Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 51 (23.12.1936)
- Date
- 1936-12-23
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Nr. 51 Der Israelit 23. Dezember 1936 Mischna (ri 'N NWT)) niedergelegt sind. Das Rechtsleben, welches in zahlreichen Urkunden einen Niederscnlag gefunden hat, beruht mf Grundsätzen, die mit den in Mischna und Talmud überlieferten übereinstimmen. Ganz wie im talmudischen Recht erhält der Ehemann das Nutznießungsrecht am eingebrachten Gut. Es wird eine der niirD entsprechender Heiratsurkunde ausgestellt. Wenn diese Urkunden auch schon aus der Zeit des zweiten Tempels stammen (5. Jahrhundert), so sind sie doch für die Verhältnisse zur Zeit des ersten Tempels von Bedeutung, da die Kolonie nicht in direkter Verbindung mit Jerusalem stand, also nach den eigenen Traditionen lebte. Wir finden auch hier das Nebeneinander von peinlichster Befolgung der Gesetze und Verehrung der Götter der Umwelt, worüber die Propheten zur Zeit des ersten Tempels ständig Klage führten. Es handelt sich hierbei um eine Assimilationserscheinung. Weite Kreise des Volkes konnten sich den übermächtigen Einflüssen der Kultur der Umwelt, aus welcher das jüdische Volk mit den Gesetzen der Thora einem einsamen Feis gleich emporragte, nicht ganz entziehen. Wenn sie auch die Gesetze befolgten, auf denen das gesamte Volksleben beruhte, so glaubten sie doch, daß auch gewisse Mittler (namentlich die Gestirne des Himmels) Einfluß auf das menschliche Geschick hätten. Das gibt den Propheten den Anlaß, ihre beklagenswerte Halbheit als Zerrbild zu geißeln. (Vgl. hierzu Doroth Horisohonim le S. 156 Anm. 76; Ic S, 332, 324.) Gefördert wurde diese Assimilation von den Königen und ihrer Umgebung, welche am ehesten geneigt waren, den kulturellen Anschauungen der damaligen Zeit Konzessionen zu machen. Das Wirken Isebels, welches in dieser Hinsicht von symptomatischer Bedeutung ist, wurde bereits mehrfach berührt. Hinzu kommt, daß das politische Machtstreben des Königtums sich gegen die Schranken auflehnt, welches ihm das auf den Thorageboten basierende Volksleben setzt. Das tritt namentlich bei Jerobeam in die Erscheinung, der das Volk davon zurückhält, nach Jerusalem zu ziehen, weil er für seine politische Macht fürchten muß und daher goldene Kälber aufstellen läßt. Deshalb richtet sich der Kampf der Newiim in erster Linie gegen das assimilierte Königtum und die assimilierten Oberschichten, weil bei ihnen die Wurzel der Mißstände lag. Die Thora hatte einer derartigen Beeinflussung des Volkes durch das Königtum von vornherein dadurch zu begegnen gesucht, daß sie dem König eine dem Sanhedrin untergeordnete vorwiegend repräsentative Stellung zuwies (vgl. S. R. Hirsch; Korn. 5. B. M. 17, 14). Tatsächlich haben indessen die Könige sich hiermit nicht begnügt und assimilatorisch auf das Volk eingewirkt. Das ist der tiefe Sinn der jüdischen Geschichte während der Zeit dssersten Heiligtums. Als daher diese ^retardierenden Einflüsse durch die erste Zerstörung beseitigt waren, da genügte die kurze Zeit des babylonischen Exils, daß das Volk in seiner Gesamtheit die von einem Teil nur oberflächlich angenommenen götzendienerischen Anschauungen völlig verließ und sich ganz dem Leben nach den Normen der Thora hingab, mit welchen es seit jeher verwachsen war. Das findet nur auf diese Weise seine Erklärung. Ebenso wird es nur so verständlich, daß dieselben Propheten, welche . alle Verfehlungen ihrer Zeit mit den schärfsten Worten geißeln, wiederholt darauf hinweisen, daß in früherer Zeit das Volksleben vollkommen war. „Ach wie wurde zur Buhlerin die Stadt der Treue, die. voll des Rechts war und Gerechtigkeit beherbergte." „Deine Richter führe ich zurück wie ehedem und deine