Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 52 (31.12.1936)
- Date
- 1936-12-31
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Nr. 52 L/er Israelit 31. Dezember 1936 sich ideologisch restlos bestätigt, und er glaubt auch Werte genug zu besitzen, um an die Stelle zerschlagener Ideale neue setzen zu können. Einer näheren Prüfung hält diese These nicht stand. Es soll natürlich nicht bestritten werden, daß eine jüdische Jugend, die sich lediglich konjunkturhaft zu orientieren gewillt ist, einigen Anlaß hat, sich dem Zionismus zu nähern. Aber es hieße die jüdische Jugend Deutschlands beleidigen, wollte man ihr kein höheres Streben zutrauen. Durch die jüdische Jugend Deutschlands, gerade soweit sie ehedem als liberal zu betrachten war, geht eine starke Erschütterung. Ihr Jude- Sein ist ihr zum Schicksal geworden, aber dieses Schicksal begreift sie nicht. Was sie vom jüdischen Liberalismus an jüdischen Werten empfing, unterscheidet sich so wenig von der allgemeinen, mehr oder weniger theistisch unterbauter Humanitätslehre Westeuropas, daß es in all seiner Ungeschichtlichkeit ein geschichtliches Schicksal von solch besonderer Schwere nicht zu tragen vermag. Kann der Zionismus ihr das jüdische Schicksal deuten? Er kann es nicht. Nur eine echte Idee kann deuten. Dem Zionismus aber liegt nur die Formalidee der Nation an sich zu Grunde. Gerade der tiefer angelegte Teil der Jugend wird an einem ideefernen Nationalismus schlechthin niemals sein Genüge finden können. Er wird nach Palästina schauen und in dem Lande zionistischer Bewährung mit Schrecken feststellen, daß dem Zionismus als solchem ein Plan zum Innenausbau des Nationalheims nicht innewohnt, daß eine zionistische Nationalkultur erst noch geschaffen werden müßte und daß man dort einstweilen sich mit — europäischen Surrogaten abfindet, die das Geheimnis der jüdischen Selbstbehauptung, dieser Wurzel alles jüdischen Leids, zur äußersten Qual steigern. Ist die Hoffnung so vermessen, es werde gerade der ernsthafte Teil der jüdischen Jugend allmählich das unstillbare Streben zeitigen, dem jüdischen Geheimnis völlig auf den Grund zu Reihen, und werde in diesem Streben schließlich 3is zur — jüdischen Idee vorstoßen wollen? Ist die Hoffnung so vermessen, die jüdische Jugend, ois jetzt dem jüdischen Nationalismus völlig fremd and abgeneigt, werde sich, sofern sie nicht konjunkturgeleitet ist, immer noch am ehesten einem Nationalismus erschließen können, der mit der Idee in einer beispiellos originalen Art dermaßen zur Einheit verschmolzen ist, daß zuweilen in groteskem Mißverstehen über die Idee die Nation verkannt werden konnte? Steht nicht der Agudismus in seiner nachweisbaren Geschichtlichkeit einer wirklich tiefer schürfenden Jugend weit näher, als der taggeborene Zionismus? Es ist freilich viel leichter, Zionist zu werden, als Agudist. Man bekennt sich zur jüdischen Nation, studiert ein wenig jüdische Geschichte, treibt ein wenig Iwrith, und das Entscheidende ist getan. Aber spricht nicht gerade für eine wirklich tiefer schürfende Jugend diese — Mühelosigkeit gegen die Größe des Vorhabens? Der Weg zum Agudismus ist schwerer, ist langwieriger. Die jüdische Idee in ihrer grandiosen Entfaltung im jüdischen Recht und in dem daran anknüpfenden Schrifttum will erlernt, die Thora und die Propheten wollen erlebt, vor allem die jüdische Lebenspraxis, in der die jüdische Kultur sich betätigt, will mit der Seele und mit dem Willen erfaßt sein. Aber ist der Weg wirklich so ungangbar? Lohnt er nicht wenigstens einen Versuch? Vielleicht waren die heimgegangenen Urgroßväter