Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 51 (23.12.1936)
- Date
- 1936-12-23
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Nr. 51 Der Israelit 23. Dezember 1936 Rabbi Blau: Jawohl. Sir Horace Rumbcld: Sie verlangen einen Anteil an der Arbeit an den Bahnen und bei der Post. Wie ist es mit der Einhaltung des Sabbats? Rabbi Blau: Das läßt sich regeln. Sir Horace Rumbold: Es ist für eine Regierung schwer, ein solches System zu handhaben. Rabbi Blau: Aber das Mandat sieht Glaubensfreiheit vor. Lord Peel: Wie ist es mit dem Sonntag? Ist er von zweitrangiger Bedeutung? Rabbi Blau: Nein. Dr. Isaac Breuer bemerkte hierzu, daß die nichtjüdischen Beamten an ihren Feiertagen von Juden vertreten werden könnten. Sir Horace Rumbold: Das würde doppeltes Personal bedeuten. Dr. Breuer gab zu, daß das Problem der Einhaltung des Sabbat seine Schwierigkeiten habe, meinte jedoch, daß alle diese Schwierigkeiten sich bei gutem Willen überwinden ließen. Sir Laurie H a m m o n d : Sie geben zu, daß illegale Einwanderer in großer Zahl in das Land gekommen sind? Rabbi Blau antwortete, der Aguda sei dies bekannt. Doch würden die agudistischen Vertreter es vorziehen, sich über diese Frage in geschlossener Sitzung zu äußern. Sir Laurie Hammond: Haben Sie Kenntnis davon, daß die Zahl der Scheinehen mit nachfol- London, 17. Dezember. Die Agudas Jisroel veranstaltete in London eine Massenkundgebung, bei der der Präsident Jacob Rosenheim und der politische Sekretär der Organisation, H. A. Goodman, den agudistischen Standpunkt gegenüber den von der Kgl. Kommission behandelten Palästina-Problemen erörterten. Jacob R o s e n h e i m bezeichnete es als die Aufgabe der Juden in dieser Zeit der Weltkrise, Herolde der Menschlichkeit und Fackelträger des Königs der Könige zu. sein. Daß die Tore Erez Israels für die Juden geöffnet wurden, als sie in vielen Ländern in Bedrängnis gerieten und die Tore aller Einwanderungsländer geschlossen waren, sei ein Zeichen dafür, daß G'tt auch in unseren Tagen Wunder tut. Im Galut und in Erez Israel arbeite die Agudas Jisroel daran, daß die Welt zu einem Bunde von Völkern werde, die den Herrn der Welt anerkennen, ebenso wie das britische Reich eine Vereinigung von Völkern unter einem Herrscher ist. H. A. Goodman erklärte, die Aguda habe gegenüber der Kominission zum Ausdruck gebracht, daß sie sich vollständig dem von den Juden in der ganzen Welt vertretenen Standpunkt anschließe, wonach es eine unauflösliche Verknüpfung des jüdischen Volkes mit dem jüdischen Land gibt, eine Verknüpfung, die seit der g'ttlichen Verheißung an Abraham nicht schwächer geworden ist. Unter Betonung dieser Anschauungen, die sie mit anderen jüdischen Organisatiogender Scheidung 41 Prozent aller jüdischen Ehen und Scheidungen im Lande erreicht hat? Rabbi Blau erwiderte, er wisse hiervon. Die Aguda mache alle Anstrengungen, um dieser Gepflogenheit ein Ende zu machen. Gesonderte agud istische Erziehungsarbeit und Kolonisation. Als nächstes Problem wurde das der Erziehung erörtert, wobei man sich besonders mit der Erklärung der Aguda befaßte, daß es ihr unmöglich sei, ihre Erziehungsarbeit gemeinsam mit den Zionisten durchzuführen. Diese Unmöglichkeit begründete Dr. Breuer damit, daß die Aguda gegen den Zionismus sei, weil er sich auf weltlichen Ideen aufbaue und weil der Zionismus nicht dem Grundsatz zustimme, daß die Vorschriften der Thora in vollem Umfang beachtet werden müssen. Dr. Breuer und Herr Schein erhoben sodann die Forderung, daß die Regierung den Juden im allgemeinen mehr Arbeit zuteile und daß im besonderen die Mitglieder der Agudas Jisrael stärker zu öffentlichen Arbeiten herangezogen werden. Schließlich forderten die agudistischen Vertreter Zuteilung von Boden für die Siedler der Aguda, die, wie sie ausführten, von zionistischer Seite keinen Boden erhielten. Die Beratungen der Kgl. Kommission wurden hierauf vertagt und am Spätnachmittag in nichtöffentlicher Sitzung wieder aufgenommen. nen teilt, habe die Aguda jedoch gefordert, daß die Kommission der Diskriminierung thoratreuer Juden und orthodoxen jüdischen Gemeinden in Palästina ein für alle Lal ein Ende mache. Der Redner führte Beschwerde darüber, daß die orthodoxen Gemeinden, die bisher nicht offiziell anerkannt sind, und die Erziehungsinstitutionen der Orthodoxie von der Regierung nicht oder nur wenig subventioniert werden und daß auch heute noch bloß 6 Proz. der Zertifikate für agudistische Chaluzim zur Verfügung gestellt werden, während solche Chaluzim über fünf Jahre lang überhaupt keine Zertifikate erhalten konnten. Trotz der besonderen Mandatsbestimmungen zum Schutz der Religion, erklärte Goodman zum Schluß, zwinge die Regierung die jüdischen Beamten, den Sabbat zu entweihen und lege vor der Anstellung jedem Beamten eine Erklärung zur Unterzeichnung vor, in der er sich verpflichten muß, dies zu tun. Die Entweihung des