Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 3 (21.1.1937)
- Date
- 1937-01-21
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2450961-2450964--82726-2540678- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
21. Januar 1937 gjgj^gg^ij^^^^^^^^^ag^»jtya^^t^p^^^ De t l s r'a e 1 i t Nr. 3 Seite 5 .«us der Ergebnislosigkeit führte zu solchen Tumulten, daß der Rektor zurücktreten und die Universität von neuem geschlossen werden mußte. Die jungen Akademiker mögen in ihrem jugendlichen Sturm und Drang nicht abwarten, bis neue Kontinente entdeckt sind. Wenn einmal, so glauben sie, die Juden aus den Hallen der Wissenschaft hinausgeprügelt sind, werden auch .schon die Anderen den Weg über die Grenze .iinden. Wohin, — das ist ihre Sache. * * In Tripolis hat der Oberrabbiner in verschiedenen Zeitungen einen Offenen Brief veröffentlicht, in dem er., die italienische Verwaltung in Tripolis mehr oder weniger in Schutz nimmt. Es sei, so schreibt er ungefähr, von einer judenfeindlichen Einstellung" der Behörden von Tripolis nichts zu merken. Es seien auch keine weiteren Verhaftungen vorgenommen worden,;nur einige Juden seien wegen Gehorsamsverweigerung bestraft worden. Auch viele Zeitungen in Italien beeilen sich, gegen den „laischen Alarm in der Presse" — es war nicht die jüdische Presse, sondern die politische große presse in England und Amerika, die Alarm schlug — Verwahrung einzulegen und nachzuweisen, daß die faschistische Regierung niemals eine unterschiedliche Behandlung von Juden und Nichtjuden gekannt hätte. Wir verstehen die Erklärung des Öberrabbiners und können auch die Beteuerungen in Italien über die Loyalität der italienischen Regierung und der Faschistenkreise gegenüber den Juden nur bestätigen, ja sogar mit vielen Fällen von Auszeichnung verdienter Juden von uns aus belegen. So lesen wir, daß dieser Tage im V a 1 a z z o C h i gi die feierliche Uebergabe der Ordensinsigni e n an den mit dem Großörden eines Ritters der italienischen Krone ausgezeichneten Journalisten David Kleinlerer stattfand, der seit 15 Jahren Berichterstatter der ITA. in Rom ist.* Aber all jene Erklärungen und Beteuerungen reden über die Sache hinweg und sagen uns nicht, was wir hören wollen: nämlich daß das Verbot des Sabbathaltens für die Inhaber jüdischer Geschäfte in der Europäerstadt von Tripolis endgültig zurückgenommen s e i und daß die Unterbehörden, die glaubten, religionstreuen Juden mit Peitschenhieben den Sabbat ans-der Seele zu jagen, ihrer verdienten Strafe zugeführt worden wären. Solange wir darüber nichts Endgültiges hören, nützen uns Erklärungen über Dinge, die wir selben wissen, gar nichts. General Smuts , Südafrika bildete und bildet eine der letzten Zufluchtsorte für heimatlose Juden. Kein Wunder, daß man im jüdischen Kreise der Neuregelung der Einwanderungsgesetze in Südafrika mit einigem Bangen entgegensah. Das Unterfangen der Gegner der jüdischen Sache, bei der Gelegenheit ein Einwanderungsverbot für Juden durchzuschmuggeln, ist gescheitert, was wir in erster Reihe dem Justizminister und dem früheren Ministerpräsidenten, General Smuts, zu verdanken haben. Der Gesetzentwurf der Regierung, der neue Einwanderungsbestimmungen vorsieht, wurde aber in erster und zweiter Lesung angenommen. Er richtet sich nicht gegen Juden allein. Daß sich aber manche der Bestimmungen, die in ihrem Wortlaute noch nicht formuliert sind, automatisch gegen jüdische Einwanderer auswirken werden, wird leider nicht zu verhindernsein. Wege zur Heimat. Aus der Serie „Marranen von heute". ff Man muß mit geschichtlichen Parallelen vorsichtig umgehen. Jedwede Zeit hat ihre eigenen Wehen, die ohne