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Der Israelit · 1937-01-14 · Heft 2 (14.1.1937) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 2 (14.1.1937)
Date
1937-01-14
Page
– (sequence 9)
Language
German
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1,4. Januar 1937 Der Israelit Nr. 2 Seit« 9 E REZ Die Untersuchungs-Kommission setzt ihre Arbeiten fort. Jerusalem, 7. Jan. Am Dienstag nachmittag wurden unter Ausschluß der Oeffentlichkeit einige Distriktskommissare vernommen. Sodann wurde mit .der Vernehmung Leonax'd S t e i n is über die juristische Interpretation des Palästinamandates fortgefahren. Zu Beginn der Sitzung gab der stellvertretende Vorsitzende, Sir Horace Rumbold, eine Erklärung ab, daß er sein© angebliche Bezeichnung der Juden als eine „fremde Rasse" (die die schärfste Kritik Rabbi Chaim Sonnenfeld s, A. sagte, als er von einem englischen Minister gefragt wurde, ob er wohl glaube, daß alle Juden in Palästina Platz finden: „Man hat noch nie gehört, daß eine Mutter je gesagt hätte, sie habe keinen Platz für ihre Kinder." der gesamten hebräischen Presse hervorgerufen hat), nicht so gemeint habe, wie sie ein Teil der jüdischen Oeffentlichkeit aufgefaßt hat. Er habe nur von einer Fremdheit der Juden' gegenüber den Arabern gesprochen. Leonard Stein wird von einem Kommissionsmitglied gebeten; die an ihn gerichteten Fragen mit Ja oder Nein zu beantworten und sich nicht auf weitgehende Auseinandersetzungen einzulassen. Stein lehnt es aber ab, auf entsprechende Erläuterungen bei Hauptfragen zu verzichten. Der Vorsitzende, Lord Peel, greift ein. Stein bestätigt, daß eine Abänderung der Mandatsbestimmungen unter Zustimmung des Völkerbundes möglich sei, dazu wäre aber auch eine Zustimmung der Vereinigten Staaten erforderlich. Auf ■ die Frage, ob im Mandat auch etwas über die Auf« nahmefähigkeit des Landes enthalten sei, antwortet Stein mit dem Hinweis auf das Weißbuch von 1922, in dem eine Einwanderungseinschränkung lediglich unter den Gesichtspunkten der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit möglich sei. Jede weitere Einschränkung verstoße gegen das Mandat. Eine Rücksicht auf die Erhaltung der arabischen Mehrheit könne dabei nicht mitspielen. Hätte man eine jüdische Mehrheit verhindern wollen, so wäre dieses im Mandate ausdrücklich erklärt worden. Auf die Frage des Vorsitzenden, warum sich die Juden dem Plane eines G ©s © t z g e b .©nd e n Rates widersetzen, sagte der Zeuge, die Selbstverwaltungseinrichtung müßte bei der heutigen Konstellatiqn Grundlagen . des jüdischen Nationalheims beein=: trächtigen. Die. Jewish Agency sei im Prinzip nicht dagegen, daß die Araber in einer Selbstverwaltung Gelegenheit finden, politische Erfährungen zu machen. Diese würden sich auf die innere Verwaltung und die Erhaltung eigener Einrichtungen erstrecken. Niemand dürfe glauben, daß die Araber an . Palästina bloß geduldet sind. Auf weiteres Befragen antwortet Leonard Stein,; daß dig Bildung einer jüdischen Mehrheit durchaus^ ISRAEL dem Mandat entspreche, ja, daß die Bildung dieser Mehrheit sogar in den Rahmen des Mandates falle. Daß ein Teil der Bevölkerung den anderen beherrsche, werde das Mandat verhindern. Die Regierung könne unter gewissen Umständen Bodenverkauf verbieten, aber keines wegs ausschließlich Bodenverkauf an Juden. Auf die Frage, wie sich die Juden zum Kantonisierungsplan verhalten, antwortete Stein, daß dieser Plan zweifellos dem Artikel 25 des Mandates widerspreche, der vorsieht, daß Transjordanien in das Gebiet des Nationalheims nicht eingeschlossen werde. Somit stehe die Kantonisierung mit dem Mandate nicht im Einklang. Auf Fragen einiger Kommissionsmitglieder sagte Leonard Stein, daß die Balfourdeklaration wohl einen Judenstaat in Betracht gezogen habe. Erst das Weißbuch vom Jahre 1922 habe die Balfourdeklaration dahin interpretiert/ daß sie nicht auf die Errichtung .eines Judenstaates