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Der Israelit · 1936-12-17 · Heft 50 (17.12.1936) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 50 (17.12.1936)
Date
1936-12-17
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 Nr. 50 P e r =. I. s, r a e 1 i t 17. Dezember1936. statteten auf andere jüdische Friedhöfe wird, in der Regel nur stattgegeben werden können, wenn die Antragsteller die Zustimmung derjenigen Personen beibringen, die zurzeit 'der Stellung des Antrags nach den Vorschriften des BGB. die Erben des t Toten Schweiz. Das Urteil im Churer Prozeß. C h u r ■, 15. Dez. Das Kantonsgericht Graubünden in Chur hat Da vid Frankfurter wegen vorsätzlichen Mordes, gemäß dem Antrag des Ankläger«, zu 18 Jahren Zuchthaus verurteilt. Von der Untersuchungshaft werden acht Monate auf die Strafe angerechnet. Frankfurter werden die bürgerlichen Ehrenrechte für die gleiche Zeitdauer aberkannt und außerdem wird gegen ihn die lebenslängliche Landesverwei sung ausgesprochen. Grundsätzlich hat der Angeklagte die gesamten Kosten des Prozesses zu tragen. Im Ganzen bekannt» sich das Gericht zu der von der Anklagebehörde wie von den Vertretern der Zivilklage aufgestellten (auch von jüdischer Seite nach den Grundsätzen .der jüdischen Lehre aner kannten) These: „Politischer Mord ist Mord!" Das DNB. bemerkt, nach einem Berliner Bericht der „Frankfurter Zeitung" vom 15. Dezember, zu dem Urteil-. „Mit diesem Urteil ist der kriminellsprozessiiale Teil des Falle® Frankfurter abgeschlossen. Verschiedene wichtige Fragen mußten ungeklärt bleiben, ohne daß dies ein Verschulden des Schweizer Gerichts wäre. Einer anderen Stelle muß es überlassen bleiben, diese Fragen zu klären. Wenn jetzt Deutschland sich (dieser Seite der Angelegenheit annimmt, so kann niemand ihm den Vorwurf machen, daß .es in ein schwebendes Verfahren eingreift." Holland. Brief aus Holland, Amsterdam, 8. Dez. Die „Nederlandsch Israelitische Hoofdsynagoge" hat sich neuerdings veranlaßt gesehen, ein sogenanntes ^Contacf-Komitee ins Leben zu rufen. Es hat sich nämlich herausgestellt, daß ein nicht unbedeutender Teil der vor 3% Jahren aus Deutschland emigrierten Juden sich nicht mal der Gemeinde als Mitglieder angeschlossen haben. Auch Hollands Judenheit leidet unter der Krise, von der -dieses geruhsame Land nicht verschönt geblieben; ist, urid es ist nicht zu verwundern, wenn man darauf bedacht ist, alle jüdischen Einkommen zu versteuern. Die Jaden aus Deutschland erfüllen aber in Vielen Fällen nicht ihre Pflicht und erinnern sich der Existenz eines jüdischen Gemeinwesens nur — wie ehedem in Deutschland — an den „hohen" Feiertagen, wo sie sich bemühen, Karten (auch Fr-eikarten) zu den Synagogen und Betsälen zu bekommen. Die Lage scheint sich noch mehr zu Ungunsten .der mehr als 300 Jahre alten, würdigen Gemeinde Amsterdam verschoben zu haben durch den Separatismus der „Liberalen", die ihren Geistlichen in der Person des Herrn Dr. L. Mehler (früher Frankfurt a, M.) gefunden haben. Das „Contacf'-Komitee hat vorige Woche Herrn Rabbiner Dr. Emil Bernhard Cohn, Berlin, in einer Sonntagmorgen=Kundgebung zu diesem Kreis der ehedem in Deutschland seßhaften Juden sprechen lassen. Der Redner sprach aufrüttelnd, tiefdurchdacht über das Thema „Schule und Haus". Er pries den ewigen Wert einer jüdischen Schule und die heilsame Wirkung eines traditionstreuen jüdischen Lebens, dessen Fundament die Heilighaltung de® Sabbats sei. Heute habe das Geschäft den Menschen — rief Dr. Cohn aus unter begeisterter Zustimmung — früher arbeitete man die ganze Woche, um den jüdischen Ruhetag halten zu können. Er verwies auf die Schuleinrich-' tungen der alten Amsterdamer Gemeinde, deren Besuch die Kinder in die unverfälschte Jüdischkeit einführen werde, damit" sie ein Leben innerhalb der jüdischen Gesamtheit führen, das beherrscht ist von' Liebe zur Thora und der Verantwortlichkeit vor. der Gesamtheit. Nach dieser.eindrucksvollen Rede sprach Herr Oberrabbiner L. 