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Der Israelit · 1936-12-23 · Heft 51 (23.12.1936) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 51 (23.12.1936)
Date
1936-12-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
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23. Dezember 1936 Der Israelit Nr. 51 Seite 5 höhere Schule prädestiniert sind, mögen zoir höheren Schule gehen. Wenige Kinder also nur auf die höhere Schule — hierzu mahnen ja auch die Gesichtspunkte der praktischen Zukunftsgestaltung und der Berufswahl —; diejenigen aber, die zu dem Kreis dieser wenigen gehören, sollen auf alle Fälle dorthin kommen, sofern sie im Lande bleiben. Dieser ausgewählten Schicht können die in Deutschland bestehenden jüdischen höheren Schulen genügen. Nun aber ergibt sich die Frage: Brauchen nicht viele unserer Kinder, auch wenn sie nicht zu dem begnadeten Kreis der besonders Beanlagten gehören, mehr als Volksschulbildung? Besonders, wenn wir bedenken, daß sie später auswandern müssen, und in der Welt herumkommen werden, Ist es nicht erforderlich, ihnen ein stärkeres Wissensrüstzeug mit ins Leben zu geben; es ist ja fast das Einzige, was sie mit hinaus nehmen können? Können uns die Eltern nicht mit Recht entgegenhalten: „Wenn mein Kind auch nicht für die höhere Schule unbedingt vorbestimmt ist, sollen deshalb seine geistigen Kräfte nicht voll ausgenutzt werden? Mein Kind kann geistig noch stärker angespannt werden, als die Volksschule es tut. Könnt ihr es verantworten, seine geistigen Kräfte brach liegen zu lassen, seinen Geist nicht soweit als irgend möglich zu bilden, und das Kind so ins Leben zu entlassen?" Daß wir von unserem Standpunkt aus dabei ^vor allem fordern müssen, die freien geistigen Kräfte zu Gunsten von Tauro und jüdischem Wissensgut zu verwenden, verstärkt das Problem nur. Wir glauben, eine Schulform vorschlagen zu können, die diesen Forderungen in ziemlich weitgehendem Maße Rechnung trägt. Die Form ist folgende: Die jüdische Volksschule wird so variabel gestaltet, als nur irgend möglich. Mit dieser Variation wird erreicht, daß den verschiedenen Stufen geistiger Kraft der einzelnen Kinder verschiedene Anforderungen gestellt werden. Je nach der geistigen Einstellung des Kindes stellt sich sein Bildungsplan, anders. Die Kinde'1, ■die nur der Volksschule gewachsen sind, haben nur das reine Volksschulpensum zu leisten, besser beanlagte Kinder haben mehr zu leisten, und höchste Forderungen werden an die best beanlagten gestellt. Diese Individualisierung ist ja eine Aufgabe, die jedem Lehrer im Rahmen seiner Klasse gestellt sind; doch betrifft die Individualisierung hierbei gewissermaßen den Lehrgang der Gesamtschule. Diese Variation erreicht man durch ein System fakultativer Lehrgänge, die in weitgehendstem Maße ausgebaut werden. Ueber das staatlich vorgeschriebene Pensum hin- Kap. 49. V. 10. >2 iy vbz~i pr» ppnai rmrra »2t? "iic flnp' "6i vbiw xv „Es wird nicht weichen das Szepter von Jehuda und der Herrscherstab von seinen Füßen, bis er nach Schilo kommen wird, und ihm wird die Versammlung der Stämme sein". Unter n^w ist die Stadt Schilo zu verstehen. Die Stadt Schechem wird zuweilen mit dem benachbarten Schilo identifiziert. So heißt es in Jehoschua 24, 1: b&-\w> -oaw ns yenrr* tpK'l nnniz? „Jehoschua versammelte alle Stämme Jisraefs nach Schechem", der Abschnitt schließt aber mit den Worten: 'n «npaa hpk nbxn nnn av n»'p,>i n^na px np^i „er nahm einen großen Stein und richtete ihn dort unter der Eiche auf, die sich im Heiligtum G'ttes befand (V. 26)." Da die Bundeslade zu jener Zeit in Schilo weilte (Jehoschua 18, 1), kann unter dem in 24, 1 genannten Schechem nur1) Schilo gemeint ■sein. Auf diese Weise findet auch der Nachsatz von 24, 1 Q'p^Rn ns^ laSTPi „und sie stellten sich vor G' 11" seine Erklärung. Danach kann auch in dem Satz inK ybnnb bunw bz »u dd» »a Da» oyam i^t „Und Rechaweam ging nach Schechem, denn nach Schechem war ganz Jisrael gekommen, ihn zum Könige zu ernennen" (Melachim 