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Der Israelit · 1936-12-23 · Heft 51 (23.12.1936) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 51 (23.12.1936)
Date
1936-12-23
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 14 Nr. 51 Der Israelit 23. Dezember 1936 Berlin, 20. Dez. Im Rahmen der Sinaiabende der Agudas Jisroel spricht am Sonntag, den 27. De zember, Max Neuberger: „Sinngehalt der Mizwoth" (nach S. R. Hirsch „Choreb"), 16.30 Uhr Artillerwstraße 31( ßetsaai (für Herren). — Mittwoch, den 30. Dezember: 1. Rabb. Dr. Esriel Hildesheimer: „Aus der Methodologie des Talmuds über die Deutungslehren der Thora". 21 Uhr Siegmundshof Ii, Betsaal. 2. Emanuel M. Meyer: Arbeitsgemeinschaft: Die Wo chensidra (unter Berücksichtigung des Kommentars von S. R. Hirsch) 20.30 Uhr Pariser Str. 4, Synagoge. Berlin, 6. Dez. „Das Bildungsziel der jüdischen Volksschule". Dieses Thema, dem in letzter Zeit die Aufmerksamkeit und das Interesse nicht nur der Schulmänner sich zuwenden, wurde von Grund auf erfaßt, als am 2. Dezember Studiendirektor S t o 1 I , Würzburg , ein Referat gleicher Ueber.schrift in Berlin vor dem Verein gesetzestreuer Lehrer hielt. Was die Zuhörer bei den gewiß nicht leicht verdaulichen Ausführungen des Referenten in Spannung hielt, erschütterte, begeisterte, war die unendliche rmnx und 'n riST, die aus all seinen Worten ausstrahlte. Wir kommen eben so lange nicht zu „unserer" Schule — das war das A und 0 der Darlegungen — v/ie wir uns mit nicht bewiesenen, doch den Reiz der Fremdheit und Unjüdischkeit besitzenden Theorien abgeben, statt uns nach unserem System, das uns als richtig, wahr und gültig erscheinen sollte, zu richten. Es gibt nur eine absolute Wahrheit; warum soll es nicht unsere sein, unsere, die außer dem Vorzug der ethischsten auch noch den der logischsten hat? Denn — und das zeigte der Referent in verblüffender Deutlichkeit — unsere min ist nicht nur konsequent in ihrer Lebensgestaltung (und das ist doch für eine vollständige Erziehung, wie wir sie brauchen, das Wichtigste), sie ist auch wissenschaftlich. Eine Menge Beispiele wurden hierfür gebracht. Wer hat schon einmal die Psychologie der nns» untersucht? Nach den Beispielen, die Stoll brachte, wäre eine systematische Arbeit sicher sehr lohnend. Es würde wahrscheinlich das Ergebnis bestätigt werden, das er aus seinen Beispielen fand, daß nämlich auch alle Erkenntnis der Psychologie bereits nnr=Eigentum ist. Und so alle Erkenntniszweige. Doch -daneben enthält die nun — aus ihrer Weitweisheit gewonnen — ein durchaus modernes Erziehungssystem, modern deshalb, weil in aller Arbeit der Pädagogik der Neuzeit nich etwas Annäherndes produziert wurde, weil alles auf halbem Wege stehen blieb, und weil wir endlich zur Ganzheit kommen Wullen. Solangekann man die nnn nicht entthronen, als es wie im Hinblick auf Welterkenntnis so auch in Bezug auf Pädagogik nichts Besseres gibt; und das heißt: man kann sie n i e entthronen. Das Ringen um das Bildungsziel unserer Schule ist also insofern •der Kampf zum Neuen, als es die letzten Stufen einer bisher halben Entwicklung zu steigen gilt; es ist aber dabei nichts anderes als das Zurück zum Alten, Bewährten, das alles Geschrei nach „Modern" und „Gegenwartsgültig" nicht totschreien wird. Und das war das mMi-Büduno'ssystem, das der Referent bot: Wir haben anzuerziehen 1. Gehorsam, religiöse Gewissenhaftigkeit (,;n vrnp '3)/ 2. Ehrfurcht Ivsso las vr l n ' /))- 3. Gemeinschaftssittlichkeit (vnn trrcnp) 4. Erkenntnis, 5. Kraftbildung. Die Gegenwart, die ein Institut der Bildung besitzt, hat die Form dieses Instituts jenem Ziele anzupassen. Das bedeutet, daß alle Teilgebiete der Schule jüdisch sein müssen und auch — können. Ohne Auflösung aller profanen Fächer — das Judentum verlangt 4. „Erkenntnis" — kann man auch darin jüdisch bilden, so zeigte der Referent an einleuchtenden Beispielen. Betrachtet man z. B. die Geschichte der Abendländer als eine Geschichte der Golusländer, so kann man den gleichen Stoff wie bisher (in Auswahl), aber jüdisch foehandeln. Mit anderen Worten: es kommt auf den Standpunkt, auf die Wertung an. Das Problem der B:l- ■dungsgüter ist also nicht