Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 51 (23.12.1936)
- Date
- 1936-12-23
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2450909-2450959--82662-2540610- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 12 Nr. 51 Der Israelit 23. Dezember 1936 Grundsätzliches zu B. Jacobs Genesis-Kommentar, Durch die Bemerkung in einem Artikel unseres Blattes ist erneut eine Diskussion über den Wert und jüdischen Charakter des Genesis-Kommentars von B. Jacob ausgelöst worden. Wer die in der jüngsten Nummer des „Israelit" veröffentlichten Stellen aus dem Werke gelesen hat, dem konnte kein Zweifel mehr darüber aufkommen, daß es kein Buch für uns und unsere Kinder sei. Um aber alle Mißverständnisse zu beseitigen, sei hier noch einmal daran erinnert; daß gerade Herr Oberrabbiner Dr. Carlebach in der Beilage zu Nr. 25 des. „Israelit" von 1934 „Gola und Geulla" in einer grundsätzlichen Auseinandersetzung mit Jacob uns genau zeigt, was an dem Werke als Waffe gegen die willkürliche Bibelkritik verdienstlich ist und was darin wiederum im Widerspruch zur traditioneilen Auffassung steht, so daß an eine „rückhaltlose Empfehlung" -dieses Buches der Autor niemals gedacht haben kann. Außerdem seien hier aus einem Artikel Jacob Rosenheims in Nr. 51 des „Israelit" vom 20. Dez 1934 folgende Stellen wiedergegeben: „Es muß — bei aller Anerkennung für das monu mentale Werk, das mit einer Fülle neuer Gesichts punkte dem uralten Text kaum geahnte Tiefen abgewinnt und die landläufgen Seichtheiten der „Alk tagskritik" ad absurdum iühri' — ehrlicherweise ausgesprochen werden, daß Jacobs Buch letzten Endes dem gläubigen Juden, der sich eins fühlt mit der dreitausendjährigen heiligen Tradition seines Volkes eine noch schmerzlichere Enttäuschung bereitet, als habe er es von vornherein in der Erwartung in die Hand genommen, ein Erzeugnis der nichtjüdischen radikalen Bibelkritik selber kritisch kosten zu müssen Wenn man sich durch 'das Buch durchgearbeitet hat und in dem Anhang über die Quellenscheidung allen krummen Wegen der Bibelkritiker über Berge und Schluchten des grimmigsten Judenhasses und des ödesten Rationalismus gefolgt ist, erfährt man als Endergebnis die erschütternde Feststellung, die „G nesis=Erzählungen" stammten „spätestens aus der Zeit Davids", weil einige Kapitel des zweiten Samuel-Buches in ihrer Diktion offensichtlich von dem Text der Jakobs- und Josephs=Geschicht beeinflußt sind und, in ihrer allgemein anerkannten Glaubwürdigkeit, dem ,,Priester Ebjatar" zugeschrieben werden. Und darum die große Mühe! Wenn die Genesis-Erzählungen sogar aus der Zeit der Richter „stammten", so wäre mit dieser Errungenschaft das Fundament der jüdischen Religion, die Wahrheit, für die unsere Väter und Mütter tausendfach in den Tod gingen, die Wahrheit der von G' t t geoffenbarten Thora nicht minder geleugnet, als wenn erst spät im Exil, Esra, der Schreiber, cder sonst irgend ein Prieser auf Grund alter Tempslurkünden die Erzählungen des Fünfbuches gesammelt und redigiert hätte. Ja, wenn selbst ein zweiter Jacob käme und mit noch größerem. Scharfsinn M o s c h e R'a b b e n u sjs.lber als „letzten Redaktor" der Thora erwiese oder wahrscheinlich machte, so würde damit ja das rm'tt, das in allen solchen Entdeckungen liegt, nicht um Haaresbreite gemindert. Solange man die Thora als ein Werk der Well; literatur ausschließlich den Maßstäben der philologischen und historischen Kritik unterwirft, die empirischen Kategorien, des Verstandes, insbesondere die der.Zeit, als Letztes auf sie und ihre angeblichen „Autoren" anwendet und sich weigert, die traditionellen Voraussetzungen auch nur als diskutabel anzuerkennen, wird der religiösen