Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 51 (23.12.1936)
- Date
- 1936-12-23
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 Nr. 51 Der Israelit 23. Dezember 1936 Spendet zu jeder Zeit der jüdischen Winterhilfe! Die Spannung unter der arabischen Einwohnerschaft von Jaffa wächst. Die Fälle gewalttätiger Ausschreitungen mehren sich. Besondere Polizeiabteilungen werden bereit gehalten, um bei einem etwaigen Aufruhr einzugreifen. Der 18jähi-ioe Araber Mohammed Abdul Fattah Suleiman aus Tire, der am 15. Februar ds. Js. die aus Deutschland eingewanderte Julie Koller ermordet hat, ist vom Strafsenat des Kreisgerichts in Haifa unter dem Vorsitz von Richter Coplani z u m Tode verurteilt worden. Mit Rücksicht darauf, daß der Verurteilte geständig war, wurde seine Begnadigung zu lebenslänglichem Gefängnis beim High Commissioner befürwortet. Dr. Chaim Weizmann verbrachte den 14. Dezember mit seiner Gattin, Frau Dr. Vera Weizmann, als Gast im Regierungshaus* in Jerusalem. Er verließ es, wie die ITA. mitzuteilen für wichtig hält, nachdem er das Dinner in Gesellschaft des Chefsekretärs der Paläst inaregierung, John Hafhorn Hall, und des Mitglieds der Königl. Kommission Prof, Reginald Coupland genommen hatte. (?) Unier den arabischen Brüdern. Jerusalem, 14. Dez. Nach den neuesten Berichten wurde bei Safed ein reicher Araber von einer 20 Mann starken Bande ermordet. Seine drei Kinder wurden schwer verwundet. Auch sonst scheint der Bruderkampf unter den Arabern neuen Auftrieb zu bekommen. Die Spannungen zwischen mohammedanischen und christlichen Arabern kommen in zum Teil schweren Zwischenfällen zur Entladung. Die Mohammedaner dehnen den wirtschaftlichen Boykott, den sie gegen die Juden verhängt haben, auch auf die christlichen Araber aus, weil diese den Boykott der Juden nicht mitmachen. In der Jerusalemer Altstadt wurden sogar mohammedanische Boykottposten vor arabisch=christlichen Läden aufgestellt, die die Mohammedaner am Betreten der Geschäfte verhinderten. Da sich die christlichen Araber diese Behandlung nicht gefallen lassen, so kommt es an verschiedenen Stellen zu blutigen Schlägereien. Auch die Einigkeit mit den Hauraniern ist zu Ende. In Haifa wurden auf dem Markte zahlreiche Hauranier von arabischen Arbeitern überfallen und schwer mißhandelt. Die palästinensischen arabischen Arbeiter leiden nämlich schwer unter Lohndrückerei der Hauranier. Die Parole lautet hier: „Hauranier nach Hauran!" Pressemeldungen zufolge hat die Regierung die Polizei angewiesen, herumwandernde Hauranier anzuhalten und ihnen wegen illegaler Einwanderung den Prozeß zu machen, falls sie sich nicht bereit erklären ,das Land freiwillig zu verlassen. Weiter wird berichtet, daß die Regierung die Behörden für öffentliche Arbeiten auf Grund von Beschwerden palästinensisch-arabischer Arbeiter angewiesen habe, Arbeiter aus dem Hauran nicht zu beschäftigen. Die Untersuchungskommission bei der Arbeit. Jerusalem, 22, Dez. In der Sitzung vom 15, Dezember wurde der ehrenamtliche Rechtsberater der Jewish Agency, Bernhard Joseph, vernommen, der über den verwahrlosten Zustand der Regierungsländereien Bericht erstattet. Die Ländereien werden oft von Fellachen auf Grund eines von dem Muchtar aufgestellten Zeugnisses einfach in Besitz genommen. Mit der Erschwe-i rung des Bodenerwerbes durch Juden werde der Arf tikel 6 des Mandates verletzt. Bei dem jetzigen Tempo müßten 150 Jahre darauf gehen, bis nur die Hälfte des verfügbaren Bodens in Palästina erworben ist. Die Juden wären bereit, den unkultivierten Boden urbar zu machen, wenn sie ihn nur bekämen. Da niemand gezwungen werde, Boden zu verkaufen, so bedarf es keiner besonderen Schutzmaßnahme gegen den Verkauf. Der Präsident des Verbandes der palästinensischen Exporteure, Ingenieur Samuel To 1kowsky, äußerte sich über die Lage der Zitrusindustrie und machte verschiedene Vorschläge zur Besserung der Wege und des Transportverkehrs, Der Präsident der palästinensischen Handelskammer und der Anglo-Palestine=Bank, Hoofien, machte Vorschläge zur Hebung der palästinensischen Wirtschaft. 