Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 2 (14.1.1937)
- Date
- 1937-01-14
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 Nr. 2 Der Isiae 1 i t 14. Januar 1937 Holland. Die Stadt Amsterdam gibt jüdischen Wohlfahrtsempfängern koschere Verpflegung. Amsterdam, 5. Jan. Die Stadt Amsterdam gibt an Bedürftige und Wohls fahrtsempfänger Mittagessen zu einem sehr billigen Preise, zu 5 Cent, ab. Einer der Räume, in denen das Mittagessen verabfolgt wird, liegt im alten jüdischen Ghetto von Amsterdam. In diesem Raum erhalten Juden zum gleichen Satze ein koscheres Mittagessen. Viele jüdische Bedürftige machen von der Gelegenheit, sich koscher verpflegen zu können, Gebrauch, Dänemark. Skandinavische Rabbinerkonferenz in Kopenhagen eröffnet. Kopenhagen, 11. Jan. Am 11. Januar wurde in Kopenhagen eine für zwei Tage anberaumte Konferenz der Rabbiner aus den vier skandinavischen Ländern unter dem Vorsitz des Kopenhagener Ob errabbiriers Dr. Friediger eröffnet. Auf der Tagesordnung ©tehen insbesondere Fragen der Erziehung der jüdischen Jugend in den skandina* vischen Ländern, das Schächtproblem und Maßnahmen zur Abwehr judenfeindlicher Angriffe in den skandinavischen Ländern. Anläßlich der Konferenz findet in Kopenhagen eine öffentliche Versammlung statt, bei der mehrere Rabbiner zu jüdischen Kulturfragen Stellung nehmen wer den. Die Konferenz will durchgreifende Maßnahmen zur Förderung des? religiösen und kulturellen Lebens der Juden Skandinaviens ergreifen. Polen* Regierungskommissar für die Warschauer jüdische G^einde eingesetzt, Warschau, 7. Jan. Die Verordnung über 'die Auflösung der gewählten Vertretungskörperschaften der Warschauer Jüdischen Gemeinde ist amtlich veröffentlicht worden. An die Stelle dieser Vertretung tritt als Regierungskommissar Herr Mauricu M e i s e 1 mit einem Beirat von zehn Personen. Die Gerüchte, daß die Regierung im letzten Augenblick ihre Entschlüsse ändern werde, haben sich somit nicht bewahrheitet. Es wird allerdings versichert, daß nach sechs Monaten Neuwahlen stattfin* den sollen. Vorläufig jedenfalls ist die gesetzlich gewährleistete jüdische Gemeindeautonomie in Warschau suspendiert. Die letzte Sitzung der gewählten Gemeindevertretung. Warschau, 8. Jan. Die gewählte Repräsentanz der Warschauer Jüdischen Gemeinde hat ihre letzte Sitzung vor der Uebernahme der Gemeindeverwaltung durch den ernannten Kommissar abgehalten. Es wurde beschlossen, Beschwerde gegen die Auflösung der gewählten Gemeindekörperschaften zu erheben. Der letzte Beschluß, der von der Repräsentanz gefaßt wurde, war der, dem Mifal Bizzaron einen Betrag von 10.000 Zloty zuzuführen. Die Schächter Mosche Slomnicki und Jizchak Glückstein in dem Städtchen 0 1 k u s z sind zu 200 Zloty Geldstrafe, bezw. zwei Wochen Gefängnis wegen Schächtens über da® festgesetzt« Kontingent hinaus verurteilt worden. Es ist dies nach dem Inkrafttreten des neuen Schlachtungsgesetzes der erste Fall einer Bestrafung wegen illegalen Schächten« in Polen. Der Pogrom in Czyzew« — Intervention des jüdischen Abgeordneten. Warschau, 7. Jan. Das Mitglied des Jüdischen Parlämentsklubs Abg. Dr. Jehoschua Gottlieb sprach am 7. Januar bei dem stellvertretenen Innenminister Kawecki vor, Um' angesichts der pogromärtigen Ausschreitungen, die in Czyzew stattgefunden haben, und der auch aus ans deren Ortschaften der Wojwo>dschaft Bialystok eintreffenden beunruhigenden Nachrichten