'H,.S aarloui^ und beschwor die eingewanderten Glaubensgenossen, die Einheit zu erhalten und in die Gemeinde einzutreten. „Denkt an Eure Kinder"! Die Spitzen 'der Gemeinde waren bei dieser Kundgebung vertreten. Im Schlußwort sprach der Leiter des Komitee®, Herr Jules Roos-, zur Versammlung und machte bekannt, daß in Kürze neue religiöse Kurse im Süden von Amsterdam. ins Leben gerufen würden, zu der man um rege Beteiligung bat Direktor und Rechtsanwalt J. E. Hilles um (ein Schwager von Rabbiner Dr. Moses Auerbach) feierte vorige Woche seine 25jährige Tätigkeit als D i r e k t o r der weltberühmten Diamantenbörse unserer Stadt. Es ist nicht zuletzt das große Verdienst dieses tatkräftigen, frommen Mannes, wenn auch heute noch diese Börse, deren stattlicher Bau sich unmittelbar an die Jodenbree- und Weesper straat (altes jüdisches Zentrum) anschließt, an Sabbat- und Festtagen geschlossen ist. Herr Di rektor Hillesum redigiert das offizielle Organ des Diamantenhandels und betätigt sich, trotz seiner starken beruflichen Inanspruchnahme, sowohl in der Verwaltung der aschkenasischen Gemeinde wie auch als Vorstandsmitglied des Vereins „Jisroel", -der vor allem Jeschiwaus und Gelehrte unterstützt und eine segensreiche Tätigkeit entfaltet. Auch in der Verwaltung von Vereinigungen, die der jüdischen Wissenschaft dienen und in Gremien, die bemüht sind, der allgemeinen jüdischen Not zu steuern, betätigt sich der Jubilar zum Wohle der Gesamtheit, Amsterdam, 7. Dez. Am Sabbatausgang (21. Käslew) bezog die hie sige Agudas Jisroel-Jugendgruppe ihr neues Heim, das sich jetzt Nieuwe Amstelstraat 3, befindet. Die Einweihungsrede hielt der Vorsitzende der nieder ländischen Agudas Jisroel-Jugendorgariisation, Herr Rabbmatsasse«sor Ph. Frank, Polen. Der Anschlag gegen das Grodnoer TOZ-Haus vor Gcricht. Warschau, 15. Dez, Am Monta/g, den 14 .Dezember, wurde vor dem Kreisgericht in Grodno der Prozeß gegen drei Mitglieder der illegalen national=radikaIen Partei eröff* net, die am 16. März einen Bombenanschlag gegen das Haus der Gesellschaft für Gesundheitsschutz der Juden TOZ (Ose) in Grodno verübt haben. Dem Verlauf des Prozesses wird in den weitesten Kreisen der Oeffentlichkeit Polens mit starkem Interesse entgegengesehen. Interessant ist, daß Panas'iuk, der Haüptangeklagte, wie er behauptet, seine .judenfeindlichen Ueberzeugungen inzwischen aufgegeben hat. Aus dein Gefängnis hat er an seine Mutter ein Schreiben gerichtet, in dem er erklärt, er bedaure seine frühere Verblendung und seinen unbegründeten Haß gegen die Juden. Dieser angebliche Gesinnungswandel läßt Ueberrasohunigen während des Prozeßverlauf» erwarten. Die Grodnoer Nationaldemokratie, deren Liebling Panasiuk früher war und für: «die er als Held galt, hat ihn nunmehr völlig fallen gelassen und die nationaldemokratischen Verteidiger weigern sich, seine Vertretung zu übernehmen. Die Gesellschaft TOZ hat sich als Zivilpartei dem Verfahren angeschlossen, ■ Ihre Ansprüche werden vor Gericht durch den Wilnaer Rechtsanwalt S z i s z-- kowski, einen Nichtjuden, und durch die Grodnoer Rechtsanwälte Fürstenberg und Neubauer vertreten werden. Der Schauspieler Pietr Stank iewiez, ein /Mitglied des Wilnaer polnischen Theaters, wurde auf der Straße von einem Exzedenten, der ihn fälschlich für einen Juden hielt, belästigt und durch schwere Beschimpfungen beleidigt. Als der Schauspieler den Angreifer abwehren wollte, zog dieser einen Revolver und verletzte Stankiewicz durch