Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1937-01-07 · Heft 1 (7.1.1937) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 1 (7.1.1937)
Date
1937-01-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2450961-2450962--82690-2540640
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

7. Januar 1937 De r Israelit Nr. 1 -Seite 5 kommissarischen Verwaltung ausliefern, ohne Gefahr zu laufen, S c h äd e n zu e r leiden, die vie 11 e i c Et niemals wie der gu t r zumachen wären. Man wird also die Stellungnahme der Agudas Jisroel, allem Geschrei der nationalen Parteien zum Trotze, ver- . stehen. * ♦ * An der Spitze unserer mit der heutigen JVfummer beginnenden Erez Jisroe'l-Seitc, die den Zweck hat, unseren Lesern in konzentrierter Form eine volle Orientierung über die Verhältnisse in- und um Palästina zu bieten, befindet >sich eine Mitteilung von eminenter tatsächlicher Und grundsätzlicher Bedeutung: Das Tel Awiwer Postamt trägt nunmehr dem Sabbat und den jüdischen Feiertagen Rechnung. Unsere Leser wissen, wie lange die Gesetzestreuen Palästinas um den Sabbat bei der Post in der jüdischen Stadt gekämpft haben. Zuweilen schien alle Mühe umsonst, weil dieser Kampf leider nicht in allen Schichten der jüdischen 'Bevölkerung die nötige und erwartete Unterstützung fand. In guter Erinnerung ist der Offene Brief Oberrabbiner D uschinski s ah den High Commissioner in dieser Sache, die übrigens mit zum Komplexe der Fragen gehörte, die von den Agudavertretern vor der Königlichen UntersuchungslCOmmission zur Sprache gebracht wurden. Als Erfolg all dieser Bemühungen ist es zu buchen, daß nunmehr die Palästinaregierung in einem Schreiben an den Oberrabbiner der Agudagemeinde diesem mitteilt, daß das T e 1 Awiwer Postamt in Zukunft den Sabbat und die jüdischenFeiertage berücksichtigen wird. Ein neuer Beweis dafür, daß die beharrliche, unentwegte Arbeit für den Sabbat in Erez Jisroel nicht ganz vergebens ist. * * * Bei den Vernehmungen der zionistischen Vertreter vor der Untersuchungskommission in Jerusalem gab es eine kleine Entgleisung, die große Aufregung verursacht hat. Mosche S h e r t o k , der Leiter des politischen Departements der Exekutive, äußerte u. a. auf Fragen der neugierigen Kommissionsmitglieder, die Juden seien bereit, unter •den genau gleichen Bedingungen öffentliche Arbeiten anzunehmen wie die Araber. Mosche Shertok hatte dabei nicht nur die Löhne im Auge. Die Aeußerung wurde allgemein so aufgefaßt, als' wären die Juden wie die Araber grundsätzlich die Sache doch bekannt geworden. Andere Deutung: Zielen die dir gesprochenen Worte 15n nan na^> „Warum schlägst du deinen Nächsten" darauf hin, mich zu erschlagen. *wik nns 'inn^n „sagst du dies, um mich umzubringen?" * * * Kap, 2, V, 15. not a-tnV »pn'i nrn wn ns nsis jmP'i •'iKM by 3P»i p» psn an nsna 'asn n?» »»» „Pharao hörte von dieser Begebenheit und trachtete danach, Mosche umzubringen, da floh Mosche vor Pharao und ließ sich nieder im Lande Midjan und setzte sich dort an den Brunnen." Analog dem ma min •. - ~}b „fliehe nach Charan" (Bereschit 27, 43) hätte man hier erwartet: „Mosche floh nach dem ts» p» fisi« nam ma^i Lande Midjan und Meß sich dort nieder, bezw. ms'i .pa nsiK i>'i pn pjw a«n besagt, daß Mosche auf seiner Flucht in verschiedenen Ländern umherirrte, bis er schließlich im Lande Midjan zur Ruhe kam. * * - * Kap. 2. V. 22.