Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 52 (31.12.1936)
- Date
- 1936-12-31
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10 Nr. 52 Der Israelit 31. Dezember 1936 nötig, Schächter zu entlassen, diese würden auch nach dem 1, Januar die verringerte Arbeit und den klei neren Verdienst unter sich teilen. Senator Schorr erhielt die Zusage, daß die Behörden angewiesen wer den würden, dem Verbleiben der bisher beschäftigten Schächter auf ihren Posten nichts in den Weg zu legen. Frankreich. HICEM-Arbeit zugunsten jüdischer Auswanderer aus Deutschland. Paris, 16. Dez. Obwohl die Zulassung jüdischer Auswanderer aus Deutschland in die verschiedenen Einwanderungsländer wachsenden Schwierigkeiten begegnet, die eine entsprechende Rückwirkung auf die Hilfsarbeit der HIAS=ICA-Emigration Association (HICEM) ausüben, bewegen sich die Zahlen der von der HICEM auf der Wanderung betreuten Auswanderer in aufsteigender Linie. So wanderten mit Unterstützung der HICEM im Juli d. J. 184 aus Deutschland stammende Juden aus, 149 davon nach Uebersee; im August 222, davon nach Uebersee 203; im September 290, davon nach Uebersee 252 und schließlich im Oktober 353, von denen 266 nach Uebersee gingen. Finanziell ist diese Auswanderung durch die Hilfe der Jewish Colonisation Association, des Joint Distribution Committee, des Council for German Jewry und der Refugee Economic Corporation ermöglicht worden. Die im Monat Oktober 1936 betreuten Auswanderer verteilen sich auf die einzelnen Bestimmungsländer wie folgt: Palästina 120, Südamerika 98, Südafrika 46, andere Länder 2, europäische Länder 19, Rückwanderung 50. Es sind somit 335 aus Deutschland stammende Juden im Oktober endgültig ausgewandert. Von ihnen kamen aus Holland 112, aus Frankreich 74, aus der Tschechoslovakei 33, aus Italien 27, aus Oesterreich 26, aus Belgien 17, aus Polen 14, aus Jugoslavien 8, aus Litauen 6 und aus anderen Ländern 18. England. Der Tel Awiwer Haien vor dem Unterhause. London, 15. Dez. Im Unterhaus fragte am 15. Dezember der Abgeordnete Mander den Kolonienminister, ob Schritte geplant seien, um die Stadt Tel Awiw in Palästina mit einem Hafen auszustatten. Minister Ormsby:Gore antwortete, die Frage eines Hafenanschlusses für Jaffa und Tel Awiw wird von der Reegirung Sr. Majestät, dli den High Comni'ssioner für Palästina hierbei zu Rate zieht, erwogen; er sei jedoch zurzeit nicht in der Lage, Einzelheiten bekannt zu geben. Eine weitere Frage des Abgeordneten Mander bezog sich auf die Veröffentlichung von Prozeßberichten in Palästina während der letzten zehn Jahre. Der Abgeordnete fragte, ob der neue Oberste Richter beabsichtige, diese Berichts in Zukunft mit Rücksicht auf die von der palästinensischen Anwaltschaft jetzt empfundenen Schwierigkeiten regesmäßiger zu veröffentlichen. Der Kolonienminister wies in schriftlicher Bsantwortung dieser Frage darauf hin, daß der Oberste Richter für Palästina einen Band Prozeßberichte für die Zeit von 1920 bis einschl. 1933 zusammengestellt habe. Dieser Band wurde 1934 veröffentlicht. Ein weiterer Band für die Jahre 1934/35 sei in Vorberei^ tung. Die Palästinaregierung würdige durchaus die Bedeutung solcher Prozeßberichte und werde zweifellos im Einvernehmen mit dem neuen Obersten Richter Vorkehrungen für die Veröffentlichung weiterer Bände treffen. Die Zusammenstellung von Prozeßberichten gehöre jedoch nicht zu den Pflichten des Obersten Richters. istina. Allerlei aus Palästina. Keine Hilfspolizisten mehr. — Verschärfter Grenzschutz. — Witterungsschäden, — Bürgermeisterkonflikt, — Kleine Ueberfälle. — Eine Teilung Jerusalems? Jerusalem, 28. Dez. Im neuen Jahre wird kein einziger Hilfspolizist mehr in Palästina sein, da die Behörden der Meinung" sind, daß die reguläre Polizei nun vollkommen ausreiche. * Nach Berichten der jüdischen Zeitungen