Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 2 (14.1.1937)
- Date
- 1937-01-14
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 Nr. 2 Der Israelit 14. Januar 1937 beabsichtigt worden, eine historische Schuld der Welt gegenüber den Juden zu tilgen. Der Zionismus wolle keine Beeinträchtigung der Rechte Anderer. „Wir sind hergekommen, und werden weiter herkommen, bis die Judenfrage gelöst ist!" Jüdisches Nationalheim sei mehr als Judenstaat, .denn durch dieses würden die jüdischen Rechte völkerrechtlich gesichert. Die weiteren Aussagen machte Ben Gurion unter Ausschluß der Oeffentlichkeit. "Es wird bekannt, daß die Palästinaregierung die Ausstellung eines Einreisevisums für Wladimir J a - b o t i n s k y zum Zwecke seiner Aussage vor der Untersuchungskommission verweigert habe. Durch das Einlenken der Araber und ihren bekundeten Willen, vor der Kommission zu erscheinen, whd die Kommission die für den 12. Januar in Aus¬ Waisen zusammengeschlossen werden. Diese Einwan derung wird von der Abteilung für die Einwanderung Jugendlicher beim Waad Leumi betreut. Bei einem Fußballwetfcspiel, das in Tiberia zwischen einer jüdischen Mannschaft und einer Mann schaft der dortigen britischen Garnison stattfand, wurden die jüdischen Spieler von arabischen Zuschauern auf ein gegebenes Signal hin mit einem Steinhagel überschüttet. Die Angreifer wurden von der Polizei entfernt, setzten jedoch später ihre Exzesse in der Stadt fort, wo sie die Fenster meh rerer jüdischer Häuser einwarfen. Ein Araber wurde hierbei verwundet, mehrere festgenommen. Nach dem Finanzbericht der Palästinaregierung für das Finanzjahr 1935/36 betrugen die Reserven der Regierung am 31. März 1936 6,276.810 Pfund. Der '*^V\^73RÖE sieht genommene Abreise von Palästina auf unbe= .stimmte Zeit verschieben. Für die Vernehmung der Araber sind fünf Tage vorgesehen, doch glauben englische Zeitungen nicht, daß fünf Tage angesichts der vielen von den Arabern nominierten Zeugen zu diesem Zwecke ausreichen werden. Allerlei aus Palästina. Jerusalem, 8. Jan. Nachdem in den letzten Tagen die Verhandlungen zwischen der Stadtverwaltung von Safed und der Palestine Electric Corporation zum Abschluß gekommen sind, soll in wenigen Wochen mit der Verlegung der Kabel von Tiberias nach Safed begonnen werden. Nach längeren Bohrversuchen in der Gegend von K a r k u r und Pardes« Chana konnten die ersten Schöpfversuche gemacht werden, die überraschende Ergebnisse brachten. Ein neuer Brunnen lieferte innerhalb einer Stunde 360 cbm Wasser. Man hofft, daß die Ergiebigkeit noch größer werden wird, da das Wasser dauernd steigt. Die Kohlensäure- und Kunsteisfabrik Gordon u. Co. in Nachalat J i z c h a k bei Tel Awiw hat ihr Kapital von 10.500 auf 21.000 Pfund erhöht. Die Fabrik will nunmehr auch die Sauerstofierzeugung für autogene Schweißung aufnehmen und die Kunsteisproduktion steigern, was für die Lebensmittelkonservierung in den Sommermonaten von großer Bedeutung ist. Die Fabrik hat bisher 60 Proz. des. inländischen Bedarfs an Kohlensäure gedeckt, ihre Produkte aber auch nach dem Ausland, insbesondere nach Indien, ausgeführt. Einer Meldung der „Adifaa" zufolg« verhandeln Fellachen in zwei Dörfern bei Jerusalem mit Juden über den Verkauf einer Bodenparzelle an der Straße Jerusalem^Bethlehem. Die Analyse des Bodens habe ergeben, daß er