dieser suchenden Jugend doch nicht so töricht, als daß sie ihr nicht Manches zu sagen hätten? Und schließlich: lohnt es sich nicht unter allen Umständen, wenigstens zu kennen, zu wissen, ehe man — ablehnt? Von solchen Erwägungen ließ sich der K. H. leiten, als er die erste Fühlung nahm. Nicht einen Schritt ist er damit aus dem Rahmen des Agudismus herausgetreten. Nie hat der Agudismus sich von jüdischen Menschen getrennt, wenn er ideefremden Organisationen fernblieb. Es zeigte sich, daß selbst solche Persönlichkeiten, die der Thora und der in ihr niedergelegten Idee durchaus nicht nahe stehen, völliges Verständnis dafür hatten, daß das Heilige Land im Geiste unserer heimgegangenen Ahnen aufzubauen, das jüdische Volk als das Volk der Bibel ins jüdische Land zurückzuleiten wäre, das Nationalheim eine Heimstätte der ererbten nationalen Kultur sein müsse, diese nationale Kultur aber völlig auf der Thora ruhe. Sie waren bereit, einem Komitee beizutreten, das die Ziele des K. H. fördern solle. Liegt hier wirklich etwas Besonderes vor? Hatten nicht die Zionisten noch in ganz anderer Weise sich für den Keren Hajessod die Unterstützung auch solcher gesichert, die durchaus nicht sich selbst zum Zionismus bekannten? Aber der Keren Hajischuw ging noch weiter. Er hielt sich für verpflichtet, der suchenden Jugend den Weg der Rückkehr ' zum historischen Judentum, zur historischen jüdischen Idee und der ihr entsprechenden Lebenspraxis zu ebnen. Er erklärte sich bereit, besondere Lehrgänge nach einem genauen Plan zu veranstalten und zugleich in vorbereitenden Stellen in die jüdische Lebenspraxis einzuführen. Es ist klar, daß die agudistischen Hachscharoth für die suchende Jugend noch nicht in Betracht kommen. In den vorbereitenden Stellen soll der junge Mensch zunächst jüdische Lehre und jüdisches Leben kennen lernen. Er soll dort zunächst die Möglichkeit erhalten, sich überhaupt als ein Wissender entscheiden zu können. Es ist selbstverständlich, daß diese Vorbereitung, wie immer alsdann die Entscheidung fällt, einen nicht abzuschätzenden Wert besitzt. Erlangt die Leitung alsdann die Ueberzeugung, daß der junge Mensch in Gesinnung und Tat reif ist, so erfolgt der Uebergang in die agudistischen Hachscharoth und damit der Eintritt in den Noar Agudati. Ueberdenkt man, was alles über diese Schritts des Keren Hajischuw geschrieben und gesprochen worden ist, so trifft man auf einen wahren Wust von Mißverstehen und — leider! — auch Mißverstehenwollen. Die Aguda verkauft ihre Zertifikate! Beruhigt euch! Kein agudistisches Zertifikat wird in die Hand eines Unwürdigen kommen! Die Aguda will die liberale Jugend in die — Jeschiwoh stecken! Und wenn wirklich? Ei, ihr jüdischen Nationalisten, erscheint es euch wirklich so unfaßbar, daß auch einmal ein liberaler Jüngling den Wunsch in sich spüren könnte, auf der nationalen Hochschule unseres Volkes jüdische Art und jüdisches Wesen kennen zu lernen, statt jüdische Art und jüdisches Wesen beim —• Makkabi zu ergründen? Ist dies euer Respekt vor eurer eigenen Nation und vor eurem eigenen Kulturgut? Im übrigen beruhigt euch! Auch bei der agudistischen Jugend hat der Keren Hajischuw Verständnis für Sondsrfälle, wenn Eignung für die Hoch- Schriftdeutungen cum Wochenabschnitt. Nachträge zu *>rp"l)' Mitgeteilt von S. Speier. Kap. 49. V. 16.bK-w -»tos; irma ins? pi1 p„Dann wird ein Volk richten, wie einer der Stämme Jisraels." Obwohl Dan im Gegensatz zu den bisher von Jaakow Erwähnten ein Sohn der Magd ist, wird er sein /olk gleich einem der Stämme Jisraels richten. Kap, 49. V. 17 u, 18. ms ~,b,s *pi '•bv