Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 50 (17.12.1936)
- Date
- 1936-12-17
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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17. Dezember 1936 D e Israelit Nr. 50 Seite 13 redim~'die Krone aufgesetzt Wunde. Es war vor 17' Jahren.- Damals setzten 'dieanerkannten geistigen, Führer; Erez 'Israels, an deren Spitze Rabbi -Ji-z-: chak. Jieruchaij - Diskin und Rabbi Josef Chajim i S o inn'en f e 1 d, einen aligemeinen Fasttag mit. Gebeten ein, um den Tag der Errichtung einer reli*; giösen Oberbehörde der Kenesses Israel als einen sol-; eben der Trauer, als einen' Tag, an dem ein Riß / im Einheitsbau des palästinensischen Judentums' ent* standen ist, zu kennzeichnen. Die ältere Generation Jerusalems hat jenen Tag'noch in lebhafter Erinnerung, insbesondere die ergreifende Kundgebung an "der Westmauer, wo tausend© thoratreue Juden unter Führung der Rabbinen und Jeschiwoleiter in heißen Gebeten ihre Gefühle über die Konsolidierung des freigesinnten nationalen Judentums durch Einsetzung einer religiösen Oberbehörde Ausdruck gaben. An all diese Dinge muß erinnert werden, um zu erkennen, daß die jetzt vollzogene Wahl die Charedimgemeinden direkt nicht berührt. Ihr© Ausführungen in Bezug auf den bisherigen Rabbiner von Jerusalem, Rabbi Pe&ach Zwi Frank, bedürfen insofern der Korrektur, als nun feststeht, daß Rabbi Frank s i c h fügt und als Mitglied des Oberräbbinates weter wirkt. Rabbi Jeruchan Fischel Bernstein, bisheriges Mitglied des Besdin des Oberräbbinates, ist dagegen zurückgetreten, weil er sich nicht entschließen konnte, der Auffor* derung in Kenesses Israel einzutreten, Folge zu leisten. An seiner Stelle wurde Rabbi Kalma® aus Moskau gewählt. Es gehört zur neuen Tak* tik des Waad Leumi, daß "sämtliche Mitglieder des Oberräbbinates zugleich Mitglieder der Kenesses Israel sein müssen. Bis dahin war die Zugehörigkeit zur Kenesses Israel für 'die Rabbinen nicht obligatorisch. Der Wahlkampf verlief nicht so ruhig und harmlos, wie die Außenstehenden zu glauben geneigt sind. Es ging nur um die zwei Kandidaten Dr. Herzog und Rabbi Mosc-he Charlap. Misracihi. gab des öfteren in der Presse seinem Aerger darüber Aus* druck, daß sich nicht noch andere Kandidaten> Männer von noch größerem Format,. zur Wahl gestellt haben. Der Kampf, war nicht frei von persönlichen Gehässigkeiten, besonders auf Seiten der Char* 3 ap-Partei, wo man in der. Hauptsache mit dem Argumente arbeitete, daß ein moderner Mann mit Doktortitel nicht an die Spitze des Oberrabbinats in Jerusalem gehöre. In Charlap sehen sie den Schüler und Freund Rabbi Kuks und den einzig berufenen Sachwalter seines Erbes, Man, bekam auch Pasquille gegen Dr. Herzog zu lesen, deren Inhalt, sich nicht zur Wiedergabe eignet. Außerdem wurde mit dem Austritt aus der Kenesses Israel gedroht für den Fall, daß Rabbi Charlap nicht gewählt werden sollte. In einem Rundschreiben hieß es u. "ä.?, daß Rabbi Jossef Chajim Sonnenfeld bei der Wahl Oberrabbiner Kuks prophezeit hätte, daß sich der moderne Geist fortschleichen werde und der Nachfolger Kuks aus. den Universitäten mit akademischem Doktorgrad kommen werde. Mit Dr. Herzog werde sich diese Prophezeiung voll erfüllen .'. . Auch der Misrachi teilte sich .in einen rechten und in. einen linken Flügel. Die ersteren standen auf Seiten von Rabbi Charlap, die letzteren von Dr. Herzog. Wie bereits betont, berührt der Wahlkampf und sein Ausgang die unabhängige orthodoxe Judenheit, die ihre eigene Gemeinde, ihren eigenen Oberrabbi* ner und ihre eigenen Institutionen hat, nicht. Aber die Wahl Dr. Herzogis wird auch in den gesetzestreuen Kreisen begrüßt, unter der Voraussetzung, daß nunmehr der Weg für eine reinliche Scheidung und somit für die Aufrechterhaltung des Friedens besser geebnet ist. Zu Zeiten von Oberrabbiner Kuk waren oft die Grenzen dadurch' verwischt, weil schließlich Rabbi Kuk, ein geistiger Führer von großem Aus* maß, doch ursprünglich von den Thorainstituten nach Palästina und : Jerusalem gerufen wurde, und erst später, wenn auch nicht weltanschaulich, so doch organisatorisch unter das Patronat des Waad Leumi gekommen ist. Gefühlsmäßig, konnten die^. alten Thorainstitutionen ihre Beziehungen zu Rabbi Kuk nicht lösen, wenn) sie auch auf der anderen Seite keine Hilfsdienste , dem Oberrabbinate des Waad Leumi leisten wollten. Somit waren die Dinge zuweilen et-. was verworren.'Rabbiner Dr.