wurde die Kontrolle an der transjordanischen Grenze wesentlieh verschärft, da man eine Einwanderung aus Transjordanien und Hauraniern unter allen Umständen vermeiden will. Durch anhaltende Stürme sind in den Orangenpflanzungen bedeutende Schäden angerichtet worden. In der Siedlung Petach Tikwah allein soll der Verlust 100.000 Kisten betragen. — Erfreulich ist die Mitteilung, daß das polnische Handelsministe- Beriin. Der Reichs verband der Jüdischen Kulturbünde in Deutschland hat an Arturo T o s c a n i n i und das Huberman Orchester anläßlich des Eröffnungskonzertes in Tel Awiw ein Glückwunschtelegramm gerichtet. — Im Alier von 78 Jahren ist die Vorsitzende des Frauenvereins der Berliner Bne Briss, Minna Schwarz, gestorben. Seit 1899 stand sie an der Spitze des Vereins und hat sich auf verschiedenen sozialen Gebieten mit Erfolg betätigt. Wien. Das Professorenkollegium der Akademie der bildenden Künste hat den Präsidenten des Vereins der Museumsfreunde, Dr. Felix Freiherr von Oppenheimer, einstimmig zum Ehrenmitglied der Akademie gewählt. Budapest, Im Budapester Sender wird am 8. Januar zum ersten Male ein Rundfunkvortrag über Palästina unter dem Titel „Palästinensischer Rundblick" gehalten werden. Der Vortragende ist Rabbiner Dr. Raphael P a t a i. Prag. Die Stadtgemeinde Aussig hat eine Schlachthofordnung erlassen, die u. a. die Bestimmung enthält, daß die Tiere betäubt v/erden müssen, bevor sie getötet werden. Auf Einspruch des Obersten Rates der Jüdischen Kultusgemeindeverbände wurde die Bestimmung mit der Begründung aufgehoben, daß sie zu § 122 der Verfassungsurkunde im Widerspruch stehe. Bukarest. Die Bukarester Tageszeitung „Curentul" berichtet, daß sich 200 jüdische Persönlichkeiten, Finanzleute, Industrielle .und Akademiker, an das Oberhaupt der orthodoxen Kirche in Rumänien, den Patriarchen Miron Cristea, mit der Bitte um Aufnahme in die griechisch=katholische Kirche gewandt hätten. Kopenhagen, Eine jüdische Gesellschaft, zu deren Leitern auch der Inhaber der bekannten französischen Getreidefirma S. Oppenheim gehört, hat in Jütland ein großes Gut erworben, das als Lehrfarm für Chaluzim aus Deutschland eingerichtet werden soll. London. In London fand die Aufführung des „Knaben David" mit Elisabeth Bergner in der Titelrolle statt, die einen Reingewinn von 6000 Pfund zugunsten des „Women's Appeal Committee for German Jewish Women and Children" brachte. Seit ihrem Bestehen hat die Organisation 65.000 Pfund aufgebracht, von denen 29.000 Pfund für die Ueberführung jüdischer Jugendlicher aus Deutschland nach Palästina und für d:e Hilfe für Auswandererkinder verausgabt worden sind. London. Wie der ITA. mitgeteilt wird, besteht nicht die Absicht, den Oberkommandierenden der Britischen Streite kräfte in Palästina, General Dill, von seinem gegenwärtigen Posten abzuberufen. Eine gegenteilige Mitteilung des „Daily Talegraph" entbehrt jeder Begründung. — In Shanghai starb nach kurzer Krankheit N. E. B. Ezra, der als Vorkämpfer d-2S Judentums im fernen Osten .bekannt war. Er erreichte ein Alter von nur 56 Jahren. Jerusalem. Amtlich wird bekannt gegeben, daß im November 1936 938 Juden nach Palästina eingewandert sind, darunter 138 Angehörige der Kapitalistenkategorie. Im Vergleich mit der Einwanderung der letzten Jahre ist damit ein Tiefpunkt erreicht wor-- den. Im November 1935 war die Einwände5 rerzahl um 3562 höher. — Im Jahre 1937 sollen, wie amtlich bekannt gegeben wird, nur dreißig Aerzte in Palästina neu zur Praxis zugelassen werden. Washington, Die in Washington tagende Konferenz der Jung- Hadassa hat beschlossen, für verschiedene Palästinazwecke 75.500 Dollar aufzubringen und die Arbeit des Palästinaaufbaus energisch zu fördern.. rium die Bewilligung zur Einfuhr von Zitrusfrüchten aus Palästina gegeben hat, unter der Voraussetzung, daß