Präzedenzfälle sind. Auf den ersten Blick ist sogar unsere heutige Lage grundverschieden von der im Mittelalter, Damals preßte man die Juden gewaltsam in die Kirche, heute schickt man sie heim. Aus dem Judesem führten im deutschen Mittelalter zwei Wege — der eine in die Kirche, der andere in den Tod, in Spanien führte ein dritter in die Verbannung, in die Fremde. Heute weisen alle Wege ins jüdische Haus, das auch in der Fremde das eigene jüdische Heim bleiben kann. Und dennoch! In der Entwicklung der jüdischen Dinge weist das neunzehnte Jahrhundert viel verwandte Momente mit der des fünfzehnten in Spanien. Die Emanzipation schien dort wie hier, damals wie heute, vollkommen lückenlos. In der Sonne der Emanzipation gedieh und entwickelte sich der jüdische Geist und der jüdische Einfluß vielleicht mehr, als der Welt und dem Judentum gut tat. Und im. Schattenwinkel hinter der Senne wuchs und wuchs die Abneigung gegen den überhandnehmenden jüdischen Geist. Und sie fand ihren Resonanzboden in Faktoren, die sich, unbeeinflußt von der jüdischen Lebenssphäre, nach dem Kriege fast überall in Europa herausbildeten. Und Marranen gab es in den hundert Jahren der Emanzipation auch, Marranen anderer Art, Marranen nicht der Kirche, sondern der Kultur, der Assimilation. Das Erbe im Blute regte sich bei den Alten trotz der Ablegung aller jüdischen Formen im äußeren Leben zuweilen und verlangte sein Recht. Sederklänge, Chanukahmelodien kennten selbst unter dem Weihnachtsbaum im Ohre summen. Es erwachte in gehobenen Momenten die Sehnsucht nach der alten Sabbatlampe, die längst in der Rumpelkammer schlummerte, und den alten Familienbildern, die dort verstaubten. Und am Jahrzeitstage führten die Füße wie von selbst in die alte Schul und wie automatisch kam über die Lippen das „Jisgadal w'jiskadasch!" Ein Marranentum, das sich leider in einem Totenkulte erschöpfte, ein Marranentum, das nicht wußte, daß das "frw TWya nicht nur als Schluß des „Totengebets" gemurmelt, sondern auch in vollen, hellen Akkorden zum Abschluß eines frohen jüdischen Mahls gesungen wird. Die alte Marraneneinladung swimhi ^snn1? pvna "di mpön nsn Vs; erhielt wieder ihren Sinn für die Angehörigen des „Dreitagjudentums", die am Kol Nidro-Abend zur Synagoge kamen. Freilich umfaßte dieses M&rranentum nur eine Generation, Die Nach-r kommen waren schon weiter aus dieser Gefühls- Kap. 15. V. 25. D'an bx -jV»>i py 'n inwn bx pys'i inoi üvi t>s»ai pn ib aw aw man ipnm> „Br schrie zu G'tt, und G'tt zeigte ihm ein Holz, das warf er ins Wasser, und die Wasser wurden süß. Dort gab Er ihm Gesetz und Recht, und dort prüfte er es.' Wir finden die Worte pn und vsvn zuweilen in der Bedeutung von Sitte, Brauch, pn in Schoftim 11, 39: Viwa pn vim „Und es ward Sitte in Jisrael." iöse?» in Melachdm II 11, 14: oswaa nayn b9 nay n>an nan „Und siehe, der König stand auf seinem Standorte nach dem Gebrauche." BBtsai?n ib ovr üv bedeutet foiglieh: In Mara, dem ersten Rastort in der Wüste, erteilte G'tt Seinem Volke Verhaltungsmaßregeln, damit es den Strapazen der Wüstenwailderung widerstehen könne. Weitere Deutung: pn bezeichnet die Aufforderung an Jisrael, die ihm ,für die Dauer dar Wüstenwanderung auferlegten Entbehrungen willigen Herzens auf «ich zu nehmen; und nicht, wie in Mara, mit G'tt zu hadern. Unter üsw» sind Vorschriften bezüglich des Verhaltens gegenüber den Mitmenschen zu begreifen: Nächstenliebe, Gehorsam gegen die Aeltestem des Volkes. — Nach diesen beiden Deutungen ist der Zusammenhang zwischen der ersten Wüistenstation Mara und ^dem oserai pn klar ersichtlich. Kap. 17. " V.. 10. ahbnb r-wa "fr ms iwr3 wsm iasi n». nwa n»T "m -ns-wn «an iVy *nm pnn