Ratgeber wie früher; nachher wirst du (wieder) genannt die Stadt der Gerechtigkeit und Stadt der Treue." (Jes. 1, 21, 26) „Dann wird lieblich sein dem Ewigen die Opfergabe Judas und Jerusalems wie in den Tagen der Vorzeit und den früfieren Jahre n." (Maleaehi 3, 4). Mit diesen Aussprüchen allein ist der tendenziösen Auffassung der Boden entzogen, als haben die Propheten erst dem Volke die Hochziele gebracht, zu denen sie es erziehen wollten. Das Volk hat auf Grund der Gesetze der Thora von jeher auf hohem Niveau gestanden. Die Propheten wollten es nur auf dieser Höhe erhalten und zu ihr zurückführen! w^iwim<M!imMt^ii^xpm±xrjiixx>*t£vam ggra uuimtMiu.iiiiwvH.i^vjMiutiiaii« IV. Palästina. Palästina erstreckt sich in seinen heutigen politischen Grenzen vom Mittelmeer im Westen bis zum Jordan im Osten, von den Ausläufern der syrischen Bergketten im Norden bis an die Sinai-Halbinsel im Süden. So verhältnismäßig klein dieses Gebiet auch sein mag, so unterschiedlich ist doch in den einzelnen Landesteilen je nach der Lage zum Meer das Klima. Die Küstenebene mit den beiden großen Hafenstädten Haifa und Tel Awiw weist ein reines mediterranes Klima auf, d. h. heiße, lange, regenlose Sommer bei hohem Feuchtigkeitsgehalt der . Luft und kühle, regenreiche Wintermonate (November bis Januar). Die Gebirgszone mit der Hauptstadt Jerusalem (800 m über dem Meeresspiegel) zeigt klimatisch einen mehr kontinentalen, trockenen Einschlag. Die Temperaturunterschiede zwischen ■ Tag und Nacht und zwischen Sommer und Winter sind erheblicher als in der Küstenebene. Die Jordansenke endlich, zu der auch klimatisch die Ebene Jesreel die Ueberleitung bildet, liegt teilweise bereits unter dem Meeresspiegel, Die Luft ist subtropisch warm und trocken, so daß die an sich hohen Wärmegrade verhältnismäßig erträglicher für einen Europäer sind. Der Körperpflege kommt unter den dortigen Umständen allgemein eine kaum hoch genug zu veranschlagende Bedeutung bei. Die Städter, und zwar sowohl Damen als auch Herren, bevorzugen für die Oberkleidung im Sommer Leinen. Von der Verwendung von Kunstseide für Damenoberkleidung ist tunlichst abzusehen, da in Anbetracht der feuchten Wärme die Haltbarkeit nur eine geringe ist. Kunstseidene oder noch besser reinseidene (Crepe de Chine) Kopftücher sind jedoch für Damen zum Schutz gegen die Sonnenbestrahlung empfehlenswert. Nicht nur die Bewohner der Hafenstädte Tel Awiw und Haifa, sondern auch die Bewohner des Landinnern verbringen gern ihre freie Zeit am Meer, Für den Strand ist die gleiche Ausrüstung geboten, wie im Sommer in Europa gewohnt.. Im Winter trägt die Stadtbevölkerung die gleiche Kleidung wie der europäische Städter auch. Für kühle Abende, und vor allem für die winterliche Jahreszeit sind warme Mäntel notwendig. Die ungewohnt heftigen Regenfälle verlangen besonderen Schutz bei Ausgängen. Gummimäntel sind ungeeignet hierfür, da sie luftundurchlässig sind und auf diese Weise den Wärmeausgleich des Körpers unterbinden. Außerdem werden sie in dem Klima Palästinas leicht brüchig. Besser geeignet sind wasserdichte Popeline-Mäntel (Valmeline), die die Vorzüge der Luftdurchlässigkeit mit einer weitgehenden Regenfestigkeit vereinigen. nicht fertig sei. Ihm fehlte was, ohne das es nicht bestehen kann: die Ruhe, die nrnsn- Die schuf er am rac7' Erst jetzt war alles vollkommen, 'ya^n ara DP? innt^n „So vollendete G'tt erst am siebten Tage Sein Werk, das Er geschaffen." O, schönes, herrliches Wort! Goldne Wahrheit ruht in dir! Was nützen alle die wunderbaren Errungenschaften des Menschengeistes, die gewaltigen Fortschritte der Technik, wenn der Welt die Ruhe fehlt, der Frieden? Wenn Völker und Staaten sich in Haß und Zwietracht gegenseitig zu zerfleischen drohen, 