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Der Israelit · 1936-12-23 · Heft 51 (23.12.1936) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 51 (23.12.1936)
Date
1936-12-23
Page
– (sequence 13)
Language
German
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23, Dezember 1936 Der Israelit Nr. 51 Seite 13 Agudas Jisroel-Bewegung. Die Landestagung der Agudas Jisroel in Deutschland, die auf den 2. bis 5. Januar 1937 in Berlin festgesetzt war, ist aus technischen Gründen auf einen späteren Termin verschoben worden. Ein neues Geschlecht tritt in die A, J. J. O. Von Hanna Jakobovits in Straßburg. (Fortsetzung,) Der Mittelstand in Deutschland hatte in den Jahren vor 1914 durchwegs ein leichtes Leben. Handel und Wandel blühten, an Kriegsgefahren dachte man nicht und war nur bestrebt, sich und .seinen Nachkommen eine sichere Grundlage, eine Basis zur immer größeren Vermögenssammlung zu hinterlassen. Storms kostbares Wort: „Hüte deine Seele vor dem Karrieremachen" hat die westliche Orthodoxie jener Jahre — wenn gekannt — sicher belächelt, Der gesetzestreue Akademiker war auch nicht frai von diesem Hang, ein gutes Leben sich zu sichern. Er, der den Treuen als Führer gelten sollte, auch teilweise galt, er sah das persönliche Endziel der jugendlichen Entwicklung in der „guten Partie", durch die er „Prosperity", wie der Amerikaner sagt, zu er heiraten hoffte, Wohlstand, Ansehen, Amt und Geltung in der Gemeinde, nichtsdestoweniger war er sich auch seiner geistigen Aufgabe bewußt, strebte er danach, Gläubigkeit und Wissenschaft zu verbinden, mehr noch, diese Möglichkeit der Vereinigung zu demonstrieren und zu verteidigen vor denen, die zwischen Glauben und Wissen brückenlos hin- und hertaumelten und sich nur der Wissenschaft glaubten anvertrauen zu können. Es scheint mir, daß wir schon zu dieser geschilderten Zeit das Empfinden hatten, als ob der gesetzestreue Akademiker in der Hauptsache unter der Furcht litt, wegen seiner freiwilligen Unterordnung unter das Thoragesetz bei den „reinen Wissenschaftlern in seiner wissenschaftlichen Arbeit nicht ebenbürtig gewertet zu werden, daß er sich dadurch noch viel zu stark an der Außenwelt orien tierte." Dadurch fehlte es dem Akademiker an letzter innerster Geschlossenheit, jegliche Kulturentwicklung und Kulturfrage von am Tnach und Schas gereiftem Blickpunkt aus zu beurteilen und also gefestigt, gestaltend in das jüdische Kulturleben unserer Zeit eintreten zu können. Mancherlei Schatten und dunkle Tönungen weist so das jüdische gesellschaftliche und geistige Leben der Gesetzestreuen auf. Ihnen erstrahlte das reine, helle Licht der Agudo und dank der dieser Ideenwelt innewohnenden Kraft, reinigte sie in den zwei Jahrzehnten ihrer Wirksamkeit diese Flecken und Fehler. Sie näherte die verschiedensten Jugendlichen einander unter einer Zielrichtung, die Akademiker und Kaufleute, die Eingeborenen und Ausländischen, sie erhöhte ihr eigenes Wertgefühl; so daß die Augen nicht immer auf die anderen und ihre Wirkung auf sie gerichtet waren. Während jüdisches Wissen und allgemeines Wissen in loser Verbindung nur standen, führte Jeschiwah und Aguda zur Selbstbesinnung, zum jüdischen Ausgangspunkt zurück und schufen den bisher im Westen nicht gekannten Typ des ganz in seiner Jüdischkeit basiert sein wollenden und andere Kulturgüter in dieser Durchtränktheit von dem Quell der lebendigen Wasser in sich aufsaugenden Juden. Auf den Einwand, daß äußere Geschehnisse von unerhörter Wucht und alles umgestaltender Wirkung es waren, die das seelische Leben völlig veränderten, möchte ich am Abschluß der