Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 3 (21.1.1937)
- Date
- 1937-01-21
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Nr. 3 D e L 8 r a e I t t Agudas Jisroel weist Angriffe des Großmufti zurück. London, 18. Januar. Die A 11 w e 11 Ii che Agudazentrale in London erließ ein Protesttelegramm an die Königliche Kommission in Jerusalem* in dem die unsinnige Mär des Mufti, als wollten die Juden den Mohammedanern ihre Heiligenstätten entreißen und an Stelle der Moschee ihren Tempel errichten, kategorisch zurückgewiesen wird. ■Der rumänische Oberrabbiner in Bukarest, Senator Dr. I. Niemirower, hat an die Kgl. Kommission in Jerusalem ein Telegramm gerichtet, in dem er die Behauptung des Mufti vor der Kommission, er, Oberrabbiner. Nietmirower, habe in einem Schreiben an ihn die Wiedererrichtung des Salomonischen Tempels gefordert, als falsch bezeichnet, - Er habe w/ederjemals an den Mufti ein Schreiben gesandt, noch sich jemals über den Wiederaufbau des Tempels geäußert. General Dill verläßt Palästina. J e r u s a'l e m , 18. Januar. * Der Oberkommandierende der britischen Streitkräfte in Palästina, Generalleutnant John G. Dill, begab sich am Dienstag, den 19. Januar, nach Aegypten. Französische Kolonien für Judensiedlung. Paris, 17. Januar. Der französisch© iZolomenminister Marius M o u t e t hat am Samstag vor Vertretern der Presse seine bereits vor einigen Tagen angekündigte Erklärung über Einwanderungsmöglichk?iten in französische Kolonialgebiete abgegeben. Diese Einwanderungsmöglichkeiten sollen in erster Reihe Juden aus dem Ausland zugute kommen. In Betracht kommen die französischen Kolonien Madagaskar, Neu-Kaledon i e n , die Neuen H e b r i d e n und F r a n - zösisch-Guyana. Der Minister äußerte sich bei dieser Gelegenheit mit hoher Anerkennung über die jüdischen Leistungen beim Palästinaaufbau. Er halte diese Leistungen für ein seltenes Vorbild in der Geschichte kolonisatorischer Arbeit. Was die eventuelle Einwanderung in die französischen Kolonialgebie'te betrifft, so müsse aber vor gefährlichen Illusionen über die Möglichkeit einer raschen Massenkolonisation gewarnt werden. Immerhin hätten die bisherigen Untersuchungen, die noch sorgfältig fortgeführt werden' sollen, ergeben, daß unter gewissen Vorbedingungen mit der Zulassung einer beschränkten Zahl europäischer Einwanderer in die genannten Gebiete gerechnet werden könnte. Zu diesen Bedingungen gehören in erster Reihe die Finanzierung der Aktion durch einflußreiche und mit den erforderlichen Erfahrungen ausgestattete Organisationen; die sorgfältige Auswahl geeigneter Ansiedlungsgebiete auf Grund gewissenhafter Untersuchung; rigorose Auswahl des den Lebensbedingungen in den neuen Wohnländern „angepaßten Menschenmaterials. Die Sachbearbeiter des Kolöriienministeriums hätten bereits umfangreiche Vorarbeiten auf diesem Gebiet geleistet und die verschiedenen Kolonisationspläne würden vom Ministerium in Zusammenarbeit mit den Gouverneuren der Kolonien gründlich studiert. Der Gouverneur von. Madagaskar habe sich zu den vorgelegten Plänen unter der Voraussetzung, daß die genannten Bedingungen eingehalten werden, zustimmend geäußert. Zum Schluß erklärte der Kolonienminister, es handele sich der französischen Regierung nicht nur darum, kolonisatorische Möglichkeiten zu verwerten* sondern auch Tausenden zu helfen, die sich in einer Notlage befinden. Wie die ITA. erfährt, hat sich bereits eine Abordnung, bestehend aus Vertretern der Vereinigung für Auswandererfürsorge und Kolonisation ,,Emcol" und der Territorialistischen Liga „Freiland", die im März ds. Js. in Wien ihren ersten Kongreß abhält, an den französischen Kolonienmindster gewandt und mit ihm Beratungen über die Ausnutzung der bekannt gegebenen Ansiedlungsmöglichkeiten geführt. Bei ■ßen Besprechungen wurde klar gemacht, daß Französisch-Nordafrika aus politischen Gründen nicht zu den Gebieten gerechnet werden kann, die für eine etwaige jüdische Ansiedlung in Frage kommen. Einwanderungsgesetz in Südafrika angenommen. Einwanderungssperre für Juden abgelehnt. Johannesburg, 18. Januar. Das südafrikanische Parlament hat das von der Regierung vorgelegte Einwanderungsgesetz mit großer Mehrheit