1 12, 1). Schechem soll identisch mit Schilo sein. Dawid und Schalomo regieren über alle Stämme. Eine kurze Zeitspanne aber, nachdem Rechaweam in Schechem, d i. in Schilo zum König aller Stämme gewählt, wird Jeroweam zum Herrscher der ze'?n Stämme gesalbt, Rechaweam sowie dessen Nachfolger aus dem Stamme Jehuda regieren nur über Jehuda 1) Nach einigen Kommentatoren wurde die Bündeslade eigens zur Abschiedsrede Jehoschuas von Schilo nach Schechem gebracht. Jedoch wird in der Schrift nichts davon erwähnt, aus werden fakultative Lehrgänge in großer Zahl eingerichtet, die weitere Bildungsgüter vermitteln. In der Wahl der Bildungsgüter hat man freie Hand, je nach Zweckmäßigkeit und Bedarf. Man wird natürlich den Hauptwert auf das Jüdische und dann auf die neueren Sprachen legen. Ein weiteres Element, von dem ein gut Teil der Erfolge dieses Systems zu erwarten ist, ist die Einrichtung von Förderklassen, d. h. Gruppierung der Schüler nicht nach Alter und Schuljahrgang, sondern nach Vorkenntnissen und Befähigung. Dies führt man prinzipiell überall, wo nur zulässig, durch, d. h. in erster Reihe bei den jüdischen Fächern, dann bei sämtlichen fakultativen Fächern, voi" allem den Sprachen. Betont sei, daß der Begriff des Fakultativen hierbei eine mehr juristische Bedeutung hat, etwa, daß die Behörde die Teilnahme der Kinder an diesen Stunden nicht verlangen kann. Den Kindern und auch den Eltern gegenüber besteht der Begriff der Freiwilligkeit hierbei nicht. Die Eltern müssen es schon der Schule überlassen, an welchen fakultativen Lehrgängen diese ihre 'Kinder teilnehmen läßt. Meist können sie selbst auch gar nicht beurteilen, was für ihre Kinder unter den gegebenen Verhältnissen das Richtige ist. Umrahmt man nun die fakultativen Stunden im Stundenplan mit obligatorischen, so fällt jeder Eindruck der Minderwertigkeit fort, der sonst häufig freiwilligem Unterricht anhaftet. Diese Elastizität des Lehrplanes macht es auch möglich, die beste Unterrichtszeit für die jüdischen Stunden zu gewinnen. Die ersten zwei Stunden eines jeden Schultages sollen hierbei jüdische Stunden sein. Der fakultative Charakter der Stunden macht es auch möglich, die Zahl der jüdischen Stunden Von Dr. Ph. Biberfeld. (Schluß.) Die Verwirklichung all dieser Gesetzeskomplexe im Leben des Volkes hat naturgemäß das Bestehen detaillierter Vorschriften und die genaue Vertrautheit der Volksmassen mit ihnen zur Voraussetzung. Das bedeutet aber, daß auch die in der Mischna niedergelegte mündliche Lehre, die ja die erforderlichen Ausführungsbestimmungen enthält, das Volksleben der darmli- ,gen Zeit beherrschte. Eine wertvolle Ergänzung dieses Gesamtbildes haben die Funde von Elephantine ergeben. Auf dieser Nilinsel in Oberägypten befand sich bereits im 6. Jahrhundert vor der übl. Zeitr. und Binjamin. Der Sinn unseres Verses ist mithin: Das Szepter weicht nicht von Jehuda, bis er, Jehuda, nach Schilo kommen wird, aw nnp' ibl ihm ist die Versammlung der Stämme.2) Bis zu jenem Zeitpunkt, da Jehuda nach Schilo kommt, gehören ihm alle Stämme an, von da an und weiter wird seine Macht dezimiert.-1) * * * Kap. 49. V. 12, a^na u->iv -p^i }«»s an»* ^^an „Das Aussehen ist rot, mehr als Wein, und die Zähne sind weiß, mehr als Milch". Analog dem rum i'j'ya ~tW yiin „und siehe das Aussehen des Aussatzes ist geblieben" (Wajikra 13, 5) kann t=pr>y mit Aussehen wiedergegeben werden. Der Vers bezieht sich auf Dawid, dessen Gesichtsfarbe rötlich war (Schemuel I 16, 11,). * * * Kap. 49. V. 14 u. 15. trnD»»n fa fal B*>i nan law ■ins bnb tpi VaoV i»aw cm nnsi '»a pan mi aw ">a nmn s-m „Jissachar, ein knochiger Esel, er ruht zwischen den 2) Ca? in der Bedeutung von Stamm finden wir in Hoschea 10, 14.;J) Nach dieser Auffassung härte man bx K3' '3 ts nb">v erwartet. Jedoch wird r-ia im Sinne von „Kommen nach" häufig ohne Präposition konstruiert: So eaw "py tbv apy Na^ „Jaakow kam wohlbehalten nach der Stadt Schechem" (Bereschit 33, 18). ixa ■>3'D ">3tn „Sie kamen in die Wüste