Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 1 (7.1.1937)
- Date
- 1937-01-07
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2450961-2450962--82691-2540641- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seile 6 Nr. 1 werde. Zur gleichen"Zeit weiß das J. P. B. aus Jerusalem zu berichten, daß Oberrabbinerj Duschinski in gleicher Angelegenheit und im gleichen Sinne beim i talienische n Generalkonsul in' Jerusalem vorstellig war. In Warschau hat die Nachricht aus Tripolis j eine tiefe Erregung hervorgerufen, die eine; Delegation des R a b b i n e r v e r b a n d e s in einer Der Israelit 7*. Januar 1937 Audienz bei der italienischen Botschaft zum Ausdruck gebracht hat. {'S} , Man .kann nur hoffen, daß es sich um ^Ausschreitungen lokaler «Bfehördne handelt," die bald von Rom belehrt werden, wie sich Vertreter einer modernen Macht^die zum Schutze von Leib und Leben und der religiösen Interessen^ der Be-1 völkerung eingesetzt sind, zu verhalten haben- Lebt der Meisler noch? Zum 27. Teweth. Von Rabbiner Ph. Fischer in Sarospatak. I. Die Methodik S. R. H i r s c h s zur Gewinnung der Jugend für das Talmud Studium. Seit Jahr und Tag hören wir von rechts und links so viel davon reden, daß das Lebenswerk von Samson Raphael Hirsch stark veraltet, überhalt sei. Von links geschieht dies, wie es nicht erst ,,nach dem Tode des; Löwen", sondern auch schon zu Lebenszeiten desselben geschehen ist, in der bekannten Tendenz, die nicht erst geschildert werden muß. Man will eben mit der Beiseitestellung des Hirsch-Erbes dem heutigen gesetzestreuen Judentum, besonders demjenigen in den Kulturländern und Kulturzentren, eine seiher gewaltigsten Stützen vernichten! Von rechts wieder glauben gewisse Kreise es schon so herrlich weit gebracht zu haben, daß sie bei allem Respekt für die Verdienste S. R. Hirsch's in der Vergangenheit, nunmehr auch ohne ihn auskommen können. Da kommt Herr Dr. J. Holzberg, einer der hervorragendsten Pädagogen des traditionell orientierten jüdischen Palästina (früher Direktor des jüdischen Mädchengymnasiums in Telsi, Litauen) und erhebt in einem unter der Ueberschrift Tia^nn Minin bW np'TID'aV (Zur Methodik des Unterrichtes des Talmud) im Jerusalemer Hahed (5695, Nr. 10) erschienenen und äußerst lesenswerten Aufsatze Forderungen für die Methode des talmudischen Unterrichtes in unserer Zeit, ja, stellt dort Postulate auf, deren Befolgung nach seiner Meinung einzig und allein die sonst dem Thorastudium und damit auch der Thoratreue verlorengehende Jugend beim festesten Bollwerke der Tradition: dem intensiven Talmudstudium festhalten können —die uns aus den Schriften und Werken des Meisters schon seit einem Jahrhundert bekannt sind! Wir wollen aber Dr, J. H o 1 z b e r g selber sprechen lassen, damit der Leser dann selber sich sein Urteil bilden kann. Vor allem führt Dr. H. in der Einleitung aus, daß laut der Didaktik in unserem Falle eine richtige Methode den Weg zu weisen hat, wonach das Studium des Talmud der Jugend 'auf die leichteste Art ermöglich* und das Interesse derselben an erwähntem Studium wachgerufen und festgehalten wird. Verfasser führt'dann sechs Faktoren auf, die s. E. vorzüglich das Interesse der Jugend am Talmudstudium wachrufen und festhalten können. Als die bedeutendsten darunter nimmt er die in den Schülern festwurzelnde Ueberzeugung vom g'ttlichen Ursprung der überlieferten Thora, die ihren bedeutendsten Niederschlag und ihr klassischstes Reservoir im Talmud hat, und dann noch die Methode des Talmudstudiums an: „Die Worte der mündlichen Thora sind mit einem wunderbaren Bande des Lögischen miteinander und mit .der schriftlichen Thora verknüpft. Di4 Enthüllung dieses logischen Bandes und die hierdurch erfolgende Annäherung auch derjenigen Thorainhalte aneinander, die sonstehs weitentfernt voneinander