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Der Israelit · 1936-12-23 · Heft 51 (23.12.1936) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 51 (23.12.1936)
Date
1936-12-23
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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23. Dezember 1936 D Israelit Nr. 51 Seite 9 England. Bas Silberjubiläum der Adaß Isroel-Gern ein d-. London, 21. Dez. Die Adaß I s r o e 1 G e m e i n d e in Nord-London beging gestern und vorgestern den Gedenktag der vor 25 Jahren erfolgten Eröffnung ihrer Synagoge. In der Tat darf die Gründung der Gemeinde selbst jedoch ein halbes Jahrhundert zurückdatiert werden, da sie aus dem schon 5646 ins Leben getretenen „North London Beth harne drasch" hervorgegangen ist. Der noch lebende erste Präsident dieses Bebh hamedrasch, James H. Loewe gab, durch die Beschwerden des AI ters zurückgehalten, in einem hebräischen Schreiben seiner Freude über die Entwicklung seines Werkes Ausdruck. Eine zum Jubiläum erschienene kleine Festschrift gibt über diese Entwicklung interessanten Aufschluß und läßt die große Reihe der meist aus Deutschland und Ungarn stammenden Männer Revue passieren, die — angeregt durch das Beispiel Berlins, Frankfurts, Wiens — inmitten der Millionenstadt und einer nach Hunderttausenden zählenden gemischten jüdischen Bevölkerung der unverfälschten, kompromißlosen Thoratreue mit starker Hand einen Mittelpunkt vielseitigsten Gemeindelebens schufen. Der Pflege des Lernens, der Thora im engeren Sinne, dient nach wie vor das Beshamedrasch, dag die Urzelle der Gemeinde war; das religiöse E r z i e h u n g s> w e s e n fand neben den Religionsschulklassen durch die Gründung der Jewish Secondary Schools für Knaben und Mädchen seine Krönung. Tiefe Dankbarkeit kommt in dem Berichte gegenüber dem Gründer dieser Schulen, dem ersten Raw der Gemeinde, dem vor sieben Jahren allzufrühe abberufenen Dr. Viktor Schönfeld ^"ST zum Ausdruck, dessen Imtiative die Gemeinde auch die Schaffung ihrer Kaschruth- Institutionen, ihres Jugendver= eins „Ben Z a k k a i " und ihrer M i k w a verdankt. Weitere Entwicklungsstadien werden durch den Erwerb eines eigenen Friedhofes und die Zusammenfassung der daran mitbeteiligten Gemeinden und Synagogen zur „Union of Orthodox Hebrew Congregations" bezeichnet. Ein unter dem Vorsitz des Veterans der Gemeinde, Herrn David Gestetner t?"n? stehendes Jubiläumskomitee hat seit einigen Wochen eifrig an der Vorbereitung der Feier gearbeitet und sich zur Weihe des Gedenktages bemüht, Mittel zur Rückzahlung der auf dem Synagogengebäude noch lastenden Hypothek aufzubringen. Die Feier selbst wurde am Ietzten Sabbat durch einen kurzen Vorspruch des allbeliebten jungen Raws der Gemeinde, Rabb. Dr. Salomon Schönfeld, eingeleitet, dem am Sonntag Nachmittag ein mehrstündiger Dankg'ttesdienst folgte. Umrahmt von herrlichen Chorgesängen, brachten Gedenkreden von Rabb. Dr. Schönfeld und alsdann seines unmittelbaren Vorgängers im Amte, des der Gemeinde noch immer freundschaftlich verbundenen Rabb. Dr. Eli Münk von Golders Green, die Gedanken und Gefühle der Stunde zum Ausdruck. Im Vorraum der Synagoge wurde eine Marmortafel zum Andenken Dr. Viktor Schönfelds ^"st enthüllt. Der Abend vereinigte die Mitglieder und Freunde der Gemeinde und zahlreiche Ehrengäste zu einer „reeeption" unter Vorsitz des verdienstvollen Präsidenten der „Union", Dr. H o m a , bei der Ernst und Weihe, aber auch der herzliche Familiengeist, der die Adaß Isroel-Gemeinde innerlich eint, zum erfreulichen Ausdruck gelangte. Es sprachen außen dem Raw, als erster Redner Rabbi Faerk«r( der Präsident des Board of Deputies, Nevillo Laski, der in launiger Rede die Vertreter der Orthodoxie im Board als trotz ihrer Unnacihgiebigkeit besonders wertvolle Mitarbeiter feierte, vom Besdin der „United Synagogue" die Dajanim Rabbi Abramski und