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Der Israelit · 1936-12-31 · Heft 52 (31.12.1936) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 52 (31.12.1936)
Date
1936-12-31
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 Nr. 52 Der lsra. elit 31. ..Dezember 1936 und für die Zwecke der Eisenbahn nicht benötigt wurde, den beiden Gemeinden käuflich überließ. Dieselben wurden mit drei bezw. zwei Teilen gemeinsame Eigentümer dieses Dreiecks, und fortan wurden bei allen weiteren Ausgrabungen die gefundenen niD^y nicht mehr in Bocklemünd, sondern auf diesem neuerworbenen Teile des alten Kölner jüdischen Friedhofs am Bonntor beigesetzt. Im Verlaufe von etwa einem halben Jahre hatte man so die Gebeine von 1512' frnti' die fast alle infolge des trockenen Bodens gut erhalten waren, bereits umgebettet, als plötzlich die Bahnverwaltung von ihrem ursprünglichen Vorhaben, den Güterbahnhof zu erweitern, zurücktrat, und mithin auch die Baggerarbeiten vollständig eingestellt wurden. Da auch die Gemeinden keine weiteren Gelder für die Ausgrabungen aufbringen konnten, außerdem das der Eisenbahn gehörende Gelände vorläufig brach liegen blieb, hörte man auch mit den Exhumierungen auf. Das käuflich erworbene Dreieck wurde mit einem Holzzaun umgeben, der aber weder der Witterung noch den Holz^elüsten der ärmeren Bevölkerung lange stand hielt, und da der ganze Komplex sehr weit außerhalb der Stadt liegt, wurde er nicht nur im Winter von gewissen Elementen begehrt, sondern auch im Sommer fand er Gunst in den Augen einiger Nachbarn, die auf diesem unbewachten Gelände ihre Kühe weiden ließen. Eine Aenderung in diesem desolaten Zustand trat erst ein, als die Stadt vor 10 Jahren zur Verbreiterung der angrenzenden Straße schritt. Zu diesem Zwecke sollte von dem erworbenen Grundstück ein 5 Meter breiter Streifen an die Straße abgetreten werden. An sich hätte dem nichts entgegengestanden, wäre nicht gerade auf diesem Streifen fünf Jahre vorher ein Teil jener ausgegrabenen masy beigesetzt worden. Trotz aller Einwände beharrte die Stadt auf ihrem Standpunkte, und so mußte man schweren Herzens dieselben Gebeine zum zweiten Male exhumieren. Unter Leitung von Rabbiner Dr. Dünner, der auch bei den ersten Ausgrabungen die Angelegenheit in Händen hatte und daher mit den Verhältnissen daselbst vertraut war, wurden diese Wiederausgrabungen vorgenommen und die Gebeine jetzt in einem Massengrabe beigesetzt. Gleichzeitig aber wurde das Gelände mit einer 200 Meter langen und 2 Meter hohen Mauer umgeben, um es weiterhin vor dem Eindringen fremder Elemente einigermaßen zu schützen. Die bei den ersten Ausgrabungen gefundenen Grabsteinstücke, deren ältestes auf das Jahr 4936 (1176 d. g. Z.) hinwies, wurden mit anderen alten Grabsteinen aus jener Zeit, die im Besitze der Großgemeinde waren, innerhalb dieser neuen Umfassungsmauer befestigt und auf dem Grundstück eine kleine Halle errichtet, in der alljährlich am 2tfn "0 bezw. am ersten Tag mrpVo von den D^-np-Vereinen Gebete gesprochen wurden. Hatte man nun geglaubt, daß durch diese neue Einrichtung den alten Toten Kölns endlich eine dauernde Ruhe gesichert seh so sah man sich neuerdings in dieser Erwartung getäuscht, da dem ,,Begräbnisplatz der Juden zu Köln von der Römerzeit ibis zum 16. Jahrhundert" (so stand über seiner Eingangspforte zu lesen) nochmals ein anderes Schicksal beschieden war. Vor kurzem wurde nämlich beiden Gemeinden von der Stadtverwaltung, die inzwischen Besitzerin des diesbezüglichen Eisenbahngeländes geworden war, die Mitteilung, daß sie auf diesem Komplexe eine große Markthalle zu bauen beabsichtige und dazu auch das