-wma im 'a nsna iöp n« mp»i p ibni •"»naa p«a „Sie gebar einen Sohn, und er nannte ihn Gerschom, | denn er sprach: Ein Fremdling war ich in einem ' fremden Lande." Der Sohn trägt nicht den Namen! tivix „Fremdling dort", sondern ofin* av ist wohl von tmv trüst, öde sein, abgeleitet, ätna bedeutet mithin //Fremdling der Wüste". * * Kap. 3. V. l.wn»i p» pa unn vw p* tut an '»a nws -nain B»»Vxn in V* *a»i nanan in* yttn nu bereit, auch auf den Sabbat zu verzichten, und es war daher nötig, daß diese Aussage eine 'Korrektur erfuhr, in Form von ö f f e n 11 i c h e n P r o t es ten der Agudas Jisroel u n d des Misrachi, Im Misrachi führte es sogar zu einer Krise, da Rabbi J. L. Fisch mann seinen Austritt aus d'er Exekutive erklärte. Mosche Shertok "beeilte sich aber, in einem Schreiben an die Königl. Kommission seine Aussage dahin zu interpretieren, daß „seiner Ansicht nach" Juden sich am Sabbat der Arbeit enthalten müssen. Damit war die Krise behoben, und Rabbi Fischmann bleibt als Vertreter des Misrachi in der Exekutive. Die ergänzende Erklärung Shertoks ist erfreulich, ein kleiner Stachel bleibt leider. Shertok betont, daß er mit seiner Aussage nur die Tatsache konstatiert hätte, daß viele Juden unter den genau gleichen Bedingungen (also auch unter Preisgabe des Sabbat) zu arbeiten gewillt seien. Er, Shertok, und .die von ihm vertretene Jewish Agency wünschen aber nicht, daß Juden den Sabbat durch Arbeit entweihen. Die Tatsache aber bleibt, daß Menschen und Institutionen, , die den Sabbat und die Speisegesetze verletzen, von den offiziellen zionistischen Stellen unterstützt und gefördert werden. Und das ist unerfreulich! ... * * m Das Kuba-Einwanderungsprojekt lebt wieder auf. Mr. William Sirovich, Mitglied des Repräsentantenhauses der Vereinigten Staaten, der Initiator des Planes, ist wieder in Havanna eingetroffen, um mit dem Oberkommandanten der kubanischen Armee und anderen hohen Behörden über den Plan zu beraten; es handelt sich darum, hunderttausend Juden aus Deutschland in Kuba anzusiedeln. Man erinnert sich, daß der Plan Sirovichs, der sich ursprünglich auf 2OOX)iQ0 Juden erstreckte, von vielen Seiten als eine Phantasterei bezeichnet wurde. Ein kubanischer Staatssekretär soll damals geäußert haben, daß nicht einmal tausend Europäer auf Kuba Arbeitsmöglichkeit fänden. Sirovich läßt sich aber nicht irre machen und behauptet jetzt, sowohl Präsidenten Roosevelt wie den Präsidenten von Kuba, Gomez, für seine Pläne gewonnen zu haben. Man wird nun abwarten müssen, ob hier sich nur ein Geltungsdrang an fruchtlosen Plänen versucht, oder eine wirkliche Aussicht auf Heimgründung für hunderttausend jüdische Menschen Amerikaner, die sonst realistisch zu denken „Mosche hütete die Schaf© s>einets> Schwiegervaters Jithro, des Priesters von Midjan; er führte .die Schafe hinter die Wüste und kam zum G'ttesberge, zum Choreb." ann mit ann trocken zusammenhängend, weist auf eine dürre Gegend hin. Hier wachsen die Dornbüsche. Daher, trägt das Gebirge den Namen »a*ö/ der Ort der zahlreichen Dornbüsche, ('S'ö ist verwandt mit nao Dombusch.) * * * Kap. 3. V. 3.nrn bnr\ n*ian nun«*«« »a sno» nsm ibipi •mon nya» sb am» „Da sprach Mosche: ich will doch hingehen und diese große 'Erscheinung sehen. Warum verbrennt nicht •der Dornbusch." Analog dem Brsa "iya naon «um „und siehe, der Dornbusch brennt in 'Feuer" (V, 2) würde naon w Hb 3mn bedeuten; warum brennt der Dornbusch nicht. iyy> dürfte daher im Sinne von ■^anpa mn r-nsw „du sollst das Böse aus deiner Mitte hinwegschaffen" (Dewarim 13, 6) aufzufassen sein. Unsere Stelle ist danach wiederzugeben mit „warum wird der Dornbusch nicht . verzehrt?" Nach den meisten Kommentatoren ist jedoch dem Zeitwort *W3 auch die Bedeutung von verbrennen zuzuschreiben. * * * Kap. 3. V. 6. pnx» ">pb* amait ^pb* *pä* ^bx »aa* nax»i •D'^Vnn V* D'ana «i» 'a T>as nwa nno»i aj>y> 'p^xi „Und er sprach: Ich bin der G'tt deine® Vaters, der G'tt Awrahams, der G'tt Jizchaks und der G'tt Jaakowsl Da verhüllte Mosche sein Angesicht, denn' er fürchtet« sich, zu G'tt aufzuschauen." Es heißt nicht •ypbm »a» „Ich bin dein G'tt," weil G'tt Seinen Namen nicht nach einem noch Lebenden bezeichnet. pflegen, auf den Plan gerufen hat. Man halte sich fern von übereilter Begeisterung, aber man darf solche Pläne auch nicht von vornherein ungeprüft im Bausch und Bogen verwerfen. * * * Was aus Tripolis berichtet wird, ist so unglaublich, daß eine ernste Presse erst eine Bestätigung abwarten mußte, um es weiter zu geben. Leider trifft es aber zu, daß in T r: - p o 1 i s , der Hauptstadt .der italienischen Kolonie Nordafrikas, den Juden, soweit sie ihre Geschäfte nicht im Judenviertel, sondern in der Europäerstadt haben, verboten ist, diese am Sab bat zuschließen. Ein lokales Blatt berichtet, daß am 7. Dezember dort zwei eingeborene Juden vor ihrem Geschäfte öffentlich ausgepeitscht wurden, während ein dritter drei Monate Gefängnis erhielt. Das alles, weil sie, entgegen der Bestimmung des Provinzialkommissars, am Sabbat ihre Läden geschlossen hielten. Ein jüdischer Arzt aus Deutschland, namens Wolfgang Pinner, der seiner Empörung über die Szene etwas zu lauten Ausdruck gab, wurde in;Ketten nach dem Gefängnis verbracht. Besagte Verordnung trat am 1. Dezember in Kraft. Eine jüdische Abordnung, die sich kurz vorher zum Gouverneur, Marschall B a 1 b o, begeben hatte, wurde von diesem mit der Bemerkung abgewiesen, sie sollte lieber auf ihre Glaubensgenossen einwirken, daß sie sich den gesetzlichen Bestimmungen fügen, im anderen Falle aber ihre Geschäfte ins Ghetto zurückverlegen. Der Vorfall hat in der Welt, besonders in Amerika, großes Aufsehen erregt, und einige italienischen Zeitungen beschweren sich über „antiitalienische Machenschaften". In der Empörung, die in jüdischen Kreisen Ausdruck findet, werden die Italiener ganz gewiß keine antiitalienischen Gefühle erblicken dürfen, denn das Judentum in der ganzen Welt ist von jeher gewöhnt, in Italien einen Freund der jüdischen Sache zu sehen. So traurig der Vorgang an sich ist, so deprimierend ist auch der Zwang zur Sabbatentweihung als Hintergrund desselben. Im Auftrage des Präsidenten der Agudas Jisroel, Jacob Rosen heim, hat nunmehr der politische Sekretär der Weltorganisation der Agudas Jisroel, A. H. Goodman, beim italienischen Botschafter in London interveniert. Herr Goodman gab der Hoffnung Ausdruck, daß die italienische Regierung, die sich stets durch größtmögliche Toleranz gegenüber den Juden auszeichnete, jene Bestimmung in Tripolis annullieren Weitere Deutung: i'a« >pi>K bedeutet: der G'tt eines jeden deiner Väter, der G'tt Awrahams, der G'tt Jizchaks und der G'tt Jaakows. Andere Auslegung: 1>a« ">?b* wird durch ömaR »f>5»8 erläutert. Awraham, der erste G'ttesverkünder, ist dein Vater. * * * Kap. 3. V. 8. D'nsB *pa frznb *nsi „Nun bin ich herabgestiegen, es aus der Hand der Aegypter zu retten." Ich ließ mich auf diesem Berg herab. Vgl. Kap. 19, V. 20. ->vx> in bt 'n n*vi„G'tt ließ sich auf den Berg Sinai herab." Wochenkalender. Vom 9.-.16 Januar 1937 / Vom 26. Tebet bis 4. Schebat 5697 'BT "IT D'naT Samstag 9 26 TS Risn Sonntag 10 flStJ 27 ns wnnn paiaa Neumond: Dienstg. vorm. Montag 11 28 DS 10 Uhr 41*/9 Min. Dienstag Jan. 12 29 P pp nwa ov Mittwoch 13 oav 1 Kj? wm vKi Donnerstag 14 2 3? Freitag 15 3 Samstag 16 4 n K3

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.