Erkenntnis des Judentums durch noch so scharfsinnige Konimentare kein wirklicher Dienst geleistet. Wir könnten uns sehr wohl ein Werk, wie das von Jacob denken, das zwar den Hypothesen der Bibelkritik nachgeht, sie selbst arim»5? — wie es weiland Prof. Hoffmann b'"St getan hat — widerlegt, dabei aber nicht die Hauptsache vergißt: daß dem Juden die ganze Thora von m^sia bis bo i^vb ein zwar von Mosche Rabbenu nach der an sein sinnliches Ohr (n3 bti D3> erklungenen G'ttesstimme . niedergeschriebenes Gefüge von Buchstaben und Sätzen ist, daß aber der „Autor" dieses Buches, jenseits aller Zeit und alles Raumes, identisch ist mit dem metaphysischen Untergrund der Welt, auf den nun einmal die aus Raum und Zeit und Kausalität geborenen Methoden wissenschaftlich-kritischer Fragestellungen keine Anwendung finden können." Mit dieser Würdigung und Warnung dürfen wir die Akten über den Fall Jacob als geschlossen betrachten, i ges entwickelten Gemeinde klingen in obengenanntem Schriftchen schöne und unvergeßliche Erinnerungen nach. Wir hatten uns allezeit R. Schelomoh Ansbacher als einen der Erlesenen vorgestellt, die in schwerster Zeit und auf härtestem Boden stille Säemannsarbeit tun; in ganz allmählicher und stetiger Wachstumskraft reift das Werk solcher Menschen zu endlicher Größe, und die Ernte beginnt oft erst nach ihren Tagen. Hier nun lernen wir denselben Mann noch als einen solchen kennen, der auch uns Heutigen noch etwas zu lehren hat und dessen Wort auch unter so ganz veränderten Zeitverhältnissen noch ans Herz greift. Er war auch in den Zeiten unseres höchsten äußeren Glückes ganz der schlichte Lehrer und Ermahnet in Wort und Tat geblieben. Diese Festigkeit und Unbeirrbarkeit hatte ihn befähigt, in jenen Zeiten die Grundlagen zur Größe seiner Gemeinde zu legen, und die gleiche Eigenschaft befähigt seine Gedanken, auch heute und grade heute zu uns in brüderlich tröstender Liebe zu sprechen und uns zugleich zu ermahnen und zu erheben. Diese Wirkung der kurzen Thoraworte erhöht sich noch durch die Darstellung das Lebenslaufes des Verfassers, der eine wahre Kette von steten Bewährungen des. G'ttvertrauens und der Thoraliebe bildet. Für dieses Schriftchen haben nicht nur die Freunde der Gemeinde» S. Ansbachers Anlaß, dem Herausgeber von Herzen dankbar zu sein. Es kam zur rechten Zeit und in der ansorechendsten Form. B. C. Sichron Schelemoh, Aus handschriftlichen Aufzeichnungen zu den fünf Büchern der Thora. Von Rabb. V. R. Schelomoh Ansbacher in Nürnberg. Zur Würdigung seines Andenkens herausgegeben durch dessen Sohn Rabb. Dr. Ansbacher, Wiesbaden. Frankfurt a. M. 1936. Aus der Zeit der ersten Blüte einer inzwischen zu einer Stätte von Tauroh und Jiroh ersten Ran= Ein Zitatenlexikon. Der Philo-Verlag, dessen handliches Lexikon sich großer Popularität und Beliebtheit erfreut, gibt, wohl ermutigt durch diesen Erfolg, auch ein Zitaten5 lexikon heraus, das nach dem Titelblatt ,,Worte von Juden und für Juden" bringt. Begonnen wurde das Werk von dem inzwischen verstorbenen Dr Eugen Tannenbaum, beendet und herausgegeben ist es von Dr. Ernst Frankel (PhiloA/erlag Berlin W. 15). Die Schwierigkeiten für einen Lexikographen sind bekannt. Die Frage, „wo anfangen und wo aufhören," ist nicht leicht lösbar. Annähernd, aber keineswegs restlos, kann die Aufgabe gelöst werden, wenn ein großer Stab von Mitarbeitern, deren jeder s o uverän auf seinem Gebiete ist, herangezogen wird. Am Philolexikon hatten wir von unserem jüdischen Standpunkte aus mancherlei auszusetzen. Die relativ vollständige, korrekte und saubere Arbeit wird aber keiner verkennen, und darin lag wohl auch der Schlüssel zu seinem Erfolge. All dieses läßt