der Kölner Judenheit gehörende Dreieck benötige. Um einer eventuellen Enteignung, die evtl. in Aussicht gestellt war, vorzubeugen, beschlossen beide Gemeinden mit Zustimmung der Rabbinate auf einen freiwilligen Verzicht einzugehen. Unter abermaliger Leitung von Dr. Dünner wurden die vor 15 Jahren bezw. 10 Jahren exhumierten maxy nunmehr zum dritten Male ausgegraben und samt der ihnen damals beigegebenen Erde in ein neues Massengrab in Bocklemünd überführt, Auch der: übrige Teil des Geländes wurde in mehrwöchiger Arbeit auf mQXtf, untersucht, größtenteils umgegraben und alle gefundenen Knochenreste us.w. im neuen Massengrabe beigesetzt. Ebenso wurden die am Bonntor-Friedhof eingemauerten alten Grabstejn- Stücke vorsichtig wiederentfernt und mit d*sn neuerdings gefundenen nach Bocklemünd gebracht. Als Entschädigung für das abgetretene Grundstück erhielten beide Gemeinden von der Stadtverwaltung, vorbehaltlich der Genehmigung durch den Oberbürgermeister, entsprechende Geländestreifen angrenzend an ihre jetzigen Friedhöfe und zur Vergrößerung derselben; außerdem übernahm die Stadt die gesamten Kosten für die notwendig gewordene abermalige Gesamtexdiumierung, sowie für die damit verbundenen Ueberführungen und sonstigen Arbeiten. Diese Kosten, die von der Großgemeinde verauslagt worden sind, sollen ihr in Form eines weiteren Geländestreifens am Friedhof Bocklemünd erstattet werden. So ist denn nun zu hoffen, daß mit di .;r vierten Beisetzung unserer Vorfahren aus den ältesten Jahrhunderten des mittelalterlichen Kölns, die zu tausenden einst am „toten Juden" ihre Ruhestätte fanden und unter denen sich Koryphäen der jüdischen Wissenschaft, die i-ö5n X'nblp sowie die Familien der Toßafisten und Ascheriden, ja manche Märtyrer aus der Zeit der Kreuzzüge, deren Gebeine noch heute deutliche Spuren furchtbarer Qualen aufweisen, befanden, nunmehr ihre dauernde Ruhe erhalten haben. ]«K Ufcia DiriöS TV>WK>n XYV "TS? Delde. K*2£9m&zm iP Aft ^^SSV:;... Korrespondenzen. Deutsches Reick. Ueber 2600 Auswanderer in einem Halbjahr vom Hilfsverein unterstützt. Berlin, 24. Dez. Der Hilfsverein der Juden in Deutschland gibt bekannt: Die Gesamtzahl der vom Hilfsverein in der Zeit i'om 1. April bis zum 30. September 1936 unterstützten Auswanderer betrug 2612 Personen. Hiervon entfallen auf die Ueberseewanderung 2234, auf Europa 378 Personen. In den einzelnen Mnoaten entwickelte sich die vom Hilfsverein unterstützte Auswanderung folgendermaßen: Uebersee: April 274 Pers.; Europa: 74 Pers.; Mai 341 Pers.; 54 Pers. Juni 357 Pers.; 67 Pers.; Juli 446 Pers.; 71 Pers.; Aug. 380 Pers.; 44 Pers.; Sept. 436 Pers.; 68 Pers. Zum Verständnis 'der vorstehenden Zahlen muß ausdrücklich betont werden, daß sie sich nur auf die vom Hilfsverein finanziell unterstützte Auswanderung (nach allen Ländern außer Palästina) beziehen. Ueber den Umafng der freien Auswanderung sind exakte Unterlagen nicht vorhanden, sondern nur Schätzungen möglich. Die Förderung des jüdischen Sportes. Berlin, 21. Dez. Die Presseabteilung der Reichsvertretung der Juden in Deutschland teilt mit; Zwischen der Reichsvertretung und dem Reichsausschuß jüdischer Sportverbände ist eine Vereinbar rung folgenden Inhalts getroffen worden: Zwischen beiden Institutionen wird eine engere Verbindung geschaffen. Die Reichsvertretung entsendet zwei Vertreter in den Reichsausschuß jüdischer Sportverbände. Die bisherige Geschäftsführung des J ReichsauSSChUSSßs bleibt umiex'änderl. Die: Reiciisvertretung hat ihrerseits, zur Förderung der sportlichen Betätigung eine namhafte Summe in ihren. Etat aufgenommen. Damit ist. erfreulicherweise durch die