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Der Israelit · 1936-12-31 · Heft 52 (31.12.1936) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 52 (31.12.1936)
Date
1936-12-31
Page
– (sequence 11)
Language
German
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31. Dezember 1936 Der Israelit Nr. 52 Seite 11 Die letzten Vernehmu/ngen vor der Königl. Unter« suchungskommission. Jerusalem, 30. Dez. Am Montag, den 28. Dezember, hat die Kommission ihre durch die Feiertage unterbrochenen Arbeiten wieder aufgenommen. In öffentlicher Sitzung überbrachte Chacham Joseph L e v i der Kommission Grüße des sephardischen Oberrabbiners Jacob M e i r und des palästinensischen Oberrabbinates. Der Vorsitzende der Kommission, Lord Peel, sprach dem Rabbinate Dank für die Kundgebung aus. Darauf gab der Vorsitzende des Jüdischen Nationalrates (Waad Leumi), Jizchak Ben Z w i, Erklärung gen über den Aufbau und die Funktionen der K n e Sses Jisrael ab und betonte, daß sich diese Organisation mit den zionistischen Zielen völlig identif;= zere. Er bestätigt im Weiteren, daß die Knesses Jisrael in Proklamationen die Araber zur friedlichen Zusammenarbeit aufgefordert hat. Der Erfolg blieb leider aus. Als nächster Zeuge wurde der Vorsitzende des palästinensischen Bes Din, Rabbi Pessach Frank, vernommen. Er sagte, das jüdische Volk sei durch Thora und Land vereint, wozu noch als Bindemittel •die hebräische Sprache hinzutritt. Rabbi Frank bittet um Sicherung des Sabbatschutzes. Im Namen der orientalischen Juden Palästinas «prach Abraham E 1 m a ] e h. Er satfte, ein Viertel des Jischuw bestehe aus orientalischen Juden, die der zionistischen Bewegung angeschlossen seien. Am Montag, den 28. Dezember, wurden auch noch die Mitglieder des Waad Leumi, Elijahu Berligne und Dr. Joseph L u r i e , vernommen, die über die finanzielle Situation des Schulwerkes berichteten. Die Zeugen klagten über die vorgenommenen Kürzungen im Schulbudget. Ein Mitglied der Kommission teilt bei der Gelegenheit mit, daß infolge der Unruhen das Budget der Regierung von 1.700.000 auf 2.250.000 Lst. im laufenden Jahre gestiegen ist, kein Wunder, daß man nicht mehr viel Geld für kulturelle Zwecke üb rig habe. Am Nachmittag des gleichen Tages berichteten Berl KatzneUon, Miß Henrietta S z o 1 d und Dr. Klidler von der „Hadassah" über Gesundheitsfürsorge und Sozialarbeit. Als die Zeugen Klage über die schwachen Beihilfen der Regierung erhoben, unterbrach sie Sir Lauric Hammond mit der Frage, ob es nicht in Ordnung sei, daß die Araber, deren Zahl im Lande doch dreimal .so groß sei als die der Juden, auch doppelte Beihilfen erhalten. Amerika. Aus den Vereinigten Staaten. New York, 15. Dez. Die Einwanderung nach den Vereinigten Staaten ist so stark zurückgegangen, daß ihr die A u s w a n derung schon fast gleichkommt. Als Grund für Abnahme der Einwanderung werden die Schwierigkeiten bei den industriellen Gründungen angegeben. Ende Dezember reist aus New York eine Abordnung der amerikanisch-jüdischen Arbeiterschaft nach Palästina ab, die die Sympathien der amerikanischen jüdischen Arbeiter der palästinensischen Arbeiterschaft überbringen will. Die Delegation besucht auch England, Frankreich und Polen. Der vor kurzem