Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 2 (14.1.1937)
- Date
- 1937-01-14
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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14. Januar 1937 D e r Israelit Nr...2 Seite 5 auf, behördliche Anordnung' handelt vnd kein:Grundzur Besorgnis vorliegt." Der Abstand zwischen Meldung und Dementi ist so gvoß, daß man erstere wie letzteres mit einiger Vorsicht wird aufnehmen müssen. Sollten Terrorbanden ihre Hand mit im Spiele haben, so würde dies just im Momente, da sich die Politiker Von Di-, Nathan Birnbaum. Religiosität ohne Riten ist ohne alle Standfestigkeit, unfruchtbar, ein Unfug. Sicherlich ist religiös sein eine höchst individuelle Sache, aber sie gedeiht nur auf der Grundlage der in den Riten in Erscheinung tretenden Gemeinschaft. Nur in dieser entsteht eine religiöse Atmosphäre, in der 'die Riten die Bringer und Träger des religiösen Eigenlebens der Einzelnen werden. Das gilt von jeder Religion und so auch vom Judentum, Das jüdische Religionsgesetz schafft diese Atmosphäre auf eine ganz besonders wirksame Weise, hauptsächlich durch jene Vorschriften, die den Menschen durch sein ganzes Leben •begleiten, ihn immer wieder, fast in jedem Augenblicke, an seinen G'tt mahnen. Außerdem wirkt das Gesetz durch seine Symbole, Erinnerungen und Rechtssätze. Und wenn von vielen seiner Weisungen ihr spezieller Sinn, ihre Absicht, ihr innerster Zweck für uns nicht erkennbar ist, so kann kein Zweifel sein, daß diesen Weisungen offenbar eine Kraft inne- -wohnt, die irgendwie dem religiösen Gefühle zugute kommt. Eine ganz eigene Art der Wirksamkeit der jüdischen Religionsvorschriften ergibt sich aus dem besonderen Charakter des jüdischen als Weltschicksalsvolkes. Sie isolieren es. Indem sie es davor behüten, in den anderen Völkern aufzugehen, erhalten sie es bei seiner Weltanschauung und für seine Aufgabe, diese Anschauung zu leben., den anderen als Beispiel vorzuleben. Das jüdische Religionsgesetz ist also nicht, ■wie die ihm Entfremdeten und Fernstehenden glauben, ein müßiges, kleinliches Beiwerk, sondern ganz im Gegenteil, ein gerade auch in seinen minutiösen Bestimmungen großartiges System religiöser Volkserziehung, eine Schule religiöser Charaktere,' mit tiefen Hintergründen •ünd weltweiten Aspekten. Es ist für denjenigen, der, in ihril lebend, dies erkannt oder erfühlt Hat, eine Heimat, in der er seelisches Gleichge- Kap. 8. V. 14. b'jsn nx oirofra Dvatnnn p ivy>i -n»naai msa caan »nni •to' 161 „Dl© Schriftkundigen taten auch so mit ihren Geneimkünsien, das Ungeziefer hinwegzuf Ähren; sie vers mochten es aber nicht. Da® Ungeziefer blieb am Menschen und am Vieh." Die Tora berichtet uns über die van den Schriftkundigen gelegentlich des Blutes ausgeübte Tätigkeit mit den Worten: D'isö '»tnn p vm*i tan'ttVa (7, 22). Aehnlich heißt es 8, 3: mainnn p wi birbba. Danach hätte auch an unserer Stelle P iPSW ttfpüüa ö'ßönnn vollkommen genügt. Der Zusatz hk x^sinV Ca'Mn berechtigt un® zur Annahme, ca»Mn n» K'sin^ mit „um das Ungeziefer hinwegzuführen" wiederzugeben. Die Bewegungen Aharons wurden von den Schriftkundigen nachgeahmt, um das Ungeziefer fortzuschaffen. "liw l6i da sie dies aber nicht vermochten, nana'ai D1K3 ö:an 'nm blieb das Ungeziefer am Menschen und am Vieh. Nach dieser Auffassung ist der Nachsatz nanaai msa oaan »nw als eine Hinzufügung gegenüber dem gleichlautenden Satzteil in Vers 13 zu betrachten. Ein den Worten tpian nn trsinV analoger Zusatz fehlt in den Berichten über das Blut und die Frösche. Daher bedeutet das in Zusammenhang mit dem Blut erwähnte an'üVa o»n*» *»t«h p (7, 22): 'Die Schriftkunddgen bemühten sich, das Wasser in TÜut zu verwandeln. In derselben Weise ist 