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Der Israelit · 1937-01-07 · Heft 1 (7.1.1937) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 1 (7.1.1937)
Date
1937-01-07
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Nr. 1 Der Israelit Kein jüdisches. Haus ohne die KEREN HATORAH Sammeldose! Bitte Dosen bei der Zen,trole>anfocdfrr_n :'Hamburg 13, Heinrich Barthstrcrße 21 Die Position der Thora im Lande wird stark sein und wird immer stärker werden, wenn die organisierte Weltorthodoxie sich entschließt, für Chinnuch und Arbeiterschaft auch nur einigermaßen zugängliche und regelmäßig fließende Mittel zur Verfügung zu stellen. Es ist kein Zufall, daß die gründliche Reorganisation des Keren Hajischuw, die Verlegung seiner zentralen Leitung nach Jeruscholajim, zeitlich mit dem Auftreten der Aguda vor der Kommission zusammenfällt. Wochenrundschau. Gemeinde und Gemeinschaft — Binnenwanderung und Auswanderung — Der Kommissar im Warschauer Kehillorat — Das Postamt in Tel Awiw feiert am Sabbat. — Entgleisung bei der Vernehmung vor der Untersuchungskommission. — Wieder Kuba. — Der Skandal von Tripolis. Zum bürgerlichen Jahreswechsel befassen sich die diversen Gemeindeblätter mit der Frage: „Gemeinschaft und Gemeinde". Im „Gemeindeblatt" der Berliner jüdischen Gemeinde kommt Leo K r e i n d 1 e r in einem größeren Aufsatze zum Schlüsse, daß die neuen Gesetze 1936 aus der Gemeinde die richtige Gemeinschaft gemacht hätten. Das Ziel sei, jeden einzelnen Juden für den Gedanken der jüdischen Gemeinschaft zu gewinnen und für die Erkenntnis, daß er nur als Teil der ganzen jüdischen Gemeinschaft sein Dasein führen könne. Wir kennen den jüdischen "VHS-Begriff von jeher. Von einer wahren Gemeinschaft werden wir aber erst dann sprechen können, wenn sich alle um das Programm der Thora finden. Eine Gemeinschaft, die nur von außenher geschmiedet ist, ohne tiefere seelische Bindungen, bleibt nur eine „Notgemeinschaft", womit wir Schriftdeutungen zu den Wochenabschniften. Mitgeteilt von S. Speier. Kap. 1. V. 8. t)DV ritt sn"> ipn D'*ra» vrm Dp,i „Da erhob sich ein neuer König über Aegypten, der Josef nicht gekannt hatte," Die Wendung op^ befremdet, da „die Regierung antreten" stets mit i^n wiedergegeben wird. So heißt es in Schemuel II 15, 10: plana oi^a» ~\bn ämnxi naipn hnj? ji« t=Dy»PD „wenn ihr den Schall der Posaun© höret, so sprechet: Awschalom hat die Regierung angetreten in Chewron". Vor allem stellt aber die Bezeichnung Enn "\bis ein Kuriosum dar. Wir . finden in ganz Tenach keine Parallele für diesen Ausdruck! Der Sinn unseres Verses kann folgender sein: Ein Fremder, der nicht von königlicher Abstammung war, erhob sich eigenmächtig über Aegypten. Mit diesem Regenten begann eine neue Dynastie, er war ein „neuer König", Vitt "\bn *) * * * *) Diese Deutung dürfte mit der in Maszechet Eruwin 53a und Sota IIa erwähnten Auffassung »tn ron in Einklang stehen. Die dort angeführte Diskussion zwischen Raw und Schemuel wird n-'X in einem besonderen Artikel erörtert werden. Eine Weltorthodoxie, die für ihre Prinzipien nicht die schwersten Opfer zu bringen bereit ist, hat kein Recht, sich zur Wortführerin dieser Prinzipien zu machen. Die Aguda ist durch ihr Auftreten vor der Kommission ins hellste Licht der jüdischen Geschichte gerückt. Sorgen wir