verstorbene Vorsitzende des amerikanischen „ORT"-Verbandes, Dr. Henri M o s k o w i t z , hat eine Reihe jüdischer Institutionen testamentarisch reich bedacht. Seine überaus große Bibliothek wurde der Universität in Jerusalem zugesprochen. Der Gesundheitsdienst der Hadassa. — Ein Bericht an die Kgl. Kommission. New York, 21. Dez. Die Zionistische Frauenorganisation Amerikas, Hadassa, hat soeben an Miß Henriette Szold 5000 Dollar als ein Geburtstagsgeschenk überwiesen, das für -die Zwecke der Ansiedlung von Jugendlichen aus Deutsche land in Palästina verwendet werden soll. An die Kgl. Kommission hat die Hadassa einen 20 000 Worte umfassenden Bericht über ihre Tätigkeit gesandt. In dem Bericht wird betont, daß die Arbeit der Hadassa auf dem Gebiet der Gesundheitsfürsorge nicht nur den Juden, sondern der Gesamtbevölkerung Palästinas zugute komme. Gegen die Palästinaregierung wird die Beschuldigung erhoben, daß sie ihre Pflicht, die Bevölkerung gesundheitlich zu betreuen, nicht erfülle. Amerikaauswanderer. New York, 18. Dez. Man schreibt uns aus New York: . . . ,,Bei dieser Gelegenheit wollen wir Sie bitten, daß Sie Ihren Einfluß dahingehend geltend machen, daß Neueinwanderer nicht mit Schiffen fahren, die am Freitag oder Schabbos hier ankommen, weil Neueinwanderer dreimal unterschreiben müssen, was den meisten nicht bekannt ist. Wer nun am Schabbos nicht unterschreiben will, muß nach El Iis Island bis Montag, was weiter nicht schlimm wäre. Der Haken dabei ist jedoch, daß die Unterschrift im Beisein derjenigen Person geleistet werden muß, die das Affidavit ausgestellt hat. Nun ist der Affidavitaussteller, der Verwandte usw. herüberkommen läßt, im allgemeinen kein Schaumer Schabbos und zwingt den Einwanderer, am Schabbos zu schreiben. Ich will Ihnen einen praktischen Beweis geben, den ich leider jetzt selbst erlebte. Mit mir auf dem Schiff waren zwei Frankfurter junge Leute, die aus gutem orthodoxem Hause stammen; einer war Mitglied der dortigen Agudas Jisroel. Wir kamen am Schabbos Morgen an. Ich sagte den jungen Menschen, daß sie unter keinen Umständen schreiben dürfen, mag kommen, was wolle, sie müßten bis Montag in die Gefängnisinsel gehen; jedoch der Onkel verlangte, sie müßten unterschreiben, und drohte, er würde am Montag nicht ' nach Ellis Island kommen und sie abholen, was — wie oben gesagt — nach den Gesetzen geschehen muß. Kommt der Onkel nicht, dann werden die Jungens nach Europa zurückgeschickt. Ich redete auf den Onkel ein, es half nichts, und unter Tränen unterschrieben die Jungens. Wir wollen nicht den Richter spielen und wissen nicht, ob wir alle so stark wären, wenn wir vor den Toren des Landes in solche Versuchung kämen. Dieser Fall hatte noch einen Nachteil, denn die Jungens hatten beste Empfehlungsschreiben an Rabbiner Jung, aber scheinbar schämten sie sich vor mir, sie kamen weder zu Dr. Jung, noch zu andern A.dressen, die ich ihnen gab, und trotz aller Bemühungen konnte ich ihre Adresse nicht ausfindig machen. — Rabbiner Jung ist der Meinung, daß es Aufgabe der deutschen Agudas Jisroel ist, wenn sie sich mit Auswanderungsfragen beschäftigt, die Einwanderer vor diesen Gewissensbissen zu bewahren. Vielleicht ist es Ihnen möglich, in einem Artikel im „Israelit" auf diesen Umstand hinzuweisen. Berücksichtigt müssen auch die Schiffe werden, die am Freitag ankommen, da sie im allgemeinen einen Tag Verspätung haben." Vermischtes. gebiet jüdischen Wissens jeden Sonnabend abend in der Synagoge Passauerstr. 