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Der Israelit · 1936-12-31 · Heft 52 (31.12.1936) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 52 (31.12.1936)
Date
1936-12-31
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 Nr. 52 Der Israelit 31. Dezember 1936 stammen. Unter den Musikern befinden sich verhälinismäßig viel Künstler, die ehedem in Deutschland tätig waren. Der Künstler Bronislaw Hubermann, der als Organisator und Vater des Orchesters bezeichnet werden kann, befand sich unter den Zuhörern und war Gegenstand herzlichen Beifalls. — Außer den Gastdirigenten, die das Orchester leiten werden, sind drei ständige Dirigenten bestimmt, und zwar Hans Wilhelm Steinberg, ehedem erster Dirigent der Oper in Frankfurt a. M., Michael Taube von der Städtischen Oper in Berlin und Issay D o - b r o w e n , der früher in San Francisco im Symphonieorchester und auch an der New Yorker Philharmonie tätig war. Ein neues Geschlecht tritt in die A. J. J. O. Von Hanna Jakobovits in Straßburg. (Schluß.) IV. Die weibliche Jugend. Viel klarer und eindeutiger zeigt sich der Einfluß •der Agudoh auf die weibliche Jugend als auf die männliche; denn letzterer stand immer die Welt des „Lernens" offen, ihnen bot sich immer leicht Gelegen^ heit, das ,,Jüdewein" geistig zu erleben. Wie aber schaute es mit der dem Osten gegenüber so vielgerühmten jüdischen Bildung unserer westlichen Mäd chen vor der Wirksamkeit der AJJO. aus? Gewiß, sie kannten und übten das praktische jüdische Pflichtenleben und lernten auch seine Deutung in den Da tim, sie konnten einen Teil der Gebete übersetzen und in den begünstigteren Städten auch größere Teil des Chumisch und der Propheten. Nach dem Austritt aus der Schule gab es in einigen Städten noch Ge legenheit, in einer Wochenstunde beim Rabbiner die jüdischen Kenntnisse zu erweitern; in Hamburg ließen die begüterten Eltern ihre Töchter in Privats.tunden etwas jüdischen Unterricht über die Schule hinaus geben. Die ersten öffentlichen Schiurim für Mädchen aller Kreise wurden meines Wissens noch von Herrn Rabbiner Dr. Nobel s. A. eingerichtet. Wie groß oder klein das jüdische Wissen auch war, es war sicher nicht abgerundet und es stand neben dem Profanwissen. Es fehlte an jüdischer Einheit in sich selbst. Der '»y T)3 ging noch durch die Geisten bildung der gesetzestreuen Mädchen. Gewiß, man darf sich, auch ohne berufliches Studium, für alle Literatur und alle Kunstrichtungen interessieren; man kann sich auch zum Beispiel in die drei verschiedenen Mythen der Entstehung der Hamlettragödie, in •die genaue Entstehungsgeschichten der Bilder Rembrandts und Dürers vertiefen, aber diese Beschäftigung durfte nicht das Hauptinteresse absorbieren, und hätte in gegebener Beziehung Verknüpfung und Bir.= dung mit jüdischer Beurteilung finden müssen. Die Aufnahme jedes neuen Kulturguts vom jüdischen Gesichtspunkt aus und die Einreihung und Unterordnung unter Thorabewertung, das galt, wenn ein Einzelner davon sprach, als einseitig. Vielseitig waren wir und doch empfinden wir eine Lücke. Bei den Kaffeegesellschaften, an denen man damals aus Zeitüberfluß noch litt, sprach man vom modernen Theater, von guten Büchern, oft auf recht hohem Niveau mit Verstand^ nis und Einfühlungsfähigkeit. Aber das jüdische Thema fehlte als Herrscherin im Kreise der Töchter Jakobs. Das entbehrten wir und beneideten