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Der Israelit · 1937-01-07 · Heft 1 (7.1.1937) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 1 (7.1.1937)
Date
1937-01-07
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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7.> Januar-1937 D e r I sjf a e 1 i t. Nr. 1. Seiten Dem Andenken eines Großen Vor zehn' Jahren,' am 28. Tewes, schied der Münchner Raw Dri'-E h?r e n t r e u V"XT jnDn'run i^ma :in .die Welt, der Wahrheit, mit den Reichtümern seines überragenden Wissens, mit der wundervollen Güte und Reinheit seines Herzens, seiner ergreifenden Menschenliebe, seiner tiefen, lautern Frömmigkeit» und, was ihn zu einem wirklich, hohen Bürsten . seines. Volkes , werden ließ, seiner unendlichen (Bescheidenheit und Sanftmut. Garmanche,; ■die ihn gekannt haben, werden an diese, Persönlichkeit denken, wenn sie in der Gemara, Jqma ,71 den Ca'^'X begegnen, die körperlich zart wie Frauen, geistig-sittlich als kraftgerüstete Helden dastehen, jenen O'wx die des Königs Mischle - Weisheit (Vlil, .4) auf den Höhengipfeln der Menschheit sucht und aufruft und in denen R. B'rachjo unsere Meister der G'tteslehre verehrt wissen will. Damit zum Jahrzeitstag seine Lippen sprechen, sei aus seinem mriü nrua ISO' erschienen im Verlag Herinon, 1931, ein Abschnitt wiedergegeben, der seine tiefgründige Wissenschaftlichkeit, verbunden mit einem seltenen flUBlPS zeigt. 't a*' mbn 't? jna m'nan n'3 .niD^n d*mi .D'aDisn ms isr tnvn irfam ]«aaa ^poiyi "Di nV^a Enpan m yin \>» „Das Mikdasch darf bei Nacht nicht gebaut werden. Man beschäftigt sich mit dem Bauen von der Morgendämmerung bis zum Aufgang der Sterne." tpa nittn bemerkt zum letzten Satz: sitya a'na 'an „So steht es im Buche Esra, d. h. Nehemia*)! 4, 15: „Wir beschäftigten uns mit der Arbeit . . . von der Morgendämmerung bis zum Aufgang der Sterne." Was nitfJä tjoa hier behauptet, ist sehr auffallend. Die Stelle in Nehemia spricht gar nicht vom Bau des Tempels; dieser war bereit« erbaut, Die ^geführten Worte „beziehen sich vielmehr auf den Bau der Stadtmauer Jerusalems. Aber selbst wenn es dort auch ausdrücklich vom Tempel gesagt wäre, müßte man noch immer fragen, aus welcher Talmudstelle Rambam diesen Din ableitet, da er doch bekanntlich keinen Din bringt, der nicht im talmudischen Schrifttum ausdrücklich steht; es ©ei denn in Ausnahmefall len, wo er »?> <18V hinzufügt. Eine Lesart der bekannten Münchener Handschrift hat mich, wie ich glaube, auf die rechte Spur geführt. Auf der zweiten Seite in Berachoth bringt die "Gemara den vorhin bezeichneten Vers aus- Nehemia, um aus. ihm zu beweisen, -daß im;Sinne der Thora die Nachtzeit mit dem Erscheinen der Sterne beginnt. Dagegen wird dprt der Einwurf gemacht; /'an xwn -»ai 'iai "»ansf „man könnte doch ßageü, die NäcKt beginnt schon.;mit Sonnenuntergang; - jene haben jedoch" auch zur Nachtzeit noch gearbeitet." Die Münchener Handschrift .hat an dieser Stelle die LA: T'M •„•. 'Ssmäi ''mppprh&S „wegjen des', Bauens am Mütdasch haben sie auch zur Nachtzeit1 gearbeitet.'' Diese ÜÄ erscheint doppelt auffallend, Zunächst muß die bereits oben erwähnte Frage auf den, nJffB t]0a auch hier geltend gemacht werden; der .betreffende; Vers spricht doch gar nicht vom Bau des Mikdasch? Sodann muß man fragen: nach der Annahme, daß mit Sonnenuntergang schon Nacht sei/ -darf über diese Zeit 'hinaus nicht gearbeitet werden; denn der -Bau, des Mikdasich •muß doch., bei Na c h t unterbleiben,;.wie ,Rambam gleich anfangs