-Herzog kommt aber von vornherein als ' Oberrabbiner des Waad Leumi und des Misraeni. Kein einziger Vertreter der Charedimkreise, der orthodoxen Anstalten oder der Jesohiwoth hat an seiner Wahl mitgewirkt. Die Protektoren seiner Berufung waren vom Misrachi Rabbi Berlin, Rabbi Fischmann, Rabbi Ostrowski, außerdem Ujssis c h k in und Ben Zwi. Ueber die Aufgaben des Rabbinates.'und seines Oberhauptes ref erierte in den Wahlreden U s s i s c h k i n. Nach all dem kann es keine Begriffsverwirrung mehr geben. Die Situation ist ■. klar und. eine Reibungsfläche zwischen Kenesses Israel und den Charedim wird fortan nicht mehr gegeben sein. Unter diesen' Gesichtspunkten kann man Dr. Her* zog nur dankbar sein, daß er sich für dieses Amt hergab und nicht weniger den Führern des Waad Leumi, daß ihre Wahl auf ihn fiel. Mn. G. P. Die Untersuchungskommission bei der Arbeit. Jerusalem, 11. Dez. Am Mittwoch, den 9. Dezember, wurde die Vernehmung Dr. R u p p i n s vor der Königl. Kommission fortgesetzt. Die Regierung sei nach dem Man* date verpflichtet, sagte Dr. Ruppin, die Ansiedlung von Juden auf dem Lande zu erleichtern. Selbst wenn man von Transjordanien und der Gegend von Beer Schewa absieht, biete Mittelpalästina noch größere Ansiedlungsmöglichkeiten. Während in anderen Ländern des Imperiums soviel getan werde zur Hebung der Landwirtschaft, geschehe in Palästina von Sei5 ten der Regierung in dieser Beziehung so gut wie nichts'. Hätte rdie Regierung auf einen Ausgleich zwischen dem jüdischen Kapital und -dem arabischen Boden bewußt hingearbeitet, so. wäre eine Lösung leicht zu ,finden gewesen. Der nächste Zeuge, Mitglied der Exekutive-, der Jewish Agency Dr. M. B. Hext er, wird von einem Mitglied der Kommission befragt, ob die Juden bereit seien, Araber auf den Besitzungen des Nationalfonds zu beschäftigen. ,>Wir werden: es 'gerne tun," sagte Dr. Hexter, „sobald die Araber ihrerseits ihren Arbeitsmarkt den Juden öffnen." Auch er unterzieht die Bodenpolitik in Palästina einer scharfen Kritik, Die Regierung habe nichts getan, um 'die vielen Sümpfe und Gebirgsländereien in urbaren Boden zu verwandeln. Die Regierung habe überhaupt keinen richtigen Ueberblick über die: kulturfähigen Boden* flächen in Palästina, woraus sich eine Unters.c.hätz,ung der Aufnahmefähigkeit des Landes ergibt. Es gehe nicht an, daß sieh die Regierung bei all diesen Dingen nur auf Hypothesen stütze, Ohn© die Dinge in Augenschein zu nehmen. Er wolle nicht behaupten, daß sich jeder Quadratmeter Boden kultivieren lasse, es sei aber Tatsache, daß von den 600 000 Dunam, die jetzt in Palästina angebaut werden, die Regierung seinerzeit kaum 150 000 Dunam für anbaufähig gehalten hatte. Ueber die Arbeitsmethoden der UntersuchungSkommission wird der ITA. mitgeteilt, daß täglich Sitzungen von 10% bis 1 Uhr mittags stattfinden und daß. am Nachmittag die Mitglieder noch einmal zur Beratung über die Zeugenvernehmungen zusam* mentreten,,, Abends ist die Kommission mit der Fest* legung der Dokumente beschäftigt, so daß die Herren den ganzen Tag bis in den spaten Abend hinein bei der .Arbeit, sind. Im Weiteren befaßte sich B. Hexter mit der Verpachtung von Staatsländereien an Juden. 