dafür, daß dieses Licht ihre Aufbautat für G'tt und seine Thora beleuchte. gewiß nicht sagen wollen, daß diese seelischen Bindungen fehlen. Das Streben zur jüdischen Gemeinschaft muß aber aus dem Willen zum jüdischen Pflichtgesetze kommen, das ein genieinsames Band um uns schlingt. * * * Die Meldestelle des Preußischen Landesverbandes der jüdischen Gemeinden veröffentlicht den Bericht über jüdische Binnen- und Auswanderung im Quartal Juli/September 1936. Die Zahlen sind, insbesondere die aus den süddeutschen Verbänden, welche noch keine Meldestellen besitzen, nicht lückenlos, trotzdem ergeben sie ein vielsagendes Gesamtbild. Insgesamt wurden in diesen drei Monaten 5311 Wegzüge gemeldet, von denen 2043 auf die Binnenwanderung entfallen. Diese Zahl wird sich unter Berücksichtigung der bisher noch nicht erfaßten Gebiete auf 2500 erhöhen, so daß man mit einer jährlichen Binnenwanderung von etwa 10,000 Personen rechnen muß, Es handelt sich fast in allen Fällen um Abwanderung aus den Kleingemeinden in die Großstädte, in denen heute von den rund 400.000 Juden in Deutschland 300.000 leben. In Berlin sind in diesem Quartal 439, in Frankfurt 220 Seelen aus Kleingemeinden zugezogen. Ueberaus stark ist der Anteil der weiblichen Hausangestellten an der Binnenwanderung, er beträgt etwa 15 Proz. Der hohe Anteil von Schülern spiegelt die Schwierigkeiten der jüdischen Schulverhältnisse auf dem Lande wieder. Diese Zahlen sprechen eine wehmutsvolle Sprache und sind zugleich eine Hoffnung. Kap. 1. V. 10. ni*np>/i >a '>m nav ia naanm nan p»n p nbvi wa on>3i unuw.Vy «in dj tjoui nmbn> „Wohlan, wir wollen uns klug gegen es zeigen; es könnte sich sonst zu sehr vermehren, und wenn dann Krieg ausbricht, könnte es zu unseren Feinden übergehen und gegen uns kämpfen und aus dem Lande hinaufziehen". Unter pito |ist das Land Goschen zu verstehen. Pharao befürchtet, da® Volk der Söhne Jisraels könne aus dem Lande Goschen wider die Aegypter hinaufziehen und diese bekämpfen. Auch Josef wendet den Ausdruck nbv anläßlich seines Aufenthaltes in Goschen an: .unsV htosi nbw „ich will hinaufgehen und Pharao berichten" (Bereschit 46, 31). Es scheint danach, daß die Residenz höher als Goschen lag. Jedoch heißt es in demselben Kapitel, V. 29; fiitfrs ri«ij?V bir>i „Er zog hinauf nach Goschen, Jisrael seinem Vater entgegen." Einleuchtender dürfte daher folgende Deutung sein: Das Reisen von Aegypten nach dem Lande Kanaan wird stets mit nby hinaufziehen wiedergegeben. So heißt es in Bereschit 50, 24. aps^i pnvb nmattf» snwi *wk fisn b& nstn psn p nana n^ym ,,Er wird euch von diesem Lande hinaufführen zu dem Lande, da® er Awraham, Jizchak und Jaakow zugeschwonen." Der Sinn unseres Verses ist mithin: Man muß dem Volke Jisrael durch List beikommen; sonst würde es sich im Kriegsfälle mit Pharaos Feinden verbünden, um die Aegypter zu bekämpfen und sodann samt der Beute aus Aegypten nach seinem Hedmatlande Kanaan hinaufziehen. * * * Kap. 2. V. 1. na'ntt np'i ->-\b n*ao i^i. „Da ging ein Mann aus dem Hause Lewi und nahm die Tochter Lewis." iV'i in Verbindung mit einem 7. Januar, 1937 o Es ist schmerzlich, daß die Klein- und Landgemeinden, die in all den Jahren ein Reservoir guter treuer Jüdischkeit waren, auf die Art zugrunde gehen. Es ist aber auf der anderen Seite zu hoffen, daß die neuen