Zusammenarbeit dieser beiden: Einrichtungen: eine weitere Förderung des jüdischen Sports gewährleistet. Keine Berufsschulpflicht für Absolventen, der Handelsschule der Berliner Jüdischen Gemeinde^ Berlin, 28. Dez. Durch Erlaß des Staatskommissars der Hauptstadt : Berlin vom 14. Dezsmber 1936 ist der Handelsschule der Jüdischen Gemeinde zu Berlin für ihren vier Halbjahre umfassenden Handelsschufiehrgttng das Recht zur Erteilung eines Abschlußzeugnisses verliehen worden. Auf Grund dieses Zeugnisses werden die Absolventen von der Berufsschulpflicht befreit. Don: Absolventen der Höheren Handelsschule der Gemeinde war die. Befreiung schon früher verliehen. Für die Schüler beider Lehrgänge ruht die Berufsschulpflicht außerdem für die Zeit des Schulbesuches. Die- Absolventen der Handelsschule sind damit den Ab~ solventen einer öffentlichen Handelsschule gleichge* stellt. Der Etat der Hamburger Jüdischen Gemsinde. H a rn b u r g , 23. Dez. Das Repräsentantenkollegium der Deutsch-Israelitischen Gemeinde hat in seiner Sitzung am 21. Dezember den Etat für 1937 verabschiedet. Der Etat weist in der Endsumme die bisher noch nie erreichte Höhe von 1,258.900 RM. auf. Die Steuereinnahmen sind dabei mit 844.500 RM. veranschlagt. Zu den Hauptposten der Ausgabenseite gehören Schulwesen (236,250 R'M'J und Kultus (117.700 RM.). Hierbei ist zu bemerken, daß das Kultuswesen in Hambürg von eigenen Kultusverbänden verwaltet wird und der in den Etat eingestellte Betrag nur einen Zuschuß bildet. Die drei größten Kultusverbände weisen; daneben noch folgende Etats aus: Deutsch=Israeliüscher Synagogenverband 95.800 RM., Israelitischer Tempelverband 82.090 RM., Neue Dammtor-Synagoge 31.505 RM. Der Vorstand teilte mit, daß in allernächster Zeit die Auflassung der alten Begräbnisstätte am Grindel erfolgen müsse. Die Kosten für die Ueberführungen auf einen anderen Friedhof stehen noch nicht fest. Der Vorstand wurde ermächtigt, im Bedarfsfall die notwendigen Aufwendungen vorbehaltlich späterer Gesamtgenehmigung zu machen. Es wurde eine neue Gemeindesteuerordnung angenommen, die einige grundlegende Aenderungen bei der Bsteuerung von Mitgliedern, die ins Ausland verziehen, und bei Mischehen vorsieht. Wer seinen Wohnsitz ins Ausland verlegt, hat die Gemeindesteuer noch bis Ende des Jahres zu entrichten. Für Mischehen bestand bisher eine Vereinbarung mit der Kirchensteuerverwaltung, wonach für die Steuerzahlung der männliche Teil maßgebend sein soll. Da die Fortsetzung eines Vertragsverhältnisses zwischen Jüdischer Gemeinde und Kirchensteuerverwaltung nicht möglich ist, werden die Steuern in Zukunft von jedem Ehepartner gesondert in gleicher Höhe erhoben, was für die Gemeinde einen gewissen Ausfall bedeutet. Der Vorstandskommissar machte die bemerkenswerte Mitteilung, daß schon 1726 bei der Israelitischen Gemeinde in Hamburg eine „Gemeindefluchtsteuer" bestand, die man jetzt leider nicht erneuern könne. Der Steuersatz wurde wie im Vorjahre mit 23 Proz. der Reichseinkommensteuer und 35 Proz. der Reichovermögenssteuer festgesetzt. Für das Jahr 1936 wurde ein Nachtragsetat von 80.423,50 RM. angenommen, der durch erhöhte Ausgaben für das Fürsorgewesen, Auswanderung, Reichsvertretung, Schulwesen, Ko- S'cherfleisch=Zuschüsse usw. bedingt ist. Oesterreich. Völkerbunds-Oberkommissar NeÜl Malcolm in Wien. Wien, 10. Dez. Der Völkerbundsoberkommissar für Auswandererfürsorge, Sir Neill Malcolm, ist in Begleitung seines Sekretärs, Viscount Duncannon, in Wien eingetroffen. Der Oberkommissar empfing eine Abordnung, unter Führung des Präsidenten der Wiener Israeliti-

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