Feldmann, der Parlamentsabgeordnete Barnett Jänner, Harry Goodman, Jos. W e i 11, der derzeitige Präses der Gemeinde u. a. m. Es :war ein Fest dankbaren Rückblicks, aber auch . ein Ansporn zu rüstiger Weiterarbeit zum Besten von Klall Isroel in einer Zeit schwersten Schicksalsernstes, N^ue Ueberfälle auf Juden in London-Ost. London, 21. Dez. Am letzten Freitagabend wurden jüdische Passanten in London=Ost wiederum überfallen und zum Teile ernstlich verwundet. Es geschah nach einer großen Versammlung, auf der Sir M o s 1 e y eine Rede gehalten hatte. Mehrere Fensterscheiben in jüdischen Häusern wurden eingeschlagen. Ein Jude namens Frederic Friedmann wurde in bedenklichem Zustande ins Spital überführt (s. P. P.). Die Woche. Berlin. Die Jüdische Winterhilfe der Jüdischen Gemeinde zu Berlin hat in Gemeinschaft mit dem Jüdischen Wohlfahrtsamt zu Chanukah 4000 Kinder beschenkt. Die Kinder erhielten Kleidungsstücke aller Art, Spielzeug und Süßigkeiten. Mannheim. Das Israelitische Gemeindeblatt" in Mannheim vermerkt die Namen von zwei Familien mit insgesamt acht Personen, die aus der Israelitischen Gemeinde in Schwetzingen a us getreten sind. — Die Israelitische Kultusgemeinde in Fußgönsheim in der Pfalz ist laut Beschluß des Landesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinden der Pfalz aufgelöst worden. Die Synagoge wurde verkauft. Sie war im Jahre 1902 erbaut worden. Die Anzahl der Gemeindemdtglieder in Fußgönheim beträgt zusammen mit den Ortschaften S c h a u e r n h e i m und Ellerstadt 15 Personen, darunter 5 erwachsene Männer. Konstanz. Die Synagoge in Konstanz ist von einem schweren Unglück heimgesucht worden. Ein Brand, dessen polizeiliche Untersuchung noch im Gange ist, vernichtete den Aron Hakodesch, sämtliche Thorarollen und verschiedene Kultgegenstände. Breslau. Im Alter von 78 Jahren starb in Berlin, wo er zuletzt wohnte, Justizrat Heilberg aus Breslau. Der Verstorbene hat sich früher im kommunalen Leben der Stadt Breslau und innerhalb der deutschen Anwaltschaft führend betätigt. — In der „Schlesischen Tageszeitung" teilt Gauamtsleiter von Streitschwerdt mit, daß zu Weihnachten ein Verzeichnis der jüdischen Geschäfte in Breslau erscheint, in dem zunächst die Namen von rund 450 der bekanntesten jüdischen Firmen veröffentlicht werden. Jerusalem. Das Jerusalemer Bezirksgericht, das aus einem englischen und einem arabischen Richter besteht, hat die Klage eines Ehemaklers gegen den Vater einer Braut auf Zahlung des* Ehemaklerlohnes abgewiesen, weil eine solche Zahlung „mit dem öffentlichen Wohl nicht vereinbar" sei. In erster Tnstanz war der Klage stattgegeben worden. Tel Awiw. Unter großer Beteiligung fand in Tel Awiw die Einweihung des neuen Gebäudes für die Städtische- Bibliothek statt. New York. Im Aller von 57 Jahren ist in New York der bekannte jüdische Sozialarbeiter Henry Moskowitx, Vorsitzender der Exekutive des ORT-Verbandes Amerikas und Mitglied der Exekutive des Joint Distribution Committee, gestorben. Im jüdischen Bereich hat sich Henry Moskowitz, der in früher Jugend aus Rumänien nach Amerika gekommen ist, insbesondere auf dem Gebiete der Wiederaufbauarbeit in Osteuropa betätigt. — Di« zionistische Ortsgruppe Brooklyn hat die Zionistische Organisation Amerikas aufgefordert, auf der Weltausstellung, die 1939 in New York stattfinden wird, einen Palästina-Pavillon zu errichten. Die Juden zur Thronbesteigung König Georg VI. London. 