die Bezahlung auf ein Sperrkonto der „Kompensationsgesellschaft zum Ausgleich bei der Verrechnung von Ausfuhrgeschäften" erfolgt. Der Konflikt zwischen dem Jerusalemer Bürgermeister Dr. Khaldi und dem jüdischen Vizebürgermeister Daniel Auster ist noch nicht beigelegt, und die Tatsache, daß der High Commissioner die Befugnisse Austers einschränkt, wird gewiß zur friedlichen Lösung der Angelegenheit nicht beitragen. Kleine Ueberfälle und Gewalttaten finden immer noch statt. So wurden am Mittwoch auf der Straße Tiberias-Nazareth zwei jüdische Lastwagen ausgeplündert. Durch Revolverschüsse arabischer Banditen wurde der Vorsitzende des arabischen Arbeiterverbandes, Michel Mitr, verwundet. In Sa f e d ist der alte jüdische Friedhof von Arabern geschändet worden, wobei mehrere Grabsteine zertrümmert wurden. Ein junger Beamter der Jerusalemer Stadtverwaltimg, der ein Mitglied der bekannten Familie Husssini und ein Schwager des Großmufti von Jerusalem ist, zeigte Donnerstag Abend der Jerusalemer Polizei an, er habe, als er in seinem Auto von Jericho nach Jerusalem fuhr, auf der Straße eine schwerverletzte Jüdin gefunden, die das Opfer von Banditen geworden sei. Die Banditen hätten die die Straße passierenden Autos angehalten und ausgeraubt. Die Polizeipalrouillen, die auf den Schauplatz des angeblichen Ueberfalls entsandt wurden, fanden allerdings keine Spur einer Bande vor, wohl aber das verletzte Mädchen, das nach Jerusalem gebracht wurde. Bei der Vernehmung der Verletzten stellte es sich heraus, daß es sich um eine sephardische Jüdin namens Rina S h w i k i aus Syrien handele. Das junge Mädchen wurde ins Krankenhaus gebracht, wo es am 26. Dezember seinen Verletzungen erlag. Der Täter, der selbst jene Anzeige erstattet hatte, wurde verhaftet. Am 24. Dezember haben bewaffnete Araber bei Ras el Ain ein Lager von Eisenbahnarbeitern überfallen. Sie gaben zahlreiche Schüsse auf das Lager ab, verwundeten zwei Eisenbahner und raubten das Lager vollkommen aus. Am Sonnabend ist es in Jerusalem und Jaffa abermals zu Zusammenstößen zwischen Christen und Mohammedanern gekommen. In Jaffa wurden mehrere Christen verwundet. Während in Jaffa Aufrufe gegen die christlichen Araber verbreitet wurden, hat die Vereinigung der arabischen Arbeiter in Haifa einen Aufruf gegen die destruktive Tätigkeit der Extremisten erlassen und alle Teile der Bevölkerung Palästinas aufgefordert, den Frieden zu wahren. Der in erster Instanz am 21. Oktober unter der Beschuldigung, in der Tel Awiwer Vorstadt Halikwa den 55jährigen Selig Lewinsohn und den 36jährigen Schlomo Morrisson ermordet zu haben, zum Tode verurteilte Araber ist vom Berufungsgericht in Jerusalem freigesprochen worden. Bei einer Unterredung mit dem Distriktskommissar von Jerusalem hat sich Bürgermeister Dr. Khaldi bereit erklärt, einer etwaigen Teilung Jerusalems :n zwei getrennte Verwaltungsbezirke nach dem Vorbild der Trennung von Jaffa und Tel Awiw zuznstimmen. Der Bürgermeister ersuchte den Distriktskommissar, dem High Commissioner einen entsprechender. Vorschlag zu unterbreiten. Diese Stellungnahme des Bürgermeisters wird darauf zurückgeführt, daß die Unmöglichkeit, auf die Dauer die Beherrschung der Stadtverwaltung durch die Araber aufrecht zu erhalten, allmählich auch in arabischen Kreisen eingesehen wird. Es ist jedoch kaum anzunehmen, daß die Regierung es zu einer Teilung Jerusalems in eint-n arabischen und einen jüdischen Rayon kommen lassen wird. Amtlich wird bekanntgegeben, daß die Einnahmen der Stadt Jerusalem aus Steuern im Finanzjahr 1935 36 77.C43 Pfd., die sonstigen Einnahmen 26.962 Pfd. betragen haben. Die Regierung hat zu dem Etat einen Zuschuß von 42.430 Pfd. geleistet. Den Gesamteinnahmen von 142.436 Pfd. standen Ausgaben in Höhe von 109.372 Pfd. gegenüber. m^utmtmMiiimmiMtti itBBHMmaaakBwwiiBffli