Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 2 (14.1.1937)
- Date
- 1937-01-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der! Ein Centraiorgan für das orthodoxe Judentum / Begründet von Dr. Lehmann in Frankfurt a- M. I 14. Januar 1937 2. Schebat 5697 I Nummer 2 Die Araberführer vor der Kgl. Kommission. Vernehmung des Großmufti. Jerusalem, 12. Januar. In Anwesenheit sämtlicher Mitglieder des Obersten Arabischen Komitees wurde in der öffentlichen ' Sitzung der Kgl. Kommission vom 12. Januar der Mufti von Jerusalem, Hadsch.Emin el Husseini, vernommen. Die an spannenden Momenten reiche Vernehmung ging stellenweise in der Form eines Kreuzverhörs vor sich, durch das die vom Mufti gegen die jüdische Aufbauarbeit und die Handhabung der Mandatsbestimmungen durch die Palästinaregierung erhobenen Anklagen erschüttert wurden. Im Verlauf seiner Aussäge, wiederholte der .Mufti die schon in dem bekannten Ultimatum vor den Unruhen erhobenen Forderungen nach Abschaffung der Balfour - De klarat i o n und der entsprechenden ' Bestimmungen -des Mandats, E i n s t e11 un g d e r w e i t e r e n jüdischen Einwanderung, Verbot <les Verkaufs von Boden an Juden und Einsetzung einer a r a b i s c h e n N a t i o - nalregierung in Palästina. Der Mufti begann seine" Aussage mit Aufklärungen über Zusammensetzung und Wesen des Obersten Arabischen Komitees; 'Unterlider Führung dieses Komitees' werde von <fden Arabern Palästinas die nationale Unabhängigkeit angestrebt. Auf Grund der ottomanischen Verfassung hätten die Araber Palästinas im Besitz militärischer und bürgerlicher Rechte sowie völliger nationaler Unabhängigkeit gestanden. Ihre Zivilisation, in der sie Erhebliches geleistet hätten, habe in den vergangenen Jahrhunderten dem Lande ihren Stempel aufgedrückt. An der arabischen Erhebung unter König Hussein vom Hedschas, dem England .die Schaffung eines großarabischen Reiches versprochen habe, hätten auch die Araber Palästinas teilgenommen und hätten den Weltkrieg als Verbündete Englands mitgemacht. Die Balfour-Dekiaration stehe im Widerspruch zu den früheren, den Arabern gegebenen Versprechungen, und sei aucn unvereinbar mit dem Artikel 20 des Völkerbundspaktes. Der Vorsitzende der Kommission, Lord P e e l, unterbrach den Mufti mit der Frage, welche Verpflichtungen der erwähnte Artikel 20 ent'halte. Einer, direkten - Beantwortung dieser Frage ging der Mufti aus dem Wege, da er offenbar hierzu nicht imstande war. Lord Peel drang jedoch/darauf, die verlangte Antwort zu erhalten und betonte dabei, daß die Balfour-Dekiaration fünf Jahre vor der Ratifizierung des Völkerbundspaktes erlassen wurde. Der Mufti wandte sich nunmehr einer Kritik an der Handhabung der Mandatsbestimmungen durch die Pälästimaregierung zu,. Er führte Klage darüber, daß die. jüdische Bevölkerung des Landes acht Mal größer geworden sei und daß; die «Juden jetzt fünfzehn Mal mehr Boden besäßen als zur Zeit der Einsetzung der britischen Verwaltung. Durch diese Politik der Palästinaregierung werde die Verwirklichung der nationalen Forderungen der Araber gefährdet. Die Araber hätten alles getan, was in iher Macht stand, lim auf gesetzlichem Wege eine Aenderung der Verhältnisse herbeizuführen. Fünf Mal hätten sie Abordnungen nach London entsandt, diese seien aber ohne jeden Erfolg zurückgekommen. Jetzt hätten die Juden sogar den Plan, sich in den Besitz der heiligen Stätten des Islam zu setzen. Wenn die Juden die Mehrheit im Lande erlangen würden, würden sie der arabischen Minderheit schweren Schaden zufügen. Bei diesen Ausführungen wurde der Mufti wiederholt von den Mitgliedern der Kommission unterbrochen, die ihn aufforderten, seine schweren Anklagen gegen die Juden zu beweisen. Der Mufti versprach, die verlängten Beweise später zur Verfügung zu stellen. Er erklärte, er sei (Fortsetzung siehe Seite 2.) Aus dem Inhalt : Eine Untersuchung amerikanischer Senatoren............ Seite 2 Dr. Isaac Breuer in Warschau .... Seite 2 Was Jabotinski der Königlichen Kommission zu sagen hätte.........Seite 2 Neuer Vorstoß der Einwanderungsgegner in Südafrika..... . . Seite 2 Wochenrundschau..........Seite 3 Der Vorstoß. Von Dr. Nathan Birnbaum Seite 5 Das neue Repräsentantenkollegium in Berlin............Seite 6 „Jude" im Sinne des Blutschutzgesetzes Seite 7 Aus den Gemeinden...... . Seite 7 Nachrichten aus Polen....... Seite 8 Jüdischer Aufbau in Brasilien . . Seite 8 Erez Israel ..........Seite 9 u. 10 Der Kleine Israelit......Seite 11 u- 12 Zur religiösen Lage der jüdischen Jugend. Von Abraham Wolf.*) Wenn der moderne Mensch das Wort Religion hört oder spricht, so denkt er darunter eine begrenzte Provinz geistigen Daseins, die man verneinen oder bejahen, und zwar auf vielerlei Art bejahen kann. Um sich dieser Abhängigkeit der. Religion, für das Judentum wenigstens, zu erwehren, hat sich Samson Raphael Hirsch mit Energie gegen die Anwendung des Religionsbegriffes auf das Judentum, d. h. auf die Thora,. gewandt. Die Thora ist nicht ein Bezirk der Kultur. Denn das jüdische Volk hat eine so einzigartige Geschichte zu durchleben, weil es nur um seiner (Bestimmung willen ein Volk ist, sein Volksdasein ist in seine Bestimmung in dauernder Aktualität hineinverwoben. Seine Religion, d. h. die real begründete und real wirkende Beziehung zu seinem. G'tt, ist sein Lebensinhalt. Dann muß aber die. Religion auch die Lebenswirklichkeit mit erfassen, die Thora muß dann die gleiche Wirklichkeitssphäre berühren, in der sich auch das Leben entfaltet, sie muß ein tatforderndes Werk seih, sie muß ein Gesetz enthalten. Zugleich , ist es Unvermeidlich, daß der Lebensbegriff selber von der Thöra her gestaltet wird, denn ein Leben um der G'ttesbeziehung willen ist; nicht im gleichen Sinne mehr Leben. *) Der Artikel erscheint auch im Arbeitsbericht des : , J^eichßaus&chueses .••,,'der jüdischen Jugendverbände", der demnächst unter dem Titel „Gemeinschaftsarbeit der jüdischen Jugend" der, Oeffentlicakeit übergeben, wird. . U wie ein gottloses Leben. Das Volksdasein wird mehr vom G'ttesgesetz als vom Geschichtsgesetz bestimmt, die Menschheit ist nicht um der Veränderung willen erschaffen, sondern um ihres ewig gleichen G'ttes willen. Das G'ttesgesetz ist die Lehre von der Lebensausrichtung auf G'tt hin, welche Lehre ihrerseits wiederum in der Wirklichkeitssphäre des Lebens selbst von G'tt aus mitgeteilt worden sein muß. Die Thora wurde in einem geschichtlichen Augenblick am Sinai uns gegebn. Ihr Gesetz wird von nun an zür|j geistigen und praktischen Gehalt jüdischen Da-, seins. In der Thora selbst steht die „Mizwa" im Mittelpunkt und sie bleibt der Maßstab der biblischen Zeit. Das geistige Leben kreist um das Gesetz, die stärkste jüdische Geisteskraft hat sich an ihm verwirklicht. Wer selbst mit der Bibelkritik das Jahrtausend vor Esra sich ohne, Gesetz der mündlichen und schriftlichen Tradition vorstellt, muß erkennen, daß seit zweiundeinhalb Jahrtausenden der jüdische Geist sich die Gesetzeserforschüng als höchsten Gegenstand gewählt hat, daß von Hillel bis zum Gaon Saadja; und von Raschi bis zum Wilnaer Gaon das stärkste Aufgebot an Denkkraft' dem Talmud und seiner ganzen Materie gewidmet wurde. Einordnung in jüdische Geistesgeschichte — und Geistesgeschichte ist der Geschichtskern — heißt also Einordnung in die Linie des Denkens im Gesetz und ums Gesetz. Alle Strömungen der jü- (Forisetztmg siehe Seite