Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 50 (17.12.1936)
- Date
- 1936-12-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Nr. 50 Der Israelit 17. Dezember 1936 dessen Energie Beth. Jacob manche seiner wichtigsten Einrichtungen dankt, beschäftigt sich zurzeit mit diesem Plan, so daß die Hoffnung auf seine baldige Ausführung nicht gering ist. Ueber die einzelnen Beth Jacob-Schulen, deren Zahl ungefähr stabil geblieben ist — von den wichtigen Neugründungen war schon oben die Rede — kann der Berichterstatter aus eigenem Augenschein nichts aussagen. Wohl aber liegen ihm ausführliche Protokolle vor über Bezirkskonferenzen, die die Krakauer Seminarleitung an verschiedenen Orten Polens veranstaltete und die einen ausgezeichneten Einblick in die Arbeitsmethoden an den einzelnen Beth Jacob-Schulen gestattet. Der Geist, der die überragende Mehrzahl unserer Lehrerinnen beherrscht, die Verantwortung, die sie beseelt gegenüber der großen Idee und gegenüber jeder einzelnen Schülerin von Beth Jacob, ist großartig; die Lehrerinnen drängen nach ständiger Kontrolle durch die Zentrale, verlangen die alljährliche Abhaltung von Fortbildungskursen während der Schulferien, wünschen die Ueberprüfung ihres Wissensstandes durch von Zeit zu Zeit vor Organen der Zentrale abzulegende Examina; sie fassen ihr Amt als Lehrerin als einen an der Gesamtheit des jüdischen Volkes zu leistenden Dienst auf und arbeiten daher unermüdlich an ihrer Selbsterziehung! Größere Beth Jacob-Schulen konnten während der Berichtsperiode durch Beauftragte der Zentrale geprüft wenden. Es muß aber wiederholt mit allem Nachdruck darauf hingewiesen werden, daß die Einrichtung eines ständigen Schulinspektorats eine unserer wichtigsten Aufgaben ist. Nur durch ein solches Amt, mit der fähigsten Person besetzt, kann der ständige Konnex zwischen der Zentrale und den Schulen und zwischen den Schulen untereinander gesichert und das Beth Jacobwerk auf der erforderlichen Höhe gehalten werden. 4. Der Ausbau von Beth Jacob nach der; s o - z i a 1 p ä d a g o g i s c h e m Seite im Sinne der Anregungen, welche Bertha Pappen-heim uns noch kurz, vor ihrem Hinscheiden gab, ist in der Berichtsperiode grundsätzlich durch die Marienbader. Zentralratstagung bestätigt", worden. Die Geschäftsführung von Beth Jacob' wurde "bevollmächtigt, mit, den sachkundigen Instanzen des Jüdischen Frauenbundes in Fühlung zu treten; diese Fühlungnahme ist erfolgt und wird sich ihoffentlich in Bälde segensreich auswirken. Vermutlich wird Au hei Soro in Lodz als unsere zentrale Stätte handwerklicher Ausbildung zum Mittelpunkt unserer Bestrebungen auf diesem Gebietes! gemacht werden und daneben zunächst die Errichtung weiterer Handelsschulen, neben den unter unserem Einfluß bereits bestehenden, vorgenommen werden. Die Einrichtung einer solchen in Krakau bat Herr Oscher Spiro, der Erbauer unseres Krakauer Seminargebäudes, in die Hand genommen. Bei der großen Not, die in Polen (herrscht — naturgemäß hat dieser Bericht die Verhältnisse dort, wenn auch nicht ausschließlich so doch vorwiegend, im Auge — muß der Ausbau von Beth Jacob vor allem die Erschließung solcher Existenzmöglichkeiten anstreben, welche Lebensunterhalt gewähren, ohne die jüdische und weibliche Lebensform der Mädchen zu gefährdeil. Es mag in diesem Zusammenhang auf zwei Tatsachen hingewiesen werden, die für die Lage in Polen kennzeichnend, aber auch für das Maß der Hilfsbereitschaft charakteristisch sind: auf die Eröffnung einer Beth Jacob-Schule für Unbemittelte in Krakau — die Kosten der Schule werden vcn einem Frauenkomitee aufgebracht--, und auf den Beschluß des amerikanischen Beth Jacob-Komitees, besonders begabten Mädchen durch Gewährung von Stipendien den Seminarbesuch zu ermöglichen. Es versteht sich, daß dieser großherzige Beschluß nur besonders Begabten zugutekommen kann; er wird aber vielleicht in andern Ländern Nachahmung finden und so einem größeren Kreis begabter Mädchen die Möglichkeit gegeben sein, zunächst in das Seminar und