20. Dez. Der Board of Deputies of British Jews hat in seiner am 20. Dezember abgehaltenen Sitzung der Absendung folgender Huldigungsadresse an König Georg VI. und Königin Elisabeth zugestimmt: „Der Board of Deputies of British Jews entbietet gemeinsam mit der Anglo Jewish Association in Vertretung der Juden des Britischen Reichs SM. König Georg VI. und I. M. Königin Elisabeth seine Glückwünsche anläßlich der Thronbesteigung Seiner Majestät. Die beiden Körperschaften richten gemeinsam an SeMe,,Majestät eine Adresse der Treue und Ergebenheit." Bei der weiteren Beratung des Board of Deputies kam es zu einer Aussprache darüber, daß vielfach die jüdische Gemeinschaft mit dem Kampf gegen den Faschismus identifiziert wird. Sir Robert Waley Cohen, der Vizepräsident des Board, trat dieser irrigen Auffassung entgegen. Andererseits stellte er Aeußerungen in Abrede, die ihm von der Presse :n den Mund gelegt worden waren, und denen zufolge er beinahe auf einem faschistischen Standpunkt stehen sollte. Niemals, erklärte Sir Robert, sei es wichtiger gewesen als heute, daß das Verhalten jedes einzelnen Juden Niveau habe. Als ein Volk, so sagte er, dessen Kampf um Achtung in der Welt sich hauptsächlich darauf stützt, daß wir der Welt die Religion begeben haben, sind wir verpflichtet, unser eigenes religiöses Leben und die Rolle, die religiöses Leben in unserr Gemeinschaft spielt, auf hoher Stufe zu halten. Ein neuer Fragebogen im englischen Unterhaus. London, 21, Dez. Der Kolonienminister Ormsby-Gore teilte mit, daß die Palästinaregierung 5000 Lst. für die Fürsorge der jüdischen Flüchtlinge in Tel Awiw beigetragen hat. Diese Gewährung war bekanntlich die Frucht langwieriger Verhandlungen zwischen der Stadt Tel Awiw und den Regierungsvertretern. Die Antwort des Ministers war durch eine Frage des Abgeordneten Wedgewood ausgelöst, der darauf hinwies, daß die Regierung zur Errichtung eines Dorfes für die aus Jaffa evakuierten Araber 15 000 Lst. ausgeworfen hätte. Der Abgeordnete fragte dann, ob die 3000 Flüchtlinge in Tel Awiw weniger Unterstützung verdienten, als die heimlosen Araber, worauf jene Mitteilung des Ministers erfolgte. Als sich Colonel Wedgewood damit nicht zufrieden gab, meinte der Minister, man könne der Regierung nicht zumuten, daß sie jedermann unterstütze, der auf anderes Gebiet übersiedelt. Sir Samuel H o a r e , der erste Lord der Admiralität, teilt auf eine Anfrage mit, daß an drei Offiziere bezw. Unteroffiziere hohe Auszechnungen für besondere Tapferkeit bei der Abwehr der Streikun1 ruhen in Palästina verliehen wurden. Weitere Auszeichnungen werden zur Zeit noch erwogen. Der Minister wurde ferner gefragt, wie er sich zur neuerlichen Störung des Steinbruches von Migdal verhalte. Antwort: Er müsse zuerst einen Bericht des High Commissioners einfordern. Auf eine Anfrage, wann der Abschluß der Vernehmungen der Königl. Kommission zu erwarten sei, sagte der Minister, er sei nicht in der Lage, die Frage zu beantworten. Major P r o c t o r wies in einer Anfrage an das Schatzamt auf die Erschütterung des spanischen Orangenhandels und die Notwendigkeit erhöhter Einfuhr von Palästina-Orangen hin und regte die Aufhebung des Zolls auf Palästina-Orangen an. Der parlamentarische Sekretär des Handelsausschusses, Dr. B u r g i n , erwiderte, daß auf Orangen gegenwär* tig ein zehnprozentiger Wertzoll erhoben werde. Vor= Schläge zur Abschaffung dieses Zolls müßten zuerst dem Beirat für Importzölle vorliegen und könnten von jedem Interessenten in England gemacht werden. Palästina. Das Neueste aus Palästina, Jerusalem, 21, Dez. Drei arabische Zeitungen, an ihrer Spitze „El Liwaa", das offizielle Organ des Mufti, wurden für die Zeitdauer von drei Wochen bis drei Tagen verboten. Es wird berichtet, daß die Regierung von Transjordanien die Einwanderung von Hauranern verboten hat. Transjordanien fürchtet, daß manche Hauranier auf dem Wege nach Palästina in Transjordanien hängen bleiben könnte und bedankt sich für diesen zweifelhaften Menschenzuwachs. Im neuen Jahre werden sämtliche Polizeistellen in den Landbezirken Palästinas der Leitung b r i tischer Polizeikommissare unterstellt werden. Bisher wurden die Polizeiposten auf dem Lande von jüdischen oder arabischen Kommissaren geleitet. oom

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