dieser Stelle aus Schebuqth 15b zitiert'7*' | Eine Lösung und Erklärung dieser . Schwierigkeiten; ergibt sich; wenn wir deir Wo*tlatitc':f»iijrt»a '^Sä 'ÖWO" in seiner.'wahren Bedeutung r erfassen; tUeberall oder, doch in} den weitaus,.nieisten —Fällen, y^o . .das Wort öl»» gebraucht wird, soll "damit keine direkte* }sqn-- derix eide indirekte yerlmüpfüng bezeichnet'' werden/ *) Die Gemara benennt auch dieses Buch mit dem Namen Esrä, vgl. Sanhedrin 93bi Zur Verdeutlichung wähle ich ein Beispiel statt vieler. Gittin 26a steht in der Mischna wwh r\b anai isiütc- Darauf fragt die Gemara viai snn t|nns rfr a'fia "O sm „das nV bezieht sich doch nur auf den Hauptinhalt des Get und:nicht auf das Formular, auf den obib» Wie kannst du also sagen in&m? Darauf die Antwort: rmvb T)b lawic awn na1« s^s „sondern sage: deshalb weil fb geschrieben steht." Wir sehen also: Durch den Zusatz BIM gewinnt der Satz eine andere Bedeutung. Nicht direkt aus dem Bibelvers ist zu entnehmen, daß auch der OSltt gänzlich rmvfb geschrieben werden muß, sondern deshalb, weil es für den tpin von der Thora verlangt wird, wurde es pana auch auf den osits übertragen. Diese indirekte Beziehung wird durch owa ausgedrückt- An unserer Stelle steht ebenfalls p.Tin'3 j'ja owa und nichts etwa p'TJira ]"»aaal- Daraus ergibt sich schon, daß der*-erwähnte Bibelvers nicht von'dem Bau des eigentlichen; Mikdasch handelt, sondern von einem Bau, der mit "dem Bau des Mikdasch zusammenhängt und zu ihm in Beziehung'' steht. Das trifft auf die Stadtmauer von Jerusalem zu, wie wir' sogleich sehen werden.. Aus Schebuoth 16a geht hervor, daß erst die Vollendung der Mauer der Stadt Jerusalem denjenigen Grad, von H,eiligkeit..verMeh^.jder notwendig war, sum daselbst'die leichteren Opfer, pfrp BiBmp, genießen zu dürfen. Es gehörte dies gewissermaßen zur Ausgestaltung -und Vollendung des' tflpan n»a- "Dieser Gedanke wird^aucb ausgedrückt mit den Worten: l'ia &wn p'brpa1 „wegen einer Sache, die den Bau des Heiligtums berührt", nämÜch die Umwallung der heili» gen Stadt mit einer Mauer, die nicht nur zur Siehe* rang gegen äußere Feinde, sondern auch wegen des Heiligtums und des Opferdienstes aufgeführt werden mußte. Man hätte meinen können, daß deswegen die Vorschrift nM>3 viprm P3>a 1,R auch für die Stadtmauer Jerusalems gelten müsse. Dies ist jedoch unrichtig; denn sie bezieht sich nur auf den eigentlichen Tempel: 6m mrav pvnrt m o'pn övsv Die Gemara fragt daher mit Recht, wie kann man dem dortigen Verse (Nehemia 4, 15) entnehmen, daß die gesetzliche Nachtzeit mit dem Sichtbarwerden der Sterne beginnt. Es könnte doch sein, daß die Nacht mit Sonnenuntergang beginnt und daß nur wegen der Wichtigkeit des das snpatT nn ergänzenden Bauwerkes, nämlich der Mauern, Ueberstunden gemacht werden mußten. Um eben den Bau zu beschleunigen, sei auch die Nachtzeit ausgenützt worden. ' Damit sind unsere Fragen beantwortet. Die Quelle des von Rambam zitierten pn liegt in der Gemara* stelle nach der Lesart Ms. München. Ihr ist zu ente nehmen, daß die Stadtmauern in größter Beschleunigung erbaut werden mußten, vipnn rpa paa di»& „wegen einer Angelegenheit, welche mit dem Bau des eigentlichen Heiligtums in Zusammenhang stand", weil sie zur Ergänzung und Vervollkommnung dos Heiligtums dienten. Dieser Ausspruch in der Gemara hat nun aber zur Voraussetzung, daß der Bau des eigentlichen Heiligtums selbstverständlich beschleunigt werden mußte. Die Nachtzeit konnte allerdings dazu nicht ausgenützt werden, da es heißt D'pn nrav