180 000 Dunam sind an Juden verpachtet worden, von denen nach Abzug der Sümpfe und der von der - Ruthen* berg-Gesellscbaft benutzten Böden nur noch 3000 Dunam kulturfähigen Bodens üBrig bleiben. Dr. L. Piccard äußerte sich anschließend über Bewässerungsmöglichkeiten in Palästina, Am Freitag, den 11. Dezember, wurde in öffentlicher Sitzung Mr. Horowitz als juristischer Berater der Jewish Agency vernommen, der sich über die R.e c h t s u n s icherheit der B o d e n t r a n sa ktd o n e n in Palästina ausließ. Auf die Frage, des Vorsitzenden, wie hier Abhilfe geschaffen werden könne,. meinte der Zeuge, die Regierung müßte für den Schutz des Eigentumsrechtes sorgen und von den Besitzern den Nachweis eines R e c h t s t i t e 1 s fordern. ' Obwohl .die Araber neuen Boden bekamen/ versuchten ihrer viele, von^ den neuen Besitzern Geldbeträge zu erpressen und lehnten es aus politischen Gründen ab, neuen Boden zu kaufen. Am 14. Dezember führte B. Hexter seine Aussagen vor der Kommission zu Ende. Eine seiner Forderungen geht dahin, die Anlage eines Bodenkatasters ehestens zu bewerkstelligen, ebenso eine gesetzliche Regelung der B e w ä s s e r u n g s frage zu treffen. Auf die Einwendung von Mit* gliedern der Kommission, daß seine Siedlungspläne auf eine Benachteiligung der Araber hinausgingen, erinnerte Dr. Hexter daran, daß das Mandat die Ermöglichung geschlossener Judenansiedlungen im Auge habe, was auch in dem bekannten Brief Macdonalds an Weizmann deutlich bestätigt werde. Der Vorsitzende meinte aber, Macdonald habe die Araber nicht erst gehört, bevor er jenen Brief schrieb. * Es verlautet, daß der Boykott der Königl. Kommission aufgegeben sei und 'daß die palästinensischen Araber bereit seien, mit der Kommission zusammenzuarbeiten. Offiziell wird nur bekanntgegeben, daß Sendboten an die Herrscher aller arabischen Staaten geschickt werden, um mit diesen die Vertre* tung der arabischen Interessen vor der arabischen Kommission zu beraten. Weitere Gärungen in Palästina. Jerusalem, 14. Dez. In Lydda wurde eine bewaffnete Araberbande von der Polizei aufgegriffen, was nicht ohne Schießereien vor sich ging. Von einer anderen Araberbande wurde in unmittelbarer Nähe von Tel Awiw eine arabische Familie überfallen. Der Besitzer des Hauses und eine arabische Frau wurden schwer iverwuns det. In der Nähe von B ei® an wurde ein Eisenbahn*5 zug beschossen, wobei der Muchtar und ein anderer Bewohner von Beisan schwer verwundet wurden. Mißlungen ist ein Attentat auf einen arabischen Polizeioffizier in J a-f f ä. Schüsse mußten in der Nacht zum 10. Dezember auch die jüdischen Siedlungen Ne we Ja acob und At arot über sich ergehen lassen, die aber zum, Glück keinen Schaden anrichteten. , Auch Angriffe auf fahrende Autobusse kamen wieder vor. und Passanten wurden beraubt. Immer noch gelingt es den Räuberbanden — es scheint sich in der Hauptsache um solche zu handeln — beim Ein- 1 ' .'II '; . treffen des Militärs spurlos zu entkommen. In Nablus wurde dieser Tage wieder ein Araber wegen Angriffs auf englische Streitkräfte zum Tode verurteilt. Der Verurteilte war im Sommer an einem Ueberfall beteiligt, bei dem ein englischer Soldat verwundet und zwei Mitglieder der arabischen Bande, gefallen waren. In einer Notabelkonferenz, die vom Obersten Arabischen Komitee einberufen wurde, wurde die Schaffung eines Fonds von 50.000 Lst. zur Fortführung des Kampfes gegen Juden und Englän* der beschlossen. Mit der bekannten arabischen Zeitung „Felestin" sind die Terroristen auch nicht sehr zufrieden, so daß der Herausgeber auf Grund der erhaltenen Drohbriefe um Polizistenschutz ansuchte, der ihm auch gewährt wurde. Arabische Zeitungen melden, daß in der bevorstehenden Pilgerfahrtsaison eine mohammedanische Pilgerkonf erenz in Mekka stattfinden wird. Eine arabische Palästinakonferenz fand vor kurzem auch in der Afghanischen Hauptstadt Kabul statt, auf der beschlossen wurde, den Boykott britischer Waren durchzuführen, falls die englische Regierung die arabischen Wünsche nicht erfüllen sollte. Auf dem Bauplatz an der Universität auf dem Skopusberge haben neuerliche Zusammenstöße zwischen revisionistischen und Histadruth- Arbeitern stattgefunden. Drei Arbeiter wurden verhaftet. Bei einem Angriff auf die Steinbruch*Anlage in Migdal Zedek wurden sämtliche Maschinen und Feuerungsanlagen vernichtet. In der letzten Woche sind eine Reihe arabischer Lehrer und Regierungsbeamten wegen Beteiligung an den Unruhen ihres Dienstes enthoben worden.