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Der Israelit · 1936-12-31 · Heft 52 (31.12.1936) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 52 (31.12.1936)
Date
1936-12-31
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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31. Dezember 1936 Der Israelit Nr. 52 Seite 7 zu berichten, welche in das Aufgabengebiet der Königlichen Palästinakommission fallen. Ich beginne mit der Frage der Art und Weise, wie das Palästinamandat in Bezug auf die Verpflichtungen des Mandats gegenüber Arabern bezw. Juden erfüllt wird. In diesem Zusammenhang möchte ich sagen, daß Agudat Israel in Palästina ihr Programm auf die Thora aufgebaut hat, die ihrerseits nach der Verfassung unserer Organisation die öffentlichen und nationalen Angelegenheiten unseres Volkes bestimmend zu leiten hat. Agudat Israel betrachtet die Thora als Grundlage der nationalen Existenz unseres Volkes und kann sich keinen Erfolg in dem Werke des Aufbaus des Landes vorstellen ohne Garantien, daß die Thora im Leben des Landes herrschen wird, im Leben des Einzelnen wie im Leben der Gemeinschaft. Das ist der Grund, weshalb der orthodoxe Jischuw in Palästina nicht die weltliche Politik des Zionismus anerkennen kann, der das Sehnen nach Heimkehr nach Zion und den A.ufbau des Landes auf eine national weltliche Gründung stellt und die Religion dem Belieben jedes einzelnen überlassen hat. Aus diesen Gründen ist Agudat Israel außerhalb der zionistischen Organisation und außerhalb der Agency, welche diese weltliche Politik des Zionismus in Palästina verwirklicht. Gleichzeitig wünschen wir aber, in aller Ausdrücke lichkeit vor der Königlichen Kommission zu erklären, daß diese Meinungsdifferenz, welche zu ihrem eigenen Bedauern von der orthodoxen Judenheit empfunden wird, in keiner Weise die Verbundenheit der Agudat Israel gerade mit der Idee der Rückkehr nach Zion und des Aufbaus von Palästina beeinträchtigt. Alle Teile des Volkes ohne Unterschied der Richtungen und Parteien sind einmütig in der Anteilnahme am unglücklichen Schicksal des jüdischen Volkes in der Diaspora, und nur die Anhänglichkeit an die Thora, verbunden mit der Hoffnung, daß das Leben in der Diaspora nur ein Weg ist zur Vorbereitung für die Rüchhehr nach Zion, gab und gibt bis zum heutigen Tage dem jüdischen Volk die Kraft und Widerstandsfähigkeit, unerschrocken die große Last des Galuthlebens zu tragen und seine eigene Volksexistenz fortzusetzen, ohne zu verzweifeln oder sich zu assimilieren. Die Hoffnung, Palästina als einen Zufluchtsort für alle vertriebenen Söhne Israels wieder aufgebaut zu sehen, ist allgemein und ungeteilt im ganzen jüdischen Volk; aber die Sehnsucht der Agudat Israel ist auch aufs. Innigste mit .dem Ziel verknüpft, daß das Land ein Heiliges Land werde und auch das Leben in diesem Lande mit dem Geiste der Thora und ihrer Autorität erfüllt sei. Dje Prophezeiungen der jüdischen Propheten, welche uns in der Heiligen Schrift erhalten sind, und die auch täglich in den jüdischen Gebeten erlebt werden, sind nicht begrenzt durch die Bestimmungen des Mandats, und es ist unser Glaube, daß sie durch eine Wundertat G'ttes ihre Erfüllung finden werden, wenn es die Vorsehung für gut befindet, den 'nt.ernationalen Auseinandersetzungen ein Ende zu machen, indem jede Nation ihren Platz in ihrem eigenen Lande findet und kein Volk gegen das andere mehr das Schwert zu erheben braucht. Aber in dem jetzigen Augenblick und unter den gegenwärtigen Umständen bekennt sich auch die orthodoxe Gemeinschaft