um so mehr aber die Tageszeit. Da diese nach Nehemia 4, 15 von der ,Morgendämmerung bis zum Erscheinen der Sterne" sich erstreckt, durfte und mußte diese Zeit voll und ganz zum Bau des Tempels ausgenützt werden, was den Worten des Rambam genau entspricht. Nachträglich sei bemerkt, daß Tosafoth Baba Mezia 83b Syiö r\"t \ offenbar eine der Handschrift München ähnliche LA vor sich hatten und ihre dortigen Worte müssen ebenfalls im Sinne der obigen Erklärung verstanden werden. Zur Bedeutung -des öl»» ist zu vergleichen; Be* choroth 9a; Pesachim 28a (die LA Raschid zur Mischna und die Gemara daselbst); Beza 14b, wo die in Klammern gesetzten Worte "iai dwb in den Text gehören und Sanhedrin 18a; ferner die Feststellung des Ritba zu Makkoth 20b:*noK pamanya»» nivai sari' Die jüdische Schule in Deutschland. Von Dir. Dr. Elias in Frankfurt a. M- In Nr. 51 des „Israelit" hat Herr Rabbiner Münk, Burgpreppach, die Fragie nach der von der Praxis des Lebens und von der Erfahrung der Lehrer gebotenen Schule aufgegriffen und versucht, einen Beitrag zu-ihrer Lösung zu liefern. Ausgehend von den gegebenen Verhältnissen, vorn gegenwärtigen Stand;.der Gesetzgebung und von der jetzigen Struktur der jüdischer» Bevölkerung in Deutschland <!'. . - ••■ ■ S ' •. ■ : erklärt er, die Frage nach dem Typ der höheren Schule zur Zeit für bedeutungslos, da die beste- : henden höneren Schulen in ihrem Typ ja festgelegt seien und neue nicht begründet würden. Um so mehr Bedeutung legt er der Frage bei, oh wir unsere Kinder der Volksschule oder der höheren Schule zuführen sollen. Aus praktischen , und schulgesetzlichen Gründen gibJt er der Volksschule für3i4ie breite Mittelschicht derer, die in der -häheren Schuld nur entkommen; während sie; für die Volksschule gute Schüler darstellten, den Vorzug. 'Freilich, atich ,'^ie Kinjd.er, . die .'nicht zu; dem: jbegnadeten 'Kreis der besonders ^Veranlagt, \ ten gehören, brauchten schon, nttm des i jüdischen I Wissensgutes -^willen, . „mehr ,als, . Volkssc^iul- » b^Ä:iuS1^ ■ ■ 'T " ^2 « .»I. "ii- ..Herr ^ajhbt Jj^unk ^^ghlägt^aYum.. ,cin€{ Art \ Landerziehupgsjjeim: vor;j(.,das d,urch; [einen weit,-e gehenden Zusatzunterricht im Jüdischen und Fremdsprachlichen, dann durch weitgehende lndiYiduation nach der geistigen Einstellung des Kindes und endlich durch seine ländliche Lage die stärkste erzieherische und unterrichtliche Wirksamkeit zu entfalten vermöge. So dankenswert dei Anregung erscheint, die Herr Rabb. Münk damit gegeben hat, so verlangt sie doch eine nähere Beleuchtung und Berichtigung. Die wichtigste Frage scheint doch die zu sein, was unseren Kindern heute nottut. Herr Rabb. Münk gibt zu, daß die reine Volksschule dem, was das Leben heute fordert, nicht genügend entgegenkommt. In der Tat ist ja die Volksschule hauptsächlich für solche Kinder bestimmt gewesen, die ihrer Berufsausbildung und .Berufsbetätigung nach für die unmittelbare Umwelt auszurüsten waren. Unsere Kinder können sich darauf nicht mehr beschränken; sie werden ihren Lebensunterhalt draußen suchen müssen. Sie brauchen, also eine Schule, die über das, was die Volksschule bietet, und, wie ich ergänzte, auch über die Zeit der Volksschule hinaus gehend, .den,.Anforderungen der heutigen Lage entspricht: Sie. brauchen Fremdsprachen und ein gediegenes, reales Wissen. '.:■'_Wenn. 4i©;:;\rP^e. Volksschule nicht genügt, bleibt die Frage,, welche Schule ,;für unsere Jugend sich denn, empfiehlt. D^s Momen.t der schul-

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