zur Zementgewinnunggeeignet sei. Im Zusammenhang mit dem Bau der neuen Chaussee Herzlia-Ramat Hascharon^Tel Awiw soll auch eine neue Brücke'über den Jarlton geschlagen werden. Diese Brücke soll wesentlich größer sein nls diejenige, über die die Straße Petach Tikwa-Hascharon führt. Sie wird 30 m lang und 8 m breit sein. In der vergangenen Woche sind in Palästina 300. jüdische Flüchtlinge .aus Buchara eingetroffen, die sich einige Jahre in Afghanistan, aufgehalten hatten. Iii' diesen Tagen-treffen aus dem Jemen 22 jüdische Waisen ein, die zu einer ersten Kwuza jemenitischer Haifa an der See. Dieses schöne Stadtviertel war angeblich infolge der brennenden Oelleitung unter flam mendem Himmel in Rauci gehüllt. Von offizieller Stelle wird der Brand' .•»chaden bestritten; Finanzjahr erzielte Ueberschuß betrug 1,534.255 Pfd, Das neue Polizeigericht in Petach Tikwa hat seine Tätigkeit aufgenommen. Vorläufig sollen vor dem Gericht Kriminalfälle verhandelt werden. Das Gericht ist auch für die weitere Umgebung von Petach Tikwa und die Scharon-Kolonien zuständig. Das. Gericht steht unter der Leitung des Tel Awiwer Richters Harkavy. Verhandlungen finden an jedem Mittwoch statt. In der Altstadt von Jerusalem wurde der 35jährige jüdische Kaufmann Ephraim Jehoschua David von einem Araber überfallen, der ihm Vitriol ins Gesicht spritzte. David erlitt schwere Verletzungen. Der Angreifer verübte gleichzeitig auch ein Attentat gegen den Juden Chawiw Schochani, der .leicht verletzt wurde; David und Schochani wurden ins Krankenhaus gebracht. Bei David besteht die Gefahr, daß er das Augenlicht verlieren wird. Der Attentäter wurde durch einen Juden festgenommen, der Augenzeuge des Anschlages war. Ein- und Auslühr von Büchern in Palästina. Jerusalem, 31. Dez. Die Tageszeitung „Dawar" veröffentlicht eine statistische Tabelle der in den Jahren 1923 bis Ende 1936 von Palästina gekauften und der aus Palästina ausgeführten Bücher. Es würden in diesem Zeitraum für 297.495 Pfund Bücher eingeführt und für 100.892 Pfund ausgeführt. Von den durchweg in hebräischer Sprache abgefaßten Büchern, die aus Palästina ausgeführt wurden, wurden in Europa Exemplare im Werte von 46.334 Pfund, in Nord- und Südameriäa von 30.922 Pfund, in Asien, Afrika und Australien von 23.636 Pfund abgesetzt. Die Ausfuhr stieg von Jahr zu Jahr und hat im vergangenen Jahre den Rekordwert von 13.400 Pfund erreicht. Unter den Ländern, .die Bücher nach Palästina einführen, steht Deutschland mit einem Betrag von 85.500 Pfund an der Spitze, es folgen England mit 60.000 und Polen mit 25.000 Pfund. Die starke Büchereinfuhr aus Deutschland und Polen beweist, wie sehr die Einwanderer mit den Kulturen ihrer Herkunftsländer verknüpft geblieben sind. Die Sturmschäden in Palästina. " " Jerusalem- 5. Jan. '.' . Einer Meldung der „Ädifäa" zufolge, die 'sich auf 'ein© halooffmeUe' Quelle :beruft, ist:: der durch die letzten Stürme und Fröste^ in den palästinensischen Pflanzungen angerichtete Schaden mit einem Verlust von 1,150.000 Kisten Orangen zu veranschlagen. Die heftigen Stürme der letzten Tage haben auch in den arabischen Städten und Dörfern große Verheerungen angerichtet. In vielen Ortschaften sind Häuser eingestürzt und zahlreiches Vieh ist in den reißenden Fluten der Waadis ertrunken. In Jaffa riß der Sturm in einer Mädchenschule während des