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Der Israelit · 1937-01-21 · Heft 3 (21.1.1937) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 3 (21.1.1937)
Date
1937-01-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Nr, 3_■ _ ' - weit hinausgeschritten, bis zur- Mischehe;oder Taufe, die Enkel waren vielleicht schon ,antisemitisch eingestellt. Wir wollen ehrlich zugeben, daß neben der Orthodoxie, die stets mit den; alten prophetischen Weckrufen auf der Warte blieb und ziir Besinnung mahnte, es auch der Zionismus war, der seit vierzig Jahren sich bemühte, den Juden aus dem dunklen Versteck des Marranentums zum Bewußtsein des eigenen Nationalismus herauszulocken. Aber Erkennen der Krankheit bedeutet noch nicht ihre Heilung. Wie saigt doch Franz Rosenzweig {Zweistromland' 1926): „Der Zionismus genialer Diagnostiker, aber sehr mittelmäßiger Behandler; hat das Uebel erkannt, aber die falsche Therapie angegeben." Und nun kam der Rückschlag, die Dissimilation. Der Traum ist zu Ende geträumt. Der heutigen Marranen, die offen und mutig zum Judentum zurück wollen, harren keine Scheiterhaufen und keine Flammen — es sei <denn die der Sabbatlichter "ind der Hawdolahkerze. Man hält uns nicht fest, sondern schickt uns heim. O, daß wir uns ganz heimfänden! Daß wir nicht auf halbem Wege stehen bleiben, nicht im Tempel der Reform bei fremden Riten und Bräuchen, aber auch nicht _. .. ■ Der I s r a « l i t sbeim Nationalismus mit seinem ,,Ja zum Judentum". Nicht unser Ja, nicht unser Wortbekennt nis will>> das Judentum, es will das T at be kenntnis, es will uns, den vollen Einsatz unserer Kraft.'Nicht Jasagen, sondern ein Sich bekennen zum Judentum der Thora und Miz woth, zum Judentum von Talith und Tefillin ist die Forderung der Stünde. Wir wändern und werden weiter wandern müssen, und wenn nicht wir, so unsere Kinder. Aber behalten wir das Ewigbeständige in uns, und wir sind nirgends fremd. Wie Palästina oder andere Länder unsere Menschen formen werden, entzieht sich unserem Einflüsse. In Palästina können wir unser Mögliches dazu tun, wenn wir das dortige agudistische Schulwerk genügend unterstützen. Für den Teil, der immer noch in der alten Heimat wird bleiben, können und müssen, gibt es nur einen Weg: Heraus aus dem dunklen Versteck des Marranentums ins offene Licht des Judentums; des Judentums, das auf uns wartet, daß wir "U'jnaai H'JM' wie es im Thoraabschnitt heißt, „mit unseren Söhnen und unseren Töchtern" kommen. Zum Bericht über die Tätigkeit des Keren Hatorah in Deutschland im Jahre 5696-97 (1936). Von Rabbiner Dr. Ochs in Leipzig. Mit staunenswerter Pünktlichkeit legt das Landesdirektoiium des Keren Hatorah in Deutschland seinen Jahresbericht für das Jahr 1936 der jüdischen Oeffentlichkeit vor. Neben der Fülle von Einzelheiten über die Arbeit des Landesdirektoriums bringt der Belicht eine Reihe von Tatsachen zu allgemeiner Kenntnis, die auf ein Interesse in weitesten Kreisen rechnen dürfen. Wir erwähnen an erster Stelle das Wiederaufleben und Erstarken dar Jeschiwa in Fulda, dem durch die Tradition des Maharam Schiff allein schon dazu prädestinierten Ort. Weiteste Kreise der deutschen Judenlieit werden weiterhin mit tiefer Befriedigung davon Kenntnis nehmen, daß durch eine Subventionierung des Landesdirektoriums des Keren