zur Balfour-Deklaration, so wie sie im Mandat interpretiert und begrenzt ist, und sie betrachtet die königliche Regierung als die von der Vorsehung bestimmte Treuhänderin mit der Aufgelb?, ein geschichtliches Unrecht wieder gut zu machen und dem wandernden jüdischen Volk die Rückkehr in sein Land zu ermöglichen, wo es sich ein wahres und gesichertes Heim errichten und seiner heiligen Aufgabe leben könne. Daher ist Agudat Israel der königlichen Regierung dankbar, daß sie es unternommen hat, die ihr von der Vorsehung zugewiesene Aufgabe zu lösen. Während sie einerseits erwartet, daß die Zusagen des Mandates voll erfüllt werden, erklärt sie. daß sie nicht den Wunsch hat, über die anderen Einwohner Palästinas zu herrschen oder ihre Rechte zu schmälern oder ihnen irgend ein Leid zuzufügen. Derartige Bestrebungen würden auch im Genensatz zu den For= •derungen der Religion stehen, Agudat Israel ist jedoch überzeugt, daß ein Weg für die gegenseitige Verständigung zwischen Arabern und Juden gefunden werden kann und gefunden werden wird, wenn man unbegründete Befürchtungen beseitigen und statt dessen zu gemeinsamer positiver Arbeit zum Wohle der ganzen Bevölkerung des Landes anregen werde. Gleichzeitig; bittet Agudat Israel die Mandatarmacht dringend, dafür zu sorgen, daß die dem jüdischen Volk zugesagten Rechte ohne jede Kürzung und Beschränkung verwirklicht werden. Ziffern und Daten über die Einwanderung und Siedlung sind der Königlichen Kommission durch die Jewish Agency überreicht worden. Unsere einzige Bemerkung hierzu ist noch, daß die Mandatsbegriffe der jüdischen Einwanderung nach Palästina nicht aus Doli tischen Gründen eingeschränkt werden. Einschrän» kungen, welche in der Vergangenheit Platz gegriffen haben, wie im Jahre 1921, .1929 und auch jetzt wieder, waren Maßnahmen, die nicht .im Einklang mit dem Mandat standen. Agudat Israel bittet um weit* herzige Erlaubnis der Einwanderung, welche lediglich durch die Aufnahmefähigkeit des Landes reguliert wird, und zwar unter großzügiger Beurteilung dieser Aufnahmefähigkeit, und sie bittet um volle Verwirklichung des Mandats, welches eine geschlossene Siedlung von Juden auf dem Lande vorsieht und auch die Ueberlassung von Sfaatsländereien für diesen Zweck ins Auge faßt. Wir verkennen die Schwierigkeiten nicht, welche der Mandatsmacht entstehen, wenn sie das Mandat gerecht in allen seinen Teilen ausüben will. Diese Schwierigkeiten mögen noch für eine Reihe von Jahren bestehen bleiben, bis die Araber ihren extremen Wunsch, das Mandat und die daraus sich ergebenden internationalen Verpflichtungen zurückzuziehen, ungerecht und undurchführbar erkennen und selber die Notwendigkeit einsehen, Wege zur gegenseitigen Verständigung mit der jüdischen Bevölkerung Palästinas zu suchen, um gemeinsam für den Aufbau des Landes zu arbeiten. Bis diese Zeit kommt, muß die Mandatarmacht die nötigen Anstrengungen machen, es ist aber klar, daß die Regierung Seiner Majestät keinen anderen Weg einschlagen kann, als den der Wahrheit und Gerechtigkeit, den Weg, der ihr durch die heilige Verpflichtung auferlegt ist, all das zu gewähren, was die Mandatarmacht unter dem Mandat zu gewähren übernommen hat. Und wir sind sicher, daß es der Mandatarmacht völlig fern liegt, die Hoifmingen eines Volkes zu enttäuschen, das sein Schicksal an das Vertrauen zu Sr. Majestät Regierung und zum Völkerbund geknüpft hat. Wir halten dieses Volk für berechtigt, an Sr. Majestät Regierung, die wegen ihrer Gerechtigkeit und fairness berühmt ist, die Bitte zu richten, sie