entsprechende Vorkehrungen zu fordern. Minister Kawecki versicherte dem Abgeordneten, daß er sorgfältig darauf bedacht sei, die Sicherheit von Leben und Eigentum in der Woiwodschaft Bialystok aufrecht zu erhalten. Die Polizeikräfte in den betreffenden Kreisen seien bedeutend verstärkt worden. Die Woche. Dresden. Auf Anordnung des Oberbürgermeisters ist in' Dresden, der an den Neumarkt angrenzende Jüdenhof in Neumarkt umbenannt worden. Amsterdam. Die Exekutive der Levante-Messe von Tel Awiw hat dem Vorstand der holländisehen Messe von Utrecht die goldene Medaille für Verdienste om die Levante-Messe von 1936 überreichen lassen. Die Utrechter Messe hatte auf der Levante-Messe eine besondere holländische Abteilung eingerichtet. — Prof. Dr. W. J. de Haas von der Universität Leiden ist zum Mitglied der Akademie für technische Wissenschaften an der Universität in Warschau ernannt worden. Prag. Im Alter von 52 Jahren starb dn Prag der bekannte tschechische Lyriker und Epiker Richard Weiner, langjähriger Pariser Berichterstatter der großen Tageszeitung „Lidove Novimy". WHna. Im Gegensatz zu den anderen Hochschulen in Polen, bleibt die Universität W i 1 n a auf Grund eine* Beschlusses des akademischen Senats auch nach Beendigung der Weihnachtsferien geschlossen, da keine Gewähr dafür besteht, daß die judenfeindlichen Unruhen an dieser Hochschule sich nicht wieder erneuern. London. Von einer im Laufe von fünf Jahrem hergestellten englischen Ueber 9etzung des Talmuds, an der dreißig Gelehrte aus England, den Vereinigten Staaten und Palästina, unter der Gesamtredaktion von Dr, I. Epstein mitgearbeitet haben, sind soeben die ersten acht Bände erschienen. Damit ist die Hälfte des Monumentalwerkes der englisch lesenden Oeffentlichkeit übergeben worden. New York. In Amerika wird demnächst ein biblischer Film von Max Reinhardt „Die ewige Strafe" aufgeführt werden. Die Gesamtkosten des Films sollen falt eine halbe Million Dollar betragen haben. Er gehört zu den teuersten Filmen, die;e gedreht worden sind. — Im Manhattan Opera-House ist am Donnerstag Abend Franz Werf eis biblisches Schauspiel „Der Weg der Verheißung" mit großem Erfolg zum ersten Male aufgeführt worden. Der Vor= Stellung wohnten über 2700 Menschen bei. Die Aufführung ging unter der Regie von Max Reinhardt vor sich. Die Opfer des Pogroms in Czyzew, Warschau, 8. Jan. Als Opfer der vor kurzem in Czyzew stattgefundenen judenfeindlichen Ausschreitungen wurden bei der dortigen jüdischen Gemeinde folgende Schwerverwundete registriert: 1. der 36jährige Fuhrmann Selig Jakob Jellin (inzwischen im Warschauer Jüdischen Krankenhaus gestorben); 2, der 58jährige Fleischer Israel Baron; 3. die 20jährige Schneiderin Mindel Kdwäldek; 4; die 20jährige Markthändlerin Hennie Weingöld; 5. die 35jährige Rebekka Slucki; 6. die 26jährige Ester Bronstein; 7. der 44jährige Pferdehändler Chaim Jablkowski; 8. der 19jährige. Pferdehändler Chaim Jablkowski; 9. der 26jährige Pferdehändler Lippmann Weinbrunn; 10. der 40jährige Arbeiter Mosche Zißmann; 11. der 40jährige Pferde* näfidler Nißt Feldman»; iä, der Fleischer Simon Goldberg; 13. der 35jährige Pferdehändler Ephraim Grins* buch; 14. der Schmied Jös&f Kössower;; 15. der Schmied Meir Kösso^r; 16. Jehuda Ratz. Außerdem! gibt eä zahlreiche Leichtverletzte,, die sich bei der Gemeinde nicht eintragen ließen, sowie zahlreiche Verwundete aus anderen Ortschaften. England. Fortsetzung