50 ist die Welt unvollkommen, nur mangelhaft, trotz aller äußeren Schönheit, Schätze und Güter. Dies und nichts anderes spricht Freitag Abend jeder jüdische Vater im trauten Kreise der Seinigen mit erhobenem Kidduschbecher aus. Die wenigen, schlichten Worte klingen wie ein Gruß an die Allmenschheit, wie ein Gruß und eine Mahnung zugleich. Im weiteren berührt das Kidduschgebet unsere besondere Aufgabe als heiliges Volk und dankt schließlich dem Schöpfer, naön ünp». der den Sabbat geheiligt. Nun empfängt jeder Tischgenosse ein kleines Stückchen vom angeschnittenen Brote. Keiner nimmt sich selbst. Die Hand des Vaters erwirbt den Unterhalt der Familie, von ihm erhält jeder sein Brot. Er ist der verantwortliche Führer der Familie, und sorgt, daß jeder Bissen in Reinheit und Heiligkeit genossen wird. Dieses Austeilen der K'Sia versinnbildlicht die Zusammengehörigkeit der Haus= und Tischgenossen, die sich jetzt zur ersten Sabbatmahlzeit niedersetzen. Könnte ein schöneres Programm dieses Mahl einleiten und weihen aLs unser Kiddusch? Wir können an dieser Stelle nur kurz hinweisen auf die Tafelgesänge, die altjüdischen m-raT, die in poetischer Verklärung all jene hohen Gedanken zusammenfassen, die dem Abend sein Bild geben und die seit Jahrhunderten das Mahl würzten. b) H a w d o 1 o h. Die Perle des Sabbat hat auf der Gegenseite gleichfalls eine entsprechende Fassung: Hawdoloh. Hier handelt es sich nicht um Begrüßung. Der illustre Gast nimmt Abschied, verläßt uns. Hawdoloh bedeutet Scheidung. Eine andere Zeit beginnt. Die bleierne Schwere der sorgenvollen Werktage wirkt drückend auf unser Inneres. Ernste Stimmung gibt der Hawdoloh das Gepräge. Aber ein Ernst, der weit entfernt ist von lähmendem Kleinmut und Zweifel, ein Ernst, der in der wundervollen Mischung mit felsenfestem G'ttvertrauen ein gesundes seelisches Gleichgewicht erzeugt, das zu starkem Wollen und Vollbringen befähigt. Wieder ist die gesamte Familie um' den Vater vereint. Auf den Gesichtern liegt würdiger Ernst, ein feierliches Schweigen. Gar seltsame Dinge, für Uneingeweihte befremdend, holt man herbei. Und der Kelch mit Wein! Die kleine Fackel wird angezündet; das jüngste Kind macht von seinem alten Vorrecht Gebrauch, sie „halten" . zu dürfen. Vom Ernst des Lebens noch wenig berührt, hebt es freudestrahlend die Facke hoch, um für kurze Zeit das Zimmer grsll zu beleuchten. Andächige Stille. Feierlich beginnt der Vater bei erhobenem Pokal: V nm „Siehe, G'tt ist mein Heil, ich habe Vertrauen und fürchte nichts. Denn mein Sieg, mein Sang, ist Jah, der Ewige, Er war mir zur Hilfe. O. schöpfet Wasser in Wonne aus den Quellen des Heils. Dem Ewigen der Sieg; über deinem Volke ,dein Segen! Sela. .Der Herr Zeb.aot, mit uns, eine Burg bleibt uns Jakobs G'tt! Sela." — Und mit einem Stich in die dunklen Zeiten der Purimtage, .die. der Himmel einst'gnädig zum Guten gewendet, schließt der. .hoffnungsstarke Gruß an die neue Woche:, "ip^ •ptfwv rinnen nnk'nn'n Q'nn'V „Den Jehudim ward einst beschieden Licht und Freude, Wonne und Würde. So möge es auch bei uns sein!" — — — Könnte man schönere, treffendere Worte finden für den Beginn 'der Tage des- Schaffens und Ringens, des Sorgens und Mühens um sein Stückchen Brot? Wo wäre das Volk Israel hingekommen ohne diese Woche um Woche neu belebte und gestärkte Hoffnung? Dornen streute man von je dem Juden in seinen ohnehin steilen Lebenspfad. Er rechnete damit und mußte vieler Plackereien gewärtig sein, (Schluß folgt.) Wochenkalender. Vom 26, Dezember bis 2, Januar 1937 /Vom 12,-19. Tebet 5697 "'öl' 5]T DTI3T Samstag 26 12 ia Sonntag 27 13 13 Montag Dez. 28 14 ns Dienstag 29 rau 15 IS Mittwoch 30 16 IS Donnerstag Jan.. 1 17 na Freitag ' 2 18 BÖ Samstag 3 19i s mat?