8, 3 zu. verstenen: cp-isri f *w n'irriBSn m bri'üVa D'ötnnn p hm»v Die Schriftkundigeri taten ebenso mit ihren Geheime künsten, um Frösche heraufkommen zu lassen, und- Wachten die Frösche über da® LäM Aegypten. Nach der . Ansicht einigfer Kömmentare beabsichtig-; ten die' Schriftkundigen, die Frösche zuvertreiben. Der Nachsatz. •••^S,idürfte jedoch für die erste Auf-; fassung sprechen. der palästinensischen Araber anschicken, sich der Untersuchungskommission zu stellen, nur beweisen, daß die Führer die Geister, die sie gerufen haben, längst nicht mehr in der Hand haben, daß diese nach wie vor, ohne Weisung und Parole, ihr Vernichtungswerk fortsetzen. wicht und Glück findet. Es ist und bleibt ein Wunderwerk religiöser Gestaltung. Aber — wenn dem so ist, wenn dieses System wirklich mit den Mitteln der Mahnung, der religiösen Einwirkung aus unbekannten Tiefen und der Isolierung arbeitet, wie kommt es, daß es doch oft versagt, religiös blutleer wird und seine Funktionen nicht mehr erfüllt? Nun, zunächst, weil seine Wirkungen nur Rückwirkungen sind. Die G'tterfülltheit muß primär vorhanden sein. Ist sie dies, dann stützt es sie, Stärkt es sie. Ist sie gewichen, dann ist es ohnmächtig und kann von selbst nicht mehr zur Macht kommen, wird Mechanismus, toter Mechanismus, ohne Seele. 'Und eine zweite Ursache: Weil eines seiner Mittel, die Isolierung, am leichtesten versagt. Wenn das Drängen fremden Einflusses zum Sturm sich steigert, dann kann es kommen, daß dieser den Zaun des Gesetzes durchbricht, die G'tterfülltheit in Gleichgültigkeit gegen G'tt oder Gottlosigkeit sich wandelt, worauf aus dem Mahnen Vergessen wird und die Wirkung aus der Tiefe sich scheu zurückzieht, so daß ein leeres Gehäuse zurückbleibt, das entweder noch eine Zeitlang als Isolierungsatrappe dient oder sofort mit aller Isolierung fortgeworfen wird. Doch so kann es nicht nur kommen. So ist es schon gekommen, zumindest für einen sehr großen Teil des Volkes, und so droht es auch für den Rest noch zu werden: Schon seit anderthalb Jahrhunderten rast, von draußen her, mit steigender Heftigkeit der Sturm einer g'tt- und religionsfeindlichen Aufklärung durch die Judenheit, zaust an ihrem Judentum, zerstört ihre stärksten Lebenswerte — den Unwissenden, Verständnis- und Erfahrungslosen und allen den am jüdischen Problem Herumpfuschenden ein erwünschtes Schauspiel, in Wahrheit eine religiös-nationale Katastrophe von ungeheuerlichstem Ausmaße: das Judentum in den Trümmern seines Bollwerkes durch Jahrtausende sein Leben verhauchend . . . Kap. 9. V. 14. b* 'Jiaaa bs nx nbv »jk akm nysa »a •f-iRn ^>aa 'ins 'a s*rn niasra ^yai Traai „Denn dieses. Mal «ende ich alle meine Stöße gegen dein Herz, gegen deine Diener und dein Volk, damit du erkennest, daß Keiner mir gleicht auf der ganzen Erde. Die über Aegypten verhängten Plagen werden mit M» Zeichen (10, 1), r-isia Wunder (11, 10) sowie mit MS (11, 1) bezeichnet. An keiner Stelle wird aber eine der zehn Plagen mit nsatt wiedergegeben, 'ftsaa dient als Bezeichnung für die Schläge, von denen Aegypten bei» der kommenden Plage getroffen wird: Donner, Hagel, Feuer, Regen. — kann man bei einer Anzahl von drei anwenden.*) * * * Kap. 9. V. 30-^32. 