Hatorah die Gründung einer Jeschiwa k'tana in Breslau auf den Namen von Rabbiner Dr. Simonsohn s. A. ermöglicht worden ist. Mit Staunen wird schließlich jeder an der jüdischen Bildung der Jugend Interessierte die Zahlen aufnehmen, die in den Anhängen zu dem Berichte über die jüdischen Jugendlichen aus Deutschland auf in- und ausländischen Jeschiwoth mitgeteilt werden und dabei noch nicht einmal vollständig sind, Einen Begriff von dem Umfang der Arbeitsleistung-des Keren Hatorah bekommt man, wenn man die Gebiete sieht, auf die sich diese Arbeit erstreckt. Da werden erwähnt i Talmud Thora- Schulen, Subventionierung von ( Jeschiwoth und Jeschiwa-Besuch, Erziehungsheime,...Religionsunterricht in lehrerlosen Gemeinden und Beschaffung von S'farim. Das Erstaunlichste bei allem ist, daß in unserer Notzeit die Leistung des Keren Hatorah nicht nur nicht vermindert worden ist, sondern auf allen Gebieten gesteigert werden konnte. Mit dem Bedürfnis allerdings vermochte auch diese Steigerung nicht Maß zu hallen, denn der Bericht muß die schmerzliche Tatsache verzeichnen, daß entgegen der früheren Praxis auch gut begründete Gesuche um: Sub-j ventiönierung des Jeschiwabesuches tnicht me,hi* ausnahmslos bewilligt werden könnten; Dieser! Zweig der Arbeit des Keren Hatorah ist geradezu? ein Spiegelbild des Strebens unserer J.ugend. nach Vervollkommnung, ihres jüdischen Wissens, die natürlicherweise nur auf den Jeschiwoth erreicht werden kann. Wer die Situation der jüdischen Menseben in den sterbenden kleinen Gemeinden kennt, wird dem Keren Hatorah Dank dafür wissen, daß er hier durch Unterricht helfend eingreift. Wie beschafft sich der Keren Hatorah die Mittel für seine Arbeil? Auch diese Frage beantwortet der voi bildlich ausgearbeitete Bericht. Da sieht man, daß zum weitaus größten Teil die Gelder aus Spenden einzelner stammen, sei es, daß sie bei den großen Aktionen zu Chanukka und Schewuoth aufgebracht sind oder r fennigweise aus Büchsen stammen oder bei _\__-,21.LJanüar 4937 sonstigen Gelegenheiten hereingekommensind. Knapp 10 Proz der Einnahmen stellen einen Beitrag, der Reichs Vertretung dar. Dieser 'Teil des Berichtes wird keinen Leser unberührt lassen von dem Gefühl einer, persönlichen Verpflichtung, nach Kräften für. die Arbeit des Keren Hatorah beizusteuern. Der Bericht weiß mitzuteilen, daß außer dem schon erwähnten Beitrag der Reichsvertretung dem Landesdirektorium des Keren Hatorah bei einer seiner wichtigsten Aufgaben wirksame Hilfe geleistet worden ist durch den Zentralaus- 5-chuß für Hilfe und Aufbau. Man wird in diesen Tatsachen eine erneute Bestätigung des grundsätzlichen Standpunktes finden von dem das Landesdirektorium am Schlüsse seines Berichtes Mitteilung macht: Gegenüber denen, die lernen wollen, stellt der Keren Hatorah, eine Gründung der Agudas Jisroel, nie die Frage der jüdisch-politischen Zugehörigkeit. Als letzten Anhang legt der Bericht den Voranschlag für 1937 vor. Er sieht für fast alle Einnahmeposten Erhöhungen vor, weil auf der Ausgabenseite alle Posten gewiß noch stärker wachsen werden, als sie im vergangenen Jahre schon gewachsen sind. Man sieht, das Landesdirektoiium des Keren Hatorah setzt in das jüdische Publikum das Vertrauen, daß es mit zunehmendem Verständnis Und mit gesteigerter Opferbereitschaft seine