trat deutlich vor Augen. Es sei nicht zu verkennen, daß die Juden nicht ab Ankläger, sondern als Angeklagte vor der Untersuchungskomraission stehen. Die wärmsten Worte des Redners waren aber nicht der äußeren, sondern der geistigen Lage in Erez Jisroel gewidmet. Ein erschütterndes Bild über die religiöse Verwilderung, gegen die in letzterer Zeit sogar schon die zionistischen Führer iure warnende Stimme erheben, gab der Redner. Es &ei höchste Zeit, daß das religiöse Weltjudentum musterhafte Institutionen in Erez Israel schaffe, um so Einfluß auf den gesamten Jischuw zu nehmen. Der Keren Hajischuw sei das Finanzinstrument des religiösen Jischuw und die Rettungsaktion, genannt nwn bysn rufe nun das ganze'Volk zur Hilfe auf. Mit eindringlichen Worten unterstrich dann. der Präsident der polnischen Aguda, I. M. Lewin, die Ausführungen Breuers. Wenn zuletzt auch die Führer der Histädruth, so Ben Gurion, sich auf die Bibel berufen, so müßte man fragen, warum diese Kreise nicht die Konsequenzen aus dieser alten Verpflichtung auch für das Leben in den eigenen Reihen ziehen. Der Keren Hajischuw sei in Marienbad so konsolidiert worden, daß man jetzt das Beste'von ihm hoffen könne. $ Herr Jecheskel Pottstein sprach, zuerst hebräisch und dann jidefisch, über die Leiden und Prüfungen der ersten agudistischen Pioniere in Erez Israel und schilderte, -wie ' man sich schließlich die Position in. Machane' Israel errungen hat. ,,Laßt uns nicht fallen!" lautete seine Bitte. Herr A S. Friedmann als letzter Redner dar "•J ersämmlung'' nahm schärfe Stellung gegen die Aeüßerüngen'Shertohs vor der Königl. Kommission. Senator Trockenheim schloß dann die Versammlung mit der Mitteilung, daß die Rettungsaktion r-r?xn '-pjön damit proklamiert sei. Er forderte alle Kreise zur eifrigen Mitarbeit auf. Am' Sonntag abend . fand dann eine Sit zun. g de s Ze ri t r a 1 - K o mi t e e.s de r Agüdas Jia« r ö e l unter 'Beteiligung von' Dr.. .Breuer statt, der üb\er "die finanziell« ''Lage des Keren Hajischuw in Erfez Israel bericfitete. Nach eingehender Debatte wird "beschlossen, alle 'getroffenen' Maßnahmen des Waad Hapoel über die Gründung eines Direktoriums für den 'Keren Hajischuw j tmd die Einleitung des f-iVtn'^sraö=Akfiöh zu genehmigen. Ein erlassenes Manifest an alle religiösen Kreise in Polen ist unterschrieben von Dr. Breuer,