Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 1 (7.1.1937)
- Date
- 1937-01-07
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2450961-2450962--82694-2540644- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
7. Januar 1937 D e r 1 s r a e 1 i t Nr. 1 Seit© 9 meinden Oesterreichs zur Erleichterung der Erhaltung ihrer'religiösen und sozialen Institutionen, ferner zur Erhaltung;des jüdischen Gymnasiums sowie sämtlicher Bibelschulen und zur Besoldung der Rabbiner." Diese Eingabe soll von der Jüdischen Gemeinde in Wien gemeinsam mit dem Bund jüdischer Kultus - gemeinden in ganz Oesterreich den staatlichen und städtischen Behörden vorgelegt werden. Holland. Die niederländische Dynastie und die Juden in Holland. Amsterdam, 3. Jan. Anläßlich der bevorstehenden Vermählung der Kronprinzessin Juliana ist «ine künstlerisch ausgestat* tete Broschüre aus der Feder des jüdischen Historikers D. M. Van Zuiden unter dem Titel „Oranien und Israel" erschienen. In der Broschüre werden die Beziehungen zwischen dem niederländischen Herrscherhaus und den Juden Hollands geschildert. So wird erwähnt, daß i. J. 1606 Prinz Moritz dem Botschafter von Marokko, Samuel F a 1 a e c h, auf dem Friedhof der sephardischen Gemeinde in Amsterdam das letzte Geleit gegeben hat. Der berühmte jüdische Arzt Joseph B u e n o , dessen Bildnis R e mbrandt gemalt hat, war der Leibarzt des Prinzen. Aus der jüngsten Zeit wird auf die häufigen Besuche der Königin Wilhelmine und der Kronprinzessin Juliana bei jüdischen Organisationen und Institutionen hingewiesen. Anläßlich seines 70. Geburtstages wurde dem jüdischen Mitglied des niederländischen Staatsrates Dr. J. Limburg die höchste holländische Auszeich* nung, der Orden de® Niederländischen Löwens im Grade eines Kommandeurs, verliehen. Bei einem Bankett, an dem alle Mitglieder des Kabinetts, die Vertreter des Diplomatischem Korps und die Elite der niederländischen Gesellschaft teilnahmen, wurden die Verdienste Dr. Limburgs, der seit 1923 die Niederlande in der Völkerbundsversammlung vertritt, eingehend gewürdigt. Aus den Niederlanden. A m s t e r da m , 5. Jan. Wir berichteten kürzlich über die Bemühungen der •Gemeindeleitung, die abseits von der eigentlichen Amsterdamer Kehilloh lebenden Juden aus Deutschland dem jüdischen Leben zuzuführen, und zu verhüten, daß eine Tatsache legalisiert oder vielleicht stillschweigend hingenommen werden könnte, die man zu Recht mit. einem „Austritt" aus der Gemeinde bezeichnen müßte. In einer Zuschrift an die große Tagespresse kündigte die „Liberale jüdische Gemeinde" für Sonntagmorgen, den 3, Januar, eiae Versammlung an im großen Saal des Amerikanischen Hotels, in der u. a. Herr Dr. Mehler, dessen Wirkungsstätte vor 1933 Frankfurt a. M. war, das Wort ergriff. Die Redner behandelten „Eine Einheit, eine Gemeinde, ein Judentum". — Aber gerade die „Liberal© Gemeinde" wird als die größte Störung der jüdischen Einheit in Holland empfunden. . * * * Der Rat der ,/Nederlandsche Israelitische Gemeente" beschloß in seiner am Mittwoch, den 30. Dezember, abgehaltenen Sitzung den Bau einer neuen Synagoge im H a a g. Der Neubau soll errichtet werden an der Carpentierstraat-Abraham Patrasstraat im Bezirk Bezuidenhout. — Der Bauplan ist entworfen von den Architekten J, S. Baars, Amsterdam, und J. Heg/t, Den Haag. Das neue G'tteshaua wird 275 Her-, ren und 125 Damen Platz bieten. Ein Kredit von fl. 60.000 wurde für den Neubau bewilligt. — Der Rat beschloß außerdem, Glückwunschadressen an das Königinhaus zu richten. A m s t e r d a m, 30. Dez. In der vor kurzem .stattgefundenen Sitzung der Gemeindevertretung kam man überein, trotz der gesunkenen Einnahmen der Gemeinde, die Gehälter der Beamten nicht zu ermäßigen. Herr Rechtsanwalt