Sinai" (Schemot 19, IL nnsa' xa'i „er , kam nach Aegypten" (Jirmejahu 26, 21). — Schließlich fehlt auch die Präposition in dem Satz1 in Melachim, auf den unsere Stelle hinblickt, bmip K3 D3» »3 so zu steigern, wie es sonst kaum möglich sein dürfte. Die Fortgeschrittensten der Schüler haben bis zu 20 Wochenstunden jüdischen Unterricht, wobei hebräische Sprache, hebräische Grammatik und jüdische Geschichte nicht mitgerechnet sind. Dies alles geht um so leichter, wenn ein Intematsbetrieb oder ein internatsähnlicher Betrieb es möglich macht, die Schüler jederzeit im Banne der Schule zu halten und jede Zwischenstunde für die Schule auszuwerten; wenn schließlich ländliche Ruhe und räumliche Nähe die starke Steigerung der Stundenzahl ohne Nachteil für Gesundheit und Stimmung ermöglicht. Daß in solcher Konzentriertheit auch ein lieu entsteht, braucht nicht gesagt zu werden. Aber auch ohne diese besonderen Vorteile dürfte eine solche Schule mit einem weit verzweigten System von fakultativen Kursen und Förderklassen unseren heutigen Bedürfnissen am meisten entgegenkommen. Wir haben an der hiesigen Talmud-Thora-Schule diese Form erprobt und können auf Grund unserer Erfahrung sagen, daß eine solche „Bürgerschule" die verschiedensten Funktionen bestens erfüllt. Sie ist für Jeschiwohbesucher eine gn-e Jeschiwohvorlehre; für diejenigen, die zur höh(5en Schule übergehen, eine Art Aufbauschule; für Auswandernde eine gute Sprachvorbereitung; für Lehrlinge eine Berufsvcrbereituns und schließlich für die, die auf dem Lande bleiben, eine Ausbildungsstätte für die Ausübung synagogaler Funktionen. Zwei wichtige Forderungen werden hier erfüllt: Weitgehendste jüdische Durchdringung und Vorbereitung zur Auswanderung und Umschichtung. eine persische Militärkolonie von jüdischen Soldaten mit ihren Familien. Die dort seit 1902 gefundenen Papyri geben uns einen Einblick in das religiöse Leben der Kolonie. Obwohl auch andere Götter verehrt wurden, bestand ein Tempel, welcher nur G'tt geweiht war. Es wurden dort Speisecpfer, Weihrauch und Ganzopfer (il^isn rma^l r?n;a) dargebracht. Als dieser Tempel später zerstört wurde, fasteten die Bewohner der Kolonie mitsamt ihren Frauen und Kindern, legten Säcke an, enthielten sich des Umganges mit ihren Frauen, salbten sich nicht mit Oel und tranken keinen Wein. (Vgl. Greßmanil Altorientalische Texte zum A. T, I. S. 176 und A. Marcus, Barsilai Teil II S. 18.) Das entspricht den traditionellen Gebräuchen, wie sie in der Grenzen. Er sah die Ruhe, daß sie gut, und den Boden, daß er angenehm; da neigte er seine Schulter zum Tragen und gab sich hin zum Tribut des Ackerbauers." Jissachar gleicht nicht dem herumreisenden Sewulun (V. 13). Ausgestattet mit der Kraft eines „knochigen Esels", bebaut er das Land. Er ruht zwischen den Grenzen, um seine Gärten und Plantagen zu hüten. Das ruhige Landleben geziemt ihm, den Boden findet er für angenehm.4) pxn nxi bedeutet den Boden analog dem -|S-ik n^» PE" „Und sechs Jahre besäe deinen Boden," Schemot 23, 10). (Fortsetzung folgt.) Eine Perle und ihre Fassung. Von A. Mannheimer in Dettelbach. (Fortsetzung.) Der Wein bedeutet nicht Fluch, sondern Segen. Wurde doch im Tempelheiligtum täglich vom Priester bei dem Tomidopfer. Wein auf den Altar gegossen, laon pnn n'rm. Und des weiteren preist man im Kiddusch den Bildner des Weltalls, ava Q'p^s '-«'1 maxi?» 'yapnder am siebten Tage Sein Werk vollendete . . . Halt! Ist das richtig? Schuf G'tt nicht in sechs Tagen die Welt? Und als Letztes am Freitag den Menschen? So höret das schöne, gedankentiefe Wort der Weisen. Als G'tt Seine „Arbeit" am Frei* tag vollendet hätte, sah er, daß das Werk doch noch 4) In diesen Rahmen fügt sich Mosches Ausspruch "j^nsa iriiWa ]!?iar mv „Freue dich, Sewulun, wenn du hinausziehst, und Jisachar in deinen Zelten" (Dewarim 33, 18). Jisachar errichtet sein Zelt in der freien Natur, der Stätte seiner Arbeit. Einführung in die jüdische Geschichte.

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