sich leider vom „Philo- Zitaten- Lexikon" nicht sagen. Die einheitliche Linie, nach der die Zitate gesammelt und aufgenommen wären, fehlt vollkommen. Wenn auch schon Worte von Juden und Worte für Juden nicht in ein Büchlein von 144 Seiten eingefangen werden können, so hätte wenigstens die Auswahl nach festen Prinzipien vor sich gehen müssen. Was ist eigentlich ein Zitat, das ver; dient, verewigt zu werden? Sind es die Aeußerungen von Großen, die bereits als geflügelte Worte, als Scheidemünzen großer Weisheiten unter dem Volke leben? Oder solche, die es. verdienen, dem Schatze der Spruchweisiheit eingereiht zu werden? Aus der Zusammenstellung dieses Buches ergibt sich keine Klarheit darüber. Die Männer, die an diesem Buche gearbeitet haben, griffen da und dort, schein» bar von ungefähr, etwas heraus und ließen Schöneresi und Wichtigeres liegen. Wenn man bedenkt, daß, zum Exempel, Martin Luther mit 23 Aussprüchen und Uebersetzungen vertreten ist, während von H i 1= 1 e 1 nur zwei armselige Sätze erborgt sind, so erübrigen sich alle weiteren Einzelheiten. Selbstvex-- ständlich nehmen Martin Buber, 'Herzl, Bialik und andere führende Männer des nationalen oder liberalen Judentums von heute eine große Rolle ein. Das hätte aber kein Grund sein dürfen, einen Mann, — lim gerade einen zu nennen, der kein Exponent orthodoxer Lebensanschauung ist, — wie Moritz Lazarus überhaupt auszuschalten. S. R. Hirsch wird die Ehre angetan, daß zwei Sätze aus seinen Schriften herbeigeholt werden, dagegen kennen die Herausgeber die späteren und heutigen Führer der Orthodoxie und ihre vielfachen Schriften überhaupt nicht, während Namen dritter oder zehnter Größe aus den anderen Fakultäten in oft banalen Weisheitssentenzen aufleuchten. Ganz schlimm ergeht es den Herausgebern, wenn sie hebräisch zitieren. In einer Zeit, da alle Welt hebräisch lernt, wird jeder Olef-Beth-Schütze wissen, daß man bspiw und nicht btxpOTV> schreibt; daß ..nehmen' npb und nicht Ipb heißt; daß die „Königskrone" von Gabirol sich rrßbn "im und nicht "icp nwte betitelt; daß das Kaddischgebet mit den Worten beginnt enprm Vian' und nicht vrtpw, daß es im „Hatikwahlied" — das wissen auch Nichtzionisten -- nicht heißt ''Sin ,"nn*' ÜS3. sondern ''mn- Von deplazierten Waws und falschen Punktionen gär nicht zu reden. Schon um diese kleinen Dokumente des großen Amharazuth zu beseitigen, möchten , wir dem Verlage raten, die erste Ausgabe ehestens aus dem Buchhandel zurückzuziehen und sie durch eine neue Auflage zu ersetzen, in der noch andere kleinere und größere Uebel abgestellt werden könnten. F Unberührt und unverändert könnte — um nach, gut jüdischer Art, mit etwas Günstigem zu schlier Ben —, der Anhang der Sprichwörter u n d Redensarten bleiben. Wenn auch nicht vollständig, so bietet doch diese Sammlung eine schöne und reichhaltige Kollektion von jüdischen Redewendungen, die tief in die Psyche des jüdischen Ostens blicken lassen. —tz. Eine Simonsen-Bibliothek in Kopenhagen. Der im Jahre 1931 verstorbene Oberrabbiner von Dänemark, Prof. David Simonsen, hat durch sein Vermächtnis seine ganze in 60jähriger unermüdlicher Sammelarbeit entstandene Bibliothek der Königlichen Bibliothek in Kopenhagen überlassen, wo sie unter dem Namen „Bibliotheca Simonseniana" eine besondere Abteilung bildet. In dem soeben erschienenen Dezemberheft der Zeitschrift „lödisk Familieblad" gibt der Verwalter dieser Abteilung, Dr. phil. Rafael Edelmann, eine Uebarsicht über den Reichtum dieses hervorragenden Bücherschatzes, Die Bibliothek umfaßte schon bei der Uebergabe fast 1Q0.QQ0 Bände. Seitdem wird sie dauernd aus den Mitteln der Kgl. Bibliothek und durch private Zuwendungen vervollständigt. In