Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 51 (23.12.1936)
- Date
- 1936-12-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2446951-2450909-2450959--82651-2540599- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
lern, 22. Dezember. Am Montag wurden in öffentlicher Sitzung Oberrabbiner Duschinski, Rabbi Mosche Blau, Dr. Isaac Breuer und Herr Schein als Vertreter der Agudas Jisroel von der Kommission vernommen. Offizieller Bericht liegt noch nicht vor. Die ITA. berichtet über die erste Vernehmung der Agudavertreter wie folgt: Überrabbiner Daiscihinsky betonte, daß die g'ttlichen Gebote außerhalb Palästinas nicht in vollem Umfang erfüllt werden könnten. Das Heilige Land müsse zur Thora hinstreben. Es sei den Juden durch religiöse Vorschrift befohlen, das Land nicht mit Gewalt in Besitz zu nehmen und niemanden zu beherrschen. Im Namen desjenigen Teiles des jüdischen Volkes, der an den Vorschriften der Thora festhält, verlangte Oberrabbiner Duschinsky, daß keine Beschränkung der Einwanderung und des Bodenverkaufs vorgenommen werde. Die Kgl. Kommission möge die Notwendigkeit der Verwirklichung der Mandatsbestimmungen in Erwägung ziehen. Israel, sagte der Oberrabbiner, erwartet von der Kgl. Kommission eine befriedigende Lösung, Der Vorsitzende der Kommission, Lord Peel, ■richtete an Rabbi Duschinsky die Frage, ob sich seine Forderung nach Aufrechterhaltung der Einwanderung bloß auf religiöse oder auf alle Juden beziehe. Rabbi Duschinsky: Wir machen hierbei keine Unterscheidung. Lord Peel: Berücksichtigen Sie nicht einmal den Grundsatz der Aufnahmefähigkeit? Rabbi Duschinsky: Wir verlangen Einwanderung" gemäß den Bestimmungen des Mandats. Lord Peel: Wird die Frage der Aufnahmefähigkeit im Mandat erwähnt? Rabbi Duschinsky: Das kann ich nicht sagen. Lord Peel: Welche tatsächlichen Forderungen erheben Sie? Als solche Forderungen bezeichnete Rabbi Blau die nach Zuerkennung des Besteuertmgsrechtes, gleicher Rechte bei der Besetzung der rabbinischen Gerichte und Gewährung von Beihilfen für die Erziehungsarbeit. Lord Peel: Für welchen Teil der jüdischen Bevölkerung sprechen Sie? Rabbi Blau: Für ein Fünftel. Lord Peel: Gibt es eine Gewähr dafür, daß, falls Ihre Forderungen erfüllt werden, niemand mit weiteren kommen wird? Rabbi Blau.- Wir können hierfür keine Verantwortung übernehmen. Es muß Forderungen geben, die auf ideologischen Unterschieden basieren. Der Waad Leumi z. B. legt seinen Forderungen nationale Motive zugrunde, die Aguda jedoch den ihrigen die Thora. 1 Lord Peel: Werden Emiwände dagegen erhoben werden, daß eine einheitliche Körperschaft die Forderungen für alle Teile der jüdischen Gemeinschaft formuliert? Rabbi Blau: Wir haben eine solche einheitliche Körperschaft vorgeschlagen, unser Vorschlag aber wurde nicht angenommen. Sir Horace Rumbold: Es ist uns zur Kenntnis gebracht worden, daß Verhandlungen mit dem Waad Leumi über ein Zusammengehen stattgefunden haben. Rabbi Blau: Wir betrachten diese Verhandlungen als gescheitert. Sir Horace Rumbold: Wegen der Frage des Wahlrechts für Frauen? Rabbi Blau: Dies war bloß ein Moment neben anderen. Sir Horace Rumbold: Sind Sie gegen Stimmrecht für Frauen? (Fortsetzung siehe Seite 2.) Aus dem Inhalt: Ist eine neue Terrorwelle in