19 Proz, der Bevölkerung seien in der Landwirtschaft beschäftigt. Hoofien forderte ferner, daß die palästinensische Industrie durch geeignete Maßnahmen gefördert werde. Dazu gehöre auch eine wesentliche Erhöhung der Schutzzölle. Die Regierung werde dank der jüdischen Wirtschaft in die Lage gesetzt, die landwirtschaftlichen Steuern zu senken, aber sie hindere zuweilen die Entwicklung, weil sie nicht den rechten Glauben an die Zukunft des Landes habe. In nichtöffentlicher Sitzung wurden am 17. Dezember noch einmal Mosche Shertok und der Distriktskommissar von Jerusalem, Campbell, vernommen. Die Jerusalemer sspliardiseliG Gemeinde hat gemeinsam mit sämtlichen Gemeinden orientalischer Juden der Kgl. Kommission eine ausführliche Denkschrift übersandt, in der die poritische Lage und die Sicherheitsverhältnisse im Lande vor und nach dem Kriege geschildert werden. Die Denkschrift enthält praktische Vorschläge zur Verhütung einer Wiederkehr der Unruhen und zur Durchführung des Mandats. Es wird ein Vergleich zwischen» der heutigen Lage in Palästina und den Verhältnissen vor Beginn der großen jüdischen Einwanderung gezogen und die Rückständigkeit derjenigen arabischen Länder hervorgehoben, in die Juden nicht einwandern. Man erwartet, daß einige führende Persönlichkeit ten der orientalisch-jüdischen und sephardischen Bevölkerung vor der Kgl. Kommission erscheinen werden. Der Ausbau des jüdischen Wirtschaftssektors Palästinas. Jerusalem, 17. Dez. Bei einer in Tel Awiw abgehaltenen Versammlung des Allgemeinen jüdischen Arbeiterverbandes wurde darauf hingewiesen, daß im Jahre 1936 6 Millionen Pfund von Juden in Palästina investiert wurden, davon 3]/> Millionen in der Landwirtschaft. Die jüdische Wirtschaft Palästinas hat in diesem Jahre 10.000 jüdische Arbeiter neu absorbiert. Im Vergleich zu den Verhältnissen, die Ende 1935 herrschten, hat sich die allgemeine Wirtschstfasituation bedeutend gebessert. Die Zahl der jüdischen Bvölkerung Palästinas Ende 1936 wird auf 410.000 geschätzt. Der Allgemeine jüdische Anbeiterverband zählt bereits 100.000 Mitglieder. In dem Gebiet an der Haifa-Bay sollen noch in diesem Winter auf einer Fläche von 4500 Dunam 90.000 Eukalyptusbäume und Zypressen gepflanzt werden. Amerika. Religion als Rettung für die Welt. — Ansprache Gouverneur Lehmans, New York, 20. Dez. Vor 800 Studenten des Jewish Theological S e m i n a r y hielt der Gouverneur des Staates New York, Colonel Herbert" H. Lehman, eine Ansprache, in der er Krieg, Wirtschaftsnot und UndulcU samkeit als die drei Hauptprobleme der heutigen Zivilisation bezeichnete. Die Rettung für die Welt m ü s s,e a u s 1 d. e r R e 1 i g i o n komme n. An diesem Werk müßten die Juden ihren vollen An4 teil haben. Der Redner belaßte sich sodann mit den Vorwürfen, die heute mitunter den Juden wegen ihrer ethischen Ueberzeugungen gemacht werden, und erklärte, diese Vorwürfe würden die Juden dereinst ein Ehrenzeugnis sein. Personalien« Gerolzhofen, 17. Dez. Die Gattin unseres Kultusvors-tandes, Frau Selma Brodmann, ist, erst 48jährig, nach ganz kurzer Krankheit plötzlich und unerwartet abberufen worden. Die Heimgegangene, das Muster einer jüdischen Frau, hat sich auf allen Gebieten, insbesondere auch als Vorsitzende des Jüdischen Frauenvereins, hervorragend betätigt