angenommen. Dagegen , wurde ein von der Opposition eingebrachtes Mißtrauensvotum gegen die von der Regierung verfolgte Einwanderungspolitik abgelehnt. Vor der Abstimmung nahm der Ministerpräsident von Südafrika, General H e t t z o.g , Gelegenheit, sich nochmals über den Zweck des Gesetzes zu äußern. Er gab dabei zu, daß sich das Gesetz gegen die jüdische Einwanderung auswirken 'werde. Er sagte, die Zahl der Juden im Lande habe einen solchen Umfang erreicht, daß in großen nichtjüdischen Kreisen Befürchtungen darüber entstanden seien. Dies habe bereits dazu geführt, daß sich eine antijüdische Strömung herauszubilden begonnen habe. Solle diese antijüdische Stimmung nicht zu ernsten Konsequenzen führen, so müsse den Befürchtungen Einhalt getan werden. General Herxzog unterstrich, daß die vorgeschlagenen Gesetzesmaßnahmen, für den Fall, daß sie in Kraft treten, kein Zeichen einer Verfolgung seien. Schon bei der zweiten Lesung des Gesetzes trat General S muts der Auffassung entgegen! als ob auch der Entwurf der Regierung gegen die Juden gerichtet sei. Die Neuregelung der Einwanderung ziele keineswegs darauf ab,;' jü- \ disohe Einwanderer vom Lande fernzuhalten. Vielmehr sei auch weiterhin in Südafrika jedermann willkommen, der den Erfordernissen der Einwanderungsvorschriften genüge. Der Minister erklärte weiter, volles Verständnis und Mi'tgc-; fühl für die bedrängten Juden zu haben und volle Sympathie für die Bestrebungen zur Lösung der Judenfrage zu besitzen. In diesem Zusammenhang hob der Minister die hervorragenden Lei- . ty ^iV/x '> Spendet zu jeder'Zeit der jüdischen Winterhilfe! stungen der Juden im nationalen Leben Südafrikas und die Beiträge hervor, mit denen sie die kulturelle Entwicklung des Landes gefördert hätten. Der Minister fügte hinzu, die von anderen Gesichtspunkten ausgehenden Anträge des Abgeordneten Malan würden von dem Volke Südafri^ kas als abstoßend empfunden. (Siehe Wochenrundschau.) Mazzo für die Juden Barcelonas. Zürich, 18. Januar. . Herr Oberrabbiner Dr. L e w e nstein in Zürich erhielt einen Brief der jüdischen Gemeinde in Barcelona, in welchem er um 2000 Kilo Mazzoth zu Peßaoh für Barcelonas Juden gebeten wird, da infolge des herrschenden Kriegszustandes es der Gemeinde nicht möglich sei, ihre Mitglieder mit Mazzoth zu versorgen. Rabbiner Lewenstein setzte sich sofort mit der Keren Hatorah-Zentraje wie mit der agudistischen Zentrale in London in Verbindung. Von letzterer wurde die sofortige Einleitung einer Mazzothaktion für Barcelona beschlossen. Die großzügige Wohlfahrts- und Sozialfürsorgearbeit der Juden Amerikas. New York, 14. Januar. Aus dem soeben von dem Rat der jüdischen Wohlfahrtsverbände herausgegebenen Jahrbuch für jüdische Sozialar.beit ist zu ersehen, daß das großzügige Wohlfahrtswesen der amerikanischen Judenheit im abgelaufenen Jahre einen weiteren Ausbau erfahren hat. Die Gesamtausgaben für Wohlfahrtszwecke sind von rund 40 Millionen Dollar i. J. 1935 um über 20 Proz. auf 48 Millionen Dollar i. J- 1936 gestiegen. Von diesem Beitrage wurden 91 Proz. oder rund 43,700.000 Dollar für Einrichtungen in Amerika selbst verwendet, während der Rest für Hilfs- und Wiederaufbauarbeit im Ausland ausgegeben wurde. Die größten Aufwendungen im Inland, nämlich 18.786.0OO Dollar oder 39 Pioz. der Gesamtsumme, erforderte die Errichtung und Erhaltung von Krankenhäusern und Heilanstalten. Für unmittelbare Familien - Unterstützung wurden 4,179.000, für Kinderfürsorge 5,422.000, für Altersfürsorge 2,322.000, für jüdisches Erziehungswesen 5,825.000, für Kulturzentren und Settlements 4 Millionen Dollar ausgegeben. Außerdem wurden verschiedene Beträge anderen Zwecken zugeführt. In der Auslandshilfe steht die Palästinaarbeit mit 1,675.000 Dollar an der Spitze. Für Wiederaufbau und Hilfe an europäische Juden wurden 1,050.000 Dollar, für andere .Ausiahdszwecke 526.000 Dollar ausgegeben. Die in 75 Gemeinden bestehenden 89 Verbände und Wohlfahrtsinstitutionen, die dem Rat angeschlossen sind, haben 11,894.500 Dollar durch freiwillige Beiträge eingenommen. Notaktionen wurden nur von drei Vereinigungen unternommen. Es wurden hierbei 690,596 Dollar aufgebracht. 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