halb bewußt die national-jüdische Jugend, die für ein Ideal allzumal entflammt war, dafür werben, kämpfen, tätig sein konnte, die durch dieses nationale Aufbauideal in allen Kreisen und Schichten geeint war. Da kannte man kein West und Ost, kein arm und reich, keine höhere oder Volksschulbildung. Diese Kontraste spielten aber, sei es durch Ueberzeugung, sei es durch Familienherkommen, in der dem nationalen Gedanken fernstehenden Jugend immer noch eine große Rolle. Das war das schmerzliche Entbehren in uns. Es drängte nach Aktivität, sich begeistern, sich auswirken zu können für ein großes Ziel, das versöhnend und fortreißend alle Stände überbrückte und einte. Das bedeutete uns die Aguda! Sie gab unserer eigenen geistigen „Vielseitigkeit'1 (Zerrissenheit wäre zu scharf) die Einheit, die Geschlossenheit, die innere Agudoh, wenn ich es so nennen dürfte. Sie gab uns dann die Einheit in der lokalen jüdischen Gemeinschaft. Was uns an Aufgaben im Jugendleben unserer Gemeinde zu erfüllen notwendig schien, wir sagten; Das muß die Agudoh machen. Sie wurde der heilende Arzt für die verschie= •denartigsten Gebrechen in der jüdischen Gemeinschaft. Sie sorgte für die jüdische Fortbildung der Mädchen, sie füllte in sozialer Arbeit Lücken, sie gab i dem geselligen Verkehr jüdisch-geistigen Charakter, sie pflegte die körperliche Ertüchtigung in Sport und Wanderung mit, um nicht dem Bar Kochba freies Feld zu lassen. Alle unsere Nöte und Sorgen luden wir der Aguda auf. Unendliches Vertrauen brachten wir ihr entgegen; sie wurde uns alles, Helfer, Berater, Ueberbrücker sozialer Klüfte, Lehrer: nur eines war sie uns nie: Partei. Wir empfanden sie stets als über den Parteien stehend gedacht und bedauerten, wenn sie als Kampftruppe aufgefaßt und abgeurteilt wurde. Von königlicher Weite ist ihr Reich. Der jungen Generation obliegt es, das Verständnis für diese Idee in immer weiteren Kreisen zu wecken, wie es ja in einem späteren Artikel dargestellt werden soll. Es ist unbestritten, daß der Westen dem Osten ungeheure Werte, die seine Zukunft entscheidend gestalteten, gebracht hat. Denken wir nur an den gewaltigen Eindruck, den Rabb. S. R. Hirschs s. A. Erklärungen auf Frau Sara Schenirer gemacht haben und an das eine neue Epoche im kulturellen Leben des Ostens einleitende grandiose Beth Jakob=Werk, das unter ihrer und Dr. Deutschländers Leitung und sich aufopfernder Hingabe entstand. Nichtsdestoweniger dankt der gesetzestreue Jude des Westens einen guten Teil seiner geistigen Formung der Agudo. Wohl wissen wir, daß der Zusammenbruch aller durch die Emanzipation erreichter Kulturformen allgemein eine jähe Wendung zum Sinaiwort und zur Thorakultur herbeiführte; wir kennen den Umstand, daß die anderen uns von sich abschüttelten, unser Bindestrich5 Dasein auseinandergerissen wurde und — ob gewollt oder nicht — zu einem einheitlichen Dasein — wenn überhaupt, zu einem „Jude sein" werden mußte, dennoch ist es doch das große Verdienst der Agudo, daß sie schon frühzeitig die leisen Anzeichen, die sinkenden Abendschatten der Emanzipationskultur begriff und Menschen zu formen strebte, die — während noch die östliche Jugend in großen Scharen zu diesen Emanzipationskulturformen drängte, — der Verwurzelung in der Thora und in der Verflechtung aller Kulturgüter mit ihr, soweit sie unter dem Baum des Lebens zu bestehen ein Anrecht