abziele. Darauf wurde ein Vertreter der Linken Poale Zion, Abrahamowitz, vernommen, der glatt erklärte, die Regierung trage die ganze Schuld an den jüngsten Unruhen. Es sei ihr sogar genau der Tag des Ausbruches der Unruhen bekannt gewesen und sie Warum braucht das jüdische Volk den Keren Hajischuw? Weil dieser Fonds verbürgt, daß in Erez Jisrael ein Nationalheim gesunden pulsierenden wahrhaft jüdischen Lebens geschaffen wird. Darum stehe nicht bei Seite und gewähre Deine Hilfe dem Keren Hajischuw zur Erfüllung seiner gewaltigen Aufgaben. Palästina Centrale der flgudas Jisroel Frankfurt am Main Postscheck-Konto Firn., Nr. 53900 habe trotzdem nichts zur Verhinderung der Kata= Strophe getan. Die arabischen Extremisten mit dem Großmufti' an der Spitze erhielten Ermunterungen, auch dadurch, daß der Großmufti, der die Seele aller bish.erigen blutigen Ausschreitungen war, zum Vorsitzenden des Obersteh moslemitischen Rates ernannt worden sei. Eine Verständigung zwischen Juden und Arabern, sagte Abrahamowitz weiter, wäre zustande gekommen, wenn die Regierung diese nicht, verhindert hätte. Am gleichen Tage wurde auch der Bürgerm eist er von T el Awiw, Israel Rokach, in öffentlicher Sitzung . vernommen. Er berichtete über: die Finanzlage von. Tel Awiw und klagte darüber, daß die Regierung der. Stadt unzureichende Subventionen bewillige, worunter die Entwicklung leide. Dabei bringe die Stadt iüi die Kasse der Palästinaregierung 'große Summen auf. Ein Mitglied'der1' Kommission meinte, die Bürger von TeT Awiw hätten «ich doch nicht zu beklagen, da sie sich, alle schönsten Wohllebens erfreuen. Andere Mitglieder meinen,, man dürfe, bei einem Budget von einer " halben Million keine1 Regierungszuschüsse verlangen. Ein Mitglied fragte sarkastisch, ob Tel Awiw mehr Geld haben wolle, um noch mehr Kinotheater zu bauen. Dem hielt Bürgermeister Rokach entgegen, daß Tel Awiw 90 Proz. seiner Ausgaben durch Steuer* einnahmen deckt. Die Regierung habe bisher noch Oberrabbiner Josef Zwi Duschinski. Als die ragende Gestalt des Oberrabbiners sich im Saal zeigte, stand die ganze Versammlung ihm zu Ehren auf. (Aus einem Berichte des Jerusalemer Kol Israel.) nicht einmal .die Etats der Stadtverwaltung von 1934/1936 genehmigt. Ein Defizit, sagte der Bürgermeister auf die Frage eines Mitgliedes, habe die Stadtverwaltung nur im Jahre 1926 aufzuweisen gehabt. Auf das Problem des Tel Awiwer Hafens übergehend, gab Bürgermeister Rokach zu, daß es zur Stunde am besten wäre, wenn Tel Awiw und Jaffa einen gemeinsamen Hafen hätten mit einem eigenen Zugang für Tel Awiw. Die Prudential Assurance Company sei bereit, eine Anleihe für diesen Zweck zu gewähren. * * Araber im Sitzungssaale. Am Donnerstag, den 7. Januar, wurde der Vorsitzende der Exekutive, David Ben Gurion, vernommen und es fiel auf, daß zum ersten Male auch Araber im Zuhörerraum der öffentlichen Sitzung beiwohnten. Am Mittwoch hatte, wie schon mitgeteilt, das Oberste' Arabische Komitee die Aufhebung des über die Kommission verhängten Boykotts verkündet. Solange der Boykott zu Recht bestand, ließ sich kein Araber im Untersuchungssaale blicken. Der Vorsitzende, Lord Peel, wollte von Ben Gurion wissen, welche Haltung die zionistische Bewegung gegenüber den Arabern einnehme. Ben Gurion sagte: „Wir wollen, daß da© jüdische Volk Herr sei* nes Schicksals wird, ohne jemand zu beherrschen." Die Juden seien nicht ins Land gekommen, um Prosperität zu schaffen, sondern um das jüdische Nationalheim aufzubauen. Es ist vielleicht als Nachwirkung der Aussagen der Agudavertreter zu buchen, daß Ben Gurion als erster der zionistischen Zeugen das Recht des jüdischen Volkes auf Palästina nicht allein mit dem Mandate, sondern auch mit der. Bibel begründete. Kein anderes Volk der Welt, sagte der Zeuge, als das der Juden sehe in- Palästina seine Heimat. Durch, das Mandat sei

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