2 (Dozenten: Rektor Dr. Weinberg, Doz. Dr. Grünberg, Dr. Jakobovits, Doz. Dr. Altmann, Dr. Harry Levy, Doz. Dr. Hildesheimer, Dr. Berkovits, Rabb. Nobel, Rabb. Broch, Dr. Singermann, R.-A. Dr. Sulzberger, R.-A. Dr. Lehmann, Dr. Galewski, Dr. E. Löwenthal, Dr. J. Burg, Dr. Symchesj, außerdem Vorträge für die übrigen Stadtbezirke in den konservativen Synagogen Berlins, ferner eine Reihe von Arbeitsgemeinschaften. — Die Teilnahme an allen Veranstaltungen ist gebührenfrei. Der gedruckte Lehrplan ist beim Sekretariat: Berlin W. 50, Passauerstr. 2, bei Glogauer erhältlich, Berlin, 27. Dez. Die Sinaivorträge der Ortsgruppe Berlin der Agudas Jisroel sehen vor: Dienstag, den 5. Jan.: Rabb. Dr. E. Biberfeld: Zur Methode der Bibelerklärung. 20.30 Uhr Heidereutergasse 4, rechts II. Syn. Beth Hamidrasch. — Mittwoch, den 6. Jan.: Emanuel M. Meyer: Arbeitsgemeinschaft: Die Wochensidra (unter Berücksichtigung* des Kommentars von S. R. Hirsch). 20.30 Uhr Pariser Straße 4, Synagoge. — Sonntag, den 10. Jan.: 1. Gottfried Goldschmidt: Der jüdische Sprachgeist nach S. R. Hirsch. 20.30 Uhr Klopstockstr. 25, pt. r. Beth Hamidrasch Ez Chajim. — 2. Max Neuberger: Sinngehalt der Mizwoth (nach S. R. Hirsch „Choreb"). 16.30 Uhr Artilleriestr. 31, Betsaal (für Herren). Ein jüdisches Schuliesi in Leipzig. Leipzig, 20. Dez. Das Fest der jüdischen Schulen ist mit großem Geprange an uns vorübergerauscht. Wohlgelungen in jeder kleinsten Einzelhe:-'*'- unter leidenschaftlicher Anteilnahme des überfüllten Hauses, rollte da ein Stück jüdischen Lebens ab, erfüllt von einer vitalen Kraft, die in ihrer stimulanten Steigerung des Lebenstfefiihls etwas Beglückendes hatte. — Wenn Direktor Dr. Weikersheimer in seiner Begrüßungsansprache die Aufgabe der jüdischen Schule umriß in der Schaffung einer Synthese zwischen Judentum und Welt, in der Heranziehung von Menschen, die in ihrem jüdischen Bezirk ebenso zu Hause sind wie in den weiten Hallen der Weltkulturen, so gab der Ablauf der Stunden wohlgeratene Beweise dafür, mit welchem Ernst die Schule an diese Aufgabe herantritt. Was dieser Jugend frisch-raffender Geist speicherte an Wissen und Können, hier ward es gelöst im Spiel und mit jener Wärme und Freudigkeit vor uns ausgebreitet, wie sie jugendlichen Protagonisten eigen ist. Zwei biblische Szenen um Jirmijahu den Propheten standen im Mittelpunkt des Abends; hebräisch die eine, in leidenschaftlicher Pathetik geballt, in feslspielhafter Breite sich lagernd die andere, in der das blendende Szenarium der großen Oper, ein Rausch von Farben, Tönen und Bewegungen, den Rahmen gibt für die steil sich steigernde Wucht eines vielfach geteilten Sprechchors. In allerlei Gestalt erscheint die Musik: Gesang hebräischer Lieder eines imposanten Mädchenchors, ein vcritables Orchester spielt exakt und verständnisvoll eine Kindersymphonie, und die Mundharmonika, sonst ein Wehsal fürs musikalische Ohr, erscheint in Vielfalt gebändigt zu rhythmisch^ sinnvollem Tun