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Der Israelit · 1936-12-10 · Heft 49 (10.12.1936) · page 28

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 49 (10.12.1936)
Date
1936-12-10
Page
– (sequence 28)
Language
German
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Seite 12 Die sieben Himmel und die sieben noächidischen Gebote. 1. G'tt hatte zu den ersten Menschen gesagt: „Von allen Bäumen des Gartens dürft ihr essen, aber von den beiden Bäumen, die mitten im Garten stehen, dürft ihr nicht essen, sonst müßt Ihr sterben. Aber die Menschen aßen doch von der "Frücht, die zu essen ihnen" G'tt verboten hatte. Und sie mußten hinaus aus dem Paradies. Und Dornen und Disteln wuchsen auf dem Felde. G'tt aber verließ die Erde, aber er erhob sich hur bis zum ersten Himmel. Er fühlte Erbarmen mit den Menschen, die. Schlange hatte sie ja verführt. 2. Noch gab die Erde den Menschen ihren reichen.Segen, doch sie mußten sich diesen Segen im Schweiße ihres Angesichts erringen. Kajin ging hinaus auf den Acker, die Scholle jm stürzen, zu säen, zu pflanzen und zu ernten. Hebel ging mit seiner Herde auf die Trift, die Schafe gaben ihm Milch, Wolle und Fleisch. Und Kajin gab dem Hebel, und Hebel gab dem Kajin. Und beide waren glücklich und zufrieden. Nicht undankbar wollten sie sein. Darum brachten sie eines Tages G'tt ein Geschenk, Kajin brachte von der Frucht des Feldes, Hebel aber brachte eines seiner besten Schafe G'tt zum Opfer. Als Kajin sein Opfer verbrannte, kam ein Wind und zerstreute die aufsteigende Rauchsäule. Doch als Hebel das fette Schaf geschlachtet und verbrennen wollte, kam ein Feuer vom Himmel und verzehrte das Opfer, und die Rauchsäule stieg gerade zum Himmel empor. Dort oben verschwand sie. G'tt hatte das Geschenk Hebels angenommen, aber das Geschenk Kajins nicht. Das verdroß den Kajin. Und als die beiden Brüder mal ' wieder auf dem Felde waren, erschlug Kajin den Hebel. Ein Mord war geschehen, ein Brudermord. Das Blut des Ermordeten schrie aus der Erde zu G'tt empor. G'tt trauerte um den Manschen; er ging zurück in den zweiten Himmel. 3. Da Enosch lebte, vergaßen die Menschen G'ttes, und machten sich Götzen aus Holz und.- r Stein, warf en sich vor ihnen .nieder und beteten sie an. Und die. Väter und Mütter brachten ihre Kinder den Göttern zum Opfer hin und achteten nicht auf das Weinen und Bitten der unglücklichen kleinen Geschöpfe. G'tt schaute auf das götzendienerische Leben der Menschen, er ging zurück in den dritten Himmel. 4. Die Menschen 'hatten sich auf Erden sehr vermehrt, aber ihre Sünden waren so groß, daß IG'tt bereute, den Menschen geschaffen zu haben. Bis zum Tiere erniedrigten sich die Menschen, und der eine schämte sich nicht vor dem andern. G'tt ging zurück in den vierten Himmel. - 5. Und immer tiefer und immer tiefer sank das Menschengeschlecht. Der Räuber lag an der Straße und überfiel den müden Wanderer, und wenn dieser sich weTirte, erschlug ihn der Räuber, Die Blutrache kostete vielen Menschen das Leben. Der;Dieb schlich sich in die Häuser bei Tag und bei- Nacht, er stahl, um den Hunger zu stillen, arbeiten wollte er nicht. Da brachte G'tt eine große Wasserflut über die Erde. Menschen und Tiere ertranken in der großen Flut. Nur Noah blieb am Leben und alles, was bei ihm war in der Arche. G'tt aber wohnte fortan in dem fünften Himmel. " ■ 6. Die Sündflut war vorüber; doch die Menschen vergaßen bald, wie G'tt ihnen geholfen: Sie tranken den Wein, bis sie besinnungslos zu Boden fielen, und die Kinder verspotteten die Väter. Hinauf in den Himmel wollten sie und G'tt herunter holen. Darum bauten sie sich einen Turm, der bis in den Himmel reichen sollte. So schmähten und lästerten" sie G'tt in ihrem Hochmut und in ihrem Wahne. G'tt ging in den sechsten Himmel. 7. Amrafel überfiel mit seinen Scharen Städte und Dörfer, raubt:e und plünderte. Die Menschen schleppte er in die Gefangenschaft und verkaufte sie als Sklaven. In Sedom war die Bosheit und Schlechtigkeit der Einwohner so groß, daß G'tt beschloß, die Stadt zu zerstören. Denn* kam ein Fremder in die Stadt, dann verhöhnten und verspotteten sie ihn. Sie gaben ihm Gold und Silber, aber kein Stückchen Brot. Die Tore der Stadt verriegelten sie, und der Arme mußte verhungern. Nun holten sich die entmenschten Menschen ihr Gold und Silber wieder. Einstmals kam auch Elieser, der Knecht Abrahams, nach Sedom. Er wollte sich davon überzeugen, ob alles so, sei, wie ihm erzählt worden. Auf der Straße begegnete ihm ein Mann, der schritt auf ihn zu und gab ihm eine Ohrfeige, und dann verlanglfe er für diese Roheit eine Bezahlung. Elieser fragte voller Entrüstung, wie er dazu, komme, ihn zu mißhandeln und für diese Mißhandlung noch eine Bezahlung zu fordern. „Ja," sagte der rohe Geselle, „hier in Sedom ist es so, der Fremde wird geohrfeigt und muß diese Arbeit bezahlen," Elieser weigerte sich zu zahlen, und sie gingen beide vor den Richter. Der Richter -verurteilte Elieser zur Zahlung des geforderten Betrags. Im Urteil sagte er, jeder in Sedom habe das Recht und die Pflicht, den Fremden empfindlich zu mißhandeln, und für diese Arbeit könne er eine Bezahlung verlangen. Ohne sich lange zu besinnen, ging Elieser auf den Richter zu und gab ihm eine Ohrfeige und-sagte: „Den Lohn dafür zahle für mich hier an den Kläger." Dann entfernte sich Elieser. Er wurde ad der Straße nicht wieder belästigt. Wieder einmal ging Elieser nach Sedom. ,Ei hörte davon, ein Reicher gäbe heute* den Vornehmen in der Stadt ein großes Gastmahl. „Das

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