mancher Hinsicht übertritcf sie die reichsten jüdischen Büchersammlungen der Welt, wie diejenigen der Frankfurter Stadtbibliothek, des British Museum usw. Die Biblioihek zerfällt in eine Hebraica= und eine Judaica-Abieilung. In der Hebraica befinden sich hunderte hebräischer Bibelausgaben mit und ohne Kommentaren, Bibelübersetzungen fast in allen Sprachen, Midrasch-Ausgaben, kabbalistische und chassidische Literatur, religionsphilosophische und ethische Werke, Talmud^Ausgaben und Kommentare, halachische Sammlungen, medizinische, mathematische, astronomische und sonstige wissenschaftliche Bücher in Hebräisch, eine große Sammlung der hebräischen schönen Literatur von deren Beginn bis auf unsere Tage, Volksliteratur usw. Großen Wert hat eine Spezialsammlung von halachischen Responsen („Scheeloth und Teschuboth") mit über 700 Nummern (eine so große Anzahl Responsen befindet sich an keiner anderen Stelle der Welt), außerdem 11 Inkunabel (Bücher, vor 1500 gedruckt), darunter zwei in nur einzig in der Welt vorhandenen Exemplaren. Von 150 , hebräischen Handschriften ist besonders wertvoll die berühmte Handschrift der Responsen von Maimonides und seinem Sohne in Hebräisch und Arabisch, die im Jahre 1240, also erst 36 Jahre nach dem Tode Maimonides geschrieben wurden. Zwischen der umfangreichen Sammlung von Büchern in Jiddisch ist eine Ausgabe von Gebete-Uebersetzungen, Krakau 1751, eines der ältesten jiddisch gedruckten Büeher, besonders bemerkenswert. Hunderte Werke in Arabisch, verschiedene Werke in Persisch, Persisch- Jüdisch, Arabisch-Jüdisch, sowie karäische Literatur beschließen die Hebraica-Abteilung. Es gibt keinen Zweig der jüdischen Wissenschaften, welcher in der Sammlung nicht mehr oder weniger vollständig repräsentiert ist, von der theologischen Literatur und jüdischen Geschichte angefangen bis zur antisemitischen Literatur, Schriften aller jüdischen Parteirichtungen, Berichte von philanthropischen und sonstigen Gesellschaften, schöne Literatur, Zeitschriften- Komplexe usw. Jugendliteratur des Philo-Verlages. Ein schönes Kinderbuch, hervorgegangen aus der Schriftenreihe der C. V.-Zeitung (Philo=Verlag und Buchhandlung G. m. b. H. Berlin W. 15) nennt sich die Wunschkiste. 39 hübsche Geschichten, veranschaulicht durch schöne Illustrationen, findet das Kind in diesen schön gedruckten, zwischen harten Deckeln ruhenden Blättern: Tiergeschichten, Ferienerlebnisse, Kinderlieder, Festberichte und derartiges mehr. Das Kinderbuch eignet sich auch als Lektüre für Kindergärten. Ein anderes Kinderbuch stammt von Fritz Rotgieß e r und nennt sich „Das Knabenschiff" (Philo-Bücherei Nr. 5 6). Die Erzählung ist hübsch illustriert und wird in ihrer lebendigen Darstellung Knaben älterer Jahrgänge Freude machen. Für einen noch älteren Jahrgang ist das im gleichen Verlag erschienene Buch von Heinz War« schauer: „Jüdische Jugend baut auf" berechnet. Es handelt selbstverständlich vom Kib* b u z in Palästina. Vom geistig religiösen Leben ist in dem Buch wenig zu finden, aber jedenfalls auch nichts, was gegen den jüdischen Geist spräche. Im Uebrigen ist das Buch auch als Lektüre für Erwachsene zu empfehlen, die sich über die Arbeit der Jugend und für die Jugend in Palästina orientieren wollen. Zu besonderem Danke sind wir dem Philo=Verlag verpflichtet, daß er Bertha Pappenheim ein schönes sinniges Denkmal gesetzt hat, und zwar mit der Herausgabe einiger von ihr verfaßten Gebete, Die Gebete sind ausgewählt und herausgegeben vom Jüdischen Frauenbund und mit einem feinsinnigen Nachwort von Margarethe Susmann versehen. Sie sind in Faksimile wiedergegeben, was den Glanz des Buches und seinen Pietätswert noch erhöht. —tz.