Sabbats werde von der Regierung auch dadurch ermutigt, daß sie die Postämter in Tel Awiw an Sabbat- und jüdischen Feiertagen offen hält. Obwohl es in Palästina über 2000 organisierte agudistische Arbeiter gibt, haben sie die größten Schwierigkeiten, um Beschäftigung bei öffentlichen Arbeiten zu erlangen. Die Regierung habe kein Recht, über zunehmende Religionslosigkeit in Palästina zu klagen, wenn sie weiterhin religio eingestellte Menschen im Heiligen Land zurücksetzt. (ITA.) der König 1. Kommission, Lord Peel, .am Samstag das Opfer eines arabischen Bandenüberfalles geworden. Auf der Straße zwischen Jerusalem und Jericho wurde nur wenige Minuten nachdem Lord Peel die Stelle in seinem Auto verlassen hatte, eine Kolonne von fünf Autos durch eine Bande angehalten, die sämtliche Passagiere ausraubte und einen arabischen Chauffeur schwer verwundete. Unter den Ausgeraubten befinden sich auch zwei Engländer. Den an den Tatort entsandten Militär- und Polizeitruppen ist es bis jetzt nicht gelungen, die Räuber ausfindig zu machen. Nimmt Rabbi Herzog die Oberrabbinerstelle in Jerusalem nicht an? Nach einem vom J. P. B. in London wiedergegebenen iBerichte des Jewish Chronicle, der von ihrem Korrespondenten in Dublin stammt, habe sich Rabbi Herzog bis jetzt noch nicht entschlossen, die Wahl als Oberrabbiner von Palästina anzunehmen. Als Grund für seine Zögerung wird die kleine Majorität angegeben, mit der er gegen Rabbi Charlap gewählt worden ist. Auf der anderen Seite drängt die hebräische Presse Palästinas, daß Rabbi Herzog umgehend sein Amt antrete, um noch als Repräsentant des nationalreligiösen Judentums in Palästina vor der Königl. Kommission erscheinen zu können. Herbert Samuel zur Frage von Transjordanien. Bei der Vernehmung Dr. Weizmanns vor der Königl. Untersuchungskommission sagte dieser, wie von uns berichtet, u. a., die Balfour- Deklaration erstreckte sich 'ursprünglich auch auf Transjordanien. Warum später Iransjordanien nicht in das Nationalheim einbezogen wurde, wisse nur der damalige High Commissioner, Sir Herbert Samuel. Nunmehr benutzte Sir Herbert Samuel einen vom Angle Palestinia Club veranstalteten Vortragsabend, hei dem hochgestellte Persönlichkeiten über Lord Balfour und sein Werk sprachen, um als Vorsitzender in seiner Eröffnungsansprache auf dieses Thema einzugehen. Herbert Samuel erklärte u. a.: „Der Grund, warum Transjordanien nicht in die Balfour-Deklaration eingeschlossen wurde, war das dem König Hussein vom Hedschas gegebene Versprechen, daß Transjordanien zu den Ländern gehören solle, die, ebenso wie der Irak und der Hedschas, als arabisches Gebiet zu betrachten seien. Die Araber behaupteten, auch Palästina gehöre dazu. Dem hat die Britische Regierung niemals zugestimmt; aber es besteht kein Zweifel, daß Transjordanien dazu gehören sollte." Im Anschluß daran sprach Sir Herbert von der Zeit, in der er, als er 1902 als junger Abgeordneter ins Parlament kam, zum ersten Mal Lord Balfour als Ministerpräsidenten sah. Später sei er als High Commissioner von Palästina mit Lord Balfour in engere Berührung gekommen. Für Lord Balfour sei die Philosophie die Liebe seiner Jugend, die Politik das Interesse des reifen Mannes, Palästina aber der Enthusiasmus seines Alters gewesen. Einfuhr von Zitrusfrüchten aus Palästina nach Deutschland. Jerusalem, 21. Dezember. Wie der ITA. mitgeteilt wird, ist ein E i nfuhrplan für Zitrusfrüchte aus Palästina nach Deutschland genehmigt worden, der die Einfuhr von 275.000 Kisten im Werte von drei Millionen Mark vorsieht. Im vergangenen Jahre wurde die Quote nicht voll ausgenutzt. Es wurden nur 200.000 Kisten geliefert. Der im vergangenen Jahre mit 13s. 6d. festgesetzte Höchstpreis beträgt in diesem Jahre 14s. 9d. Neue Terrorwelle in Palästina im Anzüge? - Jerusalem, 22. Dezember. Die gesamte hebräische Presse bringt beunruhigende Meldungen über eine bevorstehende neue Terrorwelle in Palästina, wofür viele Anzeichen sprächen. So wird von vielen Zeitungen festgestellt, daß die an die Araber von der Regierung ausgezahlten landwirtschaftlichen Kredite zum größten Teil für Waffen ankauf verwendet werden. Die Tel Awiwer Tageszeitung ,,Dawar" befaßt sich in einem Leitartikel mit den sich häufenden Symptomen für ein neues Aufflammen der Unruhen. Der Tenor der Ausführungen ist: ,,Der Jischww wünscht den Frie- : den, aber er verbindet mit dem Wunsch auch eine Warnung. Diesesmal werden wir uns nicht mit Abwehr begnügen!" Eine Unterlage finden diese Gerüchte in den getroffenen militärischen Sicherungsmaßnahmen; lebhafte Truppenbewegungen werden aus allen Teilen Palästinas gemeldet. Besonders werden alle strategisch wichtigen Punkte des Landes militärisch besetzt. Im Herde der Unruhen, im Berglande zwischen Nablus und Tulkerem, sind Militärbaracken an verschiedenen Stellen errichtet worden. Um ein Haar wäre der. Wtorsitzende Eine Kundgebung in London-