vx\i ]~ tp n vmp invwb .nna id.di bs'i did 'apsr ,Es wird Dan sein eine Schlange am Wege, eine Dtter am Pfade, die beißt in die Ferse des Rosses, laß sein Reiter rücklings fällt. Hinsichtlich les Sieges hoffe ich auf G' 11," Die Ausegung Raschis, nach welcher sich diese Verse auf ichimschon beziehen, ist mit einer Schwierigkeit vermeiden. Es ist wohl kaum anzunehmen, daß Jaakows lerheißung sich, auf einen einzigen Vertreter aus Lern Stamme Dan beziehe, zumal, da Schimschon licht durch besondere Frömmigkeit ausgezeichnet st. Einleuchtender dürfte folgende Deutung sein. )er Stamm Dan bildet die Nachhut der Lager Jisaels (Bemidbar 10, 25; Jehoschua 6, 9fr): Es fällt ihm daher die Aufgabe zu, den vom Rücken angreifenden Feind abzuwehren. 'n vi »i? invw>b Hinsicht^' lieh deines Sieges, Dan, hoffe ich auf G' t t,°J — Nach dieser Auslegung ist V, 16 wiederzugeben mit „Dan wird das Recht seines Volkes vertreten, wie die Stämme Jisraels gesamt." Dan wird für die Gesamtheit der Stämme Jisraels Rache nehmen. * * * Kap. 49. V. IQ. 3py 151 «im imii im is „Gad, manche Schar wird von ihm ausziehen, und sie wird wieder heimwärts ziehen". Gads Scharen werden ihren Brüdern bei der Eroberung Palästinas als Pioniere voranziehen und siegreich zu ihrem Besitz in Transjordanien zurückkehren (Bemidbar Kap. 32). Es ist auffallend, daß Jaakow nicht unmittelbar nach Dan, dem Sohne Bilhas, dessen Bruder Naftali erwähnt, sondern dem jüngeren Gad, einem Sohne Silpas den Vorrang gibt. Vielleicht liegt die Begründung hierfür in den militärischen Aufgaben, die diesen Stämmen gestellt war, Dan als Nachhut, Gad als Vortrupp. * * * Kap. 49. V. 20, ':isr» jjv Nim i»nV map iewb „Von Ascher: Fett ist seine Speise. Und er wird geben Leckerbissen eines Königs." Nach der üblichen Auffassung bedeutet . , . "iwNa- Vom Gebiete Ascher kommt fette Speise. Weitere Deutung: Das •dem Eigennamen 1B>t* vorangesetzte?s ist als Tel* lungsartikel aufzufassen. In einem Teil von Aschers 5) filp im Sinne von „hoffen auf" wird zuweilen ohne Präposition konstruiert. So in Tehillim 25, 21 *]VPip> ich habe auf dieh gehofft. Gebiet wird es fette Speise geben. Andere Erklärung: » ist Zeichen des Komparativs, das Suffix") von ian? bezieht sich auf den vorher erwähnten Gad, Seine Speise, d. h. die Speise Gads, wird fetter sein als die von Ascher. War ja Gads Gebiet insbesondere für Weideplätze geeignet (Bemidbar 32, 1). Es ist jedoch damit nicht gesagt, daß Aschers Boden unfruchtbar sei, sondern im Gegenteil, ^im „Und er, Ascher nämlich, wird geben Leckerbissen eines Königs,'' -fix Miyra ]jt> Nim- * * * Zu rnaw- Kap, 4. V. 1. 'mw übt ->b was' üb 7,11 lax'i nvn •'n ~\->bx rm-tf iiax' '3 ^pa „Mosche erwiderte und sprach: Und siehe, sie werden mir nicht glauben und nicht auf meine Stimme hören, denn sie werden sagen: dir ist G'tt nicht erschienen!" Nach der Ansicht unserer Weisen steht Mosches Erwiedrung im Widerspruch mit den Worten G'ttes ~\b$b ivnv „sie werden auf deine Stimme hören!" (Kap.'3. V. 18J Weitere Deutung: Die Worte ibpb i3?öwi beziehen sich auf die in Kap. 3, V. 16 erwähnten 9Niw> '3pt- Die Aeltesten Jisraels werden deiner Aufforderung, dich zu Pharao zu begleiten, Folge leisten. So heißt es bxw *jpn nns nxai "|9p9 issbi emsa "]bn „sie werden auf deine Stimme hören und du kommst dann, du und die Aeltesten Jisraels, zum König von Aegypten (3, 18)." Da aber der weiteren Rede G'ttes entsprechend Pharao das Volk nicht ziehen läßt (V. 19), befürchtet Mosche, die 8) Nach dieser Auffassung ist ohne weiteres klar, daß Ascher ein Sohn Silpas, vor dem älteren Naftali erwähnt wird.