ein Kampfruf: „Hie jüdisch — hie profan!"; es ist die Frage der Lehrerpersönlichkeit, der Augen, mit der sie schaut und schauen lehrt; es ist kein Problem des Bildungs m a t e r i a 1 s, sondern der Form. Das Material auszuwählen, i<?t nicht so schwer, wie die erforderliche Haltung zu gewinnen. Und welches diese Haltung ist, wurde nicht mit einem Wort erörtert, analysiert, sondern ad oculos durch Stolls Persönlichkeit, die sich hier darstellte, demonstriert. W. St. Berlin, 9. Dez. Die Schulabteilung der Reichsvertretung und der Hilfsverein der Juden in Deutschland teilen folgendes mit: Es besteht die Absicht, ab 1. Februar 1937 einen Intensivkurs zur Erlernung des Englischen einzurichten, der pädagogisch von der Schulabteilung der Reichsvertretung der . Juden in Deutschland und organisatorisch durch den Hilfsverein der Juden in Deutschland betreut werden soll. Voraussetzung hierfür ist, daß Meldungen in ausreichender Anzahl eingehen. Ziel des Kurses ist, eine gefestigte Grundlage für eine wirkliche Beherrschung des Englischen und eine Einführung in die Kulturkünde der angelsächsischen Länder zu geben. Der Kursus wird ein Vierteljahr dauern. Vorher geht ein ca. vierwöchiger Vorkursus, so daß sich eine Gesamidauer von vier Monaten ergeben xvird. Schulgeld monatlich RM. 30.—, Gebühr für die Aufnahmeprüfung RM. 10.—. — Zur Aufnahme zugelassen sind nur solche Männer und Frauen, die nachweislich beabsichtigen, in ein englisch sprechendes Land auszuwandern und für die die Beherrschung des Englischen eine berufliche Existenznotwendigkeit darstellt. Meldungen zur Teilnahme mit dem Vermerk „Betrifft Intensivkurse" sind bis zum 5. Januar 1937 zu richten an: Die Kurse des Hilfsvereins der Juden in Deutschland, Berlin W 50, Marburgerstr. 5. Breslau, 21. Dez. In der Alten Synagoge fand am Montag ein gut besuchter Gemeindeabend statt, bei dem der in Breslau nicht unbekannte Dr. Ehr mann über das Thema „Jüdischer Geist im Jüdischen Lande" sprach. Bei einem Manne von der Art Dr. Ehrmanns ist die Aufgabe des Berichterstatters doppelt schwer. Wollte man nur ungefähr wiedergeben, was dieser vom tiefsten jüdischen Wissen erfüllte, von dem Feuer einer heiligen Ueberzeug'ung glühende, temperamentvoll und launig sprühende Geist in einer knappen Stunde den Hörern gab, dann müßte man den Vortrag in seiner Gänze veröffentlichen. Das Wertvollste seiner Rede, das Schöpfen aus und die Verbindung mit dem Schatz jüdischen Geistesgutes, kann in einem knappen Bericht nicht zum Ausdruck kommen. — Dr. Ehrmann knüpfte an Worte von Gelneinderabttiner Dr. Hoffmann an, daß es nichts Profanes sei, in der Synagoge über ein solches Thema zu sprechen. Welcher Ort sei würdiger, über jüdischen Geist zu reden als ein Bess tefilo oder ein Bess hakenessess, das wir im alten Sinne wieder im Heiligen Lande errichten wollen. Wenn heute die meisten Einwanderer aus sozialen oder Wirtschaft1 liehen Nöten ins Land kommen, bestehe die Gefahr, daß der jüdische Geist in Erez Jisroel vergessen werde. Der Welt wollen wir zeigen, wie ein ganzes Volk sich der Herrschaft G'ttes unterstellt. Unsar Recht auf Erez Jisroel können wir nicht herleiten aus der Talsache, daß wir vor 20C0 Jahren einmal dort waren, sondern nur als das Volk der Bibel haben wir ein Anrecht auf das Land. Dann aber müssen wir auch alle Konsequenzen aus Bibel und Tauroh auf uns nehmen. Religion — ein Begriff, der auf das Judentum wenig zutreffe — darf in Erez Jisroel nicht Privatsache sein. Zumindest darf mit den Mitteln der Gesamtheit nicht gegen das jüdische Gesetz gehandelt werden. Die Arbeit der Agudas Jisroel zeigt auf den verschiedenen Gebieten, daß und wie e-s möglich ist, als Bauer oder als Arbeiter, in allem den Forderungen des jüdischen Geistes gerecht zu werden. Im Einzelnen besprach der Redner die Arbeit der Aguda auf politischem, wirtschaftlichem und kulturellem Gebiet in Erez Jisroel. Er ergänzte später seine Ausführungen bei einem Tee, zu dem die Breslauer Gruppe der Aguda und des Kören Haji-' schuw geladen hatten. Unter Leitung von Herrn Sei; neiler, der über einige Reiseeindrücke aus Erez Jisroel berichtete, entwickelte sich hier unter besonderer Teilnahme von