möge als Sendbote der Vorsehung :n Treue fest zu ihrer Zusage und zu ihrem Beschlüsse stehen. Dr. Isaac Breuer: Die Rede Dr. Isaac Breuers hatte folgenden Wortlaut: Als Vertreter der obersten Exekutive der Weltorganisation Agudas Jisroel im Heiligen Lande sowie als Mitglied der hiesigen Agudazsntrale gestatte ich mir, den in unserer Denkschrift ausgesprochenen spezifisch agudistischen Wünschen, soweit sie namentlieh die Gemeindefrage und die Frage der Erziehung betreffen, einige erläuternde Worte vorauszuschicken. In der Frage der jüdischen Alijah und in der Frage des jüdischen Bodenerwerbs steht Agudas Jisroel grundsätzlich durchaus auf dem gleichen Standpunkt, •den die Vertreter des Jewish Agency hier vorgetragen haben. Gerade im Osten Europas, vor allem in Polen, befinden sich die religiösen Massen des jüdischen Volkes, die vorwiegend von der agudistischen Organisation vertreten werden, und ihre wirtschaftliche und seelische Situation ist dermaßen katastrophal, daß jede Einschränkung von Alijäh und Bodenerwerb in ihnen die höchste Verzweiflung auslösen würde. Zur selben Zeit, da der Lebensraum des jüdischen Volkes auf der Erde immer enger wird, hat die Vorsehung uns die Balfourdeklaration und das Mandat gesandt. Wie könnten wir unter solchen Umständen freiwillig auf irgend ein uns im Mandat gewährtes Recht verzichten? Die Frage liegt nahe, warum die Aguda in einem Augenblick, da das jüdische Volk in Erez Jisrael in einem schweren Existenzkampf mit dem arabischen Volk steht, und da die Königliche Kommission doch gerade wegen dieses Kampfes im Lande erschienen ist, ihre besonderen Anliegen, die nicht das Verhältnis zum arabischen Volk betreffen, nicht lieber zu- Als vor 15 Jahren die Reichseisenbahngcsellschaft zur Erweiterung des am B o n n t o r zu Köln .gelegenen Güterbahnhofs das danebenliegende Gelände, das sie in den vorhergehenden Jahren von einzelnen Grundbesitzern käuflich erworben hatte, mit der Baggermaschine abzutragen begann, wurden bei dieser Gelegenheit eine ganze Reihe von Menschengebeinen zutaga gefördert, Der zufällig vorübergehende Hermann Wolf, Mitglied der Kölner jüdischen Vorortsgemeinde Ehrenfeld, berichtete von seinen Wahrnehmungen seinem damaligen Rabbiner, Herrn Prof. Dr. Scheftelowiiz *™?"i> und da dieser vermutete, daß jene Gebeine in irgend einer Verbindung ständen mit der im Volksmunde seit Jahrhunderten üblichen Benennung jener Gegend als „zum toten Juden", unterbreitete er die Angelegenheit dem Kölner Ra-bbinate. Nach Durchsicht der ältesten städtischen Grundakten wurde festgestellt, daß es sich bei dem genannten Gelände ohne Zweifel um den alten jüdischen Kölner Friedhof handle, der wohl, wie der Historikus der Kölner Gemeinde, Herr Rabbiner Dr. Kober, in einer Denkschrift darzutun versuchte, rückstellt und stattdessen die Aufmerksamkeit der Königlichen Kommission auch auf die Tatsache lenkt, daß die Thora, diese Seele des jüdischen Volkes unter der Herrschaft des Mandats bisher leider nicht die Berücksichtigung gefunden hat, auf die sie nach der ganzen Geschichte des jüdischen Volkes und auch nach Buchstaben und Geist des Mandats unserer be* scheidenen Meinung nach unbedingt Anspruch hat. Auf diese Frage gibt es nur eine einzige Antwort: die Zukunft des jüdischen Nationalheims hängt nach unserer festen Ueberzeugung nicht nur von Alijah und Bodenerwerb, sondern in erster Reihe von der Stellung der Thora innerhalb des Nationalheims ab. Die Geschichte des jüdischen Volkes und erst recht die jetzt beginnende Geschichte des jüdischen