'isn junvi o*it> »a w ^nayi ruiKi ntsrim -byM nhvoni a»a* ms»n »a nnas niswni nn»ani .o^k 'n •rnri nV'Bä -»a im »V naoam „Du aber und deine Diener, ich weiß, daß ihr euch noch nicht fürchtet vor G'tt. Der Flach® und die Gerste wurden zerschlagen, weil die Gerste in;Aehren und der Flachs in. Stengel stand. Der Weizen und der Spelt würden nicht getroffen, weil sie spätzeitig sind". Raschi faßt Bio im Sinne von „noch nicht" auf/ich weiß, daß ihr noch weit davon entfernt seid, euch vor G'tt zu fürchten. Weitere Deutung: caiu bezieht sich auf die in V. 29 erwähnten Worte »fl»sa 'n Wt'»B3-rik uns« *vyn m „sobald ich aus der Stadt hinaufgegangen, werde ich meine Hände zu G'tt ausbreiten." Ich weiß wohl, von den früheren Strafen, daß ihr vor meinem Gebet euch vor G'tt fürchtet, jedoch' nach Verschwinden der Plage weiterhin Seihen Worten zuwiderhandelt. ]imvi d*)ü *a vjjh» ich «jr V£l/rSfcliHfM«ütttiig 'tti- Bfereschif 26, 3. Wie kann es nun aber sein, daß angesichts dieses Unheils auch Juden strengster Thoraobservanz in der alten orthodoxen Passivität verharren, daß ihnen nicht in Herz und Hirn die Frage hämmert: Gibt es nicht doch noch eine Möglichkeit, daß an die Stelle der Gottlosigkeit wieder G'tthingegebenheit tritt, daß der niedergerissene Zaun des Gesetzes wieder hergestellt und die Isolierung wieder wirksam wird? Kann das Bollwerk des Judentums, das Wunderwerk religiöser Gestaltung, das Walten jüdischen Geistes in ihm, kann Israel nicht doch noch als Voll-Israel gerettet werden? Und es gibt ja auf diese Frage eine Antwort, die zumindest nicht ganz hoffnungslos klingt: Hat sich doch, auch draußen, ein zweiter Sturm erhoben, der, selbst kein seelischer, auf die jüdische Seele wirkt, indem er siei das gewaltsam geöffnete Isolierungsventil wieder schließend, in eine heftige Bewegung versetzte. Und es kommt jetzt nur darauf an, ob wir die Persönlichkeiten haben, die dieser Bewegung auch Sturmesstärke zu verleihen und sie so zu siegreichem Vorstoß zu machen vermögen. Wen haben wir J eigentlich vor uns? Da sind zunächst die Intellektuellen. Unnütz, viel Kraft auf sie zu verwenden. Wer von ihnen etwas mehr in sich hat als die Gewißheit der materiellen Wirklichkeiten, findet von selbst seinen Weg empor und dabei manchmal auch bis zur Erkenntnis und Anerkennung unseres religionsgesetzlichen Systems. Die anderen könnten vielleicht durch ein weiteres Anwachsen der Umkehr zur Religion bei den anderen Völkern allmählich die Farbe ändern. Aber bis auf weiteres fehlt ihnen die Demut, die die Vorstufe der Religiosität ist, sind sie in ihrer Gewißheit zu sicher, als daß sie auf irgend eine mahnende Stimme hören würden. Wir haben sie auch nicht nötig. Wenn wir nur die ihnen bisher besinnungslos hörigen Massen gewinnen, so sinken sie in das Stadium der Freigeisterei als Privatvergnügen zurück, in dem sie sich befanden, als es noch keinen Massenmaterialismus und sonstige Massenphilosophasterei gab. Diese Massen selbst aber? Uebel genug sehen sie aus, — so, als ob sie niemals mehr eines G'ttgedenkens fähig werden könnten: Schulung der Intellektuellen, von denen sie abgerichtet sind. Doch so arg wie um diese steht es um sie nicht. In einem versteckten Winkel ihres Herzens lebt doch noch, unter wildem Gestrüpp schlafend, das Ursprüngliche, die Religion, weiter. Arbeit für unsere Intellektuellen, — wir haben ja auch welche und in steigender Zahlt — sie dort hervorzuziehen. Natürlich hängt auch weiß, daß ihr vorher G'tt fürchtet. Wisset aber, sagt Mosche ferner zu Pharao und dessen Dienern: Vom Hagel wurden nur Flachs und Gerste zerschlagen. Der Weizen und der Spelt hingegen, diese unentbehrlichen Nahrungsmittel, wurden nicht getroffen! Mosche deutet damit Pharao an, daß es in G'ttes Macht liege, durch eine weitere Strafe auch das vom Hagel Verschonte zu vernichten.**) Wochenkalender. Vom 16.-23. Januar 1937/Vom 4. —It. Schebat 5697 1 | Jpr 1 D'WT Samstag 16 4 np K3 Sonntag 17 5 np Montag Jan. 18 6? Dienstag 19 MV 7 TP Mittwoch 20 8 np Donnerstag 4 9 Freitag 22 10 ■>? Samstag 23! iil K'p rrwnnw nWa **) Daher wird der Bericht über die vom Hagel getroffenfen und „ verschonten feefreidearten ah dieser Stelle und nicht ani Anschluß ah V. 25 erwähnt. DER VORSTOSS.