zii liegen scheinen, — dies ist eine der schönsten Geistesübungeri, und eine der gewaltigsten Quellen, woraus das, Interesse am Tälmudstudium her vorströmt/'. Doch führt Dr. H. später aus, daß in frühe ren Zeiten, da die ganze Luft der Judengasse mit Thorageist und G'ttesfurcht geschwängert war, wohl die zwei eben besprochenen Hauptfaktoren genügten, um das Interesse der Schüler am Talmudstudium festzuhalten. Heute aber, da im Geiste und Gemüte der Schüler die rauhen Stimmen eines materialistischen Alltagslebens und die verlockenden Töne einer fremden Kul tur, deren bestechender äußerlicher Blütenschein vorläufig noch das Bittere, das in den Früchten heranreift, verhüllt, mächtig widerhallen, — ist der Einfluß dieser beiden Faktoren auf unsere Jugend bereits geschwächt. Um nun diesen Einfluß zu stärken, sei es nun nötig, einen neuen geistigen Quell ausfindig zu machen, woraus die Jugend aufs neue Interesse am Talmudstudium schöpfen wird, Und dieser neue anspornende Faktor ist nach dem Autor das — ethische Interesse! „Unsere Thora ist keinesfalls ein bloßes Gesetzeskompendium für die Richter,* Rabbinen und Dajanim. Sie ist die Lehre de® Lebens für jeden Einzelnen aus Israel. Sie stellt fest die Grundprinzipden der Lebensführung für jeden Einzelnen. Das Zweite dieser Grundprinzipien besteht nicht bloß in der Ermöglichung des gesellschaftlichen Lebens, sondern — und dies hauptsächlich — darin, auf die Moralität des Menschen einzuwirken, ihn zu einer viel höheren Stufe emporzuheben, ihn ©einem Schöpfer nahezubringen. Jeder Din der Thora — handele es sich um die Dinim des Reinen oder Unreinen, der verbotenen Speisen oder des Verhaltens zwischen dem einen Menschen und dem anderen — hat einen ethischen Wert, einen ethischen Zweck. Der ethische Zweck des Judentums, der aus der Einheit des Schöpfers und der Schöpfung fließt, ist, daß ein jeder Mensch den für ihn bestimmten Platz erkenne, und die Grenzen nicht verrücken soll, die der Schöpfer aufgestellt und die durch 'die geschichtlichen Verhältnisse der übrigen Menschen und durch die, Aufgaben der übrigen Schöpfungsgestalten bedingt sind. Bei den sogenannten Chukim der Thora — den „gehörten Mdzwoth", rryn» r-mn» wie sie Maimonides nennt, erfassen wir nicht deren ethischen Zweck, weil wir die metaphysischen Fäden nicht 'kennen, die die Handlungen des Menschen mit den -Naturordnungen verknüpfen. Jedoch bei den Rechtsvorschriften der Thora — den r-ypVaw man — ver* mögen wir, durch eine entsprechende logische Zergliederung derselben, uns mehr oder weniger dem Verständnisse der ethischen Wesenheit eines jeden Din zu nähern. Ich ersuche aber meine geehrten Leser, meine Worte, nicht mißzuverstehen., Ich denke hier nicht G'tt behüte! daran, daß man jeden Rechts5 Din der Thora vor den Richterstuhl der menschlichen Ethik hinzustellen hat, um zu sehen, wie viel von dieser menschlichen Ethik darin vorhanden sei. Die g'ttliche Ethik der Thora steht selbstverständlich über aller menschlichen Ethik. Diese letztere muß sich vor den Richterstuhl der Thora stellen,.und'nicht umgekehrt. Ich denke bloß, daß außer der r echt - liehen Seite einer derartigen Halachah, dieselbe auch eine ethische Seite hat, die das Maß der Verantwortlichkeit mit bestimmt, welche einem Mensehen gegenüber.dem anderen -obliegt, das :Maß, inwieweit der Mensch Rücksicht auf die Verhältnisse des Nebenmenschen zu nehmen hat. Ich .will (nicht G'tt behüte! das Rechtliche nur durch das* Ethische begründen: Ich will nicht 'in die praktische' :Halachah' ethische Disputation eanführen. Ich will nun-das Verr, ständnis desjenigen•„ Maßes des. Ethischen, gewannen,; welches dieser Din für den Menschen enthält . und da® für* ihn nicht bloß in diesem gegebenen'Fall, sbn« dem überhaupt "Bei jedem Schritt und' 'Tritt5' seines Lebens: verpflichtend ist."