Hillesunv lenkte die. Aufmerksamkeit der Gemeindevertreter auf die Tatsache, daß die die allgemeinen höheren Schulen besuchenden jüdischen Kinder un=' genügenden jüdischen Unterricht genießen. Man ver* sprach, zu versuchen, hierin eine Besserung zu erzielen, wies aber darauf hin, daß die sehr große Zahl der Schulen und die nicht unbedeutenden Ent fernüngen eine nicht zu unterschätzende Schwierigkeit bedeuten. Die Woche. Wien. Im 82. Lebensjahr ist in Graz Universitätsprofessor 1. R. Dr. Hugo Spitzer gestorben. Seine Arbeiten waren gründe legend für die moderne Kunstwissenschaft. Internationalen Ruf erlangte er insbesondere durch seine „Geschichte der Philosophie und Aesthetik". — Ein Wiener Gericht hat der Scheidungsklage eines christlichen Ehegatten gegen seine jüdische Frau stattgegeben, weil sie sich trotz einem vor der Ehe gegebenen Versprechen geweigert hat, aus dem Judentum auszutreten. Der Gerichtshof erblickte in der Weigerung, zum römisch=katholischen Glauben überzutreten, eine empfindliche Kränkung des Gatten. — Die Wiener Kultusgemeinde hat aus der Hinterlassenschaft des im Oktober in Rio de Janeiro verstorbenen österreichischen Generalkonsuls Hugo Ornstein ein Legat von 3000 Pfund erhalten. Generalkonsul Ornstein hat sein ganzes Vermögen, das mehr als 100 Millionen Schilling betragen soll, seiner einzigen Tochter in Brünn hinterlassen. Prag. Hier starb im 61. Lebensjahre der Ordinarius für Nationalökonomie und Finanzwissenschaft an der Prager Deutschen Universität Prof. Dr. Oskar Engländer. Zu seinem 60. Geburtstag vor einigen Monaten hatten seine Fachgenossen und Schüler eine Festschrift herausgegeben. Zu seiner Zugehörigkeit zum Juden* tum hat sich Prof. Engländer stets mit Selbstverständlichkeit bekannt. Warschau. Die Gesellschaft für Auswandererhilfe „JEAS" gibt bekannt, daß mit ihrer Hilfe im Monat Dezember 500 Juden aus Polen nach überseeischen Ländern ausgewandert sind. Neunzig Prozent der Auswanderer haben sich nach Südamerika begeben, die übrigen in die Vereinigten Staaten, nach Südafrika und anderen Ländern. London. Der National for Jewish Women of America veranstaltet am 11. Januar ein Welt-Run dfunkgespräch jüdischer Frauen, an dem führende Persönlichkeiten verschiedener Länder teilnehmen werden. Jede Rednerin erhält eine Redezeit von drei Minuten. Die Aneinanderreihung der Ansprachen aus London, den Vereinigten Staaten, Kanada, Paris, Ams sterdam, Stockholm, Prag, Italien und Polen ist vorgesehen. Jerusalem. In der von Einwanderern aus Deutschland bewohnten Siedlung R a m a t Haschawim fand die feierliche Uebergabe eines Orangengartens an Arturo Toscanini als Ehrengeschenk der Musikvereinigung der Einwanderer aus Deutschland statt. Tel Äwiw. Der bekannte Lexikograph Jehuda Grasovsky, Verfasser des neuen großen hebräischen Wörterbuches, ist von der Stadt Tel Awiw zum Ehrenbürger ernannt worden. New York. In ganz Amerika hörten viele tausende Rundfunkteilnehmer mit Begeisterung die Uebertragung des Toscanini Konz e r t s aus dem Edison=Theater in Jerusalem. Zahlreiche jüdische Verbände organisierten Zusammenkünfte zum gemeinschaftlichen Abhören des Konzerts. Der Empfang war ausgezeichnet. Polen. Neue Auftriebe in Polcn. Warschau, 5. Jan. In Ausführung des Beschlusses der letzten Rabbinerkonferenz in Warschau ergeht nun ein flammender Aufruf an die gesamte jüdische Bevölkerung in Polen, sich mit gesteigerter Kraft der Thoralehre und der religiösen Pflichterfüllung zuzuwenden. Der Aufruf ist von sämtlichen polnischen Rabbinen und Rabbis unterschrieben. Auf der letzten Sitzung der Budgetkommissdon der L o d z e r Kehillo wurde beschlossen, Subventionen für die orthodoxen Erez Jisroel=Fonds, wie Keren Hajischuw und „Mifal Hazala", (wie für die religiöse