Dr. Ehrmann ein lebhaftes und fesselndes Gespräch, das in dem Appefi ausklang, die Arbeit für den Aufbau Erez Jisroels im Sinne der Tauroh zu unterstützen. Ein überpartei liches Komitee soll für diesen Zweck auch in Breslau gebildet werden. Zu Beginn des Abends in der Synagoge hatte Gemeinderabbiner Dr. Hoffmann darauf hingewiesen, daß das Judentum eigentlich profane Dinge gar nicht kenne. Alles solle durch den Geist der Tauroh geheiligt werden. Um wieviel mehr gelte das für Palästina. Wenn das jüdische Volk auch in den letzten 50 Jahren gleichsam wie ein toter Körper erschienen sei, so seien doch Kämpfer aufgestanden, die den Körper wieder mit jüdischem Geist erfüllt hätten. Der Gedanke an Palästina habe nirgends stärker als in den Synagogen gelebt, und so habe es auch immer Menschen gegeben, die den Zionsgedanken in der Tat verwirklichten. Im Hinblick auf das Chanukahfest gab der Redner der Hoffnung Ausdruck, daß aus dem säkularisierten Judentum der Gegenwart einst v/ieder das alte G'ttesvolk werden möge. fb. Mainstockheim, 15. Dez. Die hiesige Gemeinde feierte jüngst das Fest des 100jährigen Bestehens ihrer Synagoge, wozu sich zahlreiche Gäste eingefunden hatten. Hauptlehrer Fried mann sang das Ma tauwu, worauf das Minchagebet folgte. Der Kultusvorstand begrüßte dann in herzlicher Art die Erschienenen und sprach das UTinc?. Nach Gesang des Psalm 100 durch Hauptlehrer Friedmann bestieg Rabbiner Dr. Hanover, Würzburg die Kanzel, um in meisterhafter Form Sinn und Zweck einer solchen Feier gerade heutzutage darzulegen. Die Rede machte liefen Eindruck. Hauptlehrer Friedmann sprach unter Anlehnung an Psalm 122 den Wunsch aus, das 3TI3 möge auch fernerhin für die Gemeinde der Ort und Hort des Friedens, der Eintracht und der Stärke sein. Für die Kultusgemeinde Kitzingen brachte deren Vorstand, Oskar Hahn, freundnachbarliche Grüße und Glückwünsche, desgl. Hauptlehrer A. Mannheimer für die Gemeinde Dettelbach. Letzterer gab auch einige Striche historischer Art für die Zeit, da die Synagoge gebaut wurde. Es waren bewegte Tage für Bayerns Juden. Mit dem heiligen Inventar und der Inneneinrichtung, die man von der alten Synagoge übernahm, sei auch der alte Geist mit eingezogen vor 100 Jahren. Lehrer Bamberger, Kitzingen, betonte die schönen familiären Beziehungen zwischen Mainstockheim und Kitzingen und erinnerte an das ideale Wirken der früheren Lehrer und Vorstände, die den konservativen Gemeindegeist pflegten und kräftigen. Interessant waren die Ausführungen von Hauptlehrer Kissing er, Würzburg, der vor 66 Jahren die Schule in M. besuchte. Er ließ das Bild alter Tage erstehen, insbesondere dureh die Zeichnung mehrerer alter Vorsteher der Gemeinde. Lehrer Lomnitz, rAainz, selbst ein Mainstockheimer Kind, entzückte alle durch seinen prachtvollen Gesang einiger Bibelverse. Mit dem Psalm 128, durch Flauptlehrer Friedmann vorgetragen, schloß die eindrucksvolle Feier. A. M. Berichtigung, Zu dem Berichte über eine Sitzung in Tel A w i w in der jüngsten Nummer ist berichtigend nachzutragen, daß es sich bei den Teilnehmern um Herrn Josef Fetter (nicht Peter), den bekannten orthodoxen Landwirt, Herrn Jerachmiel Wechsler, der Kaufmann von Beruf ist-, und um Rabbi Tukacinski handelt. ggaEaa33JUffiW^-a!Try^-<*^ In unserem Verlage erschien: /1 ■ik 40, Ein Dokument der Zeil von S. S C HA C HNO WITZ Preis bröseln. JL 2—, geb. Jl 3— Das Buch, 265 Seiten ftark, ift ein Dokument der Zeit von ergreifender Realität. £in junger jüdifcher Wenfch aus einer areligiöfen, am Judentum uöllig desintereffierten Familie urirduom Sturm der Eeit erfaßt und auf jüdifchen Heimatboden gefegt. Mit der Macht der Jugend und der Überzeugung rei|t er am Ende auch die Eltern und feine ganze Umgebung mit zur jüdifchen Höhe. Jn ungemein anfehaulichen Bildern entrollt fich vor dem Rüge das Heben der Hachfcharah, das neue Werden in Erez Jsrael, die Entwicklung der erfren orthodoxen Kibbuzim. Jüdifches Heben örtlicher und vueftlicher Obferuanz kommen, uon aufjen gefrören, fich näher und finden fich uollends auf dem heiligen üäterboden, der zur Heimat der Jungen geworden ift. //■///■ / %**m

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