-: .. .; ..."■■> -Xi^-; -?:•..* Und hün führt Verfasser einige 'Musterföeii spiele solcher Behandlung von talmudischen The- \ meh in Baba Mezia, Kknia und Bäth'fa an," die seine' Absicht am klarsten dars Nachdem wir bereits oben im allgemeinen' erwähnt haben, ^..wie die j^ojn Dr. Holzberg ">er- Vähttten Pdsttila^un4; Foi&er^nf^ bereits seit einem Jährn^dert vom Meistefx verkündet werden, wollen wir noch speziell in bezug .auf die;!r)'ii»;aj;i*7/ Musterlektionen,. ...derselben er- Sj^ähneriv daß man "diese mit dien Stellen im . Ghaurew Kap. 85 und, 46 über. nT^K fta-PH- und!' rtlPSa . und' den Parallelstellen im Kommentare zu vergleichen hat, üjn zur Erkenntnis zv, gelangen, daß jene rvm»jn*T in den Stil des "T'tini 'hinübertrahspönierte Stücke Hirsch'scher Methode sind!" ,. Und eben diese tiefschürfenden Ausführungen eines auch .talmudisch gründlich gelehrten, hervorragenden Pädagogen wie Dr. Holzberg lasseri uns schon zum soundsovielten Male am Jahrzeitstage des' Meisters wieder den Weckruf ertönen: Es wäre schon höchste Zeit, das klassischste Meisterwerk desselben, den Thoraijk amjn en t ar , ins Hebräische zu übersetzenf Schon zum putzen und Frommen der neuen Generation in Erez Jisroel, die nur Hebräisch verstehen und lesen wird. Aus diesem Meisterwerke wird diese Generation am besten das erlernen können, was Dr. H. als kräftigstes Mittel preist* um die Jugend für den Talmüdunterricht zu gewinnen; Das logische Band, das die Thoravor-. schriften miteinander und die Lehren jder mündlichen Thora mit denjenigen der schriftlichen verknüpft, wie auch die Erkenntnis des Ethischen, das in den Thoragesetzen enthalten ist . .. - 11 D i e W e r k e S. R. Kirschs bewegen einen Nichtjuden zum Uebertritt zum Judentum. Ebenfalls im Jerusalemer „Hahed" (5696, Nissanheft, S. 12) ist ein posthumer Artikel von Rabbi A. J. Kuk über Proselyten na pTXn abgedruckt, worin Rabbi Kuk über einen,, von ihm persönlich gut gekannten Ger-Zedek berichtet, der früher in New York Geistlicher bei einer sehr großen und reichen Kirchengemeinde gewesen war, dann aber mit seiner Familie zum Judentum übertrat, nach Jerusalem übersiedelte- * und sich dort mit derartigem Fleiße dem Talmudstudium widmete, daß ein großer und ange-, sehener Talmudgelehrter aus ihm geworden ist. Im Ijarhefte des ,,Hahed" (5696) wird nun erwähnter Artikel von Oberrabbiner Kuk "?"ST voa Jakob Goldmann in Jerusalem mit Mitteilungen über erwähnten Leon Ger - Zed e k ergänzt* die derselbe ebenfalls aus dem Münde Rabbi Kuks gehört hat. Von diesen Mitteilungen sei folgende hier in wörtlicher Uebersetzung beigefügt; „Noch hörte ich von Rabbi Kuk, daß ihm während seines Aufenthaltes in der Schweiz im Weltkriege ein junger Nichtjude zugeschickt worden ist, der zum Judentum übertreten wollte. Auf die Frage des Rabbi Kuk, was ihn dazu bewogen hätte, den G'tt. Israels sich zu erwählen, erwiderte der junge Mann, daß seine Muster, die. sehr gläubig war, ihn gelehrt hatte, daß der ganze Wert des Lebens nur in der Annäherung zur Heiligkeit und die Vollendung des Lebens darin bestehe, sich in der Heiligkeit von einer niederen Form zü! einer •höheren emporzuschwingen. Zu diesem Zwcke studierte er Philosophie und Theologie. Und wie Rabbi Kuk bezeugte* war derselbe wirklich sehr bewandert und kundig in allen Systemen erwähnter Lehrdiszip-. line. Da nun einmal die Schriften des R ab b i ne r s S. R; H i r s chdhmi n d;i e H ä tt d e k a m e n V e rUe-ä n n t e: e r a u 's" d e nselben;;' dä:ß es ' tee in Höheres gibt als dl e He i 1 i g kei t d e s l sr'ae"li ti - sehen Lebens. ,Und so entschloß er sich.,- zum Judehtüm ' überzutreten. — Ich: kann mich! riocli' erinnern, daß Rabbi Kuk nicht genug beide fp|ßly^ei, ihf^;tief^ ürirlÄ .'R^iT heit ihrer Absichten rühmen konnte.1*':- "l ... \ .-.f. . yr . ■ - . ,;.<•; *; ■.