Abteilung im Keren Haje&Söd, das Spitalwesen in Erez Jisroel und den misrachistischen Fonds in Erez Jisroelj) auszusetzen. Rumänien, Schecfaitaverbot in Rumänien? Bukarest, 5. Jan. In hiesigen jüdischen Kreisen herrscht große Unruhe wegen einer Verordnung des Bürgermeisters, wonach alle Schlachttiere vor der Schlachtung erst betäubt werden müssen. Der Oberrabbiner von Beßarabien, Rabbiner Zirelsohn, unternahm alle nötigen Schritte, damit die Verordnung sich nicht auch auf das jüdische Schächten erstreckt. England. Emir Abdulla in Bagdad. London, 31. Dez. Wie die „Times" meldet, ist Emir Abdulla von Transjordanien in Begleitung des palästinensischen Araberführers Hassan Sidky Dajany, der bekanntlich als Organisator der Streikbewegung monatelang im Konzentrationslager Sarafend interniert war, in Bagdad eingetroffen. Londoner Brief. Public Order Bill. — KaSchruth. — Erziehungsfragen. — Jugendbewegung. — Organisationsarbeit. London, 5. Jan. Der Neujahrstag hat für das jüdische öffentliche Leben dieses Mal eine gewisse Bedeutung, da an ihm die neue sogenannte Public Order Bill zur Abwehr und Unterdrückung des faschistischen Terrors im Eastend in Kraft getreten ist. Das Gesetz verbietet generell den Mitgliedern politischer Organisationen das Tragen einheitlicher Uniformen. Was im Einzelnen unter einer Uniform zu verstehen ist, ins* besondere, ob auch das Tragen von Abzeichen unter das Verbot fällt, wird der Judikatur festzustellen überlassen bleiben. Ferner verbietet das Gesetz die Tätigkeit von Gesellschaften, die sich mit vereinten Kräften polizeiliche oder militärische Funktionen anmaßen, oder die unter Anwendung von Gewalt politische Ziele verfolgen. Derartige Gesellschaften können aufgelöst, ihre Lokalitäten können durchsucht und ihre Vermögensobjekte beschlagnahmt werden. Der § 3 des Gesetzes ermächtigt die Polizei, die Abhaltung von Aufzügen in bestimmten Bezirken, wo diese Aufzüge provokatorisch wirken könnten, zu verbieten. Endlich wird der Besitz einer Waffe für jeden Teilnehmer an einer öffentlichen Versammlung oder einem öffentlichen Aufzug für strafbar erklärt. Strafbar ist auch der Gebrauch beleidigender oder drohender Worte oder herausforderndes Benehmen in der Absicht, den Frieden zu brechen oder derart, daß ein Friedensbruch leicht verursacht werden kann, an einem öffentlichen Orte oder in einer öffentlichen Versammlung. Die Blackshirts Oswald Mosleys haben sich den neuen Bestimmungen natürlich sofort gefügt und ihre Uniform abgeschafft. Sie verhandeln jetzt noch über das Recht, Abzeichen zu tragen, was nur durch gerichtliche Entscheidung festgestellt werden kann. Man darf wohl erwarten, daß mit dem Inkrafttreten des neuen Gesetzes für die nächste Zeit Friedensstörungen und auch Belästigungen von Juden, wie sie eine Zeitlang im Osten Londons häufig geworden waren, im Großen und Ganzen ausbleiben werden. Ein anderes Gesetz, das ebenfalls am 1. Januar in Kraft getreten ist, verbietet den Metzgereien und Fleischhandlungen den Fleischverkauf am Sonntag; ausgenommen sind diejenigen jüdischer Koschermetzgereien in England, die von einem anerkann* ten Board of Shechita beaufsichtigt werden. Das Gesetz bedeutet mittelbar eine Stärkung der Autorität der Gemeinden, und verhindert die gerade auf dem Gebiete des Kaschruthwesens hier recht Oft verhängnisvolle Disziplinlosigkeit der Metzgereien. In dieser Hinsicht ist charakteristisch eine von dem Board of Shechita Londons diese Woche veröffentlichte Kundgebung, durch die vor dem Bezug von Fleisch bei acht großen Metzgere;en gewarnt wurde, von denen festgestellt wurde, daß sie Trefo-Fleisch erworben und ihren Läden zugeführt haben. Noch ein schmerzlicheres Kapitel als das naturgemäß nur mit größter Schwierigkeit zu regulierende