ntfai pVaya Vinn laipii pn mp->i Dnaa nvn »in -pVay naji n» ma» "rosai bx-\w> iv mia« -vnvvm ms nräi ins nra vva iann -nni pnsi tity a»»i •vtivn xa -/Jehoschua ' tat,-wie ihm Mosche. gesagt, hatte, mit Amalek -zu'kämpfen. Mosche, Aharori und Chur stiegen auf -.'den Gipfel des Hügels. — Es würde geschehen, eso - Wie rMosohe seine Hand erhebe, daß Jisrael siege, aber" sö wie er seine Hand sinken ließe, Amalek siegen würde. — ■ Als nun Mosches Hände schwer wurden, nahmen sie <feifteai Stein und legton ihn ihm unter, und er setzte sich darauf. Aharon und Chur stützen seine Hände, einer von hier und einer von dort. So hielten seine Hände treu aus, bis die Sonne unterging." Vers 11 ist nicht wiederzugeben mit „Und es geschah, so wie Mosche seine Hand sinken ließ, siegte Amalek." Den in der Form der Zukunft angewandten Zeitwörtern >d*t '''H'T n,3'> /laai ist die konditionelle Bedeutung zuzuschreiben. Eine Analogie bietet Bereschit 44, 31: .nbtxv iiva was -pa? "rrrnni nai *iyin \>x 'a wis-ia ">m „Und es würde geschehen, wenn er sähe, daß der Knabe nicht da ist, so würde er sterben; deine Diener hätten dann das graue Haupt deines Dieners, unseres Vaters, mit Kummer in die Gruft gebracht." TT» Q,"V» bedeutet: Mosche würde seine Hand, in welcher er den Stab hält (V. 9), erheben. Unsere Stelle ist folgendermaßen zu verstehen. Der hoch erhobene G'ttesstab in Mosches Hand soll das kämpfend© Volk ermutigen. Sehen Jisraels Sohne nicht dieses Panier in der Hand Mosches, so ist zu befürchten, daß sie den Mut zur Fortsetzung der Schlacht verlieren, und infolgedessen die Amalekiter einen Sieg erringen würden. In Anbetracht dieser Gefahr steigen auch Aharon und Chur auf den Hügel, um im Bedarfsfalle Mosches Hände zu stützen. Vers 11 ist als Parenthese aufzufassen, die das am Schlüsse von V. 10 Berichtete begründet. Auch Aharon und Chur stiegen auf den Hügel. Weshalb? •••">m Es würde nämlich geschehen, so wie Mosche seine iland erheben würde, würde Jisrael siegen, so wie er aber seine Hand sinken lassen wurde, würde Amalek slegen." V. 12 setzt die in V. 10 begonnene Schilderung fort. t^Taa nra h>i Als nun Mosche nicht mehr die Kraft hatte, seine Hände zu erheben, nähmen sogleich Aharon und Chur einen Stein und stützten Mosches Hände, »asm KS 7? nilBR W w So hielten seine Hiade treu aus, bis 'die Sonne unterging. Auf diese Weise konnte Mosche während der Dauer des Kampfes seine Hände ununterbrochen in die Höhe halten. Selbst nicht für eine kurze Zeitspanne ließ er seine Hände sinken. Nicht einen einzigen Sieg trug Ama* lek davon. am ->ab iay nt» p^ay m 9vv vbn^- So schwächte Jehoschua Amalek und sein Volk mit der Schärfe des Schwertes. (V. 13.) Kap. 17. V. 16. "m*map^aya'n^nttnVtt''os^t'*s*ittie»"i „Und er sprach: Denn die Hand ist am Throne G'ttes, Krieg für G'tt wider Amalek von Geschlecht zu Gesohlecht." Könige sitzen gleichsam auf dem Throne G'ttes. So heißt es bezüglich des Königs Schelomo: *^a 'n Koa by 7\nbv aw^i „Schelomo saß auf dem Throne G'ttes als König" (Diwre ha-iamim II 29, 23). 7' bezeichnet häufig die Macht. nVnsn T>n n« s-n bedeutet: Jisrael sah die große Macht (Schemot 14}, 'a ist hier als Zeitpartikel aufzufassen. Eine Analogie bietet Bamidbar 33, 51: pvn m oniay djik »a „Wenn ihr den Jarden überschreitet." Der Sinn unseres Verses ist mithin: ""oa^yT'a Wenn ein Regeht auf dem Throne G'ttes ist, pVaya 'üb nanVa dann Krieg für G'tt wider Amalek. Der erste zum Könige gesalbte Herrscher Jisraels wird den Kampf mit Amalek führen. Unser Satz weist auf Schau! hin, der im Auftrage G'ttes Amalek bekriegt (Sehemuel. I 15). n *>na Desgleichen werden auch die späteren Kö* nige Amalek bekämpfen.