Schüsse schwer. Der Verwundete wurde in besorgniserregendem Zustand ins Krankenhaus gebracht, : der Attentäter könnte festgenommen werden, . Nach dem Ablauf der gesetzlich vorgesehenen sechsmonatigen Unterstuchunigsfrist sind ■ von den .zwanzig Untersuchumgshäftlingen, die wegen (Teilnahme an den jüdenfeindlichen Ausschreitungen in Minsk Mazo wieck und wegen Brandstiftung festgenommen worden waren, am letzten Freitag' drei Mitglieder der nationaldemokratischen Partei:; von Minsk=Mazo wieck auf freien Fuß gesetzt worden, sie bleiben aber unter Polizeiaufsicht. Die übrigen Beschuldigten bleiben in Haft. Nach Abschluß der. Voruntersuchung ist die Angelegenheit an die Staatsanwaltschaft abgegeben worden. Estland. Präsident von Estland will ein.cn Vertreter der Juden im Parlament ernennen. Tallinn, 7. Dez. Der Staatspräsident von Estland hat den Vorsitzenden des Jüdischen Kulturrats, Hirsch Aieen stadt, in längerer Audienz empfangen und ihm mitgeteilt, daß er beabsichtige, einen Vertreter der jüdischen Minderheit im estnischen Parlament zu ernennen. Die Ernennung soll itif Grund eines Vorschlags des Jüdischen Kulturrats, des Organs der jüdischen Kulturautonomie in Estland, erfolgen. Nach der Verfassung hat der Staatspräsi* dent das Recht, von den 80 Mitgliedern des Parlaments 10 zu ernennen. Die Ankündigung des Staat®-* Präsidenten wurde von der jüdischen Bevölkerung mit großer Genugtuung aufgenommen. England. Eine Chanukah-Feier jüdischer Soldaten. London, 16, Dez. Die Chanukah-Feier der jüdischen Soldaten in der Cricklewöod-Synagoge war diesesmal. in erster Reihe eine Huldigung des neuen König®. Die Festpredigt hielt der Feldoberrabbiner der englischen Ar* mee, Rabbi M, Gollop, Unter den Ehrengästen be* fanden sich u. a. F e 1 dmarschal) Birdwobd, General'Hamilt Ö n und der Bürge r in e i's t e r von W i 11 e s d e n. Ein Huldigungstelegramm an König Georg VI. wurde verlesen und abgeschickt. Der Marquis of Reading sagte in seinem Toast auf die königlichen Streitkräfte u. a., ein Volk, das nach zweitausend Jahren der Weihnlosigkeit 1 noch Chänukah feiert, sei unvernichtbar. Er zog dann "Vergleiche zwischen den Makkabäern von'einst und den jüdischen Soldaten von heute. Feldmarschäll B i r d w o o d hob in einer Ansprache ■die Verdienste des alten -Reading und die Leistungen der Juden im Weltkriege hervor. Eine Palästinakundgebung in England. . London,. 14. Dez. Auf einer Vertrauenskundgebung. für Weidmann am 10. Dezember, die von Lady R e a d i n g geleitet wurde, sprach u. a. Lord M e 1 c.h e 11 über .die Bedeutung des Jüdischen Nationalheims für das britische Reich. Die Entwicklung des jüdischen Nationalheims sei ein Versprechen nicht nur Englands, sondern aller Kulturstaaten an die Juden und es sei nicht denkbar, daß die Kulturmenschheit an dem jüdischen Volke Wortbruch "begehen sollte. Was aber England betreffe, so werde eine neue millionenstarke Bevölkerung britischer Bürger an einem lebenswichtigen Punkt der Welt keine unbedeutende Rolle in der Entwicklung des britischen Reiches spielen, Prof. Brodetz ky sprach über den jüdischen Rechtsanspruch auf Palästina. Das allgemein in der Welt gehörte Argument: „Wir wollen keine Juden", dürfe in Palästina nicht geduldet werden. Palästina. Nach der Oberrabbinerwahl in Jerusalem, Jerusalem, 11, Dez. 11 Ueber di© Wahl des bisherigen Oberrabbiners von Dublin> Dr. Herzog, zum Oberrabbiner der Waad Leumi- und Kenesses IsraeUGememden in Palästina sind Ihre Leser bereits genugsam orientiert. Zu et* innern dabei ist an die Entstehungsgeschichte des Kenesses Israel-Rabbinats, mit dessen Errichtung ■ dem Werke der Trennung von der Gemeinschaft der: Cha-

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