haben, ihres Lebens Sinn erkannten. Am Schlüsse eines schicksalschweren Jahres, reich an Not und an Enttäuschungen, sei dieses Bekenntnis den Führern der Aguda gewidmet, in erster Reihe dem Schöpfer des A.gudogedankens im Westen, Jacob Rosenheim, auf daß sie sich rüsten mit neuer Kraft und ungebrochen nem Mute und Vertrauen auf den Lenker der Zeiten, weiter ^u wirken und weben an unserer Neschomo urjüdischem Kleid. Mitgliederversammlung der Agudas Jisroel-Ortsgruppe Nürnberg, Am Mauzoe Schabbos, den 19. Dezember, sprach im Rahmen der Mitgliederversammlung der Agudas JisroebOrtsgruspe Nürnberg Herr Dir. Dr. J. Hallemann, Fürth, über „die religiös-geistigen Strömungen innerhalb der Orthodoxie". Er beleuchtete zuerst die geistige Situation im nichtgesetzestreuen Lager, als deren: Merkmal vielfach nur Erkenntnisse und Gedankeninhalte über das Judentum festzustellen sind, denen aber die entscheidende Forderung nach Mizwaherfüllung abgeht, um dann die drei voneinander sich abhebenden Strömungen innerhalb der deutschen Orthodoxie aufzuzeigen, die durch den Frankfurter Raw (Tauro und Müssar), Dr. Isaac Breuer (Tedaismus) und Rabb. Dr. Elie Münk (Kabbala) litera-- r;sch zum Ausdruck gekommen sind. Nachdem Herr Dr. Hallemann seine Betrachtungen in einem eindringlichen Aufruf zur Selbstbesinnung ausklingen ließ, begann die mit der Delegiertenwahl verbundene Mitgliederversammlung. Herr Moritz K 1 u g m a n n als Vorsitzender der Agudas Jisroel-Ortsgruppe Nürnbsrg erstattete den Tätigkeitsbericht über das abgelaufene Jahr, der erkennen ließ, daß auf fast allen Gebieten agudistischer Tätigkeit ein merklicher Aufschwung in der Berichts; zeit zu verzeichnen ist. Neben den gutbesuchten drei Lernzirkeln, bei welchen zufolge einer Anregung Sr. Ehrw. Herrn Rabb. Dr. Klein jeder Schiur mit einem viertelstündigen Mussarlernen beginnt, konnte in den letzten Monaten unter Leitung von Herrn Lehrer H. Rosenthal ein hebräischer Sprachkurs eröffnet werden, der bei den Mitgliedern großen Anklang findet. Besondere Aufmerksamkeit wurde auf die propa<??andistischen Maßnahmen gerichtet. Zu Beginn des Jahres wurde in Nürnberg ein agudistisches Büro (Leiter Leopold MargulieSi^ errichtet, die Mitgliederzahl konnte von 48 auf 85 erhöht werden und außer den immer sehr stark besuchten Rausch-Chaudesch-Absnden finden gemeinsam mit der Jugendgruppe jeweils 14tägig im Winter öffentliche Vorträge statt, die zum Teil auch von auswärtigen Rednern gehalten werden. Hierauf berichtet Herr L. Margulies über die ,Bemühüngen, an verschiedenen bayerischen Orten der Agudas Jisroel bezw. den agudistischen Institutionen neue Interessenten zuzuführen, um der Organisation neue Gebiete zu erschließen. Den Ausführungen des Herrn Adolf Münz (Keren Hatorah-Kommissariat) konnte man entnehmen, daß Nürnberg in steigendem Maße Mittel für den- Keren Hatorah aufbringt. Eine bemerkenswerte soziale Leistung bedeutet die Tätige keit der Darlehenskasse der Agudas Jisroel Nürnberg, die, wie Herr Julius Sichel feststellte, während ihres 12jährigen Bestehens 450 Darlehen in der Gesamthöhe von RM. 85.000 gewähren konnte. Der Kassenbericht durch Herrn Jakob Wolf ergab; daß die Ortsgruppe trotz ihrer beschränkten Einnahmen auch noch einen nennenswerten monatlichen Beitrag an das Beth Chinnuch in Frankfurt zahlt. Die von der Vorstandschaft vorgeschlagenen Delegierten, die