und schmettert jüdische Weisen. Märchenhaft bunt die Welt der Kleinen: betörende Pracht wabert um die Königin von Saba, da sie auszieht, dem König Salomo harte Rätselnüsse in die Weisheitszähne zu schieben — das wimmelt nur so von Sklaven und Haremsdamen, das spielt und tanzt und singt, das sechsjährige Gekribbel, daß einem das Herz aufgeht. Neben einer ernsten Szene aus dem brennenden Kibbuz steht ein Singspiel voll urechter Komik, behende kraftvolle Körper stellen sich« turnend zur Schau und ordnen sich zur lichtertragenden Pyramide, zur Menorah der ausklingenden Chanukahwoche. Reibungslos und ohne Fehl zieht alles vorüber; wie sie sprechen, sich bewegen, wie sie Rollen" mit Leben füllen, oder wie sie sich selbst spielen — das alles sitzt, der Kontakt zwischen Bühne und Haus reißt nie ab, und die Diszipliniertheit der mitwirkenden Massen hält auch das beängstigend sich drängende Publikum im Banne guter Gesittung. R. Berlin, 23. Dez. Herr David Schenker, der seit 32 Jahren in Berlin, insgesamt seit 50 Jahren in Kranken-Anstalten als ehrenamtlicher Krankenbesucher wirkt, hat zu Chanukah eine große Kuchenspende für unser Altersheim, Blindenheim und das Jüdische Krankenhaus und dazu Mk. 600.— für das katholische und andere öffentliche Krankenhäuser gestiftet. Berlin-Charlottenburg, 24. Dez. Bewerbungen um Aufnahme in den zu Ostern 1937 beginnenden neuen Lehrgang der Jüdischen Lehrerbildungsanstalt Berhn sind bis zum 31. Januar 1937 dem Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden, Berlin-Charlottenburg 2, Kantstr. 158, einzureichen. Voraussetzung für die Aufnahme ist für männliche und weibliche Bewerber das Reifezeugnis einer höheren Lehranstalt. Der Bewerbung ist ein Lebenslauf und die Abschrift des Reifezeugnisses beizufügen. Berlin, 29. Dez. Das Rambam-Lehrhaus nimmt seinen Lehrbetrieb am 9. Januar in erweitertem Umfange wieder auf. Der Lehrplan umfaßt Vorträge von Prof. Bruno Kisch, Köln, Rabbiner Dr. J. Horovitz, Frankfurt a. M., Rabbiner Dr. D. Carlebach, Köln, außerdem laufende Vorträge aus dem Gesamt* Magdeburg, 17. Dez. Vor dem Amtsgericht in Kothen hatten sich nach einer Meldung des „Mitteldeutschen" Magdeburg zwei Juden und ein Privatmann zu verantworten. Sie hatten in mehrere Zeitungen ,die ausdrücklich Anzeigen von Juden ablehnen, Annoncen hineingebracht. Der eine nichtjüdische Angeklagte, der Privatmann, hatte die Anzeigen der beiden Juden für seine eigenen ausgegeben, so daß sie aufgenommen wurden. Als auf die Inserate hin I festgestellt wurde, daß die Verkäufer — es handelte sich um Verkaufsanzeigen von Schlachtkaninchen — Juden waren, stellten die Anzeigenleiter der betreffenden Zeitungen wegen Verletzung ihrer Standesehre Strafantrag. Das Gericht verurteilte einen der Juden und den Privatmann zu sechs, den anderen Juden?u vier Wochen Gefängnis. Toscanini-Konzert in Tel Awiw. Tel Awiw, 27. Dez. Ein begeistertes Audtiorium von dreitausend Menschen, unter denen sich auch der High Commissi o n e r befand, brachte am letzten Sabbatabend Toscanini große Ovationen dar, als er das neue Orchester dirigierte. Das neue Orchester zählt siebenzig Musiker, die aus zehn verschiedenen Ländern

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