später in den Dienst von Beth Jacob zu treten. Es ist schon früher darauf hingewiesen worden, daß das Beth Jacobwerk unter dem Mangel geeigneter L e h r b ü c h.e r stark leidet; auch die Bezirkskonferenzen haben sich mit diesem Notstand beschäftigt und seine schnellste Beseitigung gefordert. . Es ist daher besonders dankbar zu; begrü-, ßen, daß die deutschen Freunde durch ihre. Beiträge zur- Deutschländer-Schenirer-Stiftung es gemeinsam mit dem deutschen,; Keren Hathora, ermöglicht haben,, nunmehr den ersten Band der ' p ä d a g o g i s c h e n Schrift e h Leo D e u t s c h JJL n d e r s dem JDruck zu übergeben. NocÜ -wichtiger wäre es 'aber,- die Möglichkeit zu schaffen, den nachgelassenen; P s a Imenkommentar Deutschländers sofort nach Abschluß der letzten Sichtung dem Druck zu übergeben. Wer weiß, welche unvergleichliche Wirkung die Deutschländer sehen T'nach-' Vorlesungen hatten, der kann ermessen,, wie sehr durch die Herausgabe dieses Kommentars der Unterrichtsbetrieb in Beth Jacob gefördert werden würde. Der Mangel an geeigneten Lehrmitteln verpflichtet Beth Jacob aber doppelt zu dankbarer Anerkennung gegenüber dem Mann, der durch Schaffung des Beth Jacobverlages die Möglichkeit der Herausgabe des Wenigen, was wir an eigenen Lehrmitteln aufzuweisen 'haben, erst gegeben hat: L. G. Frydenzon-Lodz, dem auch um die Schaffung der die Schülerinnen der Beth Jacob-Schulen später auffangenden Bno sbewegung hochverdienten Mann. ..; 6. Wenn dieser Bericht feststellen darf, daß dank dem guten Zusammenwirken der verschiedenen an Beth Jacob Interessierten das Werk einigermaßen auf der Höhe gehalten werden konnte, so ist ein Fortschritt in der Bewegung kaum zu verzeichnen. Die Schuld hieran . trägt die jüdische Oeffentlichkeit. Sie hat sehr viel Bewunderung für die Arbeit Sara Schenirers und Leo Deutschländers aufgebracht, den Lebenden gehuldigt, die Toten beweint, beides ..gewiß, in vollster Aufrichtigkeit, dann aber die Sorge " um. den Bestand des Werkes — und 'das kaum für die weitere Oeffentlichkeit ja nur die wirtschaftliche Sorge bedeuten — Einzelnen überlassen,, die sie nicht bewältigen konnten. Gewiß, die Ausnahmen bestätigen die Regelf Und wenn ihnen hierdurch gedankt wird, .dann gilt dieser Dank in erster Reihe Rabbiner Dr, Jung, ohne dessen Mitarbeit Beth, Jacob die fi-, nanzielle Krise im Augustmonat ds. Js. einfach nicht überwunden hätte, gilt er den Herren. Wyler in Zürich und Schnurmann in Straßburg,, die ihre Freundschaft in. Leistung umsetzten, gilt. unsere Hoffnung unserem Londoner Frauenkomitee, das unter Führung der hingebungsvoll bewährten Darrten Ettinghausen und Sassoori^ gerade in diesen , Wochen wieder, verheißungsvoll an. .die Arbeit , ging! Aber . die - übrig,e jüdische Welt sie; muß, endlich aus dem Stadium der Versprechungen' in das der Leistungen treten, denn Beth Jacob ist ja nicht die Liebhaberei Einzelner, Beth Jacob ist fa das Anliegen und die Aufgabe, der. jü-, disohen/\Xfelt, soweit sie die Verantwortung für die Zukunft der jüdischen Tochter und Frau, zu tragen begreift! Und mit dem Verlangen, daß , alle Menschen mit Verantwortungsbewußtsein endlich sich zu tätiger Mitarbeit erheben, verbinden wir eine Ver® 3; '3 Hansa nna rtxi 5>k -pa« y'ptx S>pn *aa« -ia«»i nv ypvx bm ">nb „Er sprach: Ich bin der G'tt, der G'tt deines Vaters, fürchte dich ni c h t, nach Aegypten hinabzugehen; denn zu einem großen Volke werde ich dich dort machen". Ich bin der G'tt, der deinem Vater untersagt, nach Aegypten zu ziehen. Du aber, fürchte dich nicht; nach Aegypten hinabzugehen, v Kap, 47, V, 4. nsn» p» '3 u«3 p»a «v»6 njna Vim"i»»'>i y-isa yiys m w nns*. ij»m psi ajnn im 'a wvb ups uoft „Sie sagten ferner zu Pharao: Uns im Lande auf zu* halten sind wir gekommen, denn für die Schafe deiner Diener ist keine Weide mehr, denn der Hunger ist schwer im Lande Kanaan; und nun, lasse doch deine Diener im Lande Goschen wohnen." Die Rede der Brüder bedarf der Erklärung, denn auch Aegypten war ja von der Hungersnot betroffen. Die Brüder