Unterrichts eine Wand ein. Die Träger der elektrischen Leitungen wurden in Jaffa vielfach umgeworfen, so daß der Verkehr gestört wurde. Auch die Telegra* phen= und Telefonleitungen wurden stark beschädigt. In den letzten Tagen herrscht ' starke Kälte in Safed. Es ist 10 cm Schnee gefallen^ D«r fifasy atiner Rebbe übersiedelt nach Palästina. Jerusalem, 5. Jan.. Der berühmte Husyatiner Rebbe, Rabbi Israel Friedmann, hat sich mit seiner Familie zu staridigem Aufenthalt nach Palästina begeben. Rabbi Friedmann,. der in den letzten Jahren in Wien wohnte, hat seiner Sympathie für den Aufbau in Palästina wiederholt Ausdruck gegeben. Er ist der letzte überlebende Enkel des Begründers die* ser Dynastie chassidischer Rabbis, des „Ruziner Rebbe". Mit Großrabbiner Friedmann hat sich au~h sein Schwiegersohn, Rabbi Jacob Friedmann, der Vertreter der Sadagorer Linie, nach Palästina begeben. Die Wiener Kultusgemeinde nahm in feierlicher Weise von dem Husyatiner Großrabbiner Abschied. Neue landwirtschaftliche KolonisationSgesellSchaft in Palästina ' Jerusalem, 11. Jan. Die Jewish Agency for Palestine und die Haavara haben eine Erklärung veröffentlicht, in der die Gründung einer landwirtschaftlichen KolonisationsgeseUschaft unter dem Namen Palestine Agricultural Settlement Company durch die Jewish Agency bekanntgegeben wird. Aufgabe der Gesellschaft ist es;, Kolonisationsprojekte, insbesondere die Schaffung von Bewässerungsanlagen, zu finanzieren. Das Gesellschaftskapital beträgt 50.000 Pfund. Die Palästinaregierung hat die Bewilligung zur Ausgabe von Obligationen bis. ZU einem Höchstbetrag von 200.000 Pfund genehmigt. Die 4prozentigen Obligationen werden, nach 25- Jahren eingelöst. Die Dividendenzahlung beginnt nach einem Jahr und wird in den ersten fünf Jahren von der Anglo Palestine Bank garantiert. Kapitalsrückzahlungen beginnen nach sechs Jahren. Ein Teil der Obligationen soll bereit» in nächster Zeit ausgegeben werden. Nähere Einzelheiten über diese Neugründung werden demnächst von den zuständigen Stellen in Deutschland der Oeffentlichkeit bekanntgegeben werden. Ein Dichter schreibt über Palästina. Bernhard Shaw hat, angeregt von einem Berichte der unabhängigen Arbeiterpartei Großbritanniens, seine Stellungnahme zum jüdischen Nationalheim in' dramatischer Form präzisiert, die vom „Evening Herald" veröffentlicht wird. Im ersten Akte unterhält sich Arthur B a 1 f o u r mit einem jungen Attache über die Kriegskosten. Der zweite Akt spielt drei Stunden später. Dr. Ohaim Weizmann, der von dem Attache genannte Chemiker aus; Manchester, unterhält sich mit Lord Balfour, der Dr. Weizmann eine sechsstellige Zahl nennt, um ihn zur Herausgabe sei=, nes Verfahrens ZU bewegen. Dr. Weizmann antwortet, daß er nicht Geld verlange. „Ich will Jerusalem." Lord Balfour sagt, es gehöre ihm. Der dritte Akt zeigt Bernard Shaw selbst, wie er die Meldung von dem Erlaß der Balfour-Deklaration erhält. Bernard Shaw sagt: „Noch ein Ulster! Als ob eins nicht genug wäre!" (Ulster ist eine Provinz Nordirlands, in der sich heftige Kämpfe zwischen Engländern und Iren abgespielt haben.) — . .. -Wer Bernhard Shaw, und" seine literarischen Methoden kennt, weiß, daß, wenn er eine politische Begebenheit oder gesellschaftliche Einrichtung ironisiert, er mit dieser schon aufs tiefste und inner.lich.ste /verbunden ist, -'.