Arbeit unterstützt. Dieses Vertrauen darf nicht enttäuscht werden! Gilt es doch, eine Institution zu stützen und zu stärken, die Arbeit am Wichtigsten leistet, was wir haben, an unserer Jugend. Ueber den Kreis der bisherigen Freunde und Gönner des Keren Hatorah hinaus müßte dieser Bericht in allen Lagern der Juden in Deutschland Aufruf sein, ihre Beiträge zu erhöhen oder neu einzusetzen, angefangen bei den zentralen Instanzen bis ' zur letzten Gemeinde und Einzelperson, die noch spenden kann. Nur das wird' ein Dank sein, mit dem sich,die Herren des Landesdirektoriums, v. a. dessen Leiter, für ihre unendliche Mühe und Hingabe belohnt fühlen können. Interessenten wollen den Jahresbericht beim Landesdirektorium' des Keren Hatorah in Deutschland, Hamburg 13, Heinrich Barthstraße 21 anfordern. z^?.^ mß m Korrespondenzen. Deutsches Reich. Tagung des Großen Rates des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden. B e r 1 i n , 19. Jan. Am So.nnta.tf, den 17.. Januar, hielt der Große Rat des Preußischtn La n.d esverban d-e s jüdischer;: Gemeinden seine Jahre^stagung in Berlin ab. Der Eröffnung und Begrü* t'Ungsrsde des Präsidenten de© R^tee, Kammergsrichtsrat i. R. I eo Wolff , folgten die Berichte der Dezerncnten. Es wird dabei festgestellt, daß der Landesverband bestrebt sei, bei Eingehen von Gemeinden, Gemeindeeigentum der jüdischen Allgemeinheit; zu erhalten, daß er bereits. 6 Voll- :und '20. TeiUiqüidationen oürchgefülirt »und. zurzeit tiöth. weitere £0' Fälle in Bearbeitung;-häl»e^*IÄe.*'THöf^blI^:'üttd dere heiligen Geräte. werden ^ur'^fyst^niätisch.e fassung .vor Verlust geschützt,, und an neug«gründd|ej Gemeinde-! in- Uebersee, >auch? 'in Palästina^ weitejr-J gegeben. Es wird ' weiter1 /übetjd:! Kuftura'rBeit c^sj Landesverbandes berichtet/ zu\4jespr .gehprt au|hj eine Wanderbüchere i„ Der^Etat .deSfLandesver- Landes weist die Ziffer von RM. 545,000 auf. Die Aufbringung der Mittel erfolgt durch Umlage auf die Gemeinden. Dr. Alfred K 1 e e berichtet über die Meldestelle iür Binnen- und Auswanderung. Ueber die labbinische Versorgung der Landesgemeinden referiert Rabbiner Dr. GalHn-e r. In diesem Zusammenhang teilt er auch die Errichtung einer jüdischen Lehrerbildungsanstalt in Berlin mit. Herr Dr. Hermann Schifdberger berichtet über die Sonderabteilung für, V e r m ö g e n s ve. r waltung. , \K i , Nach Abschluß der Generaldebatte wurde der Haushaltsplan einstimmig angenommen. preisarbeit auf dem Gebiet der Lungensklerose1 ausgeschrieben. B er lin , 14. Jan. Aus dem Nachlaß des vor einer Reihe von Jähren verstorbenen Dr. Nicolais Hefter stehen Mittel zur Verfügung zur Förderung experimentelle* und 'Klinischer •. Arbeiten^aufi dem; Gebietender Lungensklerbse. ^Hierunter sind zu-veTstehetf alle im" Gebiet .der Lungesichabspielend«!! Prozesse; »die zu iiidurativen Vöri ähderun<tbrtv des< liLungeri^w&bes' 'führen' öder sVStche> die: sich an? den. Lüiigengiäfäßen5 selbstabspielend r Aerzte, die hierfür Interesse haben und Bereit sind,;,- Arbeiten^ auf -.diesem; 'Gebiete .(in;Angriff zu Lehmen^» .werden.j gebeten, «ich.' lan s 'diei Gesundheits- \ erw;altung ,ider 'Berlin«*!. fjüdischen i Gemeinde, :-; Ber^ i¥th^.!^M^^ttaHii.:ui ■T'.'ifin.Wf'MiCTvfnnii?r.^v^»w MJötöfKW*)'''?;

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