Palästina im Anzüge?........... Seite 2 Eine Kundgebung in London .... Seite 2 Rabbi Herzog noch nicht entschlossen Seite 2 Sir Herbert Samuel über Transjordanien Seite 2 Zur Frage der Parität........Seite 3 Die Tragödie der jüdischen Jugend in Polen..........Seite 4 u. 8 Die jüdische Schule in Deutschland. Von Bezirksrabb. S. Münk .... Seite 4 Einführung in die jüdische Geschichte. Von Dr. Ph. Biberfeld .....Seite 5 Wiener Brief............Seite 8 Das Silberjubiläum der Londoner Adaß-Jisroel Gemeinde.....Seite 9 Nachrichten aus Palästina......Seite 9 Die Untersuchungskommission bei der Arbeit.........Seite 10 Von Saly Geis in Jerusalem. Der siebente Tag, das siebente Jahr . . . Der siebente Tag kündet den Schöpfer des Weltalls, das in seinen Millionen anorganischen und organischen Wesen nur dem einen Wesen, dem Menschen, dienen soll und in Erfüllung dieser Zwecksetzung vollkommen ist. In diese Harmonie soll sich der Mensch aus freiem Willen, wie es seiner Gestaltung nach dem Ebenbild des Schöpfers würdig ist, einfügen, indem er sittlich rein, gerecht und gut sein Dasein lebt. G'tt, der Schöpfer, tat dem ersten Menschen Seinen Willen kund; da aber dieser und seine Nachkommen, die Menschheit, ihre Bestimmung nicht erfüllten, wurde den Kindern Israels, des Enkels Awrohoms, die Aufgabe, G'ttes Wort durch die Zeiten zu tragen. Der siebente Tag kündet den Schöpfer der Welt und ihrer Heeresscharen auch als den zu jeder Zeit jedem Wesen nahen Geschickeslenker, — und darum erinnert die Kinder Israels jeder siebente Tag mit seinen Weiheakten auch an den Auszug aus Mizrajim. Der siebente Tag betrifft den Ben Israel individuell, das siebente Jahr jedoch in seinem Verhältnis zum Volke Israel und zum Lande Israel. Auf diesem Ausschnitt der Erde sollte dieses Volk den anderen Völkern in den anderen Ländern der Erde zeigen, welcher Segen aus der Treue zu G'tt entquillt, und wie mit dieser Treue des Menschen auch die ganze Natur aufjauchzt, mit Gaben überschüttet und verlernt zu verheeren. ,,Land und Volk gehören innig zusammen, keines erreicht die Blüte ohne das andere," (Hirsch, Pentateuch-Kommentar I, 26, 1.) Das siebente Jahr verlangt vom Volke Israel im Lande Israel, während eines Jahres nicht zu säen, nicht zu pflanzen, nicht den Boden zu bearbeiten und nicht die Früchte in seinem Besitz zu hüten und zu ernten, sondern als Freigut zu betrachten. Der siebente Tag bezeugt das G'ttvertrauen des einzelnen, das siebente Jahr des Volkes. Das siebente Jahr ist der laute Ruf an die Völker: Seht, so haben wir G'tt erkannt und anerkannt, daß wir ein ganzes Jahr den Boden auf G'ttes Befehl feiern lassen und wissen, deiß uns G'tt dennoch ernährt. Für uns gibt es nur einen Weg für die Beziehungen von Mensch zu Mensch wie für die Beziehungen von Volk zu Volk; für die einen wie für die anderen kennen wir nur eine Ethik: G'ttes Wort. Nach der Thora Warnung traf das Volk Israel die Vertreibung aus dem Lande Israel als Folge der Nichtbeobachtung des siebenten Jahres. Im Galuth sollte es die Politik der Macht ohne Verantwortung vor G'tt schmerzvoll spüren und durch Vergleich mit seinen auf dem G'ttesv/crt der Thora sich aufbauenden Traditionen reif für die Rückkehr ins Land Israel werden. (Fortsetzung siehe Seite l.)