hofften aber dennoch bei der reichen Bewässerung des Landes durch Flüsse und Teiche dort Weideplätze zu finden. Eine Perle und ihre Fassung. Von A. Mannheimer in Dettelbach. (Fortsetzung.) Doch wenden wir uns einem andern Symbol zu: den Doppelbroten. Hier wird ein gewaltige« historisches Ereignis unserer Vergangenheit allen Tischgenossen ins Gedächtnis zurückgerufen. Vierzig Jahre hat der Allgütige Sein Volk in Steppe und Wüstenei erhalten durch •das Wunderbrot des, Manna, -da« für -alle vom Himmel regnete Tag für Tag — nur am ras? nicht. So wußte jedes Kind im fernsten Lager: Heute ist der g'ttliche Ruhetag, heute ist naw- Aber noch mehr! Am Freitag fiel ein doppeltes Quantum vom Himmel,. an!> nawa» damit es auch für Sabbat reiche. Eine Tau* schichte oben, eine unten, so lag es dort auf der Erde und süß wie Honigkuchen war sein Geschmack. Und nun hat man das alles symbolisiert als- Gruß für den Sabbatgast und Sabbatgeist. Eine Decke unten, ein Deckchen oben, so liegt das ru.Bö arb dort auf dem Tische, wie einst das Manna auf d«r Wüstehfläche. Auch dieses Doppelbrot ist himmlische Gabe, so ruft es uns zu. Dein Brot, o Jude, kommt stets und kam stets vom Himmel, wo und wann du auch lebtest. Und süß wie Manna schmeckte es, wenn es auf red* liehe Art auf unsern Tisch kam. Habe Vertrauen! G'tt vermag auch in Wüsteneien zu erhalten und kann am Freitag dir doppelt bescheren, was am Sabbat dir nicht wird. Doch noch ein weiteres Moment spielt hier herein, Die jüdische Frau fertigt die Doppelbrote am Freitag eigene an, um „nbn zu nehmen," jene kleine Hebe vom Teige abzusondern, die heiligen Charakter trägt und daher früher nur vom Priester in Reinheit verspeist werden durfte. Heutzutage wird rbn verbrannt. Und noch höher und schöner erscheint das Bild der Priesterin des jüdischen Hauses, die jene heilige Hebe absondert, wenn wir dabei einem Wort der Weisen lauschen, das den ganzen Akt besonders sinnig verklärt. Die erste Frau, von Adams* Rippe geschaffen, bildete die „Challo der Welt," eine heilige Hebe, von G'tt selbst genommen be2W; abgesondert. Schöner könnte wohl kaum die Wertschätzung . der jüdischen Frau im Verhältnis zu ihrem Gatten umschrieben werden als. in solchem Bilde. Kein Wunder, daß seit je sich Israels Frauen solcher. Wert« Schätzung bewußt gewesen und' das' „Challonehmeni" in ernster, würdiger Form ausführten; nicht kalt, und' gedankenlos! Meist begleitete eine mrm diesen heiligen Akt, der in einer kleinen Gabe für Arme seinen Abschluß und seine Krönung fand. Eigene kleine Kas- . sen, die sogenannten iChallobüchschen, gehörten zum heiligen Inventar jedes echt jüdischen Hauses. Fromme Hände leiteten den Inhalt den Armen des -Heiligen Landes , zu. Wer sieht das; alles den schlichten zwei Brpten an. wenn sie ruhig unter ihrem Peckchen: lagern?" Kunstgeübte Frauen und Mädchen setzten in 'frommem Eifer ihren Stolz darein, das Kidduschdeckchen mit . schönen entsprechenden Stickereien zu versehen. Heute noch sind derlei Schmuckstücke zu sehen und zu bewundern, trmsi nr, „in schöner Form möchte ich meinem G'tte dienen!" Und nun das. eigentliche Kidduschgebet über einen Becher Wein, den Kidduschbecher, der gleichfalls 'tn Reiche der jüdischen Kunst seine eigene Geschichte und ruhmvolle Vergangenheit hat. Oft bildet er ein teueres Familienerbstück, von Geschlecht zu Geschlecht seinem heiligen Gebrauch dienend. Er blinkt schon langst neben den Bercb.es im Lichterschem. Der Hausherr füllt ihn bis zum Rande; wir sind keine Abstinenzler. Wein 'dient dem Juden zur Hebung und feierlichen Ausstattung der verschiedensten religiösen Pflichten und Gelegenheiten. Bei Hochzeiten, Beschneidungen, bei Verrichtung des Tischgebets/ beim. Sederabend usw. So scharfe Worte der Talmud gegen Schlemmerei und Trunkenheit findet, er schüttet das Kind nicht mit dem Bade aus.;,Gedenke des Sabbattages", p>n '-w im:», gedenke seiner ' , beim Glase Wein, beim» Kidduschakt. So dankt der Hausherr laut und offen dem, der den Wein erschaffen. (Fortsetzung folgt.)