der Vernehmungen unwahrscheinlich. London, 10, Jan. Das Colonial Office hat auf eine Anfrage mitgeteilt, es sei ihm nicht bekannt, ob die Kgl. Kommission nach ihrer Rückkehr nach London den früheren Kolonienmini&ter Churchill, Sir Herbert Samuel und andere Persönlichkeiten vernehmen werde. Daß frühere Kolonienminister und ehemalige hohe Palästinabeamte, unter ihnen der erste High Com* missioner Sir Herbert Samuel, in London vernommen werden sollen, war von der Tageszeitung „Daily Telegraph" gemeldet worden. „Manchester Guardian" erklärt demgegenüber, es sei unwahrscheinlich, daß die genannten Persönlichkeiten vor der Kommission •erscheinen werden. Allerdings stehe es der Kommission frei, wen sie wolle, als Zeugen vorzuladen. Griechenland. Griechisches Wohlfahrtsministerium konsolidiert die Wohlfahrtseinrichtungen der jüdischen Gememde Saloniki. Saloniki, 7. Jan. Der Minister-Gouverneur von Attika und frühere Bürgermeister von Saloniki, C. C o d z i a s , bat den Oberrabbiner von Saloniki, Dr. Zwi Koretz, telegra* phisch verständigt, daß Wohlfahrtsminister K p r y z i s beschlossen habe, die Wohlf alirtseinrichtungen der Jüdischen Gemeinde Saloniki materiell. zu konsolidieren. Minister Codzias, der ebenso wie Ministerpräsident M e t a x a s und andere Mitglieder der griechischen Regierung der jüdischen Bevölkerung gegenüber stets eine sehr wohlwollende Haltung bewiesen hat, gab gleichzeitig seiner Genugtuung über diese Entscheidung des Wohlfahrtsministers Ausdruck. (ITA.) Brasilien. Jüdischer Aufbau in Brasilien . Sao Paulo, 1, Jan. In Sao Paulo wurde in diesen Tagen eine jüdische Religions-Vereinigung, die Congregacao Israelita Pau lista (Israelitische Religions-Vereinigung, Sao Paulo), gegründet. Diese Vereinigung . ist eine Religionsgemeinde, ihr gehören mittels und westeuropäische Juden an. Sie soll ein religiöser und geistiger Mittel* punkt insbesondere für diejenigen Juden werden, die im Laufe der letzten Jahre aus Deutschland und aus anderen Staaten eingewandert sind. Die neue Gemeindeverwaltung setzt sich im wesentlichen aus Kräften zusammen, welche schon seit Jahren hier ansässig sind. In ihr befinden sich jedoch auch Herren, die sich vor noch nicht langer Zeit in Sao Paulo niederließen, deren langjähriges Wirken auf jüdischem Gebiet andererseits feststand. Die neue Gemeinde setzt sich neben religiösen Aufgaben — wie Abhaltung von G'ttesdiensten, Erteilung von Religionsunterricht für die Kinder und Erziehung der Kinder zu bewußt jüdischer Auffassung, sowie Wahrung jüdischer Tradition — zum Ziel, auch den kulturellen Bedürfnissen ihrer Mitglieder durch Abhaltung von Vorträgen, Schaffung einer Bibliothek und in anderer Weise zu dienen. Auch für körperliche Ertüchtigung und Pflege der Geselligkeit soll gesorgt werden. Eine der Hauptaufgaben wird das Wohlfahrtsamt verrichten müssen, um Kranken und Schwachen zu helfen, aber auch um Neu=Einwanderer umzuschichten und neuen Berufen zuzuführen. So soll diese neue Gemeinde hier in Sao Paulo ein Zentrum werden für jüdisches Gedankengut, eine neue" Heimat des Judentums hier in Südamerika. Von der Erkenntnis getragen, daß es gilt, alle jüdischen Kräfte zusammenzufassen, will die Congregacao Is* raelita Paulista mitarbeiten an dem Aufbau einer gro* Ben jüdischen Gesamtgemerode hier in Sao Paulo, die sämtliche Juden aller aschkenasischeh und s'ep'hardischen Richtungen umfaßt. '