Schilderung der weiblichen Jugend eingehen. (Schluß folgt.) Vorträge in Leipzig. Die Agudas Jisroel Leipzig veranstaltete am 21. November einen Vortragsabend. Der Vorsitzende der Ortsgruppe, Herr D. Steinmarder, würdigte in den einleitenden Worten die Bedeutung des Herrn Rabbiner Dr. E. Carlebach s. A. für das religiöse Leben in unserer Gemeinde und wies dann auf das Thema des Abends, das brennende Problem, hin: wie können wir die Jugend zu unseren Idealen, die nur im Dienste der Thora Geltung und Führung haben, begeistern und ertüchtigen. Mit dieser Frage beschäftigte sich der Vortrag des Abends, den Herr Prof. Dr. S. L e v i hielt. Dieser zeichnete in großen Zügen die geschichtliche und geistige Entwicklung der Jugendbewegung, um sich dann der Erörterung der Merkmale zuzuwenden, die einer kritischen Beleuchtung von der spezifisch jüdischen Seite her be-- dürfen. Der Drang nach Selbständigkeit, eigener Führung, Ablösung vom Althergebrachten, die Stellung zu Elternhaus und Schule und schließlich auch vielfach eine Verkennung der Verpflichtung, Autorität anzuerkennen, sind Umstände, die im traditionellen Schrifttum und in den Lebensäußerungen unserer Großen eine eindeutige Beurteilung finden. Es braucht und kann hier nichts Neues gesagt werden, die Ehrung des Alters, dar Eltern und "der Lehrenden ist eine bereits im fünften Gebot verankerte Grundlage des jüdischen Volkes; die Weitergabe der jüdisehen Erlebnis* und Bekenntniswerte durch die Alten an die Jungen ist gewissermaßen die Idee unseres jüdischen Daseins. Nur durch die Erfahrung und Lebensreife, die dem Alter eigen sind, können dem jungen Menschen die Wahrheiten übermittelt werden, die er für den Aufbau seines jüdischen Lebens braucht. Jugend nur unter sich führt leicht zur Ueberheblichkeit, Verirrung, höchstes Glück der jüdischen jungen Menschen muß es sein, in Demut und Bescheidenheit sich zu beugen vor allen, die an G'tles Statt berufen sind, ihnen jüdischen Halt und mensch: liehe Würde zu geben. Das Kennzeichen einer verfallenden Welt ist es, daß sich die Jungen gegen die Alten erheben und mit kecker Stirn des Allers spotten, als ob es die Jugend und die Zeit nicht verstünde. Daß unsere Stammväter höchste Hingabe an die Jugend durch die Tat bewiesen, daß der Prophet die mesisianischs Zeit dadurch kennzeichnet, daß zurückgeführt werden die Herzen der Söhne zu denen der Väter und die der Väter zu denen der Söhne, waren Schlußgedanken der Rede, die trotz der Mahnung und Warnung, die sie enthielt, von einer bewußten Wertung der sich echt jüdisch führenden Jugend zeugte. — Herr Rabb. Dr. Ochs ergänzte die Ausführungen nach der Seite, daß es bei dem vielen Guten, das die jüdische Jugendbewegung berge, doch letzten Endes auf die Führung ankomme, die eben fähig sein müsse, den Jungen Wegbereiter zu sein und sie von den Gefahren fernzuhalten, die leider gar zu oft in den Vordergrund treten. — Zum Schluß bemerkte Herr Steinmarder, daß gerade die Agudas Jisroel die recht geführte und in ihr sich findende jüdische Jugend als Grundlage ihrer Erziehungsarbeit und damit ihrer Arbeit an der Erhaltung des Judentums im kleinen und großen Kreis erachte, das Leben des Einzelnen und des jüdischen Volkes nach dem Geist der Thora zu orientieren. —hn. Generalversammlung der Agudas Jisroel-Frauengruppe Hamburg- Altoina. Kürzlich fand die diesjährige Generalversammlung der Hamburger Frauengruppe statt, die im Rahmen der Gesamtarbeit dieser überaus tätigen Gruppe ein Ereignis eigener Art darstellt. Es war auch in diesem Jahr wieder ein Rekordbesuch zu verzeichnen. Die weiten Räume des neuen