und hinterläßt in der Gemeinde eine nur schwer zu schließende Lücke. Den schwergeprüften Angehörigen wendet sich allgemeine Teilnahme zu. — Auf dem Friedhofe in Gerolzhofen sprachen Herr Rabbiner Dr. Köhler, Schweinfurt, und Lehrer Reiter ehrende Worte des Gedenkens und des Trostes. n"3X3n Babenhausen, 20. Dez. Vor wenigen Wochen konnte unser ältestes Gemeindemitglied, Herr Kalmann Idstein, seinen 8 0. Geburtstag feiern, Herr Idstein ist ein Jude vom alten Schlag, der sich stets dafür einsetzt, daß die Traditionen der Kehilloh streng gewahrt werden. Hat er doch die Zeit miterlebt, die für die Kehilloh unter Führung von Meier Seewald ^"T eine Zeit der Blüte war. Möge ihm noch eine Reihe von Jahren in körperlicher und geistiger Gesundheit gewährt werden. niv? n*?» is1 Egejsbach, 20, Dez, Am 22. Dezember vollendete der Senior unsrer Gemeinde, Herr Daniel K ä t z , sein 7 5. Lebensjahr. Herr Katz ist einer der Männer, die auf dem Lande immer seltener werden. Seine durchaus gesetzes- und traditionstreue Lebensführung, seine Liebe zur Thora machen ihn in dem weiten Kreise derer, die ihn kennen, zu einer verehrungswürdigen Persönlichkeit. Möge ihm Ti"">vn die Gnade gewähren, ihn noch recht lange in ungeschwächler Gesundheit seiner Familie und seinen Freunden zu erhalten. S7~S?l»y London, 15. Dez. Am Sabbat awi 'a verschied hier unerwartet die Witwe Lothar Feuchtwangers V"XTf Frau Anny Feuchtwanger 5?"3' die würdige Tochter des unvergeßlichen Philantropen Hermann Lehmann t>"XT , im siebzigsten Lebensjahre. Erst vor einem Jahre war sie von München, wo sie an der Seite ihres Gatten und in einem langen Witwentum jahrzehntelang ein allem Güten, Edlen und Jüdischen geöffnetes Haus geführt hatte, ihrem Sohne hierher gefolgt, um sich der wohlverdienten Muße des Alters zu erfreuen. Sie sonnte sich in den Erinnerungen eines Lebens, das der Mühen und Sorgen, ja des bitteren Schmerzes nicht entbehrte, ' aber erhellt und geadelt worden war durch das immerwährende Licht jener klassischen G'ttesfurcht und Mizwa-Erfüllung, die Väter und Gatte ihr vorgelebt und ihr zum eigenen Besitztum gemacht hatten. Das Talmud-Exempiar, in dem der Gatte ein Leben lang geforscht, hütete sie wie einen Talisman und führte es an einen Ehrenplatz in ihrem Londoner Heime über. Zu der Bestattung waren außer ihrem Bruder aus Straßburg, Emil H. Lehmann, eine ganze Anzahl naher Anverwandter erschienen. Rabbiner Dr. Eli Münk von Golders Green feierte in schlichten, zu Herzen gehenden Worten das Ideal des jüdischen Familiensinns— psi^i? "p^X' ~\pW2 — wie es sich in dem Hause der Heimgegangenen ausgeprägt habe, während Herr Jacob Rosenheim dem Schmerze der Familie Ausdruck verlieh, die in Anny Feuchtwanger S"M den Abglanz zweier am Firmament des- Judentums erloschener großer Ge= Stirne erblickt habe und ihr ein treues, dankbares Gedenken bewahren werde. n"ss:n Tel Awiw, 19. Dez. Herr Heinrich L e v y , früher Homburg an der Saar, begeht seinen 6 0. Geburtstag am Schabbos TP! '3« Herr Levy ist ein Mann von thoratreuer Gesinnung, der in seiner früheren Gemeinde die drei Grundpfeiler des Judentums min rraai mia? mit Aufbietung seiner ganzen Kraft aufrecht erhalten hat. Herr Levy hat sich auch bereits im heiligen Lande und in Tel Awiw treue Freunde erworben. Wir wünschen ihm weitere Jahrzehnte in voller Gesundheit und Arbeitskraft in der neuen Heimat. »"»1»» Briefkasten. St. in D. Ein Dreißigjähriges Ehejubiläum gibt es nicht; trotzdem gratulieren wir herzlich. Ww. S. Stern in B. Vorsitzender des Joint Di?" tribution ist Rabbi Jonah B. Wise; Ehrenpräsident Felix M, War bürg in New York . , . .. Die Adressen der Qberkantoren sind uns hiebt bekannt- .•: s ■ ■.