Städter den Anschluß an die Kreise finden, wo ihre von Haus aus mitgebrachten religiösen Gefühle ihr Genüge finden und damit einen materiellen wie ideellen Zuwachs der Gemeinden, die ihre zweite geistige Heimat werden, bedeuten. Im Gegensatz zu der Binnenwanderung trifft die Auswanderung nach Palästina und nach anderen überseeischen Ländern in der Hauptsache die Großstadt, Allein die neun Gemeinden mit je mehr als 5000 Seelen sind an dieser Auswanderung mit 60 Proz. beteiligt, so daß die Lücken in diesen Gemeinden durch den Zuzug vom Lande nicht ausgeglichen sind. So meldet Berlin in dem genannten Zeitraum doppelt so viel Wegzüge wie Zuzüge. Das gleiche Ergebnis liegt für Frankfurt vor. Wir wollen hoffen, .daß auch die Auswanderer ihr Ziel finden in einer Heimat, die ihnen nicht nur den Existenzboden, sondern auch das Judesein sichert. * * * Der Konflikt im Warschauer K c - h i 11 a r a t verschärft sich noch mehr durch das Bestehen der Regierung auf der Einsetzung einer kommissarischen Verwaltung. Die jüdischen Parteien stemmten sich dagegen auf und verweigerten ihre Teilnahme. Trotzdem hat nun die Regierung den Regierungskommissar eingesetzt, und zwar in der Person von Mauricy M e i s e 1, der Vorsitzender des „Verbandes jüdischer Händler" ist. Er hat bereits die Leitung der Warschauer jüdischen Gemeinde als Regierungskommissar übernommen, und ein zwölfgliedriger Beirat soll ihm zur Seite stehen. Wie bereits berichtet, weigern sich die jüdischen Parteien, an diesem gewaltsam zusammengesetzten Verwaltungsapparat teilzunehmen. Die Agudas Jisroel hat sich aber. ihre Stellungnahme vorbehalten und wird voraussichtlich, nicht dem eigenen Triebe sondern der Not gehorchend, in den Verwaltungsrat eintreten. Sie hat gute Gründe dafür. Man könne die religiösen Belange der Gemeinde nicht einfach einer nachstehenden Zeitwort bezeichnet «in „sich anspornen" zu einer neuen Tätigkeit. Eine Parallele zu unserer Stelle bildet Hoschea 1, 3: na ns np'i ^»i 0^21 „Da ging er und nahm Gomer, die Tochter Diwlajims." * * * Kap. 2. V. 2. ttw ai» '3 im« p ihm nmn nnni dtit r)vbw innssn: „Die Frau ward Mutter und gebar einen Sohn. Da sie sah, daß er gut war, verbarg sie ihn drei Monate." aus kann hier nicht mit „schön" wiedergegeben werden, denn eine Mutter ist auch um das Leben eines häßlichen Kindes besorgt. Vielmehr ist hier 31ü im Sinne von kräftig, lebensfähig aufzufassen. Da die Frau ©ah, daß der Knabe keine Fehlgeburt, sondern lebensfähig war, scheute sie keine Mühe, um da® Kind aus der Hand der Aegypter zu retten. * * * Kap. 2. V. 14. ''lamVn n>l>y bbpi *w w>xb ~\nv '0 ihk'y nain vm ps ->n>n ns?n st1! nsnn nx nann imw toir nns- „Er erwiderte: Wer hat dich zum Obmann und Rieh* ter über uns gesetzt? Denkst du etwa mich umzubringen, wie der den Aegypter umgebracht hat? Da fürchtete sich Mosche und sprach: So ist die Sache doch bekannt geworden." Wir finden das Zeitwort int? häufig in der Bedeutung von „denken", so in Schoftim 15, 2:. .nrnu«? mmrs wp* insrpa» ms'i „Ihr Vater sagte: Ich habe gedacht, daß du sie -hass sest." "raiK nns 'inn^n heißt folglich: „beabsichtigst du etwa mach umzubringen?" Uebrigen® kann man die gleiche Bedeutung dem mtfi unseres Nachsatzes zuschreiben: Und Mosche sprach zu sich, so ist

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