Agudaheimes erwiesen sich fast zu klein. Die Vorsitzende, Frau Dr. B a e r, leitete den Abend mit besonderem Geschick. Nach Eröffnung begrüßte sie zunächst die neu eingetretenen Mitglieder und gedachte in Dankbarkeit der im verflossenen Jahre durch Fortzug ausgetretenen, die aber zum Teil durch rege Korrespondenz das Band mit der Gruppe aufrecht erhalten. Der folgende Rechenschaftsbericht zeigte allen das umfangreiche Tätigkeitsgebiet der Gruppe. Es finden an vier Abenden der Woche Tnach=Schiurim statt, ferner allwöchentlich ein Handarbeits= und Nähkurs. Darüber hinaus finden in regelmäßigen Abständen größere Veranstaltungen statt, wie Vorträge, für die immer Referenten von Ruf und Bedeutung gewonnen werden, ferner gesellige Veranstaltungen, welche heute von allen besonders angenehm empfunden werden. Die Gruppe steht ferner in enger Arbeitsgemeinschaft mit der Orts- und Juöendgruppe und leistet mit diesen gemeinsam die Palästina - Arbeit der Hamburger Gruppe, welche — bedingt durch die Zeitumstände — einen besonders großen Rahmen einnimmt. Die Frauengruppe nimmt ferner an allen innerhalb der Gemeinde zu lösenden sozialen Aufgaben aktivsten Anteil. — Die Versammlung nahm den Bericht, der mit einem Dank an alle Mitarbeiter schloß, mit großem Interesse entgegen und folgte alsdann dem Referat „Die soziale Arbeit der jüdischen Frau", das Studienrätin Frl. Lilli Freimann zu halten übernommen hatte. Die Rednerin verstand es, in klaren und präzisen Formuilerungen die Aufgaben, die der jüdischen Frau auf dem weiten Gebiet der Sozialarbeit gestellt sind, zu zeichnen und an Hand von Beispielen aus der Arbeit des Tages alle dieses Thema umfassenden Fragen eingehend zu beleuchten. Bei der Bedeutung, die der sozialen Arbeit an sich vom jüdischen Standounkt aus stets beizumessen ist und die durch den Ernst der Zeit doppelt groß 'st, verstand es sich von selbst, daß die interessanten und inhaltsvollen Ausführungen der Rednerin den Anlaß zu einer ausgedehnten Aussprache unter den Anwesenden ergaben und es darf betont werden, daß diese sich durchweg auf einem erfreulich hohen Niveau bewegte und zur Klarstelluno mancher besonders aktueller Fragen führte. Die Vorsitzende faßte zum Schluß alle gegebenen Anregungen nochmsls kurz zusammen und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Arbeit der Frauengruppe auch weiterhin erfolgreich sein möge und die jüdische Gemeinschaft und jeder Einzelne einer von allen Nöten freien, lichteren Zeit entgegengehen möchten. Die ersten Keren Hajischuw-Büchsen in England, Im Zusammenhang mit der verstärkten Aktivität des Keren Hajischuw Direktoriums hat der englische Keren Hajischuw die ersten 10.000 Sammelbüchsen ausgegeben. Mit den Büchsen ging ein warmer Aufruf an die jüdische Bevölkerung hinaus, die religiöse Aufbauarbeit in Erez Israel nach Möglichkeit zu unterstützen. Auf der letzten großen Versammlung des Keren Hathora, die unter Vorsitz von Rabbi A. I. Twerski stand, wurde vom Vorsitzenden H. A. Goodman ein Brief von kompetenter Seite verlesen, wonach, entgegen allen anderslautenden Nachrichten, sich die Juden in Sowjetrußland nach wie vor in bitterster Not befinden. Es wurde dann einstimmig beschlossen, sofort aus Mitteln des Keren Hathora fünfzig Lebensmittelpakete an Rabbiner in Sowjetrußland zu senden. (J. P. B.) Eine grefie Agudakonferenz. Am letzten Sonntag fand in Sunderland eine vom Keren Hajischuw einberufene Palästina- Konferenz zur Einleitung einer großen Aktion für den Palästina-Aufbau in England statt. Als Ehrengaste waren der Präsident der Agudas JisroebWeitorganisalion, Jacob R o s e