Nürnberg bei dem demnächst stattfindenden Deleg'iertentag vertreten sollen, fanden die einmütige Zustimmung der Mitglieder. So steigerte sich an diesem Abend bei jedem Teilnehmer die Annahme zur Gewißheit, daß Nürnbergs agudistisches Leben unter der geistigen Führung und hervorragen den Mitarbeit des Herrn Rabbiner Dr. Klein, für die der Vorsitzende unserem hochverehrten Raw auch den herzlichsten Dank aussprach, von starkem Impuls getragen wird und irn Nürnberger Gemeindeleben eine beachtliche Rolle spielt, Eine Chanukahfeier der Zeiire Agudas Jisroel-Jugend in New York. An der sehr eindrucksvollen C h a n u k a h-F e i e r der vereinigten Zeiire Agudas Jisroel- Gruppen Down Town in New York nahmen 250 Mitglieder teil. Die Arbeit der Gruppen, die unter der Leitung der Herren Strahl und T r e s s sich außer in Manhattan auch in Brooklyn immer mehr entfaltet, findet in steigendem Maße auch die Mitarbeit von aus Deutschland stammenden jungen Agudisten. Personalien. Karlsbad, 24. Dez. Am 8. Tebet starb im Alter von 77 Jahren der allbekannte Besitzer des Hotel Lincoln, der Gastwirt Selig Kirsch. Mit •diesen nüchternen Worten ist aber nicht zum Ausdruck gebracht, was die ihm Nahestehenden, was die unzähligen Freunde und Verehrer, was die Welt in diesem würdigen Greis besessen und nun verloren hat: einen Mann von seltener jüdischer und allgemein menschlicher Kultur, der diese beiden Elemente seines Wissens und seines Wesens pn in DJ? min in glücklicher Harmonie zu vereinen wußte, einen ganzen Menschen von bezwingendem Zauber der Persönlichkeit. Darum, hatte er nur Freunde und keinen Feind. Dessen war seine Beerdigung am zehnten Tebet Zeuge: von nah und fern waren sie herbeigeeilt, die den wackeren Mann kannten und liebten, die an seinem Tische gegessen und seine Thora-Worte gehört und von seinem Humor entzückt worden waren. Sein Andenken bleibt uns unvergessen. n*333n Tann, 28. Dez. Mit dem Tode von Frau Dorothea Jüngster verlor unsere Gemeinde eine Repräsentantin alten Schlages. Durch ihr feines Wesen erwarb sich die Verstorbene auch in der nichtjüdischen: Umwelt hohe Achtung und Auszeichnung. In allen karitativen Verbänden stand sie in vorderster Reihe. Vornehm war ihre Gesinnung und edel ihr Geist. Im Vaterhaus, dem von Gabriel Hirsch Friedmann u?"St erwarb sich die Entschlafene die Eigenschaften, die ihre vornehme Erscheinung ausmachten. Im Hause ihres Vaters galt echte r\pT£> und das war das Leitmotiv ihres Lebens. Am Grabe ermahnte Lehrer Okolica Kinder und Enkelkinder, getreu dem Prinzip ihrer Mutter und Großmutter, echte Jehudim zu bleiben; das vor Augen gesehene, als nachfolgende Geschlechter weiter zu pflegen. Die Gemeinde Tann wird der Entschlafenen ein ehrendes Gedächtnis bewahren. rraxjn Familien-Nachrichten. Geburten: Ein Sohn, Jizehak Kaufmann und Frau Schoschana geb. Besserglück, Kfar Haroe, Post: Chedera Barmizwoth: Helmut. Sohn des Herrn Julius Strauß und Frau, Frankfurt a. M-, Franziusstr. 15, rot? msi Gestorben: Frau Julie Birnbaum geb. Strauß, Frankfurt a. M-, 59 Jahre. Briefkasten. J. H. Sie wissen ja, daß eine Antwort nicht angängig ist und sich auch erübrigt. Besten Dank. Br. in D. Das Lied kann ruhig bei einer Feier der jüdischen Schule gesungen werden, was auch hier in Frankfurt a' M-, schon wiederholt geschehen.ist.

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