Nationalheims ist nicht nur eine Angelegenheit der Physik, sondern in erster Reihe eine Angelegenheit der Metaphysik. Findet G'tt nicht sein Wohlgefallen an uns und leiht uns G'tt nicht seinen besonderen Beistand, so sind wir im neuen Nationalheim genau, so verloren, wie wir es einst vor zweitausend Jahren in unserem Staate waren. Unsere Forderung also, daß es im jüdischen Nationalheim staatlich anerkannte und vom otaat mit allen Rechten versehene jüdische Gemeinden geben müsse, denen die Thora nicht nur ein religiöses Beiwerk ist, die \ielmehr wahre und echte Gemeinden der Thora sind, die sich ohne Einschränkung zur Thora bekennen und sich ohne Einschränkung der Herrschaft der Thora unterwerfen; unsere Forderung, daß im jüdischen Nationalheim der Chinnucli der Thora, wie ihn das jüdische Volk Jahrtausende lang geübt, vom Staat nicht diskriminiert und vom Staat nicht ohne hinreichende Unterstützung gelassen werden dürfe. Diese Forderungen sind nicht nur etwa eine Innenangelegenheit der Juden unter sich, sie berühren vielmehr unmittelbar die ganze Existenz des Nationalheims, und auch unsere zionistischen Brüder werden es uns einst danken, daß wir diese Forderung nicht nur zu unseren Gunsten, nicht nur als Parteisache, sondern zugunsten des ganzen jüdischen Volkes und zur Rettuno seiner ganzen Zukunft erhoben haben. Ein Nationalheim kann nicht nur mit Bodenerv/erb und Bodenbearbeitung und erst recht nicht nur mit Handel und Industrie errichtet werden. Ein Nationalheim ohne nationale Kultur ist sinnlos. Es ist aber eine geschichtlich nachweisbare Tatsache, daß das jüdische Volk in seinem Gemeinschaftsleben und seinem Erziehungswesen eine andere Kultur als die Kultur auf ßa-sis der Thora, die ihm G'tt gaechenkt haf, nicht erzeugte. Ohne Gemeinden der Thora und ohne Erziehung der Thora kann das Nationalheim keinen Bestand haben. Vor G'tt und vor der jüdischen Geschichte fühlt sich daher Agudas Jisroel gerade in dieser schick3 salsschweren Stunde verpflichtet, vor der Königlichen Kommission, gestützt auf das Mandat, die Forderung nach Gemeinden der Thora und nach Chinnuch der Thora zu erheben. Diesen Reden schloß sich dann die Vernehmung im einzelnen an, über die wir bereits kurz berichtet haben. So weit läßt sich jetzt sehen aus der palästinensischen Tagespresse entnehmen, daß die Aussagen der Agudavertreter das freundlichste Echo in der öffentlichen Meinung Erez Israels gefunden haben. überhaupt der älteste jüdische Begräbnisplatz Deutschlands sein dürfte, da ja in Köln nachweislich bereits seit dem Jahre 300 d. g. Z. eine jüdische Gemeinde ihren Sitz hatte. Die Rabbinate und Vorstände der beiden hiesigen Synagcgengemeinden traten nun in Verhandlungen mit der Eisenbahnverwaltung und erhielten zunächst die Erlaubnis, das noch nicht ausgebaggerte große Terrain auf Gräber zu untersuchen und die Gebeine zu exhumieren. So wurden in den ersten Wochen ca. 300 Skelette in mühsamer Arbeit und unter Aufwand gewaltiger Kosten geborgen und auf dem im Vorort Bocklemünd gelegenen Friedhof der Großgemeinde den rituellen Vorschriften entsprechend unte- Beteiligung der Rabbinate und Mitglieder beider Gemeinden beigesetzt. Inzwischen aber war es den gemeinsamen Bemi 'nmgen der Herren Gemeinderabbiner Dr. Rosenthal und Dr. Emanuel C a r 1 e b a e h b'^l'gelungen, daß das Ministerium auf Fürsprache des hiesigen Erzbischofs eine ca. 5000 qm große Fläche, die in Form eines rechtwinkligen Dreiecks die linksseitige Ecke des Geländes bildete

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