n h e i m , und Rabb. Dr. S. S c h ö n f e 1 d , London, anwesend, deren Reden und Vorträge im Mittelpunkt der Veranslallung standen. Etwa hundert Delegierte und Gäste aus der ganzen großen Umgebung waren anwesend. Es wird mitgeteilt, daß dar Joint Distribu tionCommittee 500 Doli, für deutsche Bachurim, die sich auf den Jeschiwoth des Ostens ausbilden wollen, bewilligt hat. Die Bewilligung geschah auf Grund der Bemühung des Keren Hatorah, der einen Hilfsfonds für diesen Zweck ins Leben gerufen hat. Sammelaktion für die Opfer der Palästinaunrunen. B e ß a r a b i a n ist das einzige Land, wo A g u d a und Zionisten eine gemeinsame Sammelaktion für die Opfer der letzten Unruhen in Palästina durchführen. An der Spitze der Sammelaktion steht der Präsident der Beßarabischen Aguda. Oberrabbiner I. L. Zirelsohn. (J. P. B.) Von den Poae] Agudas Jisroel. Am 17. Kislew fand in Tel Awiw eine Zusamt menkunft der agudistischen Arbeitergruppenvertreter aus Jerusalem, Haifa, Tel Awiw, Petach Tikwah, Bne Brak, Ramath Gan, Kfar Saba, Gedera, Rechowoth und Ranana statt. Hauptgegenstand der Verhandlung war die Arbeitslage und die wirtschaftliche Fundierung der Organisation der Arbeiter. Angesichts der außerordentich schwierigen materiellen Lage wurde der bereits kurz berichtete Beschluß gefaßt, zwei Vertreter der Foalim vor allem nach Westeuropa zu entsenden, um dort für die Belange der Poale AgMdas Jisroel zu werben. In Karkur versucht die dortige agudistische Arbeitergruppe nach dem Vorbild von Tel Awiw die Schaffung eines Wohnquartiers für ihre Mitglieder. In Bne Brak wurden der Arbeitergruppe ebenfalls Regierungsaufträge beim Wegebau erteilt. In Jerusalem ist leider am 13. Kislew in der Persönlichkeit von Menachem Fried aus Ungarn eines der aktivsten Mitglieder heimgegangen. -Er kam vor ungefähr zwei Jahren nach Erez Jisroel und hat, — obgleich großer Thoragelehrter — sich durch seiner Hände Arbeit ernährt. Gleichzeitig in den Freizeiten und am Sabbat durch Schiurim und Vorträge an der geistigen Leitung der Gruppe in hervorragen^ der Weise mitwirkend. In seinem Nachlaß befinden sich noch eine Reihe ungedruckter halachischer und agadischer Manuskripte. Die Poale Agudas Jisroel Jerusalem hat beschlossen, daß jedes Mitglied einen Tageslohn im Monat Kislew einem Fonds zuweise, durch den die Witwe und die Waisen des Heimgegangenen vor der ersten Not geschützt sein sollen. * Im Monat Dezember fanden größere Veranstaltungen des Keren Hajischuw in Sunderland (England], Hannover und München statt. In Breslau wurde von Seiten der Jüdischen Gemeinde ein Gemeindeabend veranstaltet, an welchem ein agudistischer Redner im Sinne des Keren Hajischuw über das Thema „Jüdischer Geist im jüdischen Lande" sprach. Der Vortrag wurde von dem dortigen Gemeinderabbiner Hofmann eingeleitet, im Anschluß daran fand ein Tee abend statt, welcher von der dortigen Agudagruppe zugunsten des Keren Hajischuw veranstaltet war. (Aus den Berichten der P. C. der A. J.) Famüien-Nacliricliten- Geburten: Eine Tochter. Louis Reutlinger und Frau Else geb- Hamburger, Pforzheim, Kronprinzenstr- 25, 20. 12. 36. Barmizwoth: Bernd, Sohn des Herrn Sam Kahn und Frau Henny geb. Ginsberger. Frankfurt am Main, C-rünestr. 40. rn?3E? 'S ra». — Gert, Sohn des Herrn E. Katzmann u. Frau Frida geb- Mandelbaum, Kitzingen am Main, niaü? 's nncr. Verlobte: Kiärchen Rosenthal mit ScMome Josefi, Haifa, Pewsnerstr- 58- Vermählte: Manfred Reich mit Irmel Reich geb. Strauß, Haifa. 6 0- Geburtstag: Rabb. A. Gibermann, Köln, Dasselstr. 31, 18. Teweh 5697.

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