Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 2 (14.1.1937)
- Date
- 1937-01-14
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Nr, 2 Der Israelit 14. Januar 1937 im Besitze eines Schreibens des „Oberrabbiners von Rumänien", in dem die Wiederherstellung des „Salomonischen Tempels" gefordert wird. Der Mufti behauptete weiter, ,die Linie der1 gegenwärtigen Palästinapolitik erklärte sich daraus, daß die Juden einen ungeheuren Einfluß auf die Britische Regierung besäßen. Wenn aber dife Politik des Jüdischen Nationalheims fortgesetzt werde, so sei mit der Möglichkeit neuer Unruh eiY;.u rechnen. Die Araber erhöben "Anspruch cu-f völlige Freiheit, um ihre nationalen Ziele verwirklichen zu können. Es folgte ein scharfes Kreuzverhör des Mufti durch die Mitglieder der Kommission, in dessen Verlauf der Mufti erklärte, die Araber hätten es vorgezogen, unter türkischer Herrschaft zu bleiben. Bei der Erörterung der Bodenfrage mußte er zugeben, daß die Aaber den Boden aus freiem Willen verkaufen und hierbei unter keinerlei Zwang handeln. Zu den politischen Forderungen der Araber bemerkte er, daß Palästina .die gleiche New York, 8. Januar. Wie bekannt, begab sich eine inoffizielle Kommission amerikanischer Senatoren nach Palästina, um die dortigen Verhältnisse zu prüfen. Das Resultat ihrer Arbeit ist jetzt in einer umfangreichen Broschüre niedergelegt. Die drei Senatoren S. C o p e 1 a n d , Daniel 0. Hastings und Warren R, Austin berichten über ihre Eindrücke. Zunächst wird das Interesse Amerikas an Palästina als ein brennendes geschildert. Amerika sei an der Balfourdeklaration und dem Mandat insofern unmittelbar beteiligt, als durch die amerikanisch-britische Konvention die Vereinigten Staaten ihre Zustimmung dazu gegeben hätten, daß Großbritannien vom Völkerbund als Treuhänder Palästinas ernannt wurde. Die Hauptpunkte des Untersuchungsergebnisses beziehen sich auf den Streik, die ungenügenden Sicherheitsverhältnisse, die Mandatsverwirklichung, die Einwanderungsbeschränkungen, die Bodenfrage und Transjordanien. Zu Punkt 1 wird festgestellt, daß die Krise in Palästina zum Teile im Mangel einer beständigen und festen Verwaltungspolitik begründet sei. Dann sei das im Mandate den jüdischen Siedlern gegebenen Versprechen, ihnen vollen Schutz der Sicherheit zu bieten, ni .ii i eingelöst worden. Die Senatorenknmnussion v -i angt weder einen Judemstaat noch Warschau, 11. Januar. Dr. Isaac Breuer, der vor kurzem von der KgL Kommission vernommen wurde, referierte in einer agudistischen Massenversammlung im Warschauer Scala-Theater, an der auch die bedeutendsten Führer der Aguda in Polen teilnahmen, über Palästinafragen. Er hob, nach einem Berichte der ITA., den Gegensatz zwischen dem freigeistigen Leben in den Schulen der Histadrut und des Waad Leumi und den zahlreichen Siedlungen einerseits und dem von dem Geist religiöser Tradition beherrschten Leben in den agudistischen Siedlungen andererseits hervor. Die Juden, erklärte Dr. Breuer weiter, müßten sich in Palästina vor allem auf ihre religiösen und London, 11. Januar. Wie bereits mitgeteilt, wurde dem Präsidenten der Neuzionistischen Organisation, Wladimir Jabotinsky, der Bekundungen vor der Kgl. Kommission in Jerusalem hätte machen sollen, das Visum für die Einreise nach Palästina verweigert. Auf Befragen eines Vertreters der ITA. erklärte Jabotinsky; Unser Briefwechsel mit der Kgl. Kommission wird vorläufig nicht veröffentlicht werden. Aber eines möchte, ich klarstellen: Ich beabsichtigte, Unabhängigkeit wie die übrigen arabischen Länder genießen solle. Zwischen der Mandatarmacht und dem arabischen Palästina solle ein Vertrag geschlossen werden, wie er mit den anderen arabischen Ländern in Kraft sei. Lord Peel: ,,Was wollen Sie mit den Juden tun?" Der Mufti: „Wir werden die Lösung dieser Frage der künftigen arabischen Regierung überlassen." Lord Peel: „Werden die Juden damit zufrieden sein?" Der Mufti: „Die Juden werden in vollem Umfang die gleichen Rechte genießen, die sie heute im Irak besitzen." Damit war die Vernehmung des Mufti beendet. Entgegen früheren Erwartungen dürfte auch der ehemalige Bürgermeister von Jerusalem, Rag heb Bey Nashashibi, von der Kgl. Kommission vernommen werden. einen Araberstaat, sondern nur einen palästinensischen Staat, in dem Juden und Araber nach dem Paritätsprinzip ihr Heimatrecht genießen. Ob der eine oder andere Teil dann die Mehrheit im Lande erhält, überlasse man der Entwicklung. Die vielen Einwand erungsbeschränkungen seien wirtschaftlich nicht gerechtfertigt, andere Rücksichten als die der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit dürfen aber bei der Regelung der Einwanderung keine Rolle spielen. Was die Bodenfrage betrifft, so stellt die Senatorenkommission fest, daß noch reichlich Raum für hunderttausend Siedler in Palästina vorhanden ist. Die Arbeit der aus dem Ghetto kommenden jüdischen Pioniere in Palästiana habe die volle Bewunderung der Mitglieder hervorgerufen. Transjordanien, das ursprünglich mit ins Mandat eingezogen war, muß für die freie jüdische Einwanderung erschlossen werden. Ein fi eundschaftliches Abkommen zwischen Juden und transjordanischen Arabern wäre wohl dazu geeignet, die Spannung auch im heutigen Palästina zu mildern. Für das britische Reich ergäbe sich auf alle Fälle der Gewinn eines größeren und stärker prosperierenden Palästina, das an einem lebenswichtigen Knotenpunkt des Reiches ein Bollwerk des Friedens und Fortschritts werden könnte. historischen Rechte stützen. Redner kam dann auf die Verhandlungen der Kgl. Kommission zu sprechen. Die Weitexekutive der Agudas Jisroel habe der Jewish Agency vorgeschlagen, daß die jüdischen Vertreter vor der Kgl. Kommission geschlossen auftreten. Obwohl die Agency aus unverständlichen Gründen darauf nicht eingegangen sei, habe die Aguda in Fragen der Einwanderung und des Bodens die Forderungen der Agency restlos unterstützt. Der Kommissionsvorsitzende Lord Peel habe die Vertreter der Aguda mit großer Aufmerksamkeit angehört. Ueberhaupt sei festzustellen, daß die Mitglieder der Kommission starkes Interesse für die religiösen Fragen des Jischuw bekundet haben. darzutun, daß die Unruhen des Jahres 1936 auf das Konto der Palästinaregierung zu setzen sind; ich hätte durch eine Darstellung der wirklichen Vorgänge die Wahrheit dieser Behauptungen illustriert. Mein Recht, eine solche Darlegung vor der Kommission zu geben, wurde von derselben in keiner Weise in Frage gestellt; der Palästinaregierung blieb anscheinend kein anderer Weg, um mich an der Vollziehung dieses Aktes öffentlicher Gerechtigkeit zu hindern, als der, mir das Visum vorzuenthalten Spendet zu jeder Zeit der jüdischenWinterhilfe! Südafrikanischer Nationalistenführer fordert Einschränkung der Einwanderung. Johannesburg, 12. Januar. Der Führer der antisemitischen Nationalistenparte! Südafrikas, Dr. J. M a 1 a n , hat im sudafrikanischen Parlament einen Antrag auf Einschränkung der jüdischen Einwanderung nach Südafrika eingebracht. In der Begründung des Antrags werden der Regierung Vorwürfe gemacht, daß sie die weitere Einwanderung von Juden, insbesondere aus Deutschland, nicht verhindert habe. In dem Antrag wird auch gefordert, daß Jiddisch nicht mehr im Sinne der Einwanderungsvorschriften als europäische Sprache anerkannt werde, und daF nur solche Einwanderer zugelassen werden, die assimiliert werden können. Ausländer sollen nur auf Grund spezieller Erlaubnis unbewegliches Eigentum in Südafrika bestizen dürfen, die Namensänderung von Einwanderern soll verboten und die Regierung ermächtigt werden, gewisse Berufe ausschließlich südafrikanischen Bürgern vorzubehalten. Dr. Malan führte, als er seinen Antrag stellte, auch Klage darüber, daß der Handel Südafrikas in die Hände der Juden übergehe. In der Sitzung des-Parlaments wurden die von dem Abgeordneten Malan gegen die Juden erhobenen Beschuldigungen von dem Innenminister Stuttaford zurückgewiesen. Der Minister wies auf die hervorragenden Dienste hin, die die Juden Südafrika geleistet haben. Wenn wir auch weiterhin für Gerechtigkeit und Recht eintreten, erklärte der Minister, dann wird jedermann, der legal in unserem Lande eine Zufluchtsstätte gefunden hat, sich für Südafrika nützlich erweisen^ Pässe für polnische Staatsangehörige. Berlin, 11. Januar. Der Verband polnischer Juden in Berlin teilt mit: Die polnischen Konsulate in Deutschland geben bekannt, daß Personen, die die Verlängerung ihrer polnischen Pässe beantragen, persönlich oder schriftlich unter Beifügung; des Passes beim zuständigen Konsulat mindestens zwei Wochen vor Ablauf der Gültigkeit des Passes sich zu melden haben, widrigenfalls die Konsulate keine Verantwortung für die terimnmäßige Erledigung der Verlängerung übernehmen. Sie machen aufmerksam auf die Rechtsfolgen, die durch die deutschen gesetzlichen Paßvorschriften entstehen, wenn Auslän^ der nicht im dauernden Besitz gültiger Pässe sind. Präsident Roosevelt für die jüdisch-religiöse Neubelebung. New York, 7. Jan. In einem Schreiben an die United Synagogue of America hat Präsident Franklin D. Roosevelt erklärt, -daß er die Ziele der von der TJÄioin eingeleiteten Aktion zur Neubelebun i des religiösen Judentums ja den Vereinigt e n S t a a t e n b i 11 i g e und jeder Förderung für wert erachte. Die United Synagogue qf America begrüßt diese Erklärung mit größer Genugtuung. Eine